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Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

TV-Tipps des Tages

02.08.2012 – Ägypten, Revolution, Islam, Kairo, Mubarek, Muslime, Rosenhöhe

TV-Tipps des Tages sind: Ägypten – Kinder der Revolution: Im Januar vor einem Jahr begannen auf dem Tahrir-Platz in Kairo die Demonstrationen, die zum Sturz des ägyptischen Diktators Hosni Mubarak führten. Gott im Freibad

VONÜmit Küçük

DATUM2. August 2012

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Ägypten – Kinder der Revolution
Im Januar vor einem Jahr begannen auf dem Tahrir-Platz in Kairo die Demonstrationen, die zum Sturz des ägyptischen Diktators Hosni Mubarak führten. An vorderster Front waren Jugendliche. Drei dieser jungen Revolutionäre hat die aus Ägypten stammende BBC-Filmerin May Abdalla durch das turbulente Jahr begleitet.

Als es den meist jungen Demonstranten auf dem Tahrir Platz in nur 18 Tagen gelang, Hosni Mubarak zum Rücktritt zu zwingen, war der Jubel groß und die ganze Welt schaute nach Ägypten. Zu den Revolutionären der ersten Stunde gehören auch Ahmed, Gigi und Tahir. Die drei sind 24 Jahre alt.

Aber das ist ihre einzige Gemeinsamkeit. Ganz unterschiedliche Beweggründe haben sie auf den Tahrir-Platz getrieben.

Ahmed Hassan wohnt mit seiner verwitweten Mutter in ärmsten Verhältnissen. Obwohl er ein Diplom als Telekommunikationstechniker hat, findet er keinen Job. Er wünscht sich deshalb vor allem ein Ägypten, in dem er endlich arbeiten kann.

Gigi Ibrahim lebt in einer anderen Welt. Als Tochter eines vermögenden Industriellen ging sie in den USA zur Schule. Sie ist Mitglied der revolutionären Sozialisten, einer der Gruppierungen, welche die Revolution angefacht haben. Sie will vor allem gleiche Rechte für alle.Tahir Yasin ist strenggläubiger Salafist. Er organisiert Koranunterricht für Kinder und war deshalb sieben Mal im Gefängnis. Er kämpfte gegen Mubaraks Regime, weil sich dieses, wie er sagt, an den Westen verkauft hat. Nun hofft er auf einen islamischen Staat.

Die aus Ägypten stammende BBC-Filmerin May Abdalla hat die drei ein Jahr lang begleitet. Aus der Sicht ihrer jungen Protagonisten zeigt sie, was die Revolution den Menschen in Ägypten gebracht hat. Dafür riskierte das Filmteam viel. Denn nicht nur die Armee, auch viele Demonstranten waren misstrauisch und hinderten sie oft an ihrer Arbeit. Doch May Abdalla gab nicht auf. Zusammen mit ihren Protagonisten erlebte sie ein turbulentes Jahr mit Höhen und vor allem auch Tiefen. Denn seit den Wahlen haben das Militär und die Muslimbrüder das Sagen. Darüber freut sich nur Tahir. Gigi und Ahmed demonstrieren weiter. 22:30-23:25 • PHOENIX

Gott im Freibad
Um 05.45 Uhr auf der Offenbacher Rosenhöhe versammeln sich täglich eine Handvoll Menschen – Anzugträger mit Krawatte, eine gertenschlanke Mittsechzigerin, Männer mit Handtüchern um den Bauch. Sie alle warten darauf, dass sie auch an diesem Morgen, Punkt 06.00 Uhr ihre Bahnen ziehen können. Im Waldschwimmbad Rosenhöhe tauchen alle ab: Ob christliche Leistungsschwimmer, muslimische Schwimmanfänger, Nichtschwimmer mit russisch-orthodoxen Großmüttern, Sinti- und Roma-Familien, Juden und Atheisten gleichermaßen.

Gleiten die Disziplinierten mit elegantem Kopfsprung ins kühle Nass, so platschen die Anarchisten regelwidrig mit einem Bombensprung vom Beckenrand. Doch in Badehosen, Schwimmeranzügen und Burkinis sind die Besucher des Waldschwimmbades Rosenhöhe beinahe alle gleich.

Was sie unterscheidet – ob Religion und Lebensweise oder Sportabzeichen und Schwimmstil, davon erzählt die Reportage. Für einen Tag begleitet der Film Mitarbeiter und Besucher des Waldschwimmbades Rosenhöhe. Da ist zum Beispiel Irmgard Arnold, die beherzte Mittsechzigerin und Vorstandsmitglied im Schwimmverein. Täglich zieht sie ihre Bahnen und sieht bei Regen oder Sonnenschein nach dem Rechten. Hilft sie an der Kasse aus, macht ihr niemand etwas vor, weder die marokkanischen Halbstarken noch die Sinti- und Roma-Familien. Das Talent und den Fleiß der serbischen Putzfrau hingegen erkannte sie sofort und verhalf der Langzeitarbeitslosen im Schwimmbad zur Festanstellung. Auch Francesco Schiangula kennt das Waldschwimmbad wie seine Westentasche, selbst wenn der Sizilianer vermutlich der Einzige ist, der niemals Gelegenheit zum Schwimmen hat.

Der Katholik führt das italienische Restaurant im Schwimmbad und verkauft Pizzen mit und ohne Schweinefleisch, Pommes frites für Menschen mit und ohne Glauben. Auch die Polizisten verköstigt er, die wieder einmal am Beckenrand für Ordnung sorgen mussten. Und auch für den kurdischen Schwimmanfänger, der mit Anfang 30 endlich schwimmen lernt, hält er eine Apfelschorle parat. Am Abend dann richtet er für Irmgard Arnold und ihre Mitstreiter die Oldies Night aus – ein Höhepunkte des Tages im Waldschwimmbad. 22:35-23:03 • MDR Sachsen

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