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Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Der Koran

Ein Nahöstlich-Europäischer Text

Mit seinen jüngsten Äußerungen, der Islam gehöre nicht nach Deutschland, hat Bundespräsident Joachim Gauck gezeigt, wie wenig er über die christlich-islamische oder europäisch-morgenländische Geschichte weiß.

VONZeyneb Sayılgan

 Ein Nahöstlich-Europäischer Text
Islamwissenschaftlerin, promoviert derzeit im Bereich Christlich und Islamische Theologie an der Georgetown Universitaet in Washington DC. Als Dozentin leitet sie Seminare über Christlich-Islamischen Dialog, religiösen Pluralismus und Islam. Sie lebt und arbeitet als "Chaplain-in-Residence" auf dem Campus. Als waschechtes "Meenzer Mädche" ist sie in der Fassenachthochburg Mainz geboren bevor sie vor fünf Jahren in die USA zog. Nach ihrem Islamwissenschaft Studium in Mainz absolvierte sie einen zweiten Master im Bereich Christlich-Islamische Beziehungen am Hartford Seminary im Bundesstaat Connecticut. Ihre Eltern kamen als kurdische Gastarbeiter 1977 aus Ostanatolien nach Deutschland. Nach der Hauptschule gelang es ihr und ihren fünf Geschwistern, das Abitur zu erlangen und neben ihrem Studium als freie Journalistin bei HIT Radio FFH, SAT.1, und der Mainzer Rhein Zeitung zu arbeiten. Die Autorin ist aktiv im interreligiösen Dialog tätig und referiert an Kirchen, Schulen und anderen Einrichtungen.

DATUM5. Juni 2012

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RESSORTAktuell, Meinung

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Ein Blick in die Standardliteratur wie Hugh Goddard’s A History of Christian-Muslim Relations beweist anhand historischer Fakten, dass der Islam für die christlich-europäische Gemeinde keineswegs ein Fremdkörper war. Ein kleiner Blick auf die berühmte Ausstellung „1001 Erfindungen“ reicht aus, um sich davon zu vergewissern, dass Mathematik, Geographie, Medizin, Astronomie, Theologie und viele andere Wissenschaften vom 7. bis 17. Jahrhundert von Muslimen bereichert wurden.

Muslimische Wissenschaftler nahmen ihre Inspiration hauptsächlich vom Koran, der sie dazu motivierte, kontinuierlich nach Wissen zu streben und die Zeichen Gottes im Kosmos zu entdecken. Wie der berühmte Religionshistoriker Wilfred Cantwell Smith feststellte, ignoriert die Geschichtsschreibung bis heute die Tatsache, dass Millionen Christen im ehemaligen Byzantinischen Reich und in Nordafrika aus intellektuellen Gründen zum Islam konvertierten.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, mit welcher Vehemenz einige Persönlichkeiten sich dagegen wehren, Muslime könnten irgendeinen konstruktiven Beitrag zur menschlichen Zivilisation geleistet haben oder dass es eine attraktive Seite am Islam geben könnte, die Millionen in ihren Bann zog. Dass der zivilisatorische Einfluss der Muslime zum Teil auch durch vergangene aggressive Kolonial- und Imperialpolitik des Westens unterbrochen wurde, wird gerne übersehen. Eine etwas faire Geschichtsdarstellung scheint daher angebracht.

In ihrem Vortrag „Der Koran – ein nahöstlich-europäischer Text“ an der Princeton-Universität stellt die Koranwissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Neuwirth von der Freien Universität Berlin gängige Annahmen auf die Probe.

Sie stellt die These auf, dass der Koran zum gemeinsamen kulturellen Erbe Europas gehört und dass es genau diese Tatsache ist, die sie motiviert, sich mit dem Koran auf intellektueller Ebene ernsthaft und aufrichtig auseinanderzusetzen. Deutschland, das durch viele als das jüdisch-christliche Abendland beschrieben wird, beruft sich in seinen Gründungsdokumenten auf das reiche Erbe der Spätantike: Biblische und post-biblische Themen wie die patristische Literatur finden ihren Anklang in der deutschen Geschichte.

