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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Ein Fremdwoerterbuch

Schweigen werde ich ganz sicher nicht

Das ist für dich. Du hast gekotzt. Immer wieder, am liebsten auf meinem Blog. Lass es raus, habe ich gedacht. Sollen doch alle sehen, wie krank du bist. Und trotzdem habe ich deine Kotze aufgewischt, weil ich den Gestank nicht mehr ausgehalten habe. Lange stand der Kotzeimer bei mir herum, jetzt kriegst du ihn wieder. Bitte schön, deine Kotze.

VONKübra Gümüşay

 Schweigen werde ich ganz sicher nicht
Die Autorin ist Kolumnistin bei der taz, schreibt als freie Journalistin für verschiedene Publikationen und betreibt den Blog ein-fremdwoer- terbuch.com. Sie studiert Politikwissenschaften in Hamburg und zuvor an der SOAS in London. Kübra ist Gründungsmitglied von Zahnräder, einem Netzwerk von engagierten und aktiven Muslimen in Deutschland.

DATUM25. Juli 2012

KOMMENTARE7

RESSORTAktuell

QUELLE Erstveröffentlichung taz

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DANKE,
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Advent, Advent, ein Moslem explodiert, hast du in weihnachtlicher Stimmung geschrieben. Und dich gefreut.

Häufig hast du dir richtig Mühe mit mir gemacht. Sorgfältig hast du Artikel rausgesucht und mir die Links zugeschickt. Du hast über mein Privatleben fantasiert, dir Bettgeschichten ausgedacht.

Und wolltest mir gute Manieren beibringen, mit Hinweisen wie diesem:

Es ist unhöflich, wenn Gäste nicht von alleine merken, wenn sie nicht mehr erwünscht sind. Ja, ganz genau, du bist ein unerwünschter Gast. Du gehörst nicht dazu.

Du hast mir nette Ratschläge gegeben:

Vielleicht wäre das ja jetzt der Zeitpunkt, den Absprung aus diesem, Ihnen so verhassten Land zu wagen.

Manchmal warst du auch ganz klar, direkt und höflich:

Seien Sie nicht unhöflich, gehen Sie einfach.

Du rechnetest mir meine Lebenskosten vor:

Wenn Sie weiterhin auf ihrer Kultur beharren, dürfen sie sich nicht überrascht zeigen darüber, dass Sie oder Ihre Nachkommen den Preis dafür bezahlen.

Wie nett von dir, mich vorzuwarnen. Es könnte ja gefährlich werden, nicht wahr?

Mit welchen Mitteln die Endlösung geschieht, hängt ganz entscheidend von den Muslimen ab. Assimilieren sie sich rechtzeitig in die vorherrschende Kultur, haben sie und vor allem auch ihre Nachfahren gute Karten, einer Gegenbewegung den Wind aus den Segeln zu nehmen und diese heil zu überstehen.

Du gabst mir auch Wahlfreiheit:

Entweder Kopftuch ab oder aus Deutschland RAUS !!

Wobei ich finde, das Ausfallende passt ja eigentlich nicht so richtig zu dir:

Steck Dir Deinen blöden Allah doch in den Arsch, Du Moslemtrottel.

Richtig süß fand ich übrigens deine kreativen Sprüche. Der hier zum Beispiel:

Klebt der Terrorheini an der Wand, hat jede kluge Hausfrau Atta zur Hand!

Du hattest auch großartige Kosenamen für mich. „Kleingangsterin“ zum Beispiel, „Islamistin im Schafspelz“, „Schleiereule“ oder – mein Favorit – „Kübel Gemüse“.

Einmal hast du mir davon erzählt, mit welchem Vergnügen du mir die Kehle durchschneiden würdest, wenn es so weit sei. Wenn die Deutschen aufhören würden zu buckeln.

Vor ein paar Wochen hast du mir schließlich „Erstick!“ ins Gesicht geschrieben. Dazu hattest dich vor mit aufgebaut, während ich im Zug meinen Salat aß. „Hau ab!“, hast du gerufen und: „Geh zurück nach Hause! Scheiße!“ Dann hast du das Abteil verlassen.

Die anderen Fahrgäste haben dir erschrocken hinterhergeschaut. Aber ich kenne dich mittlerweile.

