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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Brückenbauer

Was zu einer Willkommenskultur dazugehören sollte: Normalität

Seit längerem bedroht der Fachkräftemangel den deutschen Arbeitsmarkt und die deutsche Wirtschaft. Zu wenige Hochqualifizierte kämen nach Deutschland, stellte erst vor kurzem die „Hochrangige Konsensgruppe Fachkräftebedarf und Zuwanderung“ fest. Doch wie müsste eine Willkommenskultur aussehen, damit es mehr Zuwanderung gibt?

VONArzu Değirmenci

 Was zu einer Willkommenskultur dazugehören sollte: Normalität
Die Autorin ist 29 Jahre alt und hat in Hamburg und Manchester Politik-und Islamwissenschaft studiert. Sie arbeitet in Hamburg in einer Migratenselbstorganisation als Projektmitarbeiterin und schreibt für das Forum der Brückenbauer, ein multiethnisches und multikonfessionelles Netzwerk von Führungskräften aus Migrantenverbänden, die sich in vielen Kommunen, auf Länder- und Bundesebene für Integration engagieren. Hervorgegangen ist das Forum aus dem Teilnehmerkreis des Leadership-Programms der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen. Das Forum versteht sich als visionärer, multiperspektivischer Impulsgeber zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der allen Menschen klar ist: „Es geht um die eine Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!“

DATUM11. Oktober 2012

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RESSORTAktuell, Meinung

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Viele deutsche Städte werben heute offen mit ihren Integrationskonzepten um neue Zuwanderer. Als Paradebeispiel kann man das Stuttgarter Integrationskonzept nehmen, das durch verschiedene Kampagnen das Zugehörigkeitsgefühl ihrer Einwohner mit Migrationshintergrund stärkt und für weitere Zuwanderung wirbt.

Die Philosophie der Stadt beruht auf drei „T“s: Technologie, Talente und Toleranz. Diese Ts gehen auf den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida zurück, der die These vertritt, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Städten und Regionen stark von der kreativen Klasse abhängt. Somit haben diejenigen Städte, die die kreative Klasse an den Standort binden, einen Vorsprung im Konkurrenzkampf um „die besten Köpfe“. Wenn man diesen Stuttgarter Ansatz auf die BRD überträgt, so müsste man sich ein Deutschland vorstellen, das alle strukturellen Hindernisse bei der Einreise von Zuwanderern beseitigt und offen für eine neue „creative class“ wirbt.

Neben den Hochqualifizierten müsste es aber auch eine Willkommenskultur für alle Zuwanderer geben, d.h. unabhängig von ihrem Erwerbsstatus. Dies betrifft z.B. auch den ohne Papiere angereisten iranischen Ingenieur, der nach der aktuellen Gesetzesgrundlage als Flüchtling weder arbeiten, noch längerfristig sich in Deutschland aufhalten darf. Wenn Deutschland aber im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe mithalten will, muss es in Zukunft nach den Qualifikationen seiner Zuwanderer, die Möglichkeit zur Weiterbildung und Berufstätigkeit geben.

Was dem Land jedoch bis jetzt fehlt, ist eine „Willkommens- und Anerkennungskultur“ nach innen. Eine Kultur der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Migranten und Migrantenkindern, die schon seit mehreren Jahren in Deutschland leben oder in Deutschland geboren sind. Ein erster wichtiger Schritt ist hierbei, die in Deutschland geborene Kinder von Einwanderern als Deutsche zu akzeptieren. Das heißt, dass das jus soli konsequent umgesetzt wird und die Optionsregelung wegfällt. Es muss möglich sein, eine doppelte und mehrfache Staatsbürgerschaft zu besitzen, wie sie in anderen Ländern zur Normalität gehört.

Ein weiterer Punkt ist, Kindern von Migrantenfamilien, die mittlerweile hochqualifizierte Absolventen sind, zu signalisieren, dass sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebraucht und gesucht werden. Ein ausländisch klingender Name darf kein Einstellungshindernis sein. Im Gegenteil, es muss zur Normalität gehören. Deutschland muss alle seine Talente und Potentiale nutzen, damit es auch in Zukunft seine Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis stellen und den neuen Herausforderungen (z.B. demografischer Wandel) standhalten kann.