Interessanterweise ist der Koran genau wie die jüdischen und christlichen Schriften in der Epoche des siebten Jahrhunderts und in derselben Region, dem Nahen Osten, verwurzelt. Trotzdem wird er bis heute hartnäckig vom Verständnis des kulturellen Erbe Europas ausgeschlossen. „Das Christentum und Judentum gehören zu Europa, der Islam aber nicht“, heißt es. Das aber widerspricht den historischen Tatsachen.

Der Koran wurde in kein historisches Vakuum geboren. Vielmehr herrschte eine gewisse Kontinuität. So findet die Erwähnung von biblischen Propheten ihren Anklang im Koran ohne nennenswerte Begründung oder Ausführung. Warum? Weil der Koran voraussetzt, dass seine Zuhörerschaft eine Beziehung zur Thora und den Evangelien besitzt. Schließlich versteht sich der Koran nicht als neue, sondern als die letzte, universale und andauernde Mitteilung aus einer Reihe göttlicher Offenbarungen – oder wie es Mustafa Ceric, der islamische Gelehrte aus Bosnien formuliert hat: Das Alte, das Neue und das Letzte Testament stehen in engem Zusammenhang zueinander. Der Koran war also eine wichtige Stimme im Konzert der Religionen des 7. Jahrhunderts.

Gegenwärtig ist aber wenig zu lesen oder zu hören von den reichen und theologischen Diskursen der Spätantike, an denen Juden, Christen und Muslime gemeinsam teilnahmen. Teilweise polemisch, manchmal sogar konfliktreich, doch offen und ehrlich und mit der Einsicht, dass man sich miteinander auseinandersetzen muss und ohne Scheu, voneinander herausgefordert zu werden und zu lernen. Man denke an Theologen wie Johannes von Damaskus, Theodore Abu Qurra, Hunayn ibn Ishaq, Thomas Aquinas, Nikolaus Cusanus, um nur einige in Erinnerung zu rufen, die den Koran studierten und ihre eigenen theologischen und philosophischen Traktate damit bereicherten.

Warum sollte der Koran also weniger von Bedeutung sein als das Alte und das Neue Testament oder „säkulare“ Texte? Wieso sollte der Koran im öffentlichen Diskurs über Moral, Ethik, Umwelt, Politik, Wirtschaft etc. nicht auch einmal von Nahem beäugt und ernst genommen werden? Es ist Zeit für ein Umdenken auf allen Ebenen.

Im Falle der „Bunten Republik Deutschlands“, sollte das reiche geistige Erbe des Nahen Ostens thematisiert und der Koran als „nahöstlich-europäisches Element“ wiederbelebt werden. Berührungspunkte, und davon gibt es viele, aber auch konfliktreiche Themen der Vergangenheit sollten kritisch unter die Lupe genommen werden.

Besonders Lehrer mit multikulturellen Klassen müssen hier einen Schwerpunkt setzen. Es ist in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht länger tragbar, dass diese gemeinsame Geschichte im Unterricht ausgeblendet wird. Dabei liefert gerade die gemeinsame Geschichte, Potenzial für ein gemeinsames Ethos, für ein neues WIR.

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32 Kommentare
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  1. lila sagt:

    danke für die wichtigen Infos!

  2. […] Ein Nahöstlich-Europäischer TextMiGAZINIslamwissenschaftlerin, promoviert derzeit im Bereich Christlich und Islamische Theologie an der Georgetown Universitaet in Washington DC. Als Dozentin leitet sie Seminare über Christlich-Islamischen Dialog, religiösen Pluralismus und Islam. […]

  3. europa sagt:

    Aber vom Islam wissen wir schon so viel und vom Buddhismus oder vom Hinduismus noch fast gar nichts. Wieso lernen wir als Atheisten, Christen und Muslime nicht einfach etwas von den scientologen?

