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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Der Fall Nadja Drygalla

Zwei Mal Braun für Deutschland

Schuldzuweisungen und Überraschtsein, wären das olympische Disziplinen, hätte Deutschland zwei Medaillen mehr auf dem Konto. Weder Bronze noch Silber oder Gold wären diese allerdings, die wären Braun.

VONBirol Kocaman

Der Autor ist Jurist und MiGAZIN Redakteur seit 2010.

DATUM6. August 2012

KOMMENTARE35

RESSORTLeitartikel, Meinung

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Der Fall Nadja Drygalla zeigt erneut, dass Rechtsextremismus mindestens hingenommen und wahrscheinlich gedeckt wird. Müßig wäre es, jetzt den gesamten Hergang wiederzugeben – zahlreiche Schuldzuweisungen von A nach B nach C nach D … und umgekehrt sowie vermeintliches Nichtwissen über das private Umfeld von Nadja Drygalla Ruderin.

Heute wissen wir: Zumindest ein Teil der Verantwortlichen wusste schon immer über rechtsextremistische Verquickungen von Nadja Drygalla Bescheid. Als logische Folge dessen wissen wir auch: Alle Verantwortlichen hätten Bescheid wissen müssen, wenn jeder verantwortungsbewusst seiner Verpflichtung nachgekommen wäre. Wunschdenken.

Hätte man im Vorfeld die notwendigen Hebel in Bewegung gesetzt, wäre Nadja Drygalla im Team der Deutschen Olympiamannschaft bei der Eröffnungszeremonie erst gar nicht aufgelaufen – neben Namen wie Di Carli, Dorjsuren, Gaba, Jakubczyk, Kwadwo, Wu, Wojcicki, Bui und vielen anderen, die seit dem mit dem Bundesadler auf der Brust für Edelmetalle schwitzen und unter der gehissten deutschen Flagge hoffentlich die Nationalhymne singen. Hoffentlich! Denn selbstverständlich wird das immer weniger.

Gut in diesem Zusammenhang ist, dass bei Olympia Nationalhymnen in den meisten Disziplinen erst nach dem Wettkampf und nur für die Gewinner erklingen und nicht schon vor Spielbeginn. So weiß man nicht, ob der Wettkampf wegen dem „Schweigen“ verloren wurde und deshalb die bisherige Medaillenausbeute hinter den Erwartungen geblieben ist oder weil die Konkurrenz einfach besser war, was ja mal vorkommen soll. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Uns ist eine weitere unsägliche Debatte erspart geblieben. Zwei davon wären auch zu viel für eine Olympia gewesen.

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35 Kommentare
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  1. aloo masala sagt:

    Auch Drygalla hat ein Recht auf ihre rechtsextreme Weltanschauung. Sie hat sich in London nichts zu Schulden kommen lassen. Wo ist das Problem? Oder leben wir hier in einem Staat der Gesinnungsschnüffelei?

  2. Patrick sagt:

    Nach allem Vernehmen ist Drygalla nicht rechtsextrem. Vielmehr ist ihr Freund (sagt sie im Interview) da reingerutscht. Was die Beziehung stark belastete. Und jetzt ist er wieder raus aus der NPD.

    Ich kann verstehen, dass sie ihren Partner nicht sofort abgesägt hat. Dass sie sich von dieser Gesinnung distanzierte, ohne Schluss zu machen, in der (berechtigten?) Hoffnung, der fängt sich wieder.

    Da Drygalla sich von dieser Gesinnung distanziert und anscheinend auch nicht anderweitig aufgetreten ist, sondern sich zu den positiven Werten bekennt, bin ich geneigt, sie in Ruhe zu lassen.

  3. Harald S. sagt:

    Es ist schlimm, wenn hier in Deutschland wieder unschuldige Menschen allein aufgrund ihrer privaten Liebesbeziehungen ausgegrenzt, diskriminiert, beruflich ruiniert und politisch verfolgt werden. Und Frau Drygalla _ist_ unschuldig, solange ihr keiner eine persönlich begangene Verfehlung nachweisen kann und dafür dann bessere Beweise hat als Gerüchte und Vermutungen und Unterstellungen und gefälschte Photos von Demonstrationen.

    Das wirklich Tragische aber ist, dass sich ausgerechnet Teile derjenigen an dieser medialen Hetzjagd beteiligen, die selber über ihre eigene Ausgegrenzung, Diskriminierung und Verfolgung klagen.

    Wie soll sich da einer noch entscheiden können, für welche rassistisch und politisch Verfolgten er sich einsetzt, und für welche nicht?

  4. flippah sagt:

    Die Frage ist doch: ist es wirklich besser, wenn wir Leute wegen Beziehungen in den Braunen Sumpf ausschließen? Derzeit ist die Meinung noch, dass das so sein soll. Was passiert, wenn sich die Meinung dreht, und Leute, die Beziehungen zu Ausländern haben, ausgeschlossen werden? Mit dieser Denke sind wir ganz schnell beim „Gesunden Volksempfinden“ der Nazis. Und ich denke, das will hier niemand. Dann lieber jemanden, der einen Nazi liebt, bei Olympia.