Dabei ist die Philosophie der 3 Ts, Technologie, Talente und Toleranz, der Schlüssel für eine florierende Wirtschaft, für den sozialen Frieden und für eine wohlstandsorientierte Gesellschaft.

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12 Kommentare
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  1. Klaus Wussow der Zweite sagt:

    „Ein erster wichtiger Schritt ist hierbei, die in Deutschland geborene Kinder von Einwanderern als Deutsche zu akzeptieren.“

    Aber genau da liegt doch das Problem. Viele der türkisch-und arabischstämmigen Jugendlichen und Kinder sehen sich doch auch in der 4. Generation nicht als Deutsche. Wie sollen wir, die Deutschen, diese dann als Deutsche anerkennen? Das ist doch ein ewiger Teufelskreis.

    „Es muss möglich sein, eine doppelte und mehrfache Staatsbürgerschaft zu besitzen, wie sie in anderen Ländern zur Normalität gehört.“

    Das verstehe ich jetzt nicht. Wie soll man jemanden, der mehrere Staatsangehörigkeiten hat, vollends als Deutschen sehen? Das ist doch ein Widerspruch. Entweder, ich bin Deutscher mit allen Konsequenzen, oder ich hänge irgendwo zwischen zwei oder mehreren Kulturen. So wie das viele türkischstämmige Migranten zur Zeit handhaben. Auf der einen Seite sich nicht vom Mutterland lösen wollen und können, auf der anderen Seite auch kein vollständiges Mitglied der neuen Heimat werden wollen bzw. sein können.

    „Ein ausländisch klingender Name darf kein Einstellungshindernis sein.“
    Das unterschreibe ich sofort

  2. Blitza sagt:

    „Entweder, ich bin Deutscher mit allen Konsequenzen, oder ich hänge irgendwo zwischen zwei oder mehreren Kulturen.“

    Klingt für mich wie G. Bush Jr, als er sagte: „Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns“. Übrigens kannten die Sith in Star Wars auch nur entweder oder, etwas dazwischen gabs nicht. Darauf Obi-Wan: „Nur ein Sith kennt nichts als Extreme“
    http://www.jedipedia.de/wiki/Episode_III_%E2%80%93_Die_Rache_der_Sith#Politische_Anspielungen

    Ist zwar nur ein Film, ist aber m.E. dennoch übertragbar auf Einstellungen wie die von Herrn „Wussow“.

  3. MiTho sagt:

    „Viele der türkisch-und arabischstämmigen Jugendlichen und Kinder sehen sich doch auch in der 4. Generation nicht als Deutsche.“

    Wie denn auch.
    Deutschland diskutiert seit vielen Jahren mit gering variierender Intensität, weshalb Türken nicht in dieses Land passen. Es werden Bücher veröffentlicht, die Türken bzw. Arabern ein „Dummheitsgen“ attestieren, ihre (muslimische) Kultur wird rückständig, aggressiv und häufig genug gar als dumm bezeichnet, ihre Art zu sprechen, sich zu kleiden wird kritisiert, oft bespottet, manchmal zornig abgelehnt.

    Mir jedenfalls ginge es so, wenn ich mir beispielsweise nur vorstelle, ich träte einen Posten im Ausland an. Ich stelle mir vor, ich würde mich für lange Zeit in diesem Land einrichten und ginge auf die Straße, um neue Bekannte, Freunde zu suchen. Und dann gäbe man mir zu verstehen, dass man nicht MEINE, aber die Kultur meiner Heimat für geradezu widerlich hielte. Ich würde gescholten, weil ich etwa bei heißem Wetter nur knielange Hosen trüge, meine Frau hätte jeden Tag Ärger, weil sie kein Kopftuch trüge und ich müsse mich ständig fragen lassen, ob ich mich nicht endlich, endlich rückhaltlos zu diesem Land bekennen wolle. Ich würde geschnitten, wenn wieder einmal Nachrichten einer „verfehlten“ Rakete kämen, die wieder einmal Unschuldigen das Leben gekostet hätte. Man würde mich ärgerlich auffordern, ich möge mich deutlich und laut gegen US-amerikanische Kriegsverbrechen stellen und ich solle permanent versichern, dass ich niemandem aus meiner neuen Nachbarschaft etwas wolle.
    Ich müsste länger als Einheimische in Schlangen warten, man würde mich trotz neuer und wirklich guter Sprachkompetenz ständig anäffen, meine Kinder wären für ihre Schulkameraden nur „scheiß Deutsche“ und deren Eltern würden den Umgang mit meinen Kindern verbieten.

