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Angela Merkel, Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland, 2008

Pro NRW & Salafisten in Bonn

Den Rechten in die Hände gespielt

Pro NRW hatte vor die Bonner König-Fahad-Akademie geladen. Die kleine Gruppe Rechtsextremer kam, um zu provozieren und genau das tat sie. Leider mit großem Erfolg.

VONGereon Schloßmacher

Der Autor hat Politik- und Geschichtswissenschaft an der Universität Trier studiert.

DATUM7. Mai 2012

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Bonn. Würden sich Hass und Intoleranz von Regen aufhalten lassen, wäre Bonn dieses unwürdige Spektakel am vergangen Samstag wohl erspart geblieben. Was eine friedliche Demonstration gegen die Kundgebung von Pro NRW werden sollte, endete in Gewalt und musste nach zwei Stunden vorzeitig beendet werden.

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Zwei schwer verletzte Polizeibeamte, mehrere stark beschädigte private PKW sowie Einsatzwagen der Polizei und eine rechtspopulistische Splitterpartei, die erreicht hatte, wofür sie gekommen war.

Rechte Provokateure
Und dabei fing alles so ruhig an. Um 14 Uhr sollte die Kundgebung von Pro NRW sowie die Gegendemonstration, zu welcher der Rat der Muslime in Bonn eingeladen hatte, offiziell beginnen. Der von der Polizei weiträumig abgesperrte Abschnitt vor der saudischen König-Fahad-Akademie, die eine Schule und eine Moschee beherbergt, war schon lange zuvor gut gefüllt. 600 Demonstranten, größtenteils Muslime, waren gekommen um sich den Tiraden der Rechten entgegenzustellen. Um ein Zusammenprallen der beiden Lager zu verhindern, hatte die Polizei die Rechtsextremem 30 Meter entfernt platziert.

Eingezäunt in Absperrungen und Mannschaftswagen, bewacht von mehreren dutzend Polizisten. Gerade einmal mit 20 Anhängern waren die rechten Provokateure erschienen. Ihr Publikum bestand aus den Beamten und einigen Journalisten. Darüber hinaus wollte den Hasstiraden an diesem Tag niemand beiwohnen. Die Selbsteinschätzung von Pro NRW, „die ganze Bundesrepublik“ schaue heute auf sie, sorgte bei den wenigen Anwesenden für unfreiwilliges Lachen.

Islam als „Ausgeburt der Hölle“
Was danach passierte war weniger lustig. Auf der einen Seite der Absperrung nannte Pro NRW den Islam laut die „Ausgeburt der Hölle“ und Mohammed einen „Mörder“, auf der anderen Seite wurden die „Allahu Akbar“-Rufe immer aggressiver und die Stimmung deutlich gereizter. Dennoch war bis zu diesem Moment alles friedlich. Dann aber enthüllte die Kleinstpartei eine Mohammed-Karikatur des dänischen Zeichners Kurt Westergaard und hielt sie so hoch, dass auch die Gegendemonstranten hinter der Absperrung die Provokation sehen konnten. Kurz darauf flogen die ersten Steine. Die Fotografen, die sich zwischen den beiden Blöcken aufhielten, liefen weg oder versuchten sich hinter den Bussen der Polizei zu schützen. Mehrere Autos wurden stark beschädigt, auch Scheiben gingen unter den teilweise kiloschweren Steinen zu Bruch. Die mit Schildern geschützten Polizeibeamten versuchten die Situation aufzulösen und die Menge auseinanderzutreiben. Insgesamt 29 Polizisten wurden dabei „nicht unerheblich“ verletzt, wie Polizeisprecher Harry Kolbe sagte. Zwei Beamte wurden sogar durch Messerstiche schwer verwundet. Sie werden stationär im Krankenhaus behandelt.

Nach Polizeiangaben handelte es sich bei den Aggressoren um eine Gruppe von Salafisten. Konkrete Hinweise darauf, dass die Männer Anhänger der Salafiyya waren gibt es jedoch nicht. Auf Nachfrage bestätigte Kolbe, dass es sich dabei lediglich um eine „Annahme“ handelt. Auch woher die Steine kamen ist bislang noch nicht geklärt. Da die Demonstranten vor der Kundgebung kontrolliert wurden, schließt Kobe nicht aus, dass bereits am Tag zuvor Depots mit Steinen in dem Bereich der Gegendemonstration angelegt wurden. Dies würde bedeuten, dass der Gewaltausbruch bereits im Vorfeld geplant wurde, und die Situation nicht spontan eskalierte.

