Statistik - Ausländische Bevölkerung im Jahr 2011 deutlich angestiegen - MiGAZIN

Anzeige

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken. Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Statistik

Ausländische Bevölkerung im Jahr 2011 deutlich angestiegen

Gegenüber 2010 ist die ausländische Bevölkerung um rund 177 300 Personen gestiegen (+ 2,6 %). Besonders stark hat sich die Zahl der Ausländer aus den EU Ländern erhöht; die größte Abnahme wurde innerhalb der türkischen Bevölkerung verzeichnet.

 Ausländische Bevölkerung im Jahr 2011 deutlich angestiegen

Ein reges kommen und gehen © James Cridland @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Am Jahresende 2011 lebten insgesamt rund 6,93 Millionen Personen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Dies teilt das Statistische Bundesamt auf der Basis von Daten des Ausländerzentralregisters (AZR) mit. Gegenüber 2010 ist die im AZR registrierte ausländische Bevölkerung um rund 177 300 Personen gestiegen (+ 2,6 %). Dies war der höchste Zuwachs seit 15 Jahren. Er ist größtenteils auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zurückzuführen. Lediglich 12 % des Zuwachses ging auf das Konto von Ausländern aus Staaten außerhalb der EU.

Anzeige

Zuwanderung aus EU-Ländern am höchsten
Besonders stark hat sich die Zahl der Ausländer aus den 2004 der EU beigetretenen Ländern erhöht: Sie stieg gegenüber 2010 um 79 100 (+ 12,9 %). Vor allem die Zahl der Personen aus den acht mittel- und osteuropäischen Staaten, für die Deutschland seit dem 1. Mai 2011 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit gewährt, hat deutlich zugenommen. Hier war insbesondere der Zuwachs von Bürgerinnen und Bürgern aus Polen (+ 49 000) und Ungarn (+ 13 900) auffällig.

Ebenfalls deutlich erhöht hat sich die Zahl der Immigranten aus den beiden 2007 der EU beigetretenen Ländern Rumänien (+ 32 700) und Bulgarien (+ 19 000). Auch die Zahl der Personen aus den von der Euro-Krise besonders betroffenen Mittelmeerstaaten Griechenland, Italien, Portugal, Spanien hat 2011 mit + 16 700 oder + 1,7 % zugenommen. Der Einfluss von Griechenland war dabei mit einer Zunahme um 7 000 Personen am größten.

Größte Abnahme bei Türken
Die ausländische Bevölkerung aus Nicht-EU-Staaten hat sich 2011 um 21 400 Personen erhöht (+ 0,5 %); im Jahr zuvor war sie noch um 16 600 zurückgegangen. Der Zuwachs ging beispielsweise auf Personen aus den USA, Kroatien, Afghanistan oder China zurück. Abgenommen hat 2011 hingegen die türkische Bevölkerung in Deutschland (– 22 300). Damit setzte sich der Trend der letzten Jahre fort, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau.

Für den migrationspolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Memet Kılıç, ist das ein Verlust für “unser Land”. Denn zu den Ursachen gehören laut Kılıç “die Planlosigkeit der Bundesregierung in der Migrationspolitik und rassistische Thesen aus der Mitte der Gesellschaft à la Thilo Sarrazin. Viele hervorragend ausgebildete Menschen sind davon abgestoßen und planen deshalb ihre Zukunft nicht bei uns sondern im Land Ihrer Vorfahren”, so der Grünen-Politiker weiter.

Insgesamt sind im Laufe des vergangenen Jahres 609 200 ausländische Personen nach Deutschland zugezogen oder wurden hier geboren – das waren 96 000 mehr als im Jahr zuvor. Gleichzeitig haben 303 200 ausländische Personen das Land verlassen oder sind verstorben, rund 2 500 mehr als im Vorjahr. 128 700 Personen sind aus anderen Gründen wie zum Beispiel durch Einbürgerung aus dem Ausländerzentralregister ausgeschieden, 24 900 weniger als im Vorjahr. (bk)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Anzeige

21 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. andres sagt:

    Man macht es sich zu einfach wenn man die Rückkehr von Deutsch-Türken nur an Diskriminierung festmacht.
    So schade solche Vorfälle sind, ist doch der Hauptgrund wohl der, daß in DE die Konkurrenz um gute Arbeitsplätze bedeutend höher als in der Türkei ist und ein Deutsch-Türke, der hier eben keinen Topjob ergattern kann, diese Möglichkeit viel eher in der Türkei hat, zumal die vorhandene Zweisprachigkeit auch von Vorteil ist.