    Viele, wenn nicht gar die meisten Bürger Deutschlands haben nach wie vor große Probleme mit anderen Lebensrezepten und nehmen für sich (woher eigentlich bloß?) in Anspruch, kulturell die absolute Deutungshoheit zu besitzen. Deshalb habe ich sehr häufig gehört und teilweise selbst gesehen, wie eigentlich sehr wohlmeinende Deutsche Muslime geradezu bedrängt haben, sie mögen doch endlich mal die Segnung von Schweinefleisch und eines guten, deutschen Bieres kennenlernen. Ich habe von einem Fall gehört, da schenkte ein deutscher Nachbar einem türkischen Muslimen gleich mehrfach im Jahr immer eine Flasche Wein – er hatte das nicht böse gemeint.

    Sensibel reagieren Europäer sehr häufig, wenn ihr Land im Ausland heftiger Kritik ausgesetzt wird und sie sehen überhaupt gar keine Parallelen, wenn sie woanders ganz ähnlich herablassend und hochnäsig behandelt werden wie sie es selbst in ihrer eigenen Nachbarschaft zuhause tun.
    Ein Kopftuch in Deutschland ist etwas, was gar nicht geht. Mit knielangen Hosen und knappem Top aber im Urlaub in eine Moschee zu gehen, scheint für viele vollkommen in Ordnung. Häufig habe ich dazu schon das sehr ärgerliche „Argument“ von Deutschen gehört: „Ja und? Wir tragen soviel Geld hier ins Land, da dürfen doch eure engstirnigen Vorschriften für uns nicht gelten. Doch höchstens für euch selbst. Wir, wir haben uns mit dem Reisepreis jede Freiheit gekauft.“

    Diese Gesellschaft muss m.E. nur den Spieß einfach umdrehen, alle Migranten herzlich willkommen heißen und ihre Art zu leben als gleichrangig mit ihrer eigenen betrachten – dann hat diese Gesellschaft natürlich auch das Recht, nicht nur Integration, sondern auch Identifikation zu erwarten.
    Vorher wohl kaum.
    Ich kann jemandem, dem ich ständig vorhalte niedriger, dümmer, ärmer, rückständiger, aggressiver zu sein als ich selbst und es wäre wohl besser, derjenige verschwände dorthin, woher er gekommen war, nur schwer abverlangen, dass er das alles genauso sieht.

  4. Klaus Wussow der Zweite sagt:

    @Blitza

    Also ich kenne keinen Angehörigen einer Nation, der einen anderen vollends seiner Nationaltiät zuordnet, der im Grunde behauptet, er gehöre „eigentlich“ einer anderen Nation an (es sei denn, es ist ein Verrückter).

    Beispiel:
    Hans wächst in Spanien auf. Peter auch. Hansens Eltern reden Hänschen immer ein, dass er Deutscher ist, und es irgendwann auch wieder nach Deutschland zurückgeht. In Deutschland ist ja alles sowieso viel besser. Peters Eltern hingegen gehen in der neuen Heimat auf. Peterchen lernt und spricht vielleicht noch deutsch, aber es ist klar, dass er Spanier ist und dass sie hierbleiben werden.
    Ein Spanier wird maximal Peterchen als Spanier anerkennen, Hans mit Sicherheit nicht. Dieses Beispiel abgewandelt auf Türken und Deutsche kann ich auch in meinem Freundeskreis beobachten.

