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Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Im Namen der Ehre

Eine muslimische Stimme zu Pro NRW und Salafisten

Wie konnte die Situation in Bonn, wo Pro NRW vor der König Fahd Akademie Mohammed-Karikaturen hochhielten, eskalieren? Und wer ist im Recht? Darüber hat sich Amir Dziri Gedanken gemacht.

VONAmir Dziri

Der Autor ist wiss. Mitarbeiter Zentrum für Islamische Theologie Universität Münster.

DATUM7. Mai 2012

KOMMENTARE11

RESSORTAktuell, Meinung

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Man mag sich fragen, was in den Köpfen derer vorgeht, die hämisch frohlockend Karikaturen einer Person in die Luft hängen, welche nunmehr schon seit unzähligen von Jahrhunderten nicht mehr unter uns weilt. Man mag sich fragen, was in den Köpfen derer vorgeht, die gekommen sind, um die Ehre eben jener Person zu verteidigen, und sich dabei höchst unehrenhaft benommen haben. Man mag sich fragen, was in den Köpfen derer vorgeht, die sich zurecht verpflichtet fühlen, Gewalt zu unterbinden und das Gesetz zu schützen, und dabei zwischen die Fronten undifferenzierten Hasses gekommen sind. Man mag sich fragen, was in den Köpfen derer vorgeht, die anwohnen und obgleich der Szenen, die sich vor ihren Häusern dargestellt haben, um ihre Angehörigen fürchten.

Und man mag sich fragen, was in den Köpfen jener Richter vorgeht, welche wohlwissend um die Tragweite ihrer Entscheide, den Demonstranten das Recht zusprachen, ihren Unmut –auch in der Form- kund zu tun. Und eins vorweg: Die Entscheidung der Richter ist richtig, denn diesen Konflikt in den vereinsamten Sälen deutscher Gerichte auszufechten würde ihn nur allzu kurzfristig aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannen, um ihm weiter Zeit zu gewähren sich allmählich satt zu nähren und alsbald in noch größerem Ausmaß auszubrechen.

So, haben alle gesehen, was passiert ist. Es gibt keine zwei Sichtweisen. Die Ehre eines Menschen, eines Propheten, ist ihm nicht zu nehmen durch eine Handvoll Provokateure und ihrer geistigen Misere, in der sie sich gemütlich eingenistet haben. Vielleicht aber wird jene Ehre befleckt durch solche, die vorgeben, in ihrem Namen zu sprechen, sich als ihre vermeintlichen Beschützer ausgeben und dabei der eigenen persönlichen Wut und sinnlosen Gewalttätigkeit freien Lauf lassen. Wenn Rechtstaatlichkeit durch Faustrecht ersetzt wird, sind jene Minderheiten die ersten Leidtragenden. Allein soweit denken viele nicht.

Eins ist sicher: Die pseudo-religiösen Ultras haben neo-nazistischen Tendenzen einen Bärendienst erwiesen. In Oslo haben tausende Menschen noch vor kaum vergangener Zeit friedlich gegen Hass und ideologischen Wahnsinn und für Freiheit und Menschenwürde mit gemeinsamer Stimme gesungen. In Bonn fällt einigen Gegendemonstranten nichts anderes ein, als mit Pflastersteinen zu schmeißen. Schändlicher kann ein Verhalten nicht sein!

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11 Kommentare
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  1. Socke sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag, dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist.
    Es muss klar sein – viele Muslime wollen nur das was Christen auch möchten – ihren Glauben haben.
    Ganz gleich was ihr Nachbar darüber denkt, ob er auch Muslim, oder Christ, oder Pastafari – oder auch einfach gegen Religion ist.

    Sobald klar wird – wir Muslime möchten hier nichts ändern, wir verlangen keine „Sonderbehandlung“ werden die Menschen diese Muslime auch akzeptieren.
    Leider gibt es aber immer noch viel zu viele die meinen sie könnten überall ihre religiösen Sichtweisen auch in weltliche Regeln gießen, stellen überall „Forderungen“ und „Verlangen“ dies und jenes, Da erscheint der Eindruck – Muslime wollen immer nur etwas haben schnell zu entstehen.
    Etwas mehr Bescheiden- und vor allem mehr Gelassenheit – auf allen Seiten – und wir können entspannt im 21. Jahrhundert weitergehen.