    Ich seh nicht ein, dass ich mich jetzt mit einer Religion intensiver beschäftigen soll, als mit einer Anderen. Man sollte sich, als Muslim genauso wie die Christen daran gewöhnen, dass Religionen in einem säkularen Staat wie Deutschland immer kritisiert werden, solange ihre Religion mehr als nur privatsache ist. Wenn man die Ideologie er jeweiligen Religion nach aussen zu tragen versucht, dann darf man sich nicht wundern, wenn man auf sehr heftige Gegewehr trifft.

    Religionen sind, wenn man es objektiv betrachtet Gesellschaftsspaltend und das nicht erst seit heute sondern seit Jahrtausenden. In Europa hat man daraus Konsequenzen gezogen und die Religionen in ihrer macht beschnitten. Den Islam gibt es erst seit 40jaren in Deutschland und deshalb muss dieser erst zurecht gestutzt werden, damit keine Gefahr für den Frieden in der Gesellschaft ausgeht.

    Mag der Islam nun zu deutschland gehören oder nicht, das ist ansichtssache und abhängig davon was man damit meint. Danach gefragt hat keiner, aber es wäre schön zu sehen, wenn der Bundespräsident und seine aussagen genauso ernst genommen werden, wie die von Wulff, auch wenn das den meisten Muslimen nicht passt, aber der Gauck ist mindestens doppelt so beliebt, wie der Wulff und ob es den hier lebenden Migranten gefällt interessiert die Leute nicht. Ein BP muss mehr können als Migranten Politik.

  4. linguistin sagt:

    Herzlichen Dank für den interessanten Artikel, Frau Sayilgan. Ich würde Ihre Beiträge gerne auch in der Frankfurter Rundschau, in der Süddeutschen Zeitung oder in der Zeit lesen wollen.

  5. MoBo sagt:

    Für mich stellt sich eher die Frage, warum man die „Zugehörigkeit“ überhaupt einer Religion in Frage stellt. Natürlich gibt es bedeutende Einflüsse von Muslimen und der islamischen Religion auf die Europäische Kultur (TM), aber warum das überhaupt in Abrede stellen – ach so, vielleicht weil man sich in einem „Abwehrkampf“ gegen Muslime sieht? Traurig.

    zum Beispiel „Europa“ – der Kommentator nicht der Kontinent -:
    „Ich seh nicht ein, dass ich mich jetzt mit einer Religion intensiver beschäftigen soll, als mit einer Anderen.“
    Das sollte man vielleicht auch mal die Christen fragen??? Aber ernsthaft, es geht hier um gesellschaftlich relevante Gruppen. Ich kann ja auch fragen „warum reden wir bei Migranten ständig über Türken und nie über Malediver“ – ganz einfach, wegen der Menge. Genauso beim Islam. Deswegen wird der Hinduismus hier sowenig thematisiert.

    „Den Islam gibt es erst seit 40jaren in Deutschland und deshalb muss dieser erst zurecht gestutzt werden, damit keine Gefahr für den Frieden in der Gesellschaft ausgeht.“

    1. wenn Sie die Türkischen Einwanderer meinen muss ich Sie enttäuschen, die sind seit 50 Jahren hier. Muslime gibt es aber seit über 400 Jahren in Deutschland, bitte als „Europäer“ sich auch mal mit europäischer Geschichte beschäftigen, die geht nicht erst 1945 los. 2. „zurechtgestutzt“ ist eine ganz schön aggressive Aussage. Sie scheinen es wirklich auf einen Kampf angelegt zu haben, nicht war?

    „auch wenn das den meisten Muslimen nicht passt, aber der Gauck ist mindestens doppelt so beliebt, wie der Wulff und ob es den hier lebenden Migranten gefällt interessiert die Leute nicht.“

    a) Gauck hat im Zeit-Interview Migranten allgemein herabgewertet und lässt in seinen Reden eindeutig einen protestantischen Herrschaftsanspruch mitschwingen. Ich hoffe die Katholiken merken das bald und verbünden sich mit Juden und Muslimen und Atheisten (!) gegen solch eine Bevormundung b) das klingt bei Ihnen wirklich so, als seien „Migranten“ eine völlig von Deutschland und Deutschsein getrennte Gruppe. Bitte was?

