MiGAZIN

Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Bremen

Brandanschlag nach „Ausländer-raus“-Rufen

„Ausländer raus“, sollen sie gerufen und eine Scheibe eingeschlagen haben, ein Brandanschlag konnte vereitelt werden: In Bremen wurden drei Männer und eine Frau vorübergehend festgenommen.

Bremen-Woltmershausen. Der 20 Jahre alte Sohn einer Familie mit Migrationshintergrund kam am frühen Samstagmorgen (28.7.12), gegen Uhr 3:20 nach Hause. Wenige Häuser weiter feierten noch Nachbarn mit Bekannten auf der Terrasse. Als sie den 20-Jährigen sahen, skandierten sie lautstark „Ausländer raus!“ Der Sohn ignorierte die Rufe und ging ins Haus.

Kurze Zeit später klingelte es mehrfach an der Haustür der Familie. Der 20-Jährige sah einen Feuerschein vor dem Hauseingang und löschte umgehend einen vor der Türschwelle positionierten brennenden Lappen mit Wasser. Anschließend ging er kurz aus dem Haus, hörte wieder ausländerfeindliche Parolen aus der Nachbarschaft und verständigte die Polizei.

Nachbarschaftliche und ausländerfeindliche Hintergründe
Wenige Augenblicke später hörte er ein Klirren und stellte fest, dass die Scheibe der Eingangstür eingeschlagen wurde. Kräfte des Einsatzdienstes der Polizei Bremen trafen schnell ein und konnten mit Hilfe von Zeugen und Beweismitteln drei Männer, 25, 31 und 33 alt und eine 43 Jahre alte Frau als Tatverdächtige ermitteln. „Alle Beteiligten waren alkoholisiert und wurden vorläufig festgenommen. Bei ihnen wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft eine Blutentnahme durchgeführt. Sie wurden nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen“, teilt die Polizei mit.

Verletzt wurde glücklicherweise niemand. In dem Haus wohnen acht Familienmitglieder. Die Polizei ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Laut Polizei stehen „nachbarschaftliche Probleme und ausländerfeindliche Hintergründe“ im Fokus der Ermittlungen. Die Tatverdächtigen seien nach derzeitigen Erkenntnissen bisher nicht mit ausländerfeindlichen Straftaten in Erscheinung getreten.

Brandanschlag in Köln
Fast zur selben Zeit haben bislang unbekannte Täter einen Brandanschlag auf eine türkische Teestube in der Kölner Altstadt – Süd verübt. Gegen 05.40 Uhr wurde eine sich in der Gaststätte aufhaltende männliche Reinigungskraft (57) durch Splittergeräusche aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Unbekannten zwei Molotiw-Cocktails durch das Toilettenfenster hineingeworfen. Auch hier konnte der sich ausbreitende Brandherd schnell gelöscht werden. Verletzt wurde infolgedessen niemand. „Eine Nahbereichsfahndung verlief negativ. Die Hintergründe der Brandstiftung sind bislang ungeklärt“, teilt die Köln Polizei mit. (bk)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

3 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Optimist sagt:

    „Die Polizei ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung.“

    Da wird der Tod von Menschen billigend in Kauf genommen und das ist noch nicht einmal auf der Anklageliste. Warum wurde denn das Haus in Brand gesetzt? Damit die Nachbarn im Dunkeln besser sehen können, oder wie? Ist ja mal wieder typisch. Was wohl passiert wäre, wenn ein paar religiöse Fundamentalisten solch einen Anschlag auf ein Haus von Neonazis verübt hätten??? Was dann wohl wieder in den Medien los wäre…

  2. Tobi sagt:

    Brandanschlag, und dann war es ein brennender lappen^^ Genau wie wie waffenfunde, die dann doch nur irgendwelche entschärften devotionalien sind. Peinlich.

  3. Migrantin sagt:

    @Tobi

    Peinlich ist allenfalls, dass Sie denken, dass Ihre Relativierungsversuche hier irgendwas bewirken.



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...