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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

TV-Tipps des Tages

07.11.2012 – Kopftuch, Muslime, Migranten, Islam, Türken, Malcolm X

TV-Tipps des Tages sind: Das Kopftuch; Wir Deutschen haben uns daran gewöhnt, das Kopftuch als Symbol der weiblichen Unterdrückung durch den Islam zu…; „Hurra, die Türken kommen!“ Als Gastarbeiter in Deutschland ; Deutschland – deine Türken; Malcolm X (Denzel Washington) wird nach seiner Haftentlassung zum Prediger der „Nation of Islam“

VONÜmit Küçük

DATUM7. November 2012

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Das Kopftuch
Schulfernsehen – Wir Deutschen haben uns daran gewöhnt, das Kopftuch als Symbol der weiblichen Unterdrückung durch den Islam zu verachten und vermuten hinter jeder kleinen Kopftuchträgerin bereits fundamentalistische Kräfte. Was aber sagen die Betroffenen selber dazu? Welche Rolle spielt das Kopftuch überhaupt im Leben und Denken der türkischen Mädchen und Frauen, die bei uns in Deutschland aufgewachsen sind? Bei dem Versuch dies zu ergründen, fördert der Film „zwischen Moschee und Volkstanzgruppe“ erstaunliche Aussagen zutage, die uns dabei helfen könnten, unsere Klischees zu überdenken.

In der Sendung berichten türkische Mädchen und Frauen, die in Deutschland leben, über ihre Einstellung zum „Kopftuchgebot“. Dabei kommen Mädchen zu Wort, die sich bewusst für das Kopftuch entschieden haben, sowie eine Familie mit drei Töchtern, die diese religiöse Tradition ablehnt.

Was will eigentlich das Kopftuchgebot? Es soll nach Ansicht der 16-jährigen Seynep, die sich bewusst für den Islam entschieden hat, muslimische Mädchen und Frauen vor zudringlichen Blicken schützen. Sie sollen vor der Ehe keusch sein und in der Ehe treu. Das Leben als Muslimin sieht Seynep als Vorteil für ihr nächstes Leben. Durch das Tragen des Kopftuchs fühlt sie sich als Persönlichkeit. Für das Kopftuch hat sich auch die Studentin Sümmeye entschieden. Es hat sie nach eigenem Bekunden vor „schlimmen Augen“ bewahrt.

Im krassen Gegensatz dazu tritt eine junge Türkin auf, die kein Kopftuch tragen will, sich gerne ausdrucksvoll schminkt und modern kleidet. Ein Einblick in ihre Familie zeigt, dass auch solche Mädchen durchaus behütet aufwachsen können und dass traditionelle Werte wie Ehe und Familie hochgehalten werden. 11:45-12:00 • BR-alpha

„Hurra, die Türken kommen!“
Dokumentation (Kultur – Zeitgeschichte von 1945-1989) – Kopf der Woche: Deutsch-Türke – Dokumentation von Johanna Kaack. Fast drei Millionen Türken leben zurzeit in Deutschland. Ihre Gefühle sind widersprüchlich, sie changieren zwischen dem Wunsch dazuzugehören und sich dennoch abzuschotten. Sie leben mitten unter uns und dennoch wissen wir viel zu wenig voneinander.

Im Winter 1961 rollten die ersten Züge mit türkischen Gastarbeitern von Istanbul aus nach Westdeutschland. Die Wirtschaft der noch jungen Bundesrepublik boomte, die Arbeitskräfte aus der Türkei waren gefragter denn je: junge Männer, die vor allem in der Schwerindustrie, auf dem Bau und in der Automobilbaubranche zum Einsatz kamen. Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen vom 30. Oktober 1961 hatte die Zuwanderung in großer Zahl erst möglich gemacht. Doch sollte der Aufenthalt ursprünglich auf zwei Jahre beschränkt bleiben. „Deutschland ist kein Einwanderungsland!“, lautete damals das Credo der Politik. Dennoch entschieden sich viele türkische Gastarbeiter, mit ihren Familien in der Bundesrepublik zu bleiben.

