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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Aufruf

Strukturelle Diskriminierung an deutschen Schulen – kein Thema für Deutschlands Medien?

Die Studie „Chancenspiegel“ zeigt: Die soziale Herkunft hat erheblichen Einfluss darauf hat, welche Schule ein Kind besucht. Besonders betroffen sind Kinder ausländischer Herkunft. Sechzig Journalisten rufen Medien dazu auf, nicht mehr zu schweigen.

  1. Miltiadis Oulios, freier Journalist, WDR, Stadt Revue, Zeit, taz, suhrkamp
  2. Sheila Mysorekar, Journalistin, Vorsitzende der Neuen Deutschen Medienmacher
  3. Golineh Atai, Köln, ARD-Morgenmagazin
  4. Marjan Parvand, Redakteurin, ARD-Aktuell
  5. Hatice Akyün, Berlin, freie Autorin
  6. Dr. Nkechi Madubuko, Redakteurin, 3sat Kulturzeit
  7. Mo Asumang, Filmemacherin, Moderatorin
  8. Göksen Büyükbezci, Redaktionsleiter PHOENIX
  9. Ferda Ataman, Journalistin, Tagesspiegel, seit 2010 Regierungsangestellte und Referatsleiterin, Beisitzerin NDM Vorstand
  10. Özlem Sarikaya, Journalistin und Moderatorin, BR
  11. Kemal Calik, Wirtschaftsredakteur, Frankfurt am Main
  12. Daniela Milutin, Journalistin, WDR, seit 2011 Pressesprecherin des NRW-Integrationsministeriums, Beisitzerin NDM Vorstand
  13. Cengiz Tarhan, Journalist, Radio Bremen
  14. Rana Göroglu, freie Journalistin
  15. Nilüfer Sahin, Journalistin, WDR, Deutsche Welle
  16. Siruan H. Hossein, freier Journalist, WDR
  17. Konstantina Vassiliou-Enz, Journalistin, RBB, 2. Vorsitzende der Neuen Deutschen Medienmacher
  18. Vivian Perkovic, Radiomoderatorin, WDR
  19. Joachim Legatis, Redakteur, Alsfelder/Gießener Allgemeine Zeitung
  20. Mercedes Pascual Iglesias, Journalistin, WDR, Vielfalt – Das Bildungsmagazin
  21. Federica Guccini, Studentin, freie Journalistin
  22. Ekrem Şenol, MiGAZIN-Chefredakteur
  23. Florian von Stetten, freier Journalist, ARTE, ARD, ZDF
  24. Dr. Bärbel Röben, Journalistin und Medienwissenschaftlerin
  25. Melahat Simsek, Köln, Journalistin
  26. Mehmet Ata, Journalist, Express
  27. Pari Niemann, NDR, Lfh Niedersachsen, Gleichstellungsbeauftragte
  28. Mark Terkessidis, freier Journalist und Publizist
  29. Canan Topçu, Redakteurin, Frankfurter Rundschau
  30. Sibel Balta, Journalistin
  31. Rahmi Turan, Journalist (Sabah), Kommunikationswissenschaftler (LMU), München
  32. Dr. Chadi Bahouth, Politologe, Autor, Journalist
  33. Noah Sow, Autorin, Produzentin, Musikerin, Dozentin
  34. Nuray Eser, Dipl.-Soz./freie Hörfunk-Journalistin
  35. Vito Avantario, Journalist, Buchautor, Reporter greenpeace magazin
  36. Dagmara Dzierzan, Journalistin, Bayerischer Rundfunk
  37. Gabriele Gün Tank, Diplom-Journalistin, Integrationsbeauftragte Berlin Tempelhof-Schöneberg
  38. Melih Serter, Sozialwissenschaftler, Journalist, WDR
  39. Navina Sundaram, Publizistin, bis 2003 Redakteurin „Zeitgeschehen“, NDR
  40. Eren Önsöz, freie Journalistin & Filmemacherin
  41. Matilda Jordanova-Duda, freie Journalistin Print und Hörfunk
  42. Christian Stahl, Journalist, „stahlmedien“
  43. Ute Hempelmann, freie Journalistin, ARD Hörfunk
  44. Peter Giefer, Fotograf und Journalist, Priv.Doz. Fotojournalismus
  45. Fatema Mian, Journalistin, Bayerischer Rundfunk
  46. Prof. Dr. Sabine Rollberg, WDR/ arte
  47. Murad Bayraktar, Redaktionsleiter, WDR Hörfunk
  48. Ebru Tasdemir, freie Journalistin
  49. Tina Adomako, Journalistin
  50. Rebecca Roth, freie Journalistin
  51. Dorothee Plass, Filmemacherin und Lehrerin
  52. Sandra Fejjeri, Journalistin
  53. Carmela Mudulu, freie Journalistin
  54. Tarek Chafik, freier Journalist
  55. Natalie Akbari, Moderatorin und Redakteurin, WDR und SWR
  56. Elisabetta Gaddoni, freie Journalistin
  57. Prof. Dr. Klaus J. Bade, Migrationsforscher
  58. Prof. Dr. Ulrich Pätzold i.R., Journalistik, TU Dortmund
  59. Prof. Dr. Rainer Geißler, Soziologe
  60. Prof. Dr. Axel Schulte i.R., Politologe
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19 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Anne sagt:

