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TV-Tipps des Tages

16.04.2011 – Türken, Islam, Koran, Ausländer, Migranten, Muslime

TV-Tipps des Tages sind: Faszination Wissen: Vorurteile – wie sie aus dem Hintergrund unser Leben bestimmen – „Bei Türken gehört Gewalt zum Alltag“; Journal am Vormittag: Kontrovers – politisches Streitgespräch mit Hörern und Studiogästen dlf. Koran zu verschenken – Der Islam und die Grenzen unserer Toleranz; Lebenslinien: Ein Dankeschön an meine große Nase

VONÜmit Küçük

DATUM16. April 2012

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Faszination Wissen
Vorurteile – wie sie aus dem Hintergrund unser Leben bestimmen – „Bei Türken gehört Gewalt zum Alltag“ – „Im Islam werden Frauen unterdrückt“ – all das sind Aussagen, die auf Vorurteilen beruhen. Erfundene oder wahre Eigenschaften, die auf Einzelfälle vielleicht zutreffen, werden ganzen Bevölkerungsgruppen zugeschrieben, beispielsweise „Gewalttätigkeit“ den „Türken“, oder „Unterdrückung“ den „Muslimen“. Fertig ist das Vorurteil! Und das hat Folgen: Vorurteile bestimmen nicht nur das Denken, sondern auch das Handeln derjenigen, die an sie glauben. Sie beeinflussen politische Entscheidungen und prägen gesellschaftliche Entwicklungen.

Als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ fassen Psychologen und Pädagogen Vorurteile zusammen, wenn diese zur Abwertung von Mitmenschen führen und so zu einer Gefahr für das Zusammenleben werden. Etwa die Hälfte der Deutschen glaubt, dass das Land „gefährlich überfremdet“ sei. Dabei sind Vorurteile menschlich, eigentlich eine Errungenschaft der Evolution: Um zu überleben, muss das Gehirn des Menschen unzählige Informationen abspeichern. Informationen, die in einer gefährlichen, oder unbekannten Situation blitzschnell und unbewusst abgerufen werden und so helfen die Situation unbeschadet zu überstehen. „Wenn ich in der Wildnis auf einen Bären treffe, überlege ich nicht, ob das ein Braun- oder ein Schwarzbär ist. Mein Gefühl, mein Vorurteil sagt mir: Gefahr! Mach dass du weg kommst“, so fasst ein Neuropsychologe zusammen, wie diese Denkstruktur funktioniert.

Der Mensch denkt in Schubladen. Das hat ihm sein Überleben über Jahrtausende ermöglicht. Aber genau das wird heute auch zum Problem: Wir leben nicht mehr in der Wildnis, sondern in einer globalisierten Welt. Zusammen mit Menschen aus verschiedenen Kulturen. Die große Chance, die das mit sich bringt, wird durch das Schubladendenken, eben durch Vorurteile, behindert oder sogar gefährdet. Faszination Wissen geht dem Vorurteil als uraltem sozialem Verhaltensmuster auf den Grund: Wie entstehen moderne Vorurteile und was kann man dagegen tun?

Hintergrundinformationen:
„Faszination Wissen“ ist eine von Iska Schreglmann moderierte Wissenssendung, die Aktuelles und Faszinierendes aus der Welt der Wissenschaft und Technik unterhaltsam und anschaulich präsentiert. Der Titel ist Programm: Faszinierende Themen aus der Wissenschaft werden über ungewöhnliche Zugänge erschlossen und mit spannenden Bildern und anspruchsvollen Grafiken umgesetzt. Die Themen der 30-minütigen Dokumentationen sind nicht nur interessant, mitunter werden auch brisante Aspekte kontrovers diskutiert. So wird Verständnis für die Komplexität erzeugt, Erkenntnis über den Diskussionsstand und die Tatsache vermittelt, dass auch die Wissenschaft auf viele Fragen des Lebens noch keine Antwort hat. Alle Altersgruppen können bei „Faszination Wissen“ staunend in diese spannende Welt des Wissens eintauchen. 09:00-09:30 • BR-alpha

Journal am Vormittag
Kontrovers – politisches Streitgespräch mit Hörern und Studiogästen dlf. Koran zu verschenken – Der Islam und die Grenzen unserer Toleranz.

Studiogäste: Norbert Geis, CSU, MdB; Innenpolitiker – Lamya Kaddor, Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes; – Götz Nordbruch, Islamwissenschaftler.

Hörertel.: 00800 – 4464 4464 Hörerfax: 00800 – 4464 4465 kontrovers(a)dradio.de 10:10-10:30 • Deutschlandfunk

Lebenslinien
Dokumentation – Ein Dankeschön an meine große Nase – Freiheit ist für Necla Kelek das Wichtigste im Leben. Und sie ist ein Mensch, der viel und gerne lacht. Das Lachen hat sie auch in den schwierigen Momenten ihres Lebens nicht verlernt. Als kleines Mädchen durfte sie in Istanbul Anfang der 1960er-Jahre mit ihren Geschwistern auf der Straße spielen, ins Kino gehen, Sport treiben, Musik hören. Ihre Eltern waren zwar im Islam verwurzelt, doch legten sie die muslimischen Regeln nicht allzu streng aus.

Als die Geschäfte von Neclas Vater in der Türkei schlecht laufen, geht er als „Gastarbeiter“ nach Deutschland. Drei Jahre später folgt ihm die Familie nach. Necla ist zehn, und in der Volksschule ist sie die einzige Türkin. Sie lernt schnell und fühlt sich angenommen. Als weitere türkische Familien nachkommen, verändert sich etwas: Plötzlich darf Necla nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen, sie darf keine deutschen Freundinnen mehr haben, nicht mehr allein ins Café gehen. Was die anderen denken und sagen, wird wichtig. Necla möchte die neuen Regeln verstehen. Doch der Vater erklärt nichts, ordnet einfach an.

Während ihre ältere Schwester sich fügt, widersetzt sich Necla. Es folgen lange Jahre des Kampfes zwischen Tochter und Vater, ein Kampf, in dem sich am Ende Necla durchsetzt. Sie kann sogar die Universität besuchen. Heute setzt sie sich öffentlich für die Freiheit von muslimischen Frauen in Deutschland ein; der Kampf gegen die sogenannte „Zwangsehe“ ist ihr ein besonderes Anliegen. Lachend erzählt Necla, wie ihre Mutter ihr häufig gesagt hat: „Deine Freiheit hast du nur deiner zu großen Nase zu verdanken. Sonst hätten wir für dich einen Bräutigam gefunden!“ Ihren deutschen Bräutigam hat sich Necla selbst ausgesucht…

Hintergrundinformationen:
Ein Film von Carla Kilian 22:15-23:00 • BR

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