  6. Theophanos sagt:

    Frau Sayilgan stellt ja selbst eine Dichotomie Westen vs. Islam her, wenn sie den Westen für die geistige Erstarrung der muslimischen Welt verantwortlich macht. So einfach ist das nicht. Da spielt die eigene Ineffizienz der islamischen Reiche und später Staaten in puncto Bildungswesen, Verwaltung, Arbeitsethos eine mindestens ebenso große Rolle.

    Und ich glaube, einen wesentlichen Grund für die Abwehrreaktionen vieler Europäer auf den Islam kommt hier auch zutage: Die Marginalisierung des Juden- und Christentums zu bloßen Vorgängerreligionen des Islam.
    Ein Christ, wie auch ein Jude ist eben nicht der Meinung, dass seine Religion von einer anderen getoppt wird. Seine Religion ist für ihn einzigartig, aus sich heraus vollkommen und der Islam völlig anders in seiner ganzen Weltanschauung.

    Dieser Anspruch des Islam, der Gipfel des Christen- und Judentums zu sein, ist für ihn nicht nachvollziehbar und anmaßend, weil beides komplett verschiedene Konzepte von Gott und den Menschen sind.

  7. Faktum sagt:

    @Theophanus

    Anscheinend ist Ihnen die Bemühung um Fairness in diesem Artikel nicht aufgefallen. Die Autorin hat deswegen auch geschrieben, dass auch „zum Teil“ Kolonial- und Imperialpolitik des Westens den zivilisatorischen Einfluss der Muslime unterbrochen haben. Es ist schon klar dass eine einseitige Schuldzuweisung nicht der Wahrheit entspricht. Bitte in Zukunt sorgsamer lesen

  8. AI sagt:

    @Theophanus: Na ist doch alles supi, dann steht der Islam in der Tradition des Christentums, der meint das jüdische „Auge um Auge,..“ etc. überwunden zu haben, der wiederum meint, die ägyptischen und alt-orientalischen Religionen überwunden zu haben. Da könnte man es eher mit Heraklit sagen: Alles nur Meinung. Oder wie Sie sagen: Glaube. Dass diese Glaubenskonzepte sich seit ihren Gründungen gegenseitig beeinflussen missachten Sie vollkommen, und zeigen: Wir stehen noch gaaaanz am Anfang. Aber ich empfehle Ihnen Angelika Neuwirth zu lesen. Oder vielleicht Adolf Holl: Der lachende Christus. Da können Sie nachlesen wie tief der christliche Protagonist in der islamischen Welt verankert ist.
    p.s.: Und ich glaube, dass die Abwehrreaktion eher im unkritischen Medienkonsum auf allen Seiten liegt.

  9. Theophanos sagt:

    @Al
    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Richtig, das Christentum sieht sich als Überwinder des Judentums, welches den Messias nicht akzeptierte, das stimmt. Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass da eine entscheidende Prämisse noch hinzu kommen muss: die Entpolitisierung der Religion. Glaube passiert im Kopf und solange er dort bleibt und anderen nichts vorzuschreiben versucht, kann sich jeder für den tollsten Hecht halten.

    Deswegen war mein Einwand zu unpräzise: Erst wenn sich der religiöse Überlegenheitsanspruch mit einem politsch-sozial-rechtlichen verbindet, ist die Schwelle des Erträglichen überschritten. Das ist der Knackpunkt.

  10. Zara sagt:

    Muslimische Wissenschaftler nahmen ihre Inspiration hauptsächlich vom Koran, der sie dazu motivierte, kontinuierlich nach Wissen zu streben und die Zeichen Gottes im Kosmos zu entdecken.
    ——
    Religiöse Wissenschaftler waren die einzigen, die zu dieser Zeit forschen durften, zumindest durfte nicht in Richtungen geforscht werden, die der religiösen Lehre widersprachen.
    Wo sind denn die Wissenschaftler des Islam heutzutage.