  2. Beschämt hoch drei sagt:

    Ich bin auch Muslima und über die Geschehnisse „unserer“ vermeintlichen Vertreter absoult beschämt! Ich möchte in keinster Weise mit diesem prügelnden Mob in einem Atemzug genannt werden und finde dieses Verhalten inakzeptabel. Ihr wolltet dem Propheten eure Ehre erweisen? Das ist ganz sicher nach hinten los gegangen und weder der Prophet, der voller Barmherzigkeit und Sanftheit war noch unser Schöpfer wird stolz auf das sein, was ihr da fabriziert habt. Es hat nichts, aber auch gar nichts mit edlem Charakter und vorbildhaftem Verhalten zu tun. Das was ihr da zeigt, ist um kein Haar besser als dass was eure Gegenseite dargestellt hat, somit seid ihr für mich ein und das selbe! Das sind keine Weret für die ich einstehe. Übrigens gilt dies sowohl für unser deutsches GG als auch für die islamsiche Lebensweise! Traurig! Ich wünsche den Verletzten und ihren Angehörigen alles Liebe und eine baldige Genesung!

  3. ralf frodermann sagt:

    „Die pseudo-religiösen Ultras haben neo-nazistischen Tendenzen einen Bärendienst erwiesen.“
    Gemeint ist wohl, dass die Ultras den Tendenze eine Steilvorlage gegeben haben. –

  4. Mathis sagt:

    Guter Artikel, dem ich in allen Punkten zustimme.

  5. Cengiz K sagt:

    …Sobald klar wird – wir Muslime möchten hier nichts ändern, wir verlangen keine “Sonderbehandlung” werden die Menschen diese Muslime auch akzeptieren….

    Homo Homöostasis? Sag mal geht’s noch? Deswegen wahrscheinlich 1000jähriges Reich: 1000 Jahre keine Veränderung..

  6. Der Iraner sagt:

    Ich gebe Cengiz vollkommen Recht! Es wird die Zeit kommen wo wir Muslime und „Kanaken“ uns nicht so behandeln lassen könne. Weg mit dieser „Gastarbeitermentalität“ […]

  7. Rumpelstielchen sagt:

    Erst einmal möchte ich sagen, dass ich es falsch finde,
    die Pro NRW Leute als Nazis oder Rassisten darzustellen.
    Nicht jeder, der es falsch findet,
    das es in Deutschland zu viele Muslime gibt, ist ein Nazi.
    Diese Feststellung ist wichtig. Weil solch eine vorschnelle Verurteilung
    gegen die Demokratie und gegen eine freie Meinungsäußerung spricht.
    Und, diese Eskalation war vorhersehbar. Und es wird nicht das Ende sein. Sollte die Krise auch Deutschland erreichen, werden solche Auseinandersetzungen öfters in den Medien zu lesen sein, als uns lieb ist. Ein Grund ist, das Muslime
    ( und vor allem die türkischen ) jahrelang Sonderrechte bekommen haben. Und diese Sonderrechte, haben sie vor einem inhaltlichem Dialog mit Kritikern verschont. Dieser Dialog ist nur aufgeschoben. Er wird nicht zu umgehen sein, diese Disskussion früher oder später zu führen. Oder ein tiefer Graben wird auf Dauer bleiben. Das wäre schade.
    Zu den Salafisten kann ich nur sagen, das die Videos, von denen, für sich sprechen. Hass, Ehre und Stolz sind genau die Dinge , die diese Leute bewegen. Und genau die Dinge sind es, die ungöttlich sind. Da unterscheiden sich die Salafisten nicht, von wahren Nazis.

  8. Krupunder sagt:

    @Der Iraner

    Sie bejahen also diese Ausschreitungen?

  9. Wilhelm Dietmar sagt:

    Da ist mir von zuviel Ehre die rede. Im Mittelalter wurden der Ehre Willen Kriege geführt. Das macht man heute nicht mehr. Gemordet wird deswegen schon noch.

  10. aloo masala sagt:

    Die Diskussion um die Mohammed-Karikaturen und die Meinungsfreiheit kann man inzwischen wie folgt zusammenfassen:

    Wir spucken auf Euch, um Euch zu zeigen, dass wir frei sind. Habt ihr damit etwa ein Problem? Das ist Euer Problem.


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