Mich schockierst du schon lange nicht mehr. Warum ich das schreibe? Sollen doch alle sehen, wie krank du bist. Ich weiß es ja schon.

Und schweigen werde ich ganz sicher nicht.

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7 Kommentare
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  1. Migratin sagt:

    Hallo Kübra, ich wünsche Dir weiterhin die Kraft mit Menschen umzugehen, die sich offenbar am untersten und äußerten Rand der Gesellschaft bewegen und dabei denken, dass sie das Maß für Normalität sind.

  2. Optimist sagt:

    Unglaublich, wie hasserfüllt manche Leute sind. Aber interessant zu wissen, was manche Leute über einen denken. Nur traurig, daß Sie, Kübra, solchen Anfeindungen direkt ausgesetzt sind. Kopf hoch und Augenmerk auf die positiven und guten Menschen.

  3. pojarkow sagt:

    Das mit dem Assimilieren stimmt leider nicht, das hat den Juden auch nicht geholfen. Die waren bestens integriert und assimiliert, konvertiert und was weiß ich noch alles. Die wussten zum Teil selbst nicht, dass sie Juden sind. Das hat man ihnen dann eben nachgewiesen. Und seit Sarrazin wissen wir ja (wieder), dass Assimilation nicht hilft, weil diese minderwertigen Rassen ja genetisch bedingt zu blöde für unser schönes Land sind. Und so ein Buch gab es in 20erjahren auch: „Die Juden sind unser Verhängnis“ hieß das. Und es war vor allem auch der Neid: Kauft nicht beim Juden!
    Wenn ich heute diese Stolpersteine sehe, die man für deportierte und ermordete jüdische Familien in meiner Nachbarschaft in die Gehwege gesetzt hat, dann bekomme ich Angst um meine muslimischen Nachbarn.
    Also liebe Muslime: Bitte seid nicht erfolgreich, assimiliert Euch nicht und steigt bitte nicht in der Gesellschaft auf und werdet nicht reich. Dann bleibt ihr uns wenigstens erhalten.

  4. NASA sagt:

    @pojarkow
    „Das mit dem Assimilieren stimmt leider nicht, das hat den Juden auch nicht geholfen. Die waren bestens integriert und assimiliert, konvertiert und was weiß ich noch alles.“

    Ich hoffen ihnen ist schon klar, dass Heute nicht mehr 1930 ist. Willkommen im Jahr 2012. Was Fräulein Kübra hier geschrieben hat, ist auch ohne ihren abstrusen Holocaustvergleich, schlimm genug, aber bei weitem nicht mit der Situation während der NS-Zeit zu vergleichen, also tun sie es auch nicht. Es gibt bereits genug Hobbyhistoriker, wie Sie da draussen die den Deutschen den Holocaust, als genetisch veranlagt unterstellen wollen. Diesen Alltagsrassismus der in diesem Artikel beschrieben ist, ist keine deutsche Besonderheit, sondern das gibts auch in der Türkei, in Syrien, in Frankreich und in den USA. Und mit ihren völlig übertriebenen Unterstellungen erreichen Sie nur, dass Sie nicht mehr ernst genommen werden.

    „Also liebe Muslime: Bitte seid nicht erfolgreich, assimiliert Euch nicht und steigt bitte nicht in der Gesellschaft auf und werdet nicht reich. Dann bleibt ihr uns wenigstens erhalten.“

    Das Ende ihres Kommentars verstehe ich nun überhaupt nicht mehr. Sie übertragen die Gründe die die Nazis zur Judenverfolgung in den 1930er benutzt haben, um den Muslimen aus dem Jahr 2012(!!!) abzuraten sich zu integrieren!? Geht’s noch? Also ich weiß ja nicht, aber ich glaube du hast das Thema total verfehlt!

  5. Der Türke sagt:

    ah ja, solche Begegnungen hatte meine Frau zu Hauf! Dinge wie „du Pinguin,du Wickeltuch, oder meine Faust ist schnell du Kanacke!“….sind einige der Sprüche die meine Frau ertragen musste. Merkwürdigerweise passiert sowas allerdings, nur wenn sie alleine ist.
    Das ich in solchen Fällen koche, wird mir wohl niemand übel nehmen.