    Das muss aber nichts schlechtes sein. Es muss also nicht schlechtes sein, jemand nicht „vollends“ als Deutschen zu sehen, sondern jemanden mit zwei Kulturen. Nur darf sich eben derjenige nicht aufregen darüber und sich beschweren, dass er nicht als Deutscher wahrgenommen wird. Tanze ich auf zwei Hochzeiten, kann ich nicht auf beiden alles mitbekommen. Daher also ist ihr Vergleich leider ungenügend.

  5. Klaus Wussow der Zweite sagt:

    Diese Gesellschaft muss m.E. nur den Spieß einfach umdrehen, alle „Migranten herzlich willkommen heißen und ihre Art zu leben als gleichrangig mit ihrer eigenen betrachten – “

    „Viele, wenn nicht gar die meisten Bürger Deutschlands haben nach wie vor große Probleme mit anderen Lebensrezepten und nehmen für sich (woher eigentlich bloß?) in Anspruch, kulturell die absolute Deutungshoheit zu besitzen“

    gute Idee!
    machen aber die Türken mit unserer Kultur auch nicht, verstehen Sie? Die betrachten unsere Kultur mit Bier und Schweinefleisch und ohne Gott ebenfalls als minderwertig. Das ist eben das Dilemma. Beide Seiten (!) beharren darauf, dass ihre Kultur die bessere, überlegendere sei.

    „Mir jedenfalls ginge es so, wenn ich mir beispielsweise nur vorstelle, ich träte einen Posten im Ausland an.“

    Hört sich nicht danach an, dass Sie dort bleiben möchten. Folglich triefe der Rest für Sie nicht zu. Oder würden Sie in einem Land bleiben wollen, dessen Wertekodex so unterschliedlich von dem Ihren ist? Sprich, wenn ich Islam und Kopftuch ablehne, werde ich meinen dauerhaften Lebensmittelpunkt nicht in den Iran verlegen. Und glauben Sie mir, Ihre deutsche Frau WÜRDE dort (im Iran) ein Kopftuch tragen (müssen).

    „Man würde mich ärgerlich auffordern, ich möge mich deutlich und laut gegen US-amerikanische Kriegsverbrechen stellen und ich solle permanent versichern, dass ich niemandem aus meiner neuen Nachbarschaft etwas wolle.“

    na ja, wir Deutschen müssen uns jetzt ja auch alle fast persönlich von der NSU lossagen.

    Ansonsten ist ihr Kommentar etwas überzogen, lieber MiTho, aber er enthält auch einiges an Wahrheit.

  6. Einspruch sagt:

    @Mitho

    Ich würde gescholten, weil ich etwa bei heißem Wetter nur knielange Hosen trüge, meine Frau hätte jeden Tag Ärger, weil sie kein Kopftuch trüge und ich müsse mich ständig fragen lassen, ob ich mich nicht endlich, endlich rückhaltlos zu diesem Land bekennen wolle.

    Auwauwauwauwau!!! Also wenn Sie das erleben möchten nur zu. Es gibt im Nahen Osten, Afghanistan, Pakistan usw. usw. genug Möglichkeiten die Probe aufs Exempel zu machen.

  7. Blitza sagt:

    Unglaublichg aber wahr, es soll ja tatsächlich Menschen geben, die mit mehreren Kulturen aufgewachsen sind und sich aus den verschiedenen Kulturen die Rosinen raus picken. Demzufolge haben solche Menschen ein sehr viel breit gefächertes Spektrum, welches diese als eine grosse Bereicherung empfinden. Leider sind Monokultur-Personen häufig nicht in der Lage, diese Bereicherungen nachzuvollziehen oder ebenso als Bereicherung zu empfinden. Darüber hinaus ist es weltweit ein völlig legitimes und normales Prinzip, dass Auswanderer konservativer an ihren heimatlichen Gebräuchen festhalten. Davon können sich Deutsche in den USA oder Thailand, Mallorca usw auch nicht von frei sprechen, siehe Deutsche in Spanien, die kein einziges Wort spanisch sprechend auswandern und sich dann wundern.

