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Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, Anlässlich „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“, 28.03.11, Hannover

Berliner Kriminalstatistik

Deutsche Tatverdächtige als Ausländer erfasst

Die Berliner Kriminalstatistik hat über viele Jahre Tatverdächtige ohne Angaben zur Nationalität einfach als ausländische Tatverdächtige erfasst. Jetzt stellt sich heraus, dass 85 Prozent dieser Täter Deutsche waren.

Jährlich geben Bund und die Länder Zahlen zur polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) heraus. Darin wird die Öffentlichkeit über die Kriminalitätsrate in verschiedenen Deliktsarten informiert. Erfasst wird dabei auch die Täterherkunft. Die Unterteilung erfolgt nach deutschen und nichtdeutschen Tatverdächtigen. So auch in Berlin.

Wie sich allerdings herausstellte mit einem gravierenden Fehler. In den Jahren 2005 bis 2011 wurden Tatverdächtige, die keine Angabe zu ihrer Nationalität machten, automatisch als Nichtdeutsche eingestuft. Das Brisante dabei: erst jetzt wurde bekannt, dass diese zu 85 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft hatten und trotzdem als nichtdeutsche Tatverdächtige erfasst wurden.

3-5 Prozent niedriger
Bei richtiger Angabe hätte der Anteil der Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen über die ganzen Jahre insgesamt 3 bis 5 Prozent niedriger gelegen. „So kam es zu Verzerrungen, die einen kontinuierlichen Anstieg der Kriminalitätsrate unter Nichtdeutschen vorgaukelten, obwohl nach 2004 die Zahlen vorerst rückläufig waren. Zahlreiche falsche Darstellungen in den Medien waren die Folge. Diese lassen sich natürlich nicht mehr korrigieren. Das ist äußerst ärgerlich. Fakt ist, dass der Anteil der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen heute nicht wesentlich höher ist als noch vor 10 Jahren”, so Fabio Reinhardt, integrationspolitischer Sprecher der Piratenfraktion.

Dabei sind die PKS-Zahlen in Bezug auf die nichtdeutschen Tatverdächtigen ohnehin verzerrt. Delikte, die nur von Ausländern begangen werden können, tauchen in der Statistik genauso auf wie Taten von Durchreisenden oder Touristen. Auch wird in der PKS keine Unterteilung nach dem Alter der Tatverdächtigen oder nach dem sozialen Status vorgenommen. Ein signifikanter Faktor ist nämlich, dass die ausländische Bevölkerung im Vergleich zur deutschen Bevölkerung viel jünger oder häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Das schlägt sich besonders negativ auf die Statistik aus. Experten fordern bei Vergleichen daher, Aspekte wie Alter oder sozialer Status zu berücksichtigen. Alles Anderen würde hinken. (sb)

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38 Kommentare
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  1. Blubber sagt:

    1. wenn jetzt die Zahl der nichtdeutschen Straftäter um 85 Prozent sinkt, die Anzahl der Straftaten Nichtdeutscher aber nur um 3-5%, dann müssen die 15 % dermaßen was von Intensivtäter sein, daß sie das Straftaten begehen als Vollzeitjob betrachten. Bei einer Gleichverteilung müßten die Straftaten Nichtdeutscher nämlich ebenfalls um 85% sinken.
    Irgendwas ist da faul, oder?
    2. selbst wenn die Straftaten Nichtdeutscher nur um 3-5% gesunken sind, so ist die Prozentzahl von Nichtdeutschen verübter Straftaten doch noch weit überm Durchschnitt der Eingeborenen.
    3. hört doch einfach mal auf zu Lügen. In der PKS werden bei der Gegenüberstellung von Straftaten indigener und nichtindigener Personen diejenigen Straftaten, die ausländerspezifisch sind, rausgerechnet. Diese jetzt nochmal abziehen zu wollen ist Statistiskfälschung.
    Siehe PKS Seite 132: „Betrachtet man zusätzlich noch den Wohnsitz zur Tatzeit, sind 29,4% aller zur Tatzeit in Berlin wohnhaften Tatverdächtigen zu 890000 Straftaten insgesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße, die weder „Illegale“ noch Touristen/Durchreisende sind, Nichtdeutsche. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 28,9%.“ Die Kriminalität Nichtdeutscher in Berlin wohnender hat also sogar noch ZUGENOMMEN. Es wird jetzt auf 26% runtergerechnet. damit sind Ausländer (Anteil an der
    Bevölkerung: etwas über 13%) aber immerhin doppelt so oft tatverdächtig wie Deutsche.
    4. und jetzt mal real: die 85% beziehen sich auf einen Anteil von knapp 5% der gesamten nichtdeutschen Tatverdächtigen. Das ist auf den Teilwert bezogen ein großer Fehler (85%), auf den Gesamtwert bezogen allerdings ein lächerlich kleiner Fehler (nur 1%).

  2. Markus sagt:

    soll ihr wieder relativiert werden, weil jung, arm und arbeitslos und deshalb schwere kindheit und deshalb kriminell geworden? es gibt auch opfer und nicht nur täter,

  3. A.Kausch sagt:

    @aloo masala

    Haben Sie einmal „Menschen mit türkischem MH“ , die den deutschen Pass haben, gefragt, als was sie sich selbst sehen ? Zu welcher Ethnie,welchem Land sie sich zugehörig fühlen ? Sie würden sich über die Antworten sehr wundern. Oder auch nicht. Viele geben auch unumwunden zu, das sie diesen Pass nur erworben haben, wegen der Vorteile, die er ihnen bringt. Diese Leute sagen dann auch ganz klar, sie seien lediglich „Papierdeutsche“, hätten aber ansonsten mit Deutschland wenig am Hut.

    Auf die Frage „Was sind Sie, als was sehen/fühlen Sie sich“ kommt, wie aus der Pistole geschossen, das Wort NATÜRLICH TÜRKE.

    Und kommen Sie mir jetzt nicht mit der Eklärung, das wäre so, weil die Mehrheitsgesellschaft sie nicht als Deutsche akzeptieren würden. Die türkische Community, die Verbände, der türkische Staat arbeiten nachdrücklich daran, das dies so bleibt.

  4. Buriber sagt:

    @ A.Kausch

    Seit Jahrzehnten wird Migrantenkindern der deutsche Pass ausgegeben? Wo haben Sie denn diesen Unsinn her?

    Erst seit dem Jahr 2000 erhalten Kinder von legal in Deutschland lebenden Migranten auf Wunsch die deutsche Staatsangehörigkeit und müssen mit 18 Jahren entscheiden ob sie die behalten oder nicht.

    Das Müssen ja ganz ganz böse 12-Jährige sein vor denen Sie solche Angst haben und die ganz Deutschland im kriminellen Griff haben.

  5. […] von deutschen Jugendlichen begangen wurden. Und wenn jetzt Berlin als Beispiel kommt: Dort wurden jahrelang deutsche Tatverdächtige als "Ausländer" […]

  6. […] Fefe des Tages ist heute die Erklä­rung, wes­we­gen in Ber­li­ner Sta­tis­ti­ken die […]

  7. […] Fefe des Tages ist heute die Erk­lärung, weswe­gen in Berliner Sta­tis­tiken die Krim­i­nal­ität durch […]


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