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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

TV-Tipps des Tages

06.03.2012 – Sowjetunion, Kinder, Stasi, Afrika, Integration, Odessa, Ausländer

TV-Tipps des Tages sind: Geboren in der Sowjetunion; Kinder Afrikas: Ägypten – Großstadtmädchen am Nil; Von Odessa nach Odessa – Eine Reise um das Schwarze Meer; Die Hinrichtung des Stasi-Offiziers Werner Teske; Tödliche Begegnung; Das Leben des Carlos Fernando

VONÜmit Küçük

DATUM6. März 2012

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Geboren in der Sowjetunion
Dokumentarfilm – Neun Leben 1983 bis heute – Man nehme neun gewöhnliche Siebenjährige und verändere ihre gesamte Umwelt. Man stelle die Welt ihrer Eltern auf den Kopf und tausche komplett die Normen und Werte der Gesellschaft aus, in der sie aufwachsen.

Im Alter von 14 Jahren gebe man Pubertät und Hormone hinzu, gefolgt von Militärdienst, finanziellen Schwierigkeiten und dem Einsetzen erwachsener Verantwortlichkeit mit 21. Dann warte man sieben Jahre.

„Geboren in der Sowjetunion“ erzählt die Lebensgeschichte sehr verschiedener Menschen, die in ein Reich geboren wurden, das ganz auf Uniformität setzte. Sie kommen aus Russland, Zentralasien, den Baltischen Staaten und dem Kaukasus. Ende Dezember 2011 sind es 20 Jahre, seitdem sich dieses Reich offiziell auflöste. Manche der Hauptpersonen sind inzwischen längst aus Russland emigriert, die meisten aber befinden sich noch dort, wo wir sie anfangs antrafen, jedoch in einer Umgebung und mit Aussichten, die sich radikal gewandelt haben. Es sind ergreifende Geschichten von Erfolg und Scheitern, von Optimismus und dem Erliegen von Versuchungen.

Wie sehr hat sich das Leben der Protagonisten mit 28 Jahren von dem ihrer Eltern zu Sowjetzeiten verändert! Der Wandel ist so grundlegend und umfassend, dass das Material, welches in den 80er Jahren gefilmt wurde, heute so aussieht, als sei es mehrere Generationen alt.

„Geboren in der Sowjetunion“ ist mehr als ein Film über das Leben in der postsowjetischen Ära, auch mehr als eine Ansammlung dortiger Biografien. Es ist, und das schwingt immer mit, auch ein sehr universeller Film über das Erwachsenwerden, über Träume und Hoffnungen, Realitäten und Enttäuschungen und die große Frage, was das Leben für jeden Einzelnen so bereit hält.

Die weltweit bekannteste russische Langzeitdokumentation, in den letzten 28 Jahren gedreht, wirft ein Licht auf das Leben nach dem Untergang der UdSSR vor 20 Jahren. 10:35-12:20 • arte

Kinder Afrikas
2/10, Ägypten – Großstadtmädchen am Nil – Die 14-jährige Yasmine lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Kairo, in dem schicken Stadtteil „Mohandiseen“. Sie erzählt von ihrem Leben in der mit 15 Millionen Einwohnern größte Stadt Afrikas.

Yasmine nimmt die Zuschauer auf ihrem täglichen Gang zur Schule mit und zeigt, wie sich ihre Familie auf das Eid-el-Adha-Fest vorbereitet – ein hoher religiöser Feiertag im islamischen Kalender. Am Festtag wird die ganze Verwandtschaft besucht und es gibt Lamm zu essen. Das Fest erinnert an die biblische Geschichte, in der Abraham Allah statt seines Sohnes ein Lamm opfern darf. 11:45-12:00 • BR-alpha

Von Odessa nach Odessa – Eine Reise um das Schwarze Meer

1/2, Von der Ukraine bis nach Georgien – Odessa, das „Marseille der Ukraine“ ist der Ausgangspunkt einer Reportagereise, die mit ihrem ersten Teil bis an die georgische Schwarzmeerküste führt.

„Von Odessa nach Odessa“ ist ein Roadmovie, immer entlang der Küstenstraße rund um das Schwarze Meer. Die Ukraine und Russland sind die großen Stationen in Teil 1 der zweiteiligen rbb-Reportage. Es ist eine Reise zu einer Region im Umbruch. Mit der Unabhängigkeit der ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken und dem Aufstreben des „neuen Russland“ rückt der südöstlichste Rand Europas immer mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Dem Filmteam begegnen ethnische Gemeinschaften mit unterschiedlicher Geschichte und Gegenwart. Tataren auf der Halbinsel Krim, Kosaken in der Umgebung von Krasnodar. Die alte Sowjetunion lebt auf im größten Kinderferienlager der Welt, in „Orljonok“. Heute werden dort die Kader des neuen Russland geschult. „Von Odessa nach Odessa“ ist eine Reise zu Menschen am südöstlichen Rand Europas, zu ihrer reichen Geschichte und ihrer oft überraschenden Gegenwart, eine Begegnung zwischen „christlicher“ und „muslimischer“ Welt.

Hintergrundinformationen:
Zweiteilige Reportage von Jens Stubenrauch. Den zweiten Teil strahlt das rbb Fernsehen am 13.03. um 20.15 Uhr aus. 00:15-21:00 • RBB Berlin

Die Hinrichtung des Stasi-Offiziers Werner Teske
Dokumentation – 1981 verhängte das Oberste Gericht zum letzten Mal ein Todesurteil in der DDR. Das Verbrechen des Werner Teske: Er war Offizier der Stasi und hatte geplant, in den Westen überzulaufen, diese Pläne aber nie in die Tat umgesetzt.

