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Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

TV-Tipps des Tages

14.08.2012 – Nazi, Hitler, Neukölln, Integration, Deutschland, Beschneidung

TV-Tipps des Tages sind: Innenansichten – Deutschland 1937: Das Bild Nazideutschlands wird bis heute von Propagandaaufnahmen geprägt; Neukölln unlimited: Der Film erzählt die bewegende Geschichte libanesischer Immigranten: Himmel und Erde: Beschneidung – Resonanzen auf ein Urteil

VONÜmit Küçük

DATUM14. August 2012

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Innenansichten – Deutschland 1937
Dokumentation – Das Bild Nazideutschlands wird bis heute von Propagandaaufnahmen geprägt. Erst in den letzten Jahren haben eine Fülle von Amateurfilmen das von Joseph Goebbels erschaffene Selbstbild der Diktatur relativiert. In diesem Kontext sind die Aufnahmen des amerikanischen Journalisten Julien Bryan aus dem Jahr 1937 von unschätzbarem Wert, denn sie sind gedreht mit dem Anspruch, hinter die Kulissen zu blicken. Michael Kloft hat die einzigartigen Filmdokumente ausgewertet und zu einem ungewöhnlichen Dokumentarfilm über das Dritte Reich verarbeitet.

1937 ist Hitlers Diktatur nach innen gefestigt, alle Regimegegner sind emigriert oder mundtot gemacht. Die Wirtschaft erholt sich von der großen Krise, die Volksgemeinschaft fühlt sich zunehmend wohl. Das nimmt auch das demokratische Ausland in Europa und Übersee zur Kenntnis. Aber kritische Geister sind sicher, dass sich hinter dem schönen Schein eine Realität von mörderischem Rassenwahn und kriegslüsterner Revanchepolitik verbirgt.

Im Sommer 1937 erhält der amerikanische Dokumentarfilmer Julien Bryan eine Sondergenehmigung, das Dritte Reich zu bereisen und dort Filmaufnahmen zu machen. Er will den Amerikanern die Wahrheit über Deutschland zeigen. Bryan fährt im September und Oktober 1937 mit seiner Kamera durch weite Teile des Landes. Natürlich darf er nur genehmigte Schauplätze filmen, trotzdem gelingt es ihm immer wieder, auch den Machthabern unbequeme Szenen zu drehen. Mit ungewöhnlichen Motiven und Perspektiven schafft Julien Bryan eine unvoreingenommene Darstellung im Sinne des Dokumentarfilms der 30er Jahre als Gegenstück zum Propagandafilm Riefenstahlscher Prägung.

Zusätzliche Information
Nur wenige Minuten des von Julien Bryan außer Landes geschmuggelten Materials wurden 1938 in einer Wochenschau der amerikanischen Gesellschaft „March of Time“ verarbeitet – als Anklage gegen das Hitler-Regime. Aber fast alle der in Schwarz-Weiß gedrehten originalen 35-mm-Rollen sind erhalten geblieben und wurden für diese Produktion in High Definition abgetastet.

Julien Bryan hat seine Aufnahmen 1938 während einer Vortragsreise an der Columbia Universität in New York City gezeigt. Seine Ausführungen wurden damals mitgeschrieben, Zitate aus dem Text liest der Schauspieler Matthias Brandt. Cutterin Monika Finneisen hat die Szenen aus Nazideutschland zu einem bedrückenden Panorama montiert.

Irmin Schmidt, der legendäre Gründer der Kölner Rockband „Can“, ist ein Altmeister der deutschen Filmmusik. Nun hat er nach mehr als 40 Jahren erstmals wieder einen Dokumentarfilm vertont. Für seinen düsteren und vielschichtigen Sound hat der 1937 in Berlin geborene Komponist sich von dem Lied „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“ aus dem Dreißigjährigen Krieg inspirieren lassen. Tatsächlich lasten auf Julien Bryans bisweilen harmlos erscheinenden Bildern aus Deutschland die düsteren Vorboten des Zweiten Weltkriegs mit seinen 60 Millionen Toten. So wird der Sensenmann, der gleich zu Beginn der filmischen Reise ins Dritte Reich das Gras an der neuen Autobahn mäht, zum unfreiwilligen Symbol des Grauens, das die Deutschen über die Welt bringen werden. 21:45-22:37 • arte

Neukölln unlimited
Dokumentarfilm – Der Film erzählt die bewegende Geschichte libanesischer Immigranten: Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona aus Neukölln sind erfolgreiche Tänzer und Musiker, die seit frühester Kindheit in Berlin leben. Für sie ist Deutschland ihre Heimat, Berlin ihre Stadt und Neukölln ihr Kiez. Aber Ihre Familie soll abgeschoben werden. Das wollen sie verhindern.