  6. Kartoffelschreck sagt:

    Sehr geehrte Frau Gümüşay

    Bitte machen sie weiter , lassen sie sich von diesen Feiglingen nicht beirren.

    Diese menschen sind hasserfüllte roboter die mit ihrem eigenen verkommenen leben nicht klar kommen und die schuld bei jemand anderen suchen müssen.

    leider sind sie genau so wie ihre historischen vorbilder feiglinge , den keiner wagt sich mit offenen visir zukämpfen , nicht das einer dieser gretains es mit ihnen in intellektueller sich aufnehmen könnte .

    aber solche feiglinge trauen sich meistens nur körperlich schwächeren ihre […] zuzeigen ,vorwiegend kopftuch tragenden frauen .

    Ihre Arbeit ist wichtig wahrscheinlich wichtiger als sie denken,denn sie sind einer der wenigen stimmen die das was falsch ist beim namen bennen .

    mir und vielen anderen bedeutet ihre arbeit sehr viel .

    @ nasa

    sie sollten sich mal etwas genauer mit der ns propaganda auseinandersetzen . ich empfehle ihnen mal einige propaganda filme anzuschauen , vielleicht auch einige hetzschriften (natürlich im rahmen der gesetzlichen bestimmungen )

    einer der hauptaussagen der nazis war neben des rassischen aspektes , die aberkennung des judentums als religion .

    schon im „ewigen juden “ hiess es , dass das judentum keine religion ist sondern eine ideologie ,die talmud schule kein religionsunterricht sondern ideologische indoktrination ,und die synagoge ein zentrum der unterwanderung .

    und sie wollen mir sagen es existieren keine parallelen ?

    erst kennen sie uns das menschwerden ab und dann

  7. TaiFei sagt:

    NASA sagt: 29. Juli 2012 um 12:04
    „Ich hoffen ihnen ist schon klar, dass Heute nicht mehr 1930 ist. Willkommen im Jahr 2012. Was Fräulein Kübra hier geschrieben hat, ist auch ohne ihren abstrusen Holocaustvergleich, schlimm genug, aber bei weitem nicht mit der Situation während der NS-Zeit zu vergleichen, also tun sie es auch nicht. Es gibt bereits genug Hobbyhistoriker, wie Sie da draussen die den Deutschen den Holocaust, als genetisch veranlagt unterstellen wollen. Diesen Alltagsrassismus der in diesem Artikel beschrieben ist, ist keine deutsche Besonderheit, sondern das gibts auch in der Türkei, in Syrien, in Frankreich und in den USA. Und mit ihren völlig übertriebenen Unterstellungen erreichen Sie nur, dass Sie nicht mehr ernst genommen werden.“

    Es handelt es sich hier keineswegs um einen Vergleich. Der Holocaust in DE kam ja nicht wie eine Naturkatastrophe plötzlich über Nacht. Er stand nicht am Anfang sondern am Ende. Natürlich ist die heutige Situation nicht vergleichbar mit 1933, es gibt aber vergleichbare Tendenzen. Es kann also keineswegs schaden, wenn man sich als Deutscher ständig vor Augen hält, wohin dass führen kann. Es geht nicht um eine genetische Schuldzuweisung sondern um eine Verantwortung vor der Geschichte. Ich, als Deutscher, betrachte es als meine Pflicht Rassismus und Faschismus bereits in jeglichen Anfängen auch als solche anzuklagen und zwar gerade HIER in DE. Es gibt unbestreitbar auch in anderen Ländern rassistische Tendenzen. Wie kann man die aber kritisieren, wenn man diese in DE geflissentlich übersieht. Wir leben HIER also sollten wir auch HIER dagegen vorgehen.
    Jetzt werden natürlich wieder Einwände kommen, wo sind den die Tendenzen? Sie bekommen diese vielleicht gar nicht mit. Geben mich selbst haben sich diese auch noch nicht gerichtet, sehr wohl aber meine Kinder und meine Frau. Das fängt in der Ausländerbehörde an, geht weiter über willkürliche Polizeikontrollen, Anfeindungen im ÖPNV bis zu Rausschmissen aus Geschäften, ja auch das gibt es wieder.



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