  5. daweed sagt:

    „Um Himmels willen, die Ruderin ist keine Braun und ihr Galan kein fliegenschissbärtiger Führer. Nicht gleichsetzen, aber vergleichen sollte man schon. Es ist doch Augenwischerei, wenn man ganz trocken anmerkt, sie habe aber politisch niemals in diese Richtung getickt. Das klingt wie: Sie hat doch nichts gewusst! Wer solche Gerüchte verbreitet, der ist nicht naiv, der bereinigt eine Situation, die keiner Bereinigung unterworfen werden sollte – und der hält die Öffentlichkeit zum Narren.“

    http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/08/kollateralschaden-eines-falschen.html

  6. aloo masala sagt:

    Im Gegensatz zur anglophonen Presse halten die meisten deutschsprachigen Artikel die folgende Passage für unwichtig:

    Mark Adams, spokesman for the International Olympic Committee, said Drygalla had done nothing wrong at the Games: „There is no issue for us regarding the rower. I have seen the report. But as far as the Games are concerned, she has not done anything wrong.“

    Auch dieser Migazin-Artikel unterlässt es zu erwähnen, dass Drygalla sich im Zusammenhang mit den olympischen Spielen nichts zu Schulden kommen lassen hat. Sie hat lediglich die falsche Gesinnung, so mutmaßt man. Sicher ist man sich da auch nicht. Man unterstellt es ihr zunächst schlicht, weil ihr Freund Mitglied in der NPD ist oder war. Nach dem Naziprinzip nimmt man Drygalla in Sippenhaft und schreibt ihr deswegen ebenfalls eine rechtsextreme Gesinnung zu, ohne zu wissen ob dieses tatsächlich zutrifft.

    Entscheidend ist hier die Lebenseinstellung bzw. Geisteshaltung der dominierenden Gruppe in dieser Gesellschaft. Diese bestimmt die Würde und das Lebensrecht von Drygalla jedoch nicht die Grundsätze unserer demokratischen Ordnung. Das ist ein typisches Herdentierprinzip was faschistoiden Systemen eher entspricht als einer freiheitlichen Demokratie. Es ist das gleiche Prinzip, welches uns Migranten ebenfalls an den Rand der defizitären und integrationsbockigen Parasiten drückt, die am liebsten Deutschland islamisieren wollen.

    Der Artikel ist eine maßlose Enttäuschung. Wenn wir im Zuge der Integration verlangen, dass man unsere Lebenseinstellung akzeptiert, müssen wir auch Lebenseinstellungen akzeptieren, die uns genauso wenig gefallen, wie vielen Deutschen unsere Einstellungen gefallen.

    Drygalla hat man meine Solidarität und ich hoffe, dass sie ihre Karierre als Ruderin erfolgreich fortsetzen kann. Ihre politische Gesinnung ist ihre Privatsache und vor allem ihr gutes Recht.

  7. Osman sagt:

    Mag sein dass sie nicht rechts ist Fakt ist jedoch dass sie einen Partner hat der rechts ist jedoch nicht mehr in der Partei sein soll! Es kann auch gut sein dass sie diese Einstellung ihres wärten liebsten nicht Teilt aber dennoch an seiner Seite weilt es stellt sich nun die frage ab wann ein Mensch nein sagt, ist es wenn er schändet ein Kind oder den Tod eines Ausländers billigt. Ein Nazi oder ein Rassist verabschäut Menschen nur seine eigenen nicht….

  8. pepe sagt:

    ooops, ich bin in die rechte Szene reingerutscht! Das hatte ich natürlich nicht vor. Ich habe halt nicht aufgepasst. Jetzt ist es wieder alles in Ordnung und ich habe keine Sympathie für rassistisches Gedankengut!

  9. Joseph sagt:

    Es verwundert mich nicht, aber ich empfinde es als widerwärtig, in welcher Weise im MiG-Artikel und in den meisten der bisherigen neun Kommentierungen Mutmaßungen, bloßen Behauptungen und Unterstellungen und (Vor-)Verurteilungen aufgestellt werden.
    Damit wird genau denen in die Hände gearbeitet, die oberflächlich und dumpf, aber leider nicht nur offen, sondern auch subtil rechtes und faschistisches Gedankengut – auf der Basis oder in Verbindung mit nationalsozialistischer oder anderer totalitärer Ideologien – verbreiten, untermauern und pflegen.
    Zudem: Formen der Sippenhaft, wie sie leider in dieser Diskussion anklingen, sind eine der üblen Methoden von Faschisten.
    Wo bleiben die Vernunft und der Verstand???


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