„Ihr verhaltet Euch nicht wie Moslems…“
Während die 20 Rechtsextremen aus reichlich Sicherheitsabstand indes zufrieden „Abschieben, Abschieben!“ skandierten, forderte der Redner der Gegendemonstration seine „Brüder“ mehrfach auf friedlich zu sein und ging sie mit deutlichen Worten an: „Ihr verhaltet Euch nicht wie Moslems, das ist nicht mein Islam, den Ihr verkörpert!“. Andere Demonstranten versuchten die kleine Gruppe davon abzuhalten weiter Steine und andere Gegenstände zu werfen, was zu einer Schlägerei zwischen muslimischen Demonstranten führte. Bis zum Abend kam es zu über 100 Verhaftungen. Die Polizei hat zur Klärung der Ereignisse eine Mordkommission eingerichtet.

Pro NRW packte währenddessen zufrieden ein. Man hatte erreicht, wofür man gekommen war. Die Rechtsextremisten hatten ganz bewusst so lange provoziert, bis es zur Eskalation kam. Als es zu dieser kam, brüllte ihr Sprecher „diese Bilder gehen durch Deutschland“. Leider hatte er damit Recht.

Eine Handvoll gewaltbereiter Muslime hat dafür gesorgt, dass eine rechte Splitterpartei mediale Aufmerksamkeit genießt, die ihr nicht zusteht. Hunderte friedlich demonstrierende Muslime werden darüber vergessen werden. Der Regen auf den Straßen von Bonn ist mittlerweile wieder getrocknet, die Bilder dieses Tages werden nicht so schnell verschwinden.

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21 Kommentare
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  1. Socke sagt:

    Als vor einiger Zeit zum Besuch des Papstes entsprechende Anti-Kirchen Plakate und einige mit dem Papst-Konterfei ähnlich den Anti-Moscheen Plakaten hochgehalten wurden – flogen keine Steine
    Wenn jemand einen (auch nch sehr schweren) Stein wirft zeigt das auch nur wie wenig Respekt jemand vor dem Leben anderer hat – die Achtung von Leben geht vor jede Religion, das müssen einige Muslime (scheinbar) leider noch lernen.
    Wer dann noch mit Messern (!) gegen die Beamten vorgeht die nur die Meinungsfreiheit gewährleisten wollen – hat gezeigt wie wenig Achtung er vor eben dieser hat.
    Demonstrieren gegen Pro NRW -> erlaubt, aber dabei Gewalt einsetzen -> Verbrechen.
    Man schaue sich die Proteste gegen die NPD in Neumünster und andernorten an, Bunt statt Braun, das läuft doch auch gut ab!
    Immerhin gut, dass der Redner gezeigt hat – nicht alle Muslime denken so. Allerdings hätten diese nicht versuchen sollen die anderen abzuhalten sondern einfach etwas weiter daneben weiter friedlich demonstrieren und der Polizei die Gewalttäter anzeigen. So hätte die Polizei schnell feststellen können wer hier nur ärgern machen will und wer nicht, es wären auch keine friedlichen Demonstranten in Gewahrsam genommen worden.

  2. nanina sagt:

    Ich habe ein Video gesehen, in dem ein Vertreter vom Muslimrat Bonn neben einem Salafisten auf der Bühne stand, der mit Geißelnahmen von Deutschen im Ausland gedroht hat, wenn Mohammed weiter kritisiert wird. Niemand vom Muslimrat hat versucht, diese Hasstiraden zu stoppen.
    Karikaturen sind immer Provokationen, die muss man in einem Land mit Meinungsfreiheit aushalten.
    Was wäre eigentlich passiert, wenn die Polizei nicht dagewesen wäre. Hätte man die 20 armseeligen Renter von ProNRW gesteinigt? Das muss man jetzt denken und man muss weiter denken. .

  3. roter Baum sagt:

    Eine Handvoll „gewaltbereiter Muslime“ sind also einige hundert? Auch war dort kein Rechtsextremist, niemand hat provoziert. Offensichtlich hatte die Muslime nur ganz große Probleme mit Meinungsfreiheit, Kunst und Demokratie.