    Was Sie fordern, Herr „Wussow“, ist Assimilation und nicht Integration. Sie fordern völlige Selbstaufgabe der eigenen Überzeugungen und Prinzipien, als ob alles an der deutschen Kultur das Nonplusultra auf der Welt wäre. Selbst wenn die Muslime Ihren Vorstellungen nach kämen, würde man diese dennoch nicht als Ihresgleichen anerkennen, das weiss jeder Türke, Araber, Marokkaner usw sehr genau, weil es Ihnen tagtäglich vor Augen geführt wird. Diese sehen schon anders aus, das reicht dem Deutschen.

    Als in den Neunzigern noch kein Wort über Integration fiel und die sog. „Gastarbeiter“ bereits in der 2.&3. Generation Deutschland mit aufgebaut und zu seinem Wohlstand verholfen hatten, ging es nach der Wende mit dem offenen Rassismus in D los, siehe Hoyerswerda, Mölln, Solingen usw. Wo waren die politischen Zeichen, dass die abgefackelten und unschuldigen Zivilisten als Teil des deutschen Volkes angesehen wurden? Stattdessen wurde erzählt, D müsse seine Goldreserven verkaufen, in Anspielung, dass zu viele Asylanten hier wären, um im Anschluss die Gesetze zu verschärfen. Offener Rassismus in deutschen Landtagen ist keine Seltenheit, siehe
    http://www.publikative.org/2011/12/09/ganz-ohne-npd-offener-rassismus-im-landtag-von-niedersachsen/

    Obwohl die Türkei seit dem Anwerbeabkommen mit Deutschland festgelegt hat, dass die Gesetze gegen Türken nicht verschlechtert werden dürfen, hat sich die Bundesregierung natürlich darüber hinweg gesetzt und dafür gesorgt, dass die Einreisebedingungen für nachkommende Familienangehörige so weit erschwert werden, dass sehr viele an diesen Hürden bereits scheitern.

    Also bitte, Herr „Wussow“, sehen Sie Ihre Ansichten nicht nur als das einzig wahre. Die deutsche Regierung setzt permanent Zeichen, dass Türken usw einfach nicht willkommen sind, egal was sie tun, siehe Plakataktion des Innenministeriums, wo mal wieder gegen diese Gruppe gehetzt werden soll. Anders lässt es sich nicht erklären, die unschuldigen 99,9% mit den 0,1% gewaltbereiten unter einen Kamm zu scheren. Laut Innenmisterium gibt es ca 3.000-5000 Salafisten, unter denen auch „nur“ einige gewaltbereit sind. Selbst wenn alle diese gewaltbereit wären, macht das von 4Mio Muslimen in D einen Anteil von 0,1% aus, wofür die übrigen 99,9% ebenfalls mit herhalten sollen.

  8. Klaus Wussow der Zweite sagt:

    „Demzufolge haben solche Menschen ein sehr viel breit gefächertes Spektrum, welches diese als eine grosse Bereicherung empfinden.“

    Spektrum von was? Persönlichkeit? Das glauben Sie doch selber nicht… gerade kulturelle und wissenschaftliche Hochleitstungen in der Geschichte der Menschheit sind von Menschen geschaffen worden, die Sie so herablassend als „Monokultur“-Menschen. Das heisst ja nicht, dass man sich von anderen Kulturen insprieren lassen kann. Aber ob man diese andere Kultur in Form von Menschen auch in die eigene Kultur integrieren muss, ist doch eine ganz andere Frage. Mir zumindest wurde die türkische Kultur jjenseits von Dönderstand und Imbiss bisher noch nicht vermittelt. Sehen Sie es mal anders: in zwei Kulturen aufzuwachsen heisst, von jeder Kultur nur etwas zu verstehen.

    „Was Sie fordern, Herr “Wussow”, ist Assimilation und nicht Integration. Sie fordern völlige Selbstaufgabe der eigenen Überzeugungen und Prinzipien, als ob alles an der deutschen Kultur das Nonplusultra auf der Welt wäre. “
    Was heisst völlige Selbstaufgabe? Ich würde mir wünschen, dass die hier lebenden Türken sagen, „Ich bin Deutscher“, und dann würde man sie auch als Deutschen sehen. Aber die Türken sagen: „ich bin Türke“. Herrschaftszeiten, was denn nun? Wie viele Generationen noch wollen Sie hier der Ausländer bleiben, frage ich mich?