  2. Gaziantepli sagt:

    Türken gehen Sinti und Romas aus EU Bulgarien, Rumenien, Bosnien, Araber, Kurden, Griechen, Slavische Völker kommen. In Wirklichkeit bei Türken, dass die erst jetzt gehen, ist falsch. Seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der Türken. Die meisten Menschen aus der Türkei sind hier Kurden. Ich schätze jeder vierte aus der Türkei ist ein in Wirklichkeit ein Türke der Rest ist fast alle Kurden. Ich kann die Ausländer auf der Straße viel besser auseinander halten als ein Deutsche. Die Türken sind meistens unsichtbar. Sie werden für andere Nationen gehalten. Dagegen werden fast alle Kurden, Araber, Romas für Türke gehalten. Das Bild der Türken im Kopf der Deutschen ist falsch.

  3. Sebastian Mersmann sagt:

    Das ist doch völlig unseriös, von den Daten des AZR auf Abwanderungen zu schließen! Wo bleibt der gute Journalismus?

    Jede Einbürgerung verzerrt diese Zahl, daher müsste man erstmal die Zahl der eingebürgerten Türken wissen, bevor man wirklich einen Saldo aufstellt. In den letzten Jahren jedenfalls haben viele Türken, oft mit fragwürdiger Leichtigkeit, einen deutschen Pass erhalten und verschwinden so aus der Statistik.

  4. Optimist sagt:

    @ Gaziantepli

    Da ist schon was dran, daß Türken häufig für was anderes gehalten werden. Ich bekomme immer wieder zu hören, daß ich nicht wie ein Türke aussehen würde.Türken erkennen mich im Allgemeinen und reden mich häufig direkt auf türkisch an. Deutsche hingegen fragen mich meistens, ob ich aus Iran, Italien oder Spanien käme.

    Ich selber finde, ich sehe typisch türkisch aus. Ich erkenne andere Türken auch meist auf anhieb. Ich erkenne auch in den meisten Fällen, ob jmd türkischer Kurde ist. Bei den syrischen Kurden hab ich wiederum Schwierigkeiten, sie eindeutig zu identifizieren.

    Zum Artikel kann ich nur sagen, daß es mich überhaupt nicht wundert, daß mittlerweile mehr Türken auswandern als einwandern. Ich glaube, es würden noch viel mehr Türken auswandern, wenn sie in irgendeiner Form finanziell abgesichert wären. Da die Türken in Deutschland vor Neonazis nicht mehr sicher sind* und der Staat nicht entschlossen dagegen angeht, werden viele sicher spätestens im Rentenalter wieder zurück kehren. Der Abgang der Hochqualifierzten spielt sicherlich auch eine Rolle.

    *Auch wenn in den Medien kein Bezug dazu hergestellt wird, schließe ich die Möglichkeit eines Hassverbrechens im jüngsten Erschießungsfall in Neukölln nicht aus. Immerhin haben Neonazis bereits lange vorher angekündigt, besonders im April (!!!) unmissverständliche Zeichen zu setzen (siehe Drohungen gegen Moscheen in Berlin usw).

  5. Kim sagt:

    Optimist schreibt: ” Ich glaube, es würden noch viel mehr Türken auswandern, wenn sie in irgendeiner Form finanziell abgesichert wären”

    In Deutschland sind Sie finanziel abgesichert was den Lebensunterhalt betrifft, Optimist. Das ist wohl auch der einzige Grund warum Sie nicht auswandern. Denn ohne Qualifikation will Sie keiner.

  6. Kim sagt:

    Also das “Sie” bezieht sich auf Optimist. Nicht daß hier der Eindruck entsteht das alle Türken unqualifiziert sind. Dem ist ja offensichtlich nicht so.

  7. gedanke sagt:

    Die Deutschen sehen meistens keine Türken,sie sehen da gleiche was die Türken selbst im Westen der Türkei sehen.

  8. Optimist sagt:

    @ Kim

    Woher wollen Sie denn wissen, ob ich hier finanziell abgesichert bin? Zufälligerweise gehöre ich zu den Hochqualifizierten und ich spiele seit Sarrazins Buch und dem Auffliegen der NSU mit dem Gedanken, in die Türkei auszuwandern. Ich hab einen gut bezahlten Job, dennoch könnte ich nicht von heute auf morgen die Koffer packen und in der Türkei zB neu durchstarten, weil ich noch derzeit finanzielle Verpflichtungen hier habe. Ich könnte sicherlich nen guten Job in der Türkei finden, bin aber halt erstmal an hier gebunden.

