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Migration und Integration in Deutschland

Viele wollen sich aber nicht entscheiden. Da schlagen zwei Seelen in ihrer Brust. Lassen wir doch beide Herzen schlagen! Wir brauchen die jungen Leute.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Hamburg 2012

Fast jeder dritte Einwohner mit Migrationshintergrund

Ende Januar 2012 lebten rund 513.000 Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg, das sind 29,2 Prozent aller Einwohner. Dies zeigt eine Sonderauswertung des Melderegisters, die das Statistikamt Nord durchgeführt hat.

Seit einem Jahr ist die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund nahezu konstant, ebenso wie ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. 238.000 der Hamburger haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, 150.000 sind eingebürgert und 78.000 sind Aussiedler. Hinzu kommen 47.000 Kinder und Jugendliche, die zwar die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und keine eigene Migrationserfahrung haben, denen aber durch einen oder beide Elternteile ein Migrationshintergrund zugeordnet wird.

Ein Viertel aller Hamburger Einwohner mit Migrationshintergrund lebt im Bezirk Hamburg-Mitte; ihr Anteil an der Bevölkerung dort liegt bei 45 Prozent. In den Bezirken Hamburg-Nord und Eimsbüttel sind es hingegen nur 22 bzw. 23 Prozent.

Migranten deutlich jünger
Auch innerhalb der Bezirke gibt es große Unterschiede zwischen den Stadtteilen. Billstedt, Wilhelmsburg und Rahlstedt sind die Stadtteile mit den (absolut) meisten Personen mit Migrationshintergrund. Die höchsten prozentualen Anteile an der Bevölkerung im Stadtteil finden sich in Billbrook und auf der Veddel mit über 70 Prozent sowie in Neuallermöhe mit 60 Prozent. Vergleichsweise wenige Personen mit Migrationshintergrund leben dagegen in den anderen Stadtteilen der Vier- und Marschlande, wo sie deutlich weniger als zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Generell ist festzustellen, dass in jüngeren Altersgruppen der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund höher ist als in älteren. 45 Prozent der unter 18-Jährigen haben einen Migrationshintergrund, aber nur 15 Prozent der Männer und zwölf Prozent der Frauen über 65 Jahre. Allerdings ist dies regional recht unterschiedlich ausgeprägt. Im Bezirk Hamburg-Mitte haben zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren einen Migrationshintergrund, in Billbrook und auf der Veddel sogar über 90 Prozent. Dagegen sind es in den Bezirken Eimsbüttel und Hamburg-Nord nur 36 Prozent. Auch in den mittleren Jahrgängen (30 bis unter 50 Jahre) hat in diesen beiden Bezirken nur etwa jeder Vierte einen Migrationshintergrund, im Bezirk Hamburg-Mitte dagegen fast jeder Zweite.

Top-Bezugsländer: Türkei und Polen
Bei Männern liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund etwas höher als bei den Frauen (30 bzw. 28 Prozent), insbesondere in den älteren Jahrgängen ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer. Dies ist wohl auf die Einwanderungswellen der Arbeitsmigranten zurückzuführen.

Die in Hamburg lebenden Menschen mit Migrationshintergrund kommen aus fast allen Ländern der Welt. Die mit Abstand häufigsten Bezugsländer sind die Türkei und Polen mit 18 bzw. 13 Prozent. Besonders viele Personen mit Wurzeln in der Türkei wohnen im Bezirk Hamburg-Mitte (fast zwölf Prozent der dortigen Bevölkerung). In Wilhelmsburg stammen über 11.000 Menschen aus der Türkei, was einem Anteil von fast 40 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund entspricht. Zentrum der aus Polen stammenden Bevölkerung ist der Bezirk Bergedorf; dort ist fast jeder vierte Einwohner mit Migrationshintergrund polnischer Herkunft. Besonders viele Menschen mit polnischen Wurzeln wohnen in den Stadtteilen Neuallermöhe und Lohbrügge (zusammen 6.500 Personen).

Bergedorf Hochburg russischstämmiger Bevölkerung
Der Bezirk Bergedorf ist außerdem eine Hochburg russischstämmiger Bevölkerung in Hamburg: Elf Prozent der Einwohner des Bezirkes bzw. jeder dritte Bergedorfer mit Migrationshintergrund hat als Bezugsland einen der 15 Staaten der ehemaligen Sowjetunion (insbesondere Russland und Kasachstan). Auch hier sind die Stadtteile Neuallermöhe und Lohbrügge zu nennen, wo die meisten Menschen aus diesen 15 Bezugsländern wohnen (zusammen fast 10.500 Personen).

Weitere für Hamburg wichtige Bezugsländer sind (in dieser Reihenfolge) Afghanistan, Iran, Serbien, Ghana, Portugal, Italien und Griechenland. Viele Menschen mit afghanischem Migrationshintergrund leben in den Stadtteilen Billstedt, Jenfeld, Rahlstedt und Neuallermöhe (zusammen fast 10.000 Menschen). Im Stadtteil Billstedt wohnt ein großer Anteil Personen mit Bezug zu Ghana und Serbien. Besonders viele Hamburger mit portugiesischem Migrationshintergrund (fast neun Prozent von ihnen) leben in Wilhelmsburg.

Junge Ghanaer, Afghane und Türken
Erkennbar ist ein Zusammenhang zwischen Altersstruktur und bestimmten Bezugsländern. So ist die Bevölkerung mit Wurzeln in Ghana, Afghanistan und der Türkei überdurchschnittlich jung, zum Beispiel sind 37 Prozent der Menschen mit Bezugsland Ghana Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Dieser Anteil liegt bei der polnisch- und griechischstämmigen Bevölkerung bei lediglich 17 bis 18 Prozent. Bei ihnen ist die Altersstruktur ähnlich der – durchschnittlich älteren – Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. (hs)

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Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. Knöki sagt:

    Sehr gut!

    Hoffe es werden schnell 50%. Nicht nur in HH, sondern in allen wichtigen Deutschen Großstädten.

    Die Demographie und das Grundgesetz sind die Zukunft der migrantischen Deutschen. Nur durch Demographie wird man seine Anerkennung zgesprochen bekommen.

    Bisher sieht es ja mau aus. Man schaue sich mal die Mitarbeiterlisten von Gerichten, Universitäten, Schulen und Medienanstalten an. Da haben nicht mal 10% Migrationshintergrund. Und wenn, scheint es dass man Türken und Araber erst mal gerne aussen vorlässt.



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