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Hans-Jürgen Irmers Totschlagargument

Zum Wesen des Islam gehört die bewusste Täuschung des Ungläubigen

Hinter allem, was Muslime tun, stecke Takia, also die bewusste Täuschung des Ungläubigen, um islamische Ziele zu erreichen. Dieses Totschlagargument gehört Hans-Jürgen Irmer, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im hessischen Landtag.

„Zum Wesen des Islam gehört bekanntlich die Takia, also die bewusste Täuschung des Andersdenkenden, des Ungläubigen, um damit aus islamischer Sicht legitimerweise entsprechende Ziele zu erreichen“, diese Worte gehören Hans-Jürgen Irmer, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im hessischen Landtag und schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Geschrieben hat er es in der August-Ausgabe der Wetzlar Kurier, eine von ihm herausgegebene Zeitung mit einer Auflage von über 100.000.

Hintergrund für diese Zeilen ist der Islamunterricht in Hessen. Irmer ist gegen die Einführung und argumentiert unter anderem mit diesem Totschlagargument. Die bewusste Täuschung werde dort noch nicht einmal als etwas Unanständiges empfunden, erläuterte Irmer seine Zeilen auf Nachfrage von hr-iNFO. „Sondern es liegt in der Sache, dass man aufgrund dieser von Allah gewollten Täuschung dem höheren Zwecke dient, nämlich die Ausbreitung des Islam weltweit zu fördern.“ Selbstverständlich wolle er Muslime nicht unter Generalverdacht stellen.

Das allerdings darf angesichts zahlreicher Entgleisungen Irmers gegenüber Muslimen und Ausländern bezweifelt werden. So sprach der im Jahr 2009 Muslimen die Religionsfreiheit ab, bezeichnete die Roma in Berlin als „Zigeunerproblem“ oder veröffentlichte ausländerfeindliche Gedichte in seinem Blatt. Eins war ihm jedoch stets sicher: die Rückendeckung seiner Fraktion.

Dennoch forderten die Grünen die Landesregierung auf, sich „schnell und unmissverständlich“ von Irmers Aussagen zu distanzieren. Die Aussagen seien blanker Unsinn. „Es ist wohl eher so, dass die bewusste Täuschung vor allem zu den Methoden der hessischen CDU gehört. Wie sonst ist zu erklären, dass Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sich mit dem Koalitionspartner von der FDP auf die Einführung eines islamischen Religionsunterricht verständigt, während Mitglieder des eigenen Fraktionsvorstandes offensichtlich in genau gegenteiliger Mission unterwegs sind? … Wir sind gespannt, ob der angebliche Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) erneut zu den Entgleisungen von Herrn Irmer schweigen wird“, so der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Mathias Wagner.

Kritik kam auch von SPD. Der integrationspolitische Sprecher, Gerhard Merz, erklärte, Irmers Ausfälle gegen den Islam und islamische Religionsgemeinschaften seien „zunehmend unerträglich“. Ein Machtwort der CDU-Spitze und eine Entschuldigung bei den islamischen Verbänden sei unabdingbar. Per Twitter schaltete sich auch Janine Wissler (Die Linke) ein: „Hessens schlimmster Hassprediger ist wieder am Werk, Irmers Äußerungen sind widerwärtig und diffamierend.“ (eb)