    Guter Aufruf und alles nur zu wahr. Aber mir fehlt ein Aspekt. die vielen Kinder, die in sogenannten „Förderschulen“ landeten und landen, weil ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind und sie daher fälschlich als lernbehindert eingestuft werden. Abgesehen davon, dass diese Aussortierung auch schon von der UN moniert wurde, ist es einfach traurige Realität, dass immer wieder Lehrer Schüler an Sonderschulen schickten, anstatt dafür zu sorgen, dass Lerndefizite aufgeholt wurden.

    Ein Beispiel: ein Junge kommt in die Schule, als er in der ersten Klasse ist, trennen sich die Eltern, die Mutter zieht mehrfach um, durch Schulwechsel und häusliche Probleme lernt das Kind nicht die Grundlagen für Lesen und Schreiben. Erst als er mit 15 von einer Nachbarin ein paar Stunden bekommt, stellt diese fest, dass er einfach Analphabet blieb im deutschen Schulsystem und schickte ihn in die Volkshochschule. Im dortigen Alphabetisierungskurs schlug der Lehrer die Hände über dem Kopf zusammen – ein völlig normal begabter junger Mann, dem man einfach den Unterricht verweigert hatte. Er konnte in kürzester Zeit lesen und schreiben – aber aus dem System Förderschule ohne Hauptschulabschluss herauszukommen, war viel schwerer.

  2. Yue Han sagt:

    Zustimmung zum und Untersützung für den Aufruf!

    Ohne zu überfrachten, möchte ich den Blick über die Schule hinaus lenken und auf die strukturelle Diskriminierung auf dem gesamten Bildungsweg hinweisen:
    „Wir sprechen dabei auch aus eigener Erfahrung, denn vielen von uns, die wir diesen Aufruf unterzeichnen, wurde fälschlicherweise auch nicht zugetraut, das Abitur zu machen und zu studieren.“
    Mir kommt es oft so vor, als wäre – auch bei denen, die eine bessere Situation in der Schule fordern – nach dem Abitur bei Menschen mit Migrationshintergrund „das Ende der Fahnenstange erreicht“. Nach dem Motto: „Berufsausbildung reicht doch.“ Ich habe nicht nur einmal erlebt, dass diese Einstellung auch bei Funktionär*innen der Migrant*innenselbstorganisationen vorhanden ist.

    Doch wir brauchen Menschen mit Migrationshintergrund die studieren, promovieren und habilitieren. „Fast jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.“ Warum sollte nicht fast jede*r dritte Professor*in in Deutschland Migrationshintergrund haben? Davon sind wir noch weit weg, auch wegen der strukturellen Diskriminierungen im Bildungswesen. Die strukturelle Diskriminierung im gesamten Bildungssystem muss abgeschafft werden.

