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Buchtipp zum Wochenende

Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz

Bedient sich Sarrazin eugenischer Argumentationsmuster? Gibt es Bezüge zu Netzwerken und Zitierkartellen? Stützt sich Sarrazin tatsächlich auf seriöse Forschungen? „Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz“ beantwortet diese und viele weitere Fragen.

Die von Thilo Sarrazin heraufbeschworenen Untergangsszenarien sind uralt. Schon im vorletzten Jahrhundert waren es angeblich die „Falschen“, die am meisten Kinder bekamen: Ungebildete, Unterschichten und Volksfremde. Doch die befürchtete Degeneration blieb aus; die offene, moderne Gesellschaft erwies sich als leistungsfähiges Erfolgsmodell.

Worin liegt also die Popularität der Sarrazin-Thesen begründet? Der Sammelband „Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz“ diskutiert aus Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen die Behauptung, in modernen Gesellschaften finde eine Gegenauslese zu Gunsten der „Dummen“ statt. Die Autoren weisen dieser inzwischen weit verbreiteten Argumentation zahlreiche Fehler und Missverständnisse nach. Sie zeigen, dass die von Sarrazin angestoßene Debatte um eugenische Ideen kreist und sich zu weiten Teilen auf dubiose Forschungsergebnisse eines internationalen Zitierkartells stützt.

„Regelrecht peinlich für Sarrazin wird es, wenn der Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie, Diethard Tautz, ihn darauf hinweisen muss, dass Intelligenz keine monogenetische Eigenschaft ist, die nach den Mendelschen Gesetzen vererbt wird – wie der Ex-Banker laienhaft, aber umso sturer behauptet“, meint etwa Seteven Geyer in der Frankfurter Rundschau.

Wer das Buch aufschlägt, möchte kaum ein Kapitel überspringen. Ob es um die Deutschen oder US-Quellen Sarrazins geht oder um den Kontext zwischen Intelligenz, Bildung und Genetik. „Auf fast jeder Seite geht einem ein Licht auf“ (Alan Posener etwa schreibt in Die Welt) (bk)