    Wie der berühmte Religionshistoriker Wilfred Cantwell Smith feststellte, ignoriert die Geschichtsschreibung bis heute die Tatsache, dass Millionen Christen im ehemaligen Byzantinischen Reich und in Nordafrika aus intellektuellen Gründen zum Islam konvertierten.
    —–
    Tatsache? Im Osmanischen REich erhielten nur Muslime volle Bürgerrechte. Nicht-Muslime waren irgendwas zwischen Bürger zweiter Klasse und Sklaven (damit ging es zugegebenermaßen christl. Minderheiten in der muslimischen Welt zu der Zeit besser als jüdischen Minderheiten Minderheiten in Mitteleuropa)
    Dieses Faktum an einer solchen Stelle zu verschweigen grenzt an Geschichtsrevisionismus.

    Dass der zivilisatorische Einfluss der Muslime zum Teil auch durch vergangene aggressive Kolonial- und Imperialpolitik des Westens unterbrochen wurde, wird gerne übersehen. Eine etwas faire Geschichtsdarstellung scheint daher angebracht.
    —–
    Und hier wird nicht erwähnt, dass es zunächst das Osmanische Reich war, welches arabische Gebiete kolonialisiert hat und dass es in den meisten und dass die meisten durch den Westen kolonialisierten muslimischen Gebiete zu der Zeit brach lagen. Ansonsten würde ich gern mal die Bilder von den blühenden Landschaften im Nahen Osten Anfang des 20. Jahrhunderts sehen.
    Auch Saudi-Arabien bspw. war vom Osmanischen Reich kolonialisiert. Sind die Osmanen jetzt verantwortlich, dass die Saudis sich dem Wahabismus zugewandt haben und deswegen, es eins der Länder ist, in denen Menschen die wenigsten Rechte haben.
    Und ist das Osmanische Reich oder der Westen dafür verantwortlich, dass große Teile der arabischen Welt die UNO-Menschenrechtscharta nicht anerkannt haben? Und besteht da vielleicht ein Zusammenhang zum Islam?

    So findet die Erwähnung von biblischen Propheten ihren Anklang im Koran ohne nennenswerte Begründung oder Ausführung. Warum? Weil der Koran voraussetzt, dass seine Zuhörerschaft eine Beziehung zur Thora und den Evangelien besitzt.
    —–
    Oder weil Mohammed copy and paste gemacht hat, um eine neue Herrschaftsform zu etablieren. Und woher sollte die Zuhörerschaft zu dieser Zeit eine Beziehung zu Bibel und Thora herstellen? Dies war Gelehrten vorbehalten, die vlt. 0,005% der Bevölkerung ausmachten. Die meisten Menschen zu dieser Zeit konnten nicht lesen und wenn konnten sie nicht hebräisch, arabisch und Latein.
    Also wenn das eine wissenschaftliche Interpretation sein soll….

    Warum sollte der Koran also weniger von Bedeutung sein als das Alte und das Neue Testament oder „säkulare“ Texte? Wieso sollte der Koran im öffentlichen Diskurs über Moral, Ethik, Umwelt, Politik, Wirtschaft etc. nicht auch einmal von Nahem beäugt und ernst genommen werden?
    —–
    Heilige Maria…weil wir unsere Moral, Ethik, Umwelt, Politik, Wirtschaft etc. nicht nach religiösen Überlieferungen ausrichten, sondern nach rationalen Überlegungen, zumindest theoretisch. Das heute noch jemand so eine Frage stellt, find ich erschreckend.

    Besonders Lehrer mit multikulturellen Klassen müssen hier einen Schwerpunkt setzen. Es ist in unserer pluralistischen Gesellschaft nicht länger tragbar, dass diese gemeinsame Geschichte im Unterricht ausgeblendet wird. Dabei liefert gerade die gemeinsame Geschichte, Potenzial für ein gemeinsames Ethos, für ein neues WIR.
    ——
    Ein neues „Wir“ mit religiöser Prägung. Nein danke. Bei „uns“ gibt es ein „wir“, nämlich das unserer säkulärer und liberalen Bürger aus aller Herren Länder. „Ihr“ steht mit den Pius-Brüdern auf einer Stufen, das ist keine Trennung zwischen Muslime und Nicht-Muslime, sondern zwischen Säkularisten auf der einen und Evangelikale und Islamisten auf der anderen Seite.


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