„ZDF-History“ zeigt, wie sich das Verhältnis von Deutschen und Türken in den letzten 50 Jahren entwickelt hat, was trennt und was verbindet. 20:15-21:00 • ZDFkultur

Deutschland – deine Türken
Dokumentation (Gesellschaft – gesellschaftliche Trends/Entwicklungen) – Kopf der Woche: Deutsch-Türke – Film von S. Engelmann, D. Kempf, S. Mündges, H.v.d.Helden.

Fast drei Millionen Türken leben zurzeit in Deutschland. Ihre Gefühle sind widersprüchlich, sie changieren zwischen dem Wunsch dazuzugehören und sich dennoch abzuschotten. Sie leben mitten unter uns und dennoch wissen wir viel zu wenig voneinander.

50 Jahre Türken in Deutschland – Der Kabarettist Fathi Cevikkollu führt durch die Dokumentation „Deutschland – deine Türken“ und zeigt, wie weit die Integration fortgeschritten ist. Wie hat sich die Rolle der Frau verändert? Welche beruflichen Chancen haben Türken? Vorgestellt wird außerdem das neue Modelabel „style islam“, welches mit T-Shirts wie „Jesus & Mohammed – brothers in faith“ ebenso für Integration kämpft. Die verschiedenen Geschichten zeigen, Deutschlands Türken halten zu Deutschland. 23:00-23:25 • ZDFkultur

Malcolm X
Malcolm X (Denzel Washington) wird nach seiner Haftentlassung zum Prediger der „Nation of Islam“. Dank seiner zuendenden Reden wird die Sekte zur Massenbewegung. Doch der Prediger wird einflussreichen Anhängern zu mächtig.

Spielfilm USA 1992 (Malcolm X) – Kinemathek. Zusammen mit seinem Freund Shorty durchstreift der junge Farbige Malcolm Little das Farbigen-Ghetto von Boston. Als Draufgänger mit großer Klappe imponiert Malcolm dem alteingesessenen Trickbetrüger West Indian Archie, der den vielversprechenden Jungen in das illegale Geschäft mit Lotterielosen einführt. Malcolm lernt rasch, doch er überschätzt sich. Als er und Shorty sich auf Einbrüche in Villen spezialisieren, werden sie gefasst und zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Hinter Gittern macht Malcolm die Bekanntschaft des farbigen Häftlings Baines, der ihn in die extremistische Lehre des selbst ernannten Moslem-Propheten Elijah Muhammad einführt. Die Begegnung mit dem Islam wirkt auf Malcolm wie eine religiöse Erweckung; Drogen, weiße Frauen und die Kultur der Weißen schlechthin sind fortan tabu. Aus der Haft entlassen, schließt der innerlich Geläuterte sich Elijahs „Nation of Islam“ an und steigt rasch zum wortgewaltigsten Prediger der Sekte auf. Durch seinen glühenden Fanatismus und seine permanente Medienpräsenz wird Malcolm, der seinen „Sklavennamen“ Little durch ein „X“ ersetzt, bald populärer als Elijah selbst und somit zu einer Gefahr für den machtbewussten Guru. Als Malcolm einmal über das Ziel hinausschießt und den Mord an John F. Kennedy verhöhnt, nimmt Elijah die Gelegenheit wahr und erteilt seinem eifrigsten Schüler Redeverbot. 23:15-02:30 • HR

Der Freiheit
Kurzfilm, Österreich 2001 (Kurzfilm – Alltags-/Familienfilm – Spielfilm) – Fast drei Millionen Türken leben zurzeit in Deutschland. Ihre Gefühle sind widersprüchlich, sie changieren zwischen dem Wunsch dazuzugehören und sich dennoch abzuschotten. Sie leben mitten unter uns und dennoch wissen wir viel zu wenig voneinander.

