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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016
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Schüler mit Migrationshintergrund

Sprache zu Hause entscheidet über Bildungserfolg

In NRW hat mehr als jeder vierte Schüler einen Migrationshintergrund. Dabei fällt auf: Je häufiger zu Hause Deutsch gesprochen wird und je weiter der Migrationshintergrund zurückliegt, desto häufiger besuchen sie ein Gymnasium.

Im Schuljahr 2010/11 hatte in Nordrhein-Westfalen mehr als jeder vierte (26,2 %) der rund zwei Millionen Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Zuwanderungsgeschichte. Wie das Statistische Landesamt NRW mitteilt, verzeichnen Grundschulen mit 31,5 % einen deutlich überdurchschnittlichen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. Die Hauptschulen weisen mit 38,7 % den höchsten Anteil an Schülern mit Zuwanderungsgeschichte auf, gefolgt von den Gesamtschulen mit 32,2 % und den Realschulen mit 27,1 %. An Gymnasien sind die Schüler mit Zuwanderungsgeschichte mit 13,5 % deutlich unterrepräsentiert. An den Förderschulen beträgt der Anteil 26,3 % und liegt damit etwa im Durchschnitt.

Laut Erhebung wird bei 15 % aller Schüler in der Familie eine nicht deutsche Verkehrssprache gesprochen, das sind mehr als die Hälfte (57 %) der Schüler mit Zuwanderungsgeschichte. An den Grundschulen liegt der Anteil der Kinder, die in ihrer Familie vornehmlich nicht Deutsch reden, bei überdurchschnittlichen 19,5 %.

Verkehrssprache in der Familie
Von den weiterführenden Regelschulen weisen derzeit die Hauptschulen mit 25,6 % den höchsten Anteil an Jugendlichen auf, in deren Familien hauptsächlich nicht Deutsch gesprochen wird, gefolgt von den Gesamtschulen (20,1 %) und den Realschulen (13,4 %). Dagegen ist bei nur 5,0 % der Gymnasiasten die Verkehrssprache der Familie nicht Deutsch. In den Förderschulen liegt dieser Anteil bei 16,8 %.

Das heißt: An Hauptschulen ist der Anteil der Jugendlichen mit einer nicht deutschen Verkehrssprache in der Familie (25,6 %) fast doppelt so hoch wie der Anteil derjenigen mit deutscher Sprache (13,1 %). An den Gesamtschulen ist das Verhältnis nicht mehr ganz so stark zugunsten der Jugendlichen mit nicht deutscher Verkehrssprache verteilt (20,1 % zu 12,1 %). In den Realschulen sind die Anteile der Schüler mit nicht deutscher Verkehrssprache nahezu gleich verteilt (jeweils etwa 13,5 %). Und an den Gymnasien kehrt sich das Verhältnis um: Hier sprechen mehr Schüler in ihren Familien Deutsch (8,5 %) als nicht Deutsch (5 %). Die Ergebnisse weisen somit darauf hin, dass Sprache ein wichtiges Kriterium für den Besuch des Gymnasiums ist.

Migrationserfahrung der Schüler
Ein weiterer Befund: Insgesamt sind 21,2 % der Schüler in Nordrhein-Westfalen mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren. Nur 5,0 % der Schüler haben eigene Migrationserfahrungen gemacht, sind also erst nach ihrer Geburt nach Deutschland gekommen.

Die Differenzierung nach weiterführenden Schulen zeigt, dass Schüler mit eigener Migrationserfahrung an Gymnasien mit 3,1 % unterdurchschnittlich vertreten sind. An Realschulen liegt deren Anteil bei 5,0 % und an Gesamtschulen bei 6,1 % und damit noch weit unter dem Anteil dieser Gruppe an Hauptschulen mit 12,0 %. Bezüglich der in Deutschland geborenen Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte wird der Anteil an Gymnasien (10,4 %) von dem an Realschulen (22,0 %), dem an Gesamtschulen (26,1 %) und dem an Hauptschulen (26,7 %) um weit mehr als das Doppelte übertroffen.

Migrationserfahrung der Eltern
Darüber hinaus spielt auch die Migrationserfahrung der Eltern eine entscheidende Rolle. Der Anteil der Jugendlichen mit zwei zugewanderten Elternteilen an Hauptschulen liegt bei 27,9 %, an den Gesamtschulen bei 21,3 % und an den Realschulen noch bei 18,6 %. An den Gymnasien ist dieser Anteil mit 8,3 % fast dreieinhalb Mal so niedrig wie an den Hauptschulen.

Etwas geringer fallen die schulformspezifischen Unterschiede für Kinder und Jugendliche mit nur einem zugewanderten Elternteil aus: An den Haupt- und Gesamtschulen liegen sie bei rd. 9 %, an den Realschulen bei 7,2 % und an den Gymnasien ist der Anteil mit 4,5 % nur etwa halb so groß wie an Haupt- und Gesamtschulen. (sb)

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3 Kommentare
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  1. Dr. Rita Zellerhoff sagt:

    Wie in ihrem Artikel dargestellt, korreliert die Sprache, die eingewanderte Kinder der 1. oder 2. Generation zu Hause sprechen, mit dem Erfolg in der Schule. Das heißt aber noch lange nicht, dass die überwiegende Verwendung des Deutschen ursächlich für den Bildungserfolg der Kinder ist, wie dies die Überschrift dieses Artikels suggeriert. Wie man an den Ländern Kanada und Schweden erkennen kann, ist Mehrsprachigkeit vielmehr eine Bildungschance, die nur rechtzeitig genutzt werden muss. Bildungsgerechtigkeit entscheidet sich daran, wie die Ausgangssprachen der Kinder gefördert und wertgeschätzt werden, damit sie als eine wertvolle Ressource für das weitere Sprachenlernen der Schüler genutzt werden können. Einen guten Anfang nehmen die staatlichen Europaschulen und zweisprachige Bildungsgänge an Kindergärten , Grundschulen und weiterführenden Schulen.
    Rita Zellerhoff

  2. Per Lennart Aae sagt:

    Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Mehrsprachigkeit aus gesellschaftlicher Sicht, insbesondere in bezug auf große, der aufnehmenden Gesellschaft relativ fern stehende Einwanderergruppen, geht es nicht allein um die Beherrschung mehrerer Sprachen und die Vorteile, die dies dem einzelnen theoretisch bringen könnte, sondern darum, ob die betreffenden Gruppen als ethnisch separate Volksgruppen bestehen bleiben, oder aber in die Mehrheitsbevölkerung aufgehen. Diese Frage hat wiederum mehrere Implikationen. Eine davon ist die bildungsmäßige Integration, mit der logischerweise gerade bei Immigranten, die dem „Wirtvolk“ ursprünglich bildungsmäßig fern stehen/standen, die Bildungserfolge der jungen Immigrantengeneration stark korreliert ist.

    Genau dies beweist die Studie. Insofern ist sie ein eindrucksvoller Beleg dafür, daß eine gelungene Integration in der Regel mit der Übernahme der Kultur, vor allem der Sprache, des Aufnehmerlandes einhergeht. Ausnahmen bestätigen, wie üblich, die Regel.

    Per Lennart Aae

  3. schwesteringeborg sagt:

    Ein nicht zu unterschätzendes Medium beim Fremdspracherwerb ist das Fernsehen.

    Als es nur deutsche Programme gab, haben Migranten zwangsläufig(geht besonders gut mit Werbung) deutsche Unterhaltungen gehört und vieles aus dem Zusammenhang erschlossen.

    Diese Möglichkeit kann jeder in Deutschland weiterhin nutzen, um sein Deutsch zu verbessern.



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