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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

TV-Tipps des Tages

16.09.2012 – Islam, Juden, Neonazi, Integration, Türkei, Rassismus, Antisemitismus

TV-Tipps des Tages sind: Morgenland und Abendland: Das Goldene Zeitalter des Islam; Cosmo TV: Wenn die Neonazis klingeln – was geschah in Betzdorf? Großes Unbehagen – wie wohl fühlen sich Juden in Deutschland? Aufbruch in die Normalität: Die jüdische Familie Schuster – Familiengeschichten; Papa statt Pascha; ‚Deukisch‘ für Anfänger: 50 Jahre Türken in Berlin, Türken in Deutschland

VONÜmit Küçük

DATUM16. September 2012

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Morgenland und Abendland
Monotheismus, Grundlagen der Wissenschaft, Bürgerrechte, Justiz, Handelsmärkte und verschiedene Kunstformen – der Mittlere Osten ist die Wiege grundlegender Ideen, die das moderne Weltbild bis heute prägen. Die Dokumentationsreihe erzählt nicht die Geschichte einer Nation oder eines Volkes, sondern die des gemeinsamen Erbes aller Europäer. Die Reise von der Antike bis ins 20. Jahrhundert entdeckt eine faszinierende Grenzregion zwischen Europa, Asien und Afrika auf neue Weise und schildert sieben historische Ereignisse aus der Perspektive des Mittleren Ostens.

Die vierte Folge der Reihe beschreibt den Einfluss arabischer Wissenschaftler auf europäische Gelehrte wie Galileo Galilei, die in der Renaissance die Basis für die moderne Welt von heute legten.

Die islamische Welt erlebte ihr Goldenes Zeitalter der Erfindung und Bildung bereits zu einem Zeitpunkt als in einem Großteil Europas die Menschen noch in dunkler Unwissenheit lebten. Die muslimischen Gelehrten begründeten bereits im 8. Jahrhundert – ausgehend von Bagdad – die moderne Wissenschaft, indem sie erstmals die Ideen der Alten Griechen und Römer mit Mathematik und Astronomie – dem Erbe der Perser und Inder – verbanden. 10:45-11:43 • arte

Aufbruch in die Normalität
„Ich möchte zuerst als Person und nicht als Jude wahrgenommen werden. Und ich möchte auch nicht immer auf Israel angesprochen werden, denn ich bin Deutscher, genauer gesagt Unterfranke, und kein Israeli“, sagt Josef Schuster. Die Schusters sind Unterfranken mit Leib und Seele. Seit über 400 Jahren ist die Familie in der Region verwurzelt. Allerdings mit einer Unterbrechung: In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts mussten sie ihre Heimat verlassen. Nach massiven Diskriminierungen, Gefängnis- und KZ-Aufenthalten gelang es den Schusters nach Palästina auszuwandern. Josef Schuster kam 1954 in Haifa zur Welt.

Als er zwei Jahre alt war, kehrte die Familie ins Nachkriegsdeutschland zurück. Zurück nach Würzburg – in die Heimat.

Sein Vater David Schuster hat sich nach seiner Rückkehr nach Würzburg stark für die Versöhnung mit den einstigen Verfolgern eingesetzt. Er baute die jüdische Gemeinde wieder auf und setzte den Bau einer Synagoge durch. Sein Ziel war es immer, die jüdische Gemeinde wieder zu einem ganz normalen, voll integrierten Teil der Stadtgesellschaft zu machen. 15:00-15:45 • BR

Cosmo TV
Großes Unbehagen – wie wohl fühlen sich Juden in Deutschland?
DÜSSELDORF. In den letzten Wochen häufen sich antisemitische Übergriffe und damit steigt auch das Unbehagen in der jüdischen Gesellschaft. Die Statistiken belegen die Zunahme von antijüdischer Gewalt. Sie wird meist von Rechten ausgeübt, aber auch von Muslimen. 90 Straftaten gab es im letzten Halbjahr bundesweit, 84 wurden von Neonazis begannen, vier durch Migranten verübt. Seit dem Anschlag auf einen Rabbiner in Berlin vor wenigen Wochen steht das Thema im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. In Berlin soll es so genannte No-go-Areas für Juden geben, Bezirke, in denen sich Juden besser nicht zu erkennen geben, die Kippa besser abnehmen sollten. Auch in NRW macht sich seit den jüngsten Vorfällen ein Gefühl von Beklemmung breit. Vor wenigen Wochen wurden mehrere jüdische Friedhöfe geschändet, Grabsteine umgeschmissen und beschmiert. Cosmo TV hat eine Lehrerin einer jüdischen Religions-schule in Düsseldorf getroffen, die von den inzwischen sogar alltäglich gewordenen Beschimpfungen und Erniedrigungen auf der Straße spricht. Und darüber, ob sie sich im Jahre 2012 in Deutschland noch heimisch fühlen mag.