    Ein Beispiel für einen Schritt der Abschaffung ist die „Anonymisierungskampagne“ vieler ASten an den Hochschulen. Klausuren werden ohne Namen abgegeben und pseudonymisiert. So ist nicht erkennbar, wer die Arbeit abgegeben hat und es erfolgt eine objektivere Bewertung. Ausländisch klingende Namen, die oftmals zu einer schlechteren Bewertung führen, sind nicht mehr sichtbar.

    Ich wünsche viel Erfolg bei der Kampagne und warte mal, was die nächsten Sonntag in den oben angesprochenen Talkshows kommt.

  3. Andreas Bylaitis sagt:

    Ich denke auch, dass die sprachlichen Probleme mit ausschlagebend sind für die Zurüclstufung der Migranten. Aber dies hieße doch im Umkehrschlusss, dass die Förderung der Sprachkompetent deutlich erhöht werden muss. Andererseits kann ich mir aber auch vorstellen, dass die Eltern der Migrantenkinder (Ausnahme sind die Regel) sich kulturelle bedingt weniger mit der Schulleitung anlegen, als dies z.B. deutsche Eltern tun würden. Ich beobachte hier ein ganz anderes Verhalten und die meisten fügen sich diesen diskriminierenden Urteilen. Natürlich darf man jetzt jeden verdächtigen, dies wäre ungerecht gegen über den LehrernInnen die sich wirklich einsetzen…..Ich habe schon so oft gehört, dass intelligente Migrantenschüler, die aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit Probleme haben, einfach auf eine Förderschule oder Hauptschule verwiesen werden. Damit ist das schulpolitische Todesurteil gesprochen. Ich denke wir müssen insbesondere die Eltern ermutigen sich nicht einschüchtern zu lassen, dass ist mit ein Hauptgrund für das Desaster. Da es nur wenige gibt die sich einbringen und bei Wahlen für die Schulkonferenz oder Elternpflegschaft keine Chance haben, fordere ich einen Elternmigrantenquote in den Institutionen , damit die Interessen der Schüler mit Migrationshintergrund wenigstens eine Chance haben, auch wenn dies keine alleinige Antwort darstellt. Auch wäre es wichtig, dass die Ausländerbeiräte sich dieses Themas annhemen mit der Forderung diesen Mißstand beheben zu wollen, dass bedarf auf beiden Seiten Engagement…

  4. Serena sagt:

    Ich kann dem nur zustimmen! Manchmal finde ich die Benachteiligung im Bildungssystem so extrem, dass mir die Luft wegbleibt. Ich habe es erfahren und wie ich beobachten kann, die nächsten Generationen auch. Müssen den Eltern zu den Anwälten der Kinder werden? Ist es nicht Aufgabe von Schule und Lehrer das Beste für ihre Schüler zu wollen?

    Ich denke, dass Hauptproblem ist, dass es kaum Weiter- oder Fortbildungen für Lehrer zu diesem Thema gibt. Eine Umfrage zum Kenntnisstand bezüglich Spracherwerb würde den unglaublichen Mangel an Fachwissen ansTageslicht bringen. Ich frage mich, wie kann ich Lehrer an einer Hauptschule mit hohem Migrationsanteil arbeiten und mich noch niemals mit Zweisprachigkeit auseinandergesetzt haben. Wie kann ich diese Schüler unterrichten, ohne mir jemals Gedanken über deren kulturelle Identität zu machen?

    Stattdessen hagelt es Platitüden, wenn sie kein Deutsch lernen wollen, müssen sie ‚zurück‘ in die Türkei. Aber daher kommen ja diese Kids nicht. Sie sind ein Produkt Deutschlands!

    Wie gesagt, manchmal bin ich wirklich sprachlos angesichts dieser Diskriminierung und Anmaßung.

