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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010
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TV-Tipps des Tages

03.05.2011 – Türkei, Ausländer, Terror, Einbürgerung, Integration, Immigranten

TV-Tipps des Tages sind: Die Zehn Gebote: Seit sie zu einer „Illegalen“ wurde, lebte Hülya versteckt bei Verwandten; Ausländer oder eingebürgert? Sicherlich stellt sich jeder Einwanderer eines Tages in seinem Aufnahmeland die Frage, ob er immer noch ein Ausländer ist oder ob er sich als vollwertiger Bürger seiner neuen Heimat bezeichnen kann; East West 101

VONÜmit Küçük

DATUM3. Mai 2012

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Die Zehn Gebote
7/10, Gestohlene Jahre – Wissen und mehr – Seit sie zu einer „Illegalen“ wurde, lebte Hülya versteckt bei Verwandten – vier Jahre lang, mal hier, mal dort, nie länger als ein paar Wochen am selben Ort. Keine Freunde, keine Schule, keine Kontakte in die Außenwelt. Keine Freunde, bei denen sie sich melden und die Sorgen teilen konnte. Hülya traute sich kaum vor die Haustür, saß allein zu Hause und wartete, dass der Alptraum endlich endet. Sie war gerade 14 Jahre alt, als ihre kurdische Familie, nachdem sie zehn Jahre in Deutschland gelebt hatten, keine Duldung mehr bekam und in die Türkei abgeschoben werden sollte. Für Hülya damals wie heute unvorstellbar.

Die Türkei kannte sie nur aus dem Fernsehen oder aus Urlaubserzählungen. Ihre Eltern hofften, dass es irgendwie doch noch eine Chance für sie in Deutschland geben könnte, und tauchten unter. Dahinter stand bei ihnen die Hoffnung, dass ihre Tochter in Deutschland eine Ausbildung machen und ein selbst bestimmtes Leben führen kann. Nach Jahren in der Illegalität hat nun eine hessische Kirchengemeinde für die kurdische Familie eine Petition eingereicht. Seitdem ist Hülya zumindest vorübergehend geduldet, darf wieder zur Schule gehen. Doch das Zittern geht weiter, denn es gibt wenig Hoffnung, dass die Petition einen dauerhaften Aufenthalt für Hülya und ihre Familie bewirkt. 09:30-10:00 • HR

Ausländer oder eingebürgert?
Dokumentarfilm – Sicherlich stellt sich jeder Einwanderer eines Tages in seinem Aufnahmeland die Frage, ob er immer noch ein Ausländer ist oder ob er sich als vollwertiger Bürger seiner neuen Heimat bezeichnen kann. Überall auf der Welt – vor allem in den reichen Industrieländern – leben Menschen, die dort nicht geboren wurden, sondern – sei es aus politischen, wirtschaftlichen oder ganz persönlichen Gründen – in dieses Land gekommen sind. Aber in keinem Land gibt es Patentlösungen dafür, wie man diesen Menschen hilft, sich zu integrieren und sich zu vollwertigen Staatsbürgern zu entwickeln.

Soll man Einwanderer dazu ermutigen, ihre eigene Kultur mit ins Land zu bringen und zu pflegen, wie es zum Beispiel in Kanada und den Vereinigten Staaten der Fall ist? Oder soll man sie – im Gegenteil – dazu anhalten, sich so rasch wie möglich zu assimilieren und sich den Gewohnheiten der neuen Heimat anzupassen, wie es in Frankreich gefordert wird? Politiker müssen häufig zu diesem Thema Stellung nehmen, während man die Betroffenen, das heißt die Einwanderer selbst, nur selten anhört.

Der kanadische Filmemacher Jon Kalina hat die Familie Samater aufgesucht, die aus dem Norden Somalias stammt. Zu Anfang der 90er Jahre wanderte der dunkelhäutige, muslimische Clan aus Somalia aus und war bald in alle Winde verstreut. Angehörige der Familie leben in Frankreich, England, Dänemark, den Niederlanden, Kanada und den Vereinigten Staaten. Seit 20 Jahren versuchen sie alle, sich im Ausland ein besseres Leben aufzubauen. Welches Land hat ihnen dabei geholfen, gleichwertige Bürger zu werden? Und wo fühlen sie sich ausgegrenzt, frustriert und als ewige Ausländer?