  4. MoBo sagt:

    @ roter Baum:
    Die Plakate allein auf dem Photo oben sind eine Provokation. Wer was gegen Religionen hat, schön und gut, aber hier wird nur gegen „Ausländer“ gehetzt. Auch Rechtsextreme sind auf dem Bild leicht zu identifizieren, der eine trägt ein REP-Tshirt, bei 20 Teilnehmern also mindestens 5%, wenn man Pro-NRW mal nicht generell als ausländerfeindlich und rechtsradikal einordnen will. Dass die Pro-NRW-Leute „abschieben“ gerufen haben – aus rechtlichen Gründen haben sie sich das „vergasen“ wahrscheinlich verkniffen – zeigt ganz klar dass sie rassistische Provokateure sind. Pro-NRW ist eine Gruppe die einfach schwer in unsere demokratische Wertegesellschaft zu integrieren ist, aber man muss so etwas bis zu einem gewissen Grade tolerieren, weswegen deren „Demonstration“ wohl auch gestattet wurde.

    Dann Mohammed-Karrikaturen hochzuhalten – auch eine Provokation. Was für einen Nutzen hatte dies? Eine Stellungnahme zu Salafisten? Eine Stellungnahme zu Saudi Arabien? Oder einfach mal alle Muslime in Deutschland beleidigen?

    „Die Muslime“ hatten keine ganz großen Probleme, es waren nur ein Teil der Gruppe. Wenn eine große Demo gegen Nazis einige gewaltbereite Autonome darunter hat, sind dann alle die gegen Nazis sind gewaltbereit??? Außerdem, wo ist da Kunst???

  5. […] Nachtrag: Eine genauere Beschreibung der Vorgänge im MiGAZIN […]

  6. Goldblum sagt:

    @ Autor des Artikel

    „…und Mohammed einen „Mörder“…“

    Wollen Sie ernsthaft bestreiten (was historisch absolut unbestritten ist), das der „Prophet Mohammed“ Anführer einer Streitmacht war, und sowohl im Kampf selbst Menschen getötet hat, als auch Befehle an sein Herr gegeben hat, die „Feinde“ zu töten? Das in seinem Namen und durch seinen Befehl gefangene Feinde hingerichtet wurden ?

    War „Mohammed“ kein Heerfüher ???

  7. Rubrum sagt:

    Die Salafisten checken gar nicht, dass sie die Karikaturen bestätigen. Im Übrigen suchen die eh nur einen Grund um durchzudrehen. Sie hoffen jetzt wohl, weltweite Hassparaden auszulösen wie 2006.

  8. Cengiz K sagt:

    ….Die Polizei hat zur Klärung der Ereignisse eine Mordkommission eingerichtet….

    das bedeutet die Sache ist gegessen, PR wurde genug gemacht und…

    …Konkrete Hinweise darauf, dass die Männer Anhänger der Salafiyya waren gibt es jedoch nicht. Auf Nachfrage bestätigte Kolbe, dass es sich dabei lediglich um eine „Annahme“ handelt. Auch woher die Steine kamen ist bislang noch nicht geklärt. …

    Das Bild hat sich bereits eingebrannt… Mission accomplished..

  9. pepe sagt:

    @denVerfasserdeserstenBeitrages: Wollen Sie wirklich religionsferne Europäer mit religiösen Moslems hinsichtlich deren Akzeptanz von mockierenden Karikaturen vergleichen? Also, bitte…

  10. Socke sagt:

    @pepe – es gibt auch unteri den Europäern einige sehr religiöse Menschen. Diese dürften durch die gezeigten Karikaturen genau so „beleidigt“ worden sein wie die Muslime.
    Also – wo ist der Unterschied? Der einzige ist, be den von mir genannten Demos flogen kene Steine auf die Menschen die ihre Meinung mit Schildern kundtaten,ich habe nur Geschrei gehört. DAs kann/muss man aushalten. Auf die Teilnehmer (und Beschützer) dieser Demo flogen allerdings nicht nur Steine. Warum dürfen die überhauüt diese Kriegsflagge wedeln oder sich vermummen? Warum schritt die Polizei nicht da bereits ein?

    Religiöser Fanatismus ist und bleibt eines der schrecklichsten PRobleme der Gegenwart. Ich denke es wurden in jüngster Zeit mehr Menschen aufgrund ihrer Religion ermordert (insbesondere Christen in muslimisch geprägten Ländern) als Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder einer anderen Volkszugehörigkeit.

    Was zeigt das? Religion ist die Geißel der Menscheit, wenn wir es schaffen uns durch Ratio von dieser zu befreien wird es uns als Menscheit insgesamt sicher nicht schaden.


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