Der Film von Ute Bönnen und Gerald Endres beschreibt die Geschichte eines Mannes, der in die Stasi eintritt, an ihr zerbricht und vernichtet wird.

Werner Teske wurde 1942 in Berlin geboren, war ein guter Schüler und ein brillanter Student der Finanzwirtschaft. Er hatte Stellenangebote aus der Universität und dem Außenhandel der DDR, doch ein weiteres Angebot wagt er nicht auszuschlagen: Die Stasi will ihn und verspricht, er könne auch in ihrem Dienst weiter an seiner wissenschaftlichen Karriere arbeiten. Also tritt Werner Teske in das Ministerium für Staatssicherheit ein. Er gründet eine Familie und arbeitet erfolgreich in der Hauptverwaltung Aufklärung, die für die Auslandsspionage zuständig ist.

Doch dann fühlt Werner Teske sich immer weniger wohl in der „Firma“. Bei der Anwerbung wurde er getäuscht, denn als Geheimdienstler darf er nicht wissenschaftlich publizieren und eine Karriere an der Hochschule der Stasi ist für ihn nicht vorgesehen. Auch in die enge, abgeschottete Lebenswelt der Stasi-Mitarbeiter passt er nicht so recht. Am liebsten würde er gehen, doch bei der Staatssicherheit kann man nicht kündigen. Teske ist in eine biografische Sackgasse geraten. Er beginnt zu trinken, wird nachlässig und schlampig bei der Arbeit, die Ehe kriselt.

Im Film beschreiben Zeitzeugen die enge Alltagswelt der Stasi-Mitarbeiter und ihrer Familien, den Wohlstand, der erkauft wird, durch ständige Anpassung, gegenseitige Überwachung und Heuchelei. Werner Teske will aus diesem Leben ausbrechen. In den Westen überzulaufen, ist die einzige Lösung, die er noch sieht. Er nimmt Unterlagen von der Arbeit nach Hause mit, was streng verboten ist. Diese Dokumente sollen sein Eintrittsgeld in den Westen sein. Teske hat die Möglichkeit zur Flucht, denn er verfügt über einen Sonderausweis für den „Westteil“ des Bahnhofs Friedrichstraße. Spione aus der Bundesrepublik übergeben dort ihr Material. Werner Teske müsste nur in eine S-Bahn steigen und nach Westberlin fahren.

Zweimal steht er auf dem Bahnsteig, doch er kann sich nicht zur Trennung von der Familie entschließen. Dann ist es zu spät. Wegen seiner dienstlichen Unregelmäßigkeiten wird er verhört, seine Wohnung wird durchsucht und er gesteht seine Fluchtpläne. Teske hat Pech: Kurz zuvor ist Werner Stiller aus derselben Abteilung in den Westen übergelaufen und hat der Stasi damit eine erhebliche Schlappe zugefügt. Mielke fordert Rache und jetzt hat die Staatssicherheit schon wieder so einen Verräter.

Obwohl Teske seine Verratspläne nicht in die Tat umgesetzt hat und keine Informationen den Westen erreicht haben, wird er zum Tode verurteilt und hingerichtet. Werner Teske verschwindet, die Spuren seines Lebens werden vernichtet. Seine Frau und ihre Tochter bekommen eine vollständig neue Identität, sie müssen Berlin verlassen und dürfen keinen Kontakt zu ihren alten Bekannten aufnehmen. Bis zur Wende glaubt Teskes Witwe, dass ihr Mann noch lebt und irgendwo gefangen gehalten wird. 22:05-22:48 • MDR Sachsen

Tödliche Begegnung
2/3, Das Leben des Carlos Fernando

Dokumentation – Er lernte noch die beiden Deutschlands kennen: die alte DDR und dann das wiedervereinte Deutschland. Dort verwirklichte er seinen Traum und zog an den Rand der bayerischen Alpen, wo er 1999 erschlagen wurde: Carlos Fernando aus Mosambik.

Geblieben ist ein Video. Es zeigt Carlos Fernando als Bräutigam bei seiner Hochzeit 1992, drei Jahre nach der „Wende“. Ausgelassen feiert er mit seinen „Ossi“-Freunden in Neubrandenburg. hr-Autor Samuel Schirmbeck hat mit ihnen und anderen Weggefährten des Ermordeten gesprochen. Der zweite Teil der ARD-Reihe „Tödliche Begegnung“ erinnert an einen lebenslustigen jungen Mann, der zunächst als „Mossi“, als Mosambikaner, in der DDR lebt, als Arbeiter in einem Reifenkombinat. Die „Wende“ macht aus dem sozialistischen Bruder einen arbeitslosen Fremden. Die Ausländerbehörde will ihn abschieben, aber seine deutsche Frau Ramona versteckt ihn. Schließlich verlässt Fernando Neubrandenburg, trennt sich von Ramona und findet mit der gemeinsamen Tochter Tracy eine neue Heimat im scheinbar beschaulichen Kolbermoor in Oberbayern, die geliebten bayerischen Berge in Sichtweite. Vor der „Cubana-Bar“ wird Fernando ermordert, von einem Rechtsradikalen, im Streit um ein zugeparktes Auto. Der Täter spielt in diesem Film, wie in der gesamten Reihe, nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht ein offenherziger Mann, der Deutschland liebte, aber die Gefahr nicht sehen wollte und dessen Leben durch einen Fausthieb ausgelöscht wurde: das Leben des Carlos Fernando.

Hintergrundinformationen:
Ein Film von Samuel Schirmbeck. 22:45-23:30 • HR

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