    Ich bin hier aufgewachsen, deutsch spreche ich bei Weitem besser als meine Muttersprache, ich sehe mich selbst als einen Hybriden aus der deutschen und türkischen Kultur. Mein Freundeskreis besteht aus ebenso vielen Türken (und sonstigen) wie Deutschen (ua auch ernste Beziehungen mit deutschen Frauen). Man würde mich wohl nicht zuletzt wegen meinem perfekten Deutsch und meinem Verhalten zu den Top-Integrierten zählen.

    Dennoch, was ich und alle anderen Ausländer (besonders die Südländischen) im Allgemeinen wissen, ist daß wir niemals ein echter Teil von euch sein werden, solange das deutsche Volk mehrheitlich hinter den Aussagen solcher Rassisten wie Sarrazin steht, solange solche Fälle wie Hoyerswerda, Solingen, Mölln, NSU, VS usw passieren, solange eine Nazipartei namens NPD sich mit dem Programm der NSDAP identifiziert und in Landtagen Schulter an Schulter mit Unionsleuten sitzen, zu allem Überfluss im 21. Jhdt diese verfassungs- und demokratiefeindliche Partei partout nicht verboten werden kann, weil Deutschland mit seinen Alt- und Neonazis verseucht ist, vom VS über Polizisten und Richter bis in die Regierung und Opposition und zT große Rückendeckung vom Volk erhalten.

    Natürlich sind wir Türken aus finanziellen Gründen hierher gekommen und selbstverständlich ist das der Grund, warum wir auch jetzt noch mehrheitlich hier sind. Man hat ein Haus, ein Auto oder sonst irgendwas abzubezahlen. Zudem haben sich Strukturen aufgebaut, Kinder gehen in Schulen und bauen Freundschaften auf, Erwachsene bauen sich ein Umfeld auf der Arbeit und Privat auf. Alles stehen und liegen lassen ist nicht so einfach, das macht man nicht mal eben so auf nebenbei. Das ist ein großer Schritt, da sollte dann schon alles passen (zB Wollen die Kinder überhaupt mit? Wie alt sind die Kinder? Sind Enkel oder sonstige Verwandte in Deutschland? usw).

  9. Kim sagt:

    Optimist, ich würde auch gerne in die Türkei auswandern. Es ist ein wunderschönes Land. Ich habe die Türkei 1986 acht Wochen lang längsseits durchquert. Ab Kusadasi bin ich mal landeinwärts und überhaubt habe nur freundliche Menschen in der Türkei getroffen deren Gastfreundlichkeit ich nie vergessen werde.
    Ich habe auch eine gute Ausbildung, trotzdem kann ich in der Türkei damit nichts anfangen weil ich die türkische Sprache nicht beherrsche.
    Umgekehrt ist es genauso, nur das hier in Europa jeder Einwanderer/ Asylbewerber gleich Sozialhilfe bekommt. Wenn ich (als Deutscher) in der Türkei Sozialhilfe bekommen würde, ich würd morgen schon nen Flug nach Türkei buchen. Ich bin ein bescheidener Mensch.
    Das mal zu ” finanziel abgesichert”.
    Optimist, du bist kein schlechter Mensch, aber lass dich nicht nur von Emotionen leiten. Kennst Du Logik?

    Ich würde mich auf eine Antwort Deinerseits sehr freuen.

  10. Migrantin sagt:

    “Viele hervorragend ausgebildete Menschen sind davon abgestoßen und planen deshalb ihre Zukunft nicht bei uns sondern im Land Ihrer Vorfahren”

    Es muss nicht das Land der Vorfahren sein. Es ist ja seit Jahren bekannt, dass Deutschland für höher qualifizierte Migranten eher eine Durchgangsstation ist. Ich selbst bin in die USA gegangen, weil ich mit meiner Qualifikation hier sehr gern gesehen bin und meine ethnische Herkunft hier keine Rolle spielt. Das Gleiche kann ich von Deutschland nicht sagen: Da gilt eher genau das Gegenteil (ethnische Herkunft nicht gern gesehen, Qualifikation spielt keine Rolle).

    Es würde mich freuen, wenn das nicht immer so dargestellt wird, also ob alle Türken nur die Wahl haben in die Türkei “zurückzugehen”. Die höher Qualifizierten beschreiten nämlich genau den gleichen “Brain Drain” Weg wie ihre hochqualifizierten “biodeutschen” Kollegen: sie gehen nach England oder nach Amerika, wo sie sehr willkommen sind.


Seite 1/3123»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...