Hintergrundinformationen:
Immigration ist ein globales Phänomen, aber globale, universelle Lösungen für die Integration von Ausländern gibt es nicht. Bislang scheint noch kein Staat das Patentrezept für die Integration von Einwanderern gefunden zu haben. Die Ansätze sind so verschieden, wie die Einwanderer selbst. Am Beispiel einer somalischen Familie, deren Mitglieder über ganz Europa verstreut und in den USA und Kanada leben, analysiert ARTE, wie die westliche Gesellschaft mit afrikanischen Immigranten umgeht und welche Länder eine erfolgreiche Integrations- und Einbürgerungspolitik vorzuweisen haben. 11:15-12:50 • arte

East West 101
6/6, Am Abgrund – Malik bekommt einen Job bei der Anti-Terror-Einheit angeboten. Doch plötzlich gerät er unter Mordverdacht: Ihm wird vorgeworfen, John Hunt getötet zu haben. Dann wird in seinem Gartenhaus eine große Menge Sprengstoff entdeckt. Ist dies das Ende seiner Polizeilaufbahn? Auch Ray Crowley steht vor großen Problemen, die ihn seinen Job kosten können. Werden jetzt beide zu Verlierern oder schaffen sie es, sich gegenseitig zu helfen?

Nach einem wilden Kampf mit dem Mann, der seinen Vater vor Jahren angeschossen hatte, wird Malik niedergeschlagen. Als seine Kollegen eintreffen, ist John Hunt, sein Gegner, verschwunden, doch eine anonyme Anruferin beschuldigt Malik, Hunt getötet zu haben. Kurz darauf wird in Chinatown tatsächlich dessen Leiche gefunden. Malik beginnt mit der Suche nach Hunts Mörder, doch je näher er der Wahrheit kommt, desto gefährlicher wird er für bestimmte Leute.

Malik und Sonny Koa finden heraus, dass Hunt mit der Tochter des chinesischen „Paten“ Cho zusammen war. Nach einem Gespräch der beiden Detectives mit Cho werden plötzlich noch zwei Leichen entdeckt, und ein weiterer anonymer Hinweis führt die Anti-Terror-Einheit zu Malik nach Hause, wo große Mengen Sprengstoff gefunden werden. Malik wird verhört und man unterstellt ihm Verbindungen zu islamischen Extremisten. Als er erfährt, dass Crowley nachts vor seinem Haus gesehen wurde, verdächtigt er ihn, den Sprengstoff in seinem Schuppen deponiert zu haben.

Auch für Crowley wird die Luft immer dünner. Die internen Ermittler haben das Verfahren gegen ihn wieder aufgenommen, er wird vom Dienst suspendiert. Als ihm klarwird, dass es seine Chefin, Patricia Wright, war, die ihn bei der Dienstaufsicht gemeldet hat, ist er am Ende. Maliks und Crowleys Schicksale scheinen unlösbar miteinander verbunden. Können die beiden sich gegenseitig helfen oder wird nur einer diesen Kampfplatz lebend verlassen?

Hintergrundinformationen:
„East West 101“ ist eine vielfach ausgezeichnete australische Krimiserie, die im multikulturellen Sydney spielt. Im Mittelpunkt steht der junge Kriminalbeamte Zane Malik, der im Dezernat für Schwerverbrechen arbeitet. Malik ist arabischer Moslem, und in der Welt nach dem 11. September 2001 reicht das, um Misstrauen und Angst auszulösen. Malik steht immer unter dem Druck, sich beweisen zu müssen.

Sein dienstälterer Kollege Ray Crowley ist ein Polizist alter Schule. Regeln und Vorschriften interessieren ihn wenig, wenn es um Ergebnisse geht. Crowley liegt im Streit mit allem und allen, mit den Zeiten, den Kollegen und mit sich selbst. Mit Zane Malik aber hat er mehr als Streit, mit ihm, den er einen „verrückten Araber“ nennt, führt er Krieg, während ihre Ermittlungen sie in die verschiedensten Viertel und Schichten der Millionenstadt führen.

„East West 101“, erzählt die Geschichte zweier Männer, die durch ihren Beruf schicksalshaft miteinander verbunden sind. Malik wird angetrieben vom Hunger nach Gerechtigkeit. Als Kind musste er mit ansehen, wie sein Vater bei einem Raubüberfall auf das kleine Geschäft der Familie angeschossen und schwer verletzt wurde, weil er, Malik, sich geweigert hatte, dem Räuber die Kasse zu öffnen. Die polizeilichen Ermittlungen führten ins Nichts, der Fall blieb ungelöst.

Seither sucht Malik nach dem Mann, der geschossen hat. Als er herausfindet, dass Ray Crowley damals an der Untersuchung des Falls beteiligt war, wird sein Misstrauen ihm gegenüber nur noch stärker.

Malik und Crowley umkreisen sich wie feindliche Krieger. Aber hier geht es nicht nur um zwei Alpha-Männchen im Kampf um die Vorherrschaft, ihr Kampf ist auch eine Metapher für die Angst und die Vorurteile, die im Verhältnis zwischen Ost und West existieren.

ARTE zeigt die insgesamt sechs Folgen der ersten Staffel der preisgekrönten australischen Krimiserie vom 26. April bis zum 3. Mai 2012 jeweils donnerstags in zwei aufeinanderfolgenden Teilen. 21:05-22:00 • arte

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