Wenn die Neonazis klingeln – was geschah in Betzdorf?
BETZDORF. Die Umstände des Überfalls auf eine türkische Familie in Betzdorf wirken fragwürdig und nebulös. Zwei in Militäruniformen gekleidete Männer, die aussehen wie Neonazis, dringen in ihr Haus ein und bedrohen die Familie mit Waffen. Die Opfer versuchen sich mit einem Brotmesser zu verteidigen. Als die Polizisten den Tatort erreichen sind die Angreifer bereits geflohen. Da sie den Vater mit einem Brotmesser in der Hand antreffen, vermuten die Polizisten einen Ehestreit und führen zunächst den Familienvater Ali Korkusuz in Handschellen ab, lassen ihn nach einer drei Stunden andauernden Vernehmung wieder frei. Die Suche nach den eigentlichen Tätern beginnt auf einer schon kalt gewordenen Spur. Die Familie setzt 25.000 Euro Kopfgeld auf die Angreifer aus. Sie sind überzeugt davon, dass der Übergriff rechts motiviert war. Wer waren die Männer und was steckt hinter dem Angriff? Cosmo TV geht auf Spurensuche auf einer Straße in Betzdorf, die einmal eine ganz ruhige war.

Dzien Dobry – Hallo Deutschland
OBERHAUSEN. Im Jahr 1989, dem Jahr des Umbruchs im Ostblock, kam Maria zusammen mit ihrem Mann Czeslaw und ihren drei Kindern nach Deutschland. Sie waren fünf von rund einer Million Polen, die in nur zehn Jahren in die Bundesrepublik zuwanderten, auf der Suche nach einem besseren Leben. Die ersten zwei Jahre, erinnert sich Maria, waren „Überlebenstraining“. Weder sie noch ihr Mann sprachen deutsch – die erste große Hürde. Das wovor Marias Mutter sie gewarnt hatte geschah: Obwohl sie beide Akademiker sind, mussten sie und ihr Mann Putzstellen annehmen, um die Familie zu ernähren. „Damals habe ich meinen Kindern versprochen: Wenn es in zwei Jahren nicht besser wird, fahren wir zurück!“ erzählt Maria. Sie sind geblieben und es wurde besser. Cosmo TV besucht Maria und ihren Mann Czeslaw in ihrer deutsch-polnischen Kulturkneipe „Gdanska“, die heute fester Bestandteil der Altstadt von Oberhausen ist. 16:00-16:30 • WDR

Papa statt Pascha
Baytekin D. ist türkischstämmiger Deutscher, der mit 30 alles erreicht hatte, was er erreichen wollte: Eine Karriere als Ingenieur, eine glückliche Ehe mit einer Türkin und ein Wunschkind. Alles schien perfekt. Doch dann die Katastrophe: Seine Frau stirbt durch einen tragischen Unfall. Der gemeinsame Sohn Baycan ist gerade mal ein Jahr alt. Noch voller Schmerz und Trauer trifft Baytekin eine folgenreiche Entscheidung: Er will seinen Sohn allein erziehen. Statt auf Unterstützung, stößt er in seinem Umfeld vor allem auf Skepsis. Schlimmer noch: Die Schwiegereltern trauen ihm nicht zu, dass er als türkischer Mann ein Kleinkind großziehen kann. Es kommt zum Bruch, doch Baytekin nimmt das in Kauf, denn es ist eine Entscheidung aus Liebe. Und ein Sprung ins kalte Wasser. Vor ihm steht nicht nur die Herausforderung, den Alltag mit einem Kind, einem Vollzeitjob und dem Haushalt zu bewältigen. Viel schwerwiegender ist oft der Kampf gegen Vorurteile. Als alleinerziehender, türkischer Vater fällt er aus allen Rollenvorstellungen heraus, gehört nirgends dazu und fühlt sich oft einsam. Er will seinem inzwischen siebenjährigen Sohn die Wurzeln seiner Familie in der Türkei bewusst machen und mit ihm gemeinsam erstmals das Grab seiner Frau in ihrem Geburtsort besuchen. Das Dorf liegt etwa 100 km nördlich von Istanbul. Wird er hier auf Verwandte seiner Frau treffen? Und ist er schon offen für eine neue Beziehung oder merkt er am Grab seiner Frau, dass die Wunden noch nicht verheilt sind? Ein Mann zwischen Orient und Okzident, zwischen Pascha und Papa, Karriere und Haushalt. 17:30-18:00 • Das Erste (ARD)