    „Die deutsche Regierung setzt permanent Zeichen, dass Türken usw einfach nicht willkommen sind, egal was sie tun, siehe Plakataktion des Innenministeriums, wo mal wieder gegen diese Gruppe gehetzt werden soll.“
    Die Plakataktion war gegen radikale Muslime, nicht gegen Türken. Aber ich sehe schon, Türkei und Islam ist untrennbar miteinander vereint. Beleidigt man den Islam, beileidigt man die Türkei. Und da liegt auch das Problem. Mit den anderen Gastarbeitern gab es ja auch keine Probleme, zumindest nicht in diesem Maße.

  9. Wilhelm sagt:

    Meine Güte, hier tuen sich ja Missstände auf, die ich garnicht mitkriege. Die deutsche Regierung setzt permanent Zeichen, dass Türken usw. nicht willkomen seien? Was sind denn bitte „Türken usw.“? In meiner Nachbarschaft wird eine Straße nach einem dort ermordeten Türken benannt. Nichts für ungut, aber hier wurden auch schonmal Deutschen ermordert. Natürlich aus weniger politisch-heiklen Motiven, aber für Familie und Freune derselbe Schmerz. Nicht vor langer Zeit feierte die deutsche Regierung das Jubiläum des Gastarbeiterabkommens, es gibt Werbungen der Bundeswehr mit arabischstämmigen Rekurten, „Mein Hafen, meine Heimat“-Plakatwerbungen, die Kanzlerin mahnt die Deutschen zu mehr Toleranz, ständig wird von einer Bereicherung gesprochen etc. Also ich kann beim besten Willen nicht sehen, dass falsche Signale von „der Politik“ ausgehen. Bis von dieser einen Wahlkampfrede Merkels, in der sie sagte, Multikulti sei gescheitert. Das ist natürlich an Schwachsinn nicht zu überbieten. Und sie haben schon eine merkwürdige Auffassung von Kultur, Blitza. Was ist denn eine Monokultur? Es gibt doch etliche deutsche Kulturen und Kulturerscheinungen, vom Plattdeutschen, bis zur schwabischen Tracht, preußischen Werten, der Literatur der Weimarer Klassik, die Philosophie des Idealismus etc. Eine doppelte Staatsbürgerschaft bedeutet doch beim besten Willen nicht ein mehr an Kultur!? Für viele Leute, die sich mit der Gefühlswelt von oft selbsternannten Migranten beschäftigen ist es scheinbar dann aber schon ein großer kultureller Unterschied ob man sich Sucuk oder eine Frankfurter ins Gesicht schiebt. Leider benutzen diese Leute das Wort Kultur als Deckmantel für andere Ziele. Oft ist es Euphemismus für ethnische Zugehörigkeit. Das finde ich ein wenig verdorben.

  10. Cengiz K sagt:

    …Für viele Leute, die sich mit der Gefühlswelt von oft selbsternannten Migranten beschäftigen ist es scheinbar dann aber schon ein großer kultureller Unterschied ob man sich Sucuk oder eine Frankfurter ins Gesicht schiebt….
    Futterneid?

    …Sehen Sie es mal anders: in zwei Kulturen aufzuwachsen heisst, von jeder Kultur nur etwas zu verstehen…
    das ist zu klein gedacht.. Für Roboter mag das zu treffen, aber wir reden doch hier von menschlichen Wesen, oder? Hier zu Lande gibt es Potentiale, die wegen der german angst, einfach nur verkümmern..

    Essen ist übrigens ein Stück extrem wichtigen Kulturgutes.. Monsanto und holländische Gewächshäuser verursachen nur Mangelerscheinungen.. Was wäre wohl passiert, wenn damals durch gesetzt worden wäre, Nahrungsmittel mit GMO-Labels zu etikettieren?
    Sehen wir den Tatsachen ins Auge: die Deutsche Küche ist auch sonst eine reine Mangelerscheinung.. Da ist Bayern auch keine Ausnahme.. Man wird ja mal die Wahrheit sagen dürfen..


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