Eine junge Türkin in Wien trägt wie ihre Mutter in der Öffentlichkeit ein Kopftuch. Die befremdeten Blicke und manchmal dummen Bemerkungen von Passanten können die junge Frau nicht aus dem Gleichgewicht bringen, denn sie fühlt sich von ihrer Familie geliebt und von ihren Klassenkameraden akzeptiert. Doch als sich eine zarte Romanze mit einem nichttürkischen Jungen aus ihrer Klasse anbahnt, überlegt sie, ob sie ihr Kopftuch ablegen soll. Ihr Freund macht ihr klar, dass er sie so akzeptiert, wie sie ist: mit und ohne Kopftuch.

Die österreichische Regisseurin und Drehbuchautorin Nina Kusturica beschäftigt sich in ihrem Kurzfilm, der an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien entstand, differenziert und sensibel mit dem Thema Multikulturalismus. Nina Kusturica, deren Dokumentarfilm „Liebe Ljiljana“ auf mehreren Filmfestivals und in 3sat gezeigt wurde, gelang eine ebenso wahrhaftige wie poetische Darstellung der Selbstfindung eines jungen Mädchens. 23:25-23:40 • ZDFkultur

Kutlug Ataman Geschichte(n) konstruieren
Magazin (Kultur – Film, Kino, Video) – Neben Nuri Bilge Ceylan ist Kutlug Ataman der international bekannteste Filmemacher und Künstler der Türkei. Der 1961 in Istanbul geborene Ataman studierte Film an der University of California, Los Angeles. Sein erster Spielfilm „The Serpent’s Tail“ (1994), eine düstere Mordgeschichte vor dem Hintergrund verfallender Istanbuler Stadtviertel, wurde bereits auf den Filmfestivals von Ankara und Istanbul ausgezeichnet. „Lola und Bilidikid“ (1998) eröffnete die Panorama-Sektion der Berlinale. Die Geschichte aus dem türkischen Schwulenmilieu Berlins zeigte Atamans Interesse an marginalisierten Gruppen und vor allem daran, wie Individuen versuchen, ihre Identität selbst zu bestimmen. Mit „Zwei Mädchen aus Istanbul“ (2005) lieferte er ein bildstarkes Coming-of-Age-Porträt zweier ungleicher junger Frauen aus der türkischen Mittelschicht. In „Journey to the Moon“ versuchen vier Dorfbewohner, zum Mond zu reisen. Die Ereignisse aus dem Jahr 1957 werden mithilfe von Schwarz-Weiß-Fotos erzählt und von einer Reihe türkischer Intellektueller kommentiert. Seit 1997 arbeitet Ataman auch erfolgreich als Künstler. Seine Videoinstallationen waren unter anderem auf der documenta in Kassel, auf der Biennale in Venedig und in der Tate Britain in London zu sehen. Atamans Installation „Küba“ (2004) porträtiert 40 Bewohner der Siedlung Küba in Istanbul, die in den 1960er Jahren von Menschen gegründet wurden, die in der türkischen Gesellschaft aus verschiedensten Gründen nicht willkommen waren. Als Kontrast zeigt „Paradise“ (2007) 24 Porträts von Menschen aus dem Orange County bei Los Angeles. 23:45-00:30 • 3sat

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Ein Kommentar
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  1. Volker hört die Signale sagt:

    Ist es nicht verzerrend, zum Kopftuch ausdrücklich nur türkische und türkischstämmige Mädchen und Frauen zu befragen?

    Ganz jenseits der teils offensichtlich politisch motivierten „Unterdrückungs-Debatte“ gehe ich doch mal davon aus, dass das Kopftuch im türkischen Kontext eher links-deviant besetzt ist, während es im arabischen Kontext eher rechts-konformistisch besetzt ist? Worauf ich hinaus will, ist, dass man, verallgemeinernd, sich in der säkularen Türkei dafür rechtfertigen muss, es zu tragen, in Arabien dafür es nicht zu tun. Wenn man dann, mit türkischem Background, noch in Deutschland lebt, wird das Kopftuchtragen nicht fast zur offenen Rebellion, anders als vielleicht in arabischen Familien?
    Ich wäre da für eine substanzielle und fundierte Antwort dankbar – die Kompetenz müsste hier ja aufzutreiben sein.



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