‚Deukisch‘ für Anfänger
50 Jahre Türken in Berlin – Thema: Türken in Deutschland – Die Menschen, die sich – vielfach aus Ostanatolien – auf eine mehr als fünfzigstündige Reise gemacht hatten, nannte man ‚Gastarbeiter‘. Dennoch waren viele gekommen, um zu bleiben.

Sie haben nicht nur Berlin nachhaltig verändert: wirtschaftlich, kulturell, sprachlich. Die Debatte um Integration machte vor einem Jahr durch das Erscheinen des Sarrazin-Bestsellers ‚Deutschland schafft sich ab‘ wieder heftige und provokante Schlagzeilen. Doch der Streit darum, wie Deutsche und Türken zusammenleben wollen, existiert seit dem Beginn der Zuwanderung vor 50 Jahren.

Die Medizinstudentin Aylin Selcuk gründete vor vier Jahren die ‚Deukische Generation‘, eine Interessenvertretung junger Türkinnen und Türken, die das Zusammenwachsen zweier Kulturen symbolisieren soll. Seitdem gehören Begriffe wie Kanak Sprak oder Türkisch Rap zum Repertoire Berlins.

Die Dokumentation von Dennis Wagner reflektiert 50 Jahre ‚Deukisch‘-Berlin und verbindet Geschichte mit Geschichten von Menschen, die vor einem halben Jahrhundert und später in die Stadt kamen. Menschen, die ihre Kultur, ihre Religion und ihren Humor, ihre Vorbehalte und Erwartungen, ihre Musik, ihre Traditionen und ihre Küche mitbrachten. Mit dabei sind neben Aylin Selcuk auch der Comedian Murat Topal, der Schauspieler Akut Kayacik (u. a. ‚Almanya – Willkommen in Deutschland‘), DJ Epik, die Politiker Rita Süßmuth, Cem Özdemir, Klaus Wowereit, Bilkay Öney, Christian Ströbele, der Buchautor Cem Gülay (‚TürkenSam‘), der Unternehmensgründer Vural Öger und viele andere. 20:15-21:00 • tagesschau24

Mein Vater, der Türke
Thema: Türken in Deutschland – Der Dokumentarfilmregisseur Marcus Attila Vetter hat seinen türkischen Vater nur einmal in seinem Leben kurz gesehen: als siebenjähriger Junge. Der Vater lebt in den 60er Jahren als türkischer Gastarbeiter in Deutschland. Die Mutter, damals Anfang 20, hat ihr Studium abgebrochen und arbeitet bei der Stuttgarter Sparkasse. Die beiden verlieben sich, werden ein Paar. Aber Cahit Cabuk ist bereits verheiratet, hat eine Ehefrau und zwei kleine Töchter in der Türkei. Als die junge Deutsche schwanger wird, fährt Cahit in Urlaub nach Anatolien. Er kehrt nicht mehr zurück. 1967 wird Marcus Attila geboren.

Die junge Mutter zieht den Sohn alleine auf. Ihre konservative Familie hat längst jeglichen Kontakt mit ihr abgebrochen.

Nun, mit 38 Jahren, macht sich Marcus Attila auf den Weg in das kleine anatolische Bergdorf Cubuk Koye. Er will die Geschichte seiner Herkunft begreifen und einen Mann treffen, der für ihn ein Unbekannter ist: seinen Vater Cahit Cubuk. Marcus Attila sucht Antworten auf die Fragen, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigt haben: Was für ein Mensch ist sein Vater und warum verließ er damals ihn und seine Mutter?

In der Türkei wird er nicht nur von seinem Vater, sondern auch von zweien seiner vier türkischen Halbschwestern empfangen. Es wird eine Begegnung voller Überraschungen. Eine persönliche Spurensuche des dreifachen Grimme-Preisträgers Marcus Vetter, begleitet von seiner Co-Regisseurin Ariane Riecker. 02:30-04:00 • tagesschau24

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    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...