  5. Pepe sagt:

    Eugenics aber auf eine politisch korrekte Weise. Strukturelle Diskriminierung ist halt schwieriger zu bekämpfen als herkömmliche Arten diskriminierenden Verhaltens.

  6. Marcus sagt:

    Das Thema sollte definitiv angesprochen, öffentlich diskutiert und Lösungswege umgesetzt werden. Den Teufel beim Namen zu nennen ist schon einmal ein guter Schritt. Denn das namenlose Schrecken ist dass mit Abstand schlimmste. Jedoch sollte man die Problematik nutzen einen der Kernprobleme des ganzen Bildungsweges anzusprechen und das System von Grund auf zu ändern.

    Die Entscheidung für die Bildung von Kindern einer einzigen Person zu überlassen ist schon problematisch genug. Kinder werden oft durch den sozialen Status und Herkunft ihrer Eltern in die verschiedenen Schulformen eingeteilt. Die verschiedenen Schulformen an sich stellen aber die Hauptproblematik dar.

    Lehrer werden dazu genötigt, die Grundschulklassen aufzuteilen. Wenn sie die Kompetenz haben, den Kindern den Lehrstoff Kind- und Gehirngerecht zugänglich zu machen, werden sie an ihre Lehrpflicht erinnert. Was im Klartext bedeutet: Teile und Herrsche!

    In einer modernen Gesellschaft sollte man sich darüber klar werden, dass die unterbezahlten monotonen und stupiden Arbeiten irgendwann von ganz alleine durch die Automatisierung aussterben werden. Hilfsarbeiter , Putzkräfte, Lagerarbeiter, Fabrikarbeiter, etc. – alles Berufe für die der Hauptschulabschluss gedacht ist, werden weg rationalisiert durch Modernisierung der Anlagen und Roboter. Die meisten Verkäuferberufe und auch viele Handwerksberufe für die der Realschulabschluss gedacht war, rationalisieren sich ebenfalls weg, durch intelligente Websites, 3D Drucker, Roboter, etc.

    Was dann bleibt ist die Forschung, die kreativen Berufe, die Programmierung, die Wissenschaft und alle sozialen und Pflegeberufe.
    Das sind keine Blicke in die Glaskugel, es ist einfach ein einsehbarer Prozess, vor dem man nicht die Augen verschließen sollte. Unsere Gesellschaft versucht noch zu viel das alte kaputte Haus der vergangen Systeme und Gesellschaften zu reparieren, anstatt an neuen fortschrittlichen Systemen und Gesellschaftsstrukturen zu arbeiten. Darin integriert kann man auch die Diskriminierung auflösen.

  7. Pepe sagt:

    Ich würde gerne wissen, aus welchem alternativen Universum die Entität namens „Markus“ stammt, denn nicht mal in Japan gibt es Roboter, welche die Aufgaben von Putzkräften übernommen und sie somit ersetzt haben.

  8. Migrantin sagt:

    Ich hatte gute Noten und bekam eine Empfehlung für den Besuch einens Gymnasiums. Als meine Mutter mich beim örtlichen Gymnasium auf dem bayrischen Land anmelden wurde, wurde sie gebeten, einen Termin mit dem Direktor zu vereinbaren. Dieser sagte ihr dann, dass es in „solchen Fällen“ erfahrungsgemäß besser sei, einen Haupt- oder Realschulbesuch in Erwägung zu ziehen. Meine Eltern haben sich durchgesetzt. Mit dem Ergebnis, dass ich gerade meine naturwissenschaftliche Doktorarbeit abschliesse. Andere haben nicht so viel Glück und werden genau so aussortiert.

  9. Pepe sagt:

    @Migratin: es wäre natürlich interessant zu wissen, aus welchen Gründen der Schuldirektor wollte, dass Sie auf die Hauptschule wechseln.

  10. Andreas Kampfenbaum sagt:

    Migrantin, die Geschichte klingt unglaubwürdig. Sorry.


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