Lial, Hassan und Maradona leben in Neukölln. Als talentierte Tänzer und Musiker sind die Geschwister in der Streetdance- und Hiphop-Szene auch über die Grenzen Berlins hinaus ein Begriff. Aber sie haben ein Problem: Ihre Familie lebt seit fast 18 Jahren in Deutschland, jedoch permanent von der Abschiebung in den Libanon bedroht.

Lial und Hassan, die als einzige Familienmitglieder einen befristeten Aufenthaltstitel bekommen haben, schmieden den Plan, mit ihrer Kunst den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, damit diese legal im Land bleiben darf.

Doch der Druck dieser doppelten Belastung der Teenager fordert seinen Tribut: Das Geschwisterverhältnis zwischen Lial und Hassan spannt sich immer mehr an und auch bei Maradona häufen sich die Probleme. Er wird von der Schule suspendiert und bekommt die ersten Strafanzeigen, die nicht nur seinen Aufenthalt sondern auch den seiner Familie gefährden könnten. Hin- und hergerissen zwischen dem ambitionierten Lebensstil seiner älteren Geschwister und dem Straßenleben mit seinen Kumpels steht er am Scheideweg zwischen Motivation und Resignation.

„Neukölln Unlimited“ erzählt das alltägliche Leben dreier Jugendlicher, die um das Bleiberecht ihrer Familie in Deutschland kämpfen. Bewundernswert, wie sie die Kraft dafür aus ihrer Kunst ziehen und so den Glauben an sich selbst bewahren.

Die Kamera ist immer dabei – in der Schule, am Ausbildungsplatz, in der Wohnung und eben auch da, wo sie am glücklichsten sind: bei Tanz- und Gesangsauftritten, den Battles und Contests.

Mit viel Tempo, guten Beats und Animationselementen bleibt „Neukölln unlimited“ abseits der gängigen Klischees über Migranten und Problembezirke. Die rbb-Koproduktion wurde mehrfach ausgezeichnet. (Erstausstrahlung der Lang-/Kinofassung) 22:45-00:20 • RBB Brandenburg

Himmel und Erde
Magazin zu Religion und Kirche – Moderation: Friederike Sittler. Themen: Beschneidung – Resonanzen auf ein Urteil; Schwuler Pfarrer

Beschneidung – Resonanzen auf ein Urteil
Kaum ein Thema hat in den vergangenen Wochen so hohe Wellen geschlagen wie das Urteil des Kölner Landgerichts. Warum ist es so problematisch per Gesetz in ein anderes Religionsverständnis einzugreifen? Was sagen unmittelbar Betroffene zum Beschneidungsverbot? Dazu Stimmen aus muslimischen und jüdischen Familien und ein Gespräch mit der Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Prof. Dr. Beate Rudolf.

Schwuler Pfarrer
Martin Zabka ist Pfarrer in einer evangelischen Gemeinde in Berlin-Lichterfelde. Das Besondere: Er ist schwul und mit einem Mann verheiratet. Bis vor kurzem hätten beide nicht ins Pfarrhaus einziehen dürfen. Doch die Regeln sind liberaler geworden. Und die Gemeinde empfindet den engagierten Pfarrer als Gewinn.

In Rixdorf ist Comenius
Berlin-Neukölln war auch früher schon ein Stadtteil für Zuwanderer – daran erinnert das Böhmische Dorf – das Herz von Rixdorf, dem alten Neukölln. Die Siedlung wurde 1737 von Glaubensflüchtlingen aus Böhmen gegründet und feiert in diesem Jahr 275 Jahre Glaubensfreiheit. Und mitten drin liegt ein verstecktes Paradies: der Comenius-Garten. 03:45-04:15 • RBB Berlin

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