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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

TV-Tipps des Tages

04.03.2012 – Sozialsystem, Integration, Afrika, Ausländer, Sarrazin, Türkei

TV-Tipps des Tages sind: Campus DOKU: Gesellschaft in Not – Retten Freiwillige das Sozialsystem? Die Sendung mit der Maus; Über den Inseln Afrikas: Das Sufi-Ensemble Maulidi ya Homu; Sarrazins Deutschland: Wie eine Debatte das Land spaltet – Mit Deutschland schafft sich ab schrieb Thilo Sarrazin das erfolgreichste Sachbuch seit Jahrzehnten

VONÜmit Küçük

DATUM4. März 2012

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Campus DOKU
Gesellschaft in Not – Retten Freiwillige das Sozialsystem?

Die Sozialpädagogin Sabine Karpf ist seit ihrer Geburt spastisch gelähmt. Für ihre Arbeit bei der Schuldnerberatung der Caritas braucht sie einen Assistenten, der ihr bei der Büroarbeit und am Computer hilft.

Obwohl sie schon vier Monate intensiv mithilfe der Vereinigung für Integrationsförderung sucht, hat sie noch keinen Bundesfreiwilligen für ihre Stelle begeistern können – für sie eine existenzielle Bedrohung, weil sie ohne Assistenz ihre Stelle aufgeben müsste. Julian Wattenberg ist einer der Bundesfreiwilligen, die Sabine Karpf sucht. Bei der Pfennigparade in München engagiert er sich voll beim Schichtdienst in der Abteilung für Schwerstbehinderte.

Der Psychologe Prof. Heiner Keupp warnt davor, dass sich wegen der immer kürzeren Ausbildungszeiten in den Schulen und Universitäten, immer weniger junge Leute ehrenamtlich engagieren. Noch wird der Mangel an Nachwuchs bei den Freiwilligen von den Älteren ausgeglichen. Der Ingenieur Werner Liebhart z.B. hilft ehrenamtlich einer irakischen Familie, in Deutschland Fuß zu fassen. Er hat seine Aufgabe von der Stadt vermittelt bekommen. In Nachbarschaftshilfen organisieren sich die Bürger auch zunehmend selbst, wie Hannah Friederich, die ihre Mutter täglich pflegen muss und wenigstens einmal die Woche Entlastung für sich gefunden hat.

Campus Doku geht auch der Frage nach, warum sich so viele – gerade auch junge – Menschen im sozialen Bereich freiwillig einsetzen. Am Beispiel von Freiwilligen zeigt der Film, wie wertvoll ihre Arbeit für das Sozialsystem ist und wagt dabei einen Blick zwischen Gegenwart und Zukunft: Wie soll bürgerschaftliches Engagements künftig aussehen und welchen Stellenwert hat es schon heute? 09:45-10:15 • BR

Die Sendung mit der Maus
Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger – Sachgeschichten aus Brasilien.

Die Maus macht sich auf nach Brasilien, denn das größte Land in Südamerika verändert sich gerade sehr. Die Wirtschaft wächst, die Gesellschaft ist im Wandel – und hier finden bald die Fußball-WM (2014), und die Olympischen Spiele statt (2016).

Bereits zum fünften Mal ist Ralph Caspers für die Maus auf den Weg in ein fremdes Land. Nach Japan, der Türkei, Indien und Südafrika verrät das Maus-Team jetzt, wie eine ganz normale Familie in der Hauptstadt von Brasilien lebt. Brasilia ist jünger als viele Erwachsene, die Stadt wurde erst vor rund 50 Jahren erbaut. Aus der Luft gesehen sieht sie aus wie ein Flugzeug. Hier besucht Ralph die Familie Ponce de Leon mit den Kindern Stephanie, Jessica und Paulo Henrique – und zwar mitten in der Regenzeit. Mit einem Schirm und der elfjährigen Stephanie geht Ralph auf Entdeckungstour durch Brasilia und staunt: Beim Einkauf in einem der kleinen Lebensmittelgeschäfte gibt es anstatt Wechselgeld auch mal Kaugummis. Und an den Mangobäumen, die überall in der Stadt gepflanzt sind, darf sich jeder einfach bedienen. Zuhause hat Stephanies Familie viele Heiligenfiguren. Die werden auch mal um einen Gefallen gebeten. Und wenn das nicht klappt, bekommt der Heilige eine Strafe aufgebrummt.

Manche Kinder in Brasilia schlafen selbst an einem Schultag aus. Denn sie gehen entweder morgens oder nachmittags zum Unterricht. Stephanie hat am Vormittag Zeit, zu spielen und die Hausaufgaben zu machen. Nachmittags nimmt sie Ralph mit in die Schule. In Stephanies Klasse sind viele Kinder, deren Familien aus Europa und aus Afrika stammen. Aus Europa kamen vor über 500 Jahren die ersten Eroberer des Landes. Als Arbeitskräfte brachten sie Menschen aus Afrika nach Brasilien – die lange Jahre als Sklaven leben mussten. Laut Gesetz sind heute alle Brasilianer gleichberechtigt. Aber die ärmsten von ihnen leben auf dem Land oder am Rande der Städte in einfachen Hütten.

Ralph lernt das Leben in Brasilia kennen, besucht ein großes Familienfest, übt sich in der Kunst des Fingerklatschens – und erfährt ganz am Ende, was „Tchausinho“ bedeutet.

Die Brasilien-Maus (Buch und Katja Engelhardt) ist eine Produktion der tvision GmbH im Auftrag des WDR 11:30-12:00 • Das Erste (ARD)

Über den Inseln Afrikas
Das Sufi-Ensemble Maulidi ya Homu – Fünf Fotografen sind auf der Suche nach spektakulären Motiven für einen Bildband über Afrikas Inseln. Ein Kamerateam hat sie auf ihren abenteuerlichen Reisen begleitet, die sie rund um den afrikanischen Kontinent führen.

Fotograf Matthias Ziegler ist Afrika-Spezialist und hat im Auftrag internationaler Agenturen fast den gesamten Kontinent bereist. Doch Sansibar ist Neuland für ihn. Auf der ehemaligen Sklaveninsel ist er für ein Fotobuch unterwegs. Um den tansanischen Archipel auch aus der Luft zu entdecken, hat er den Piloten Richard Meredith-Hardy aus England engagiert. Der ist mehrfacher Weltmeister im Ultraleichtfliegen und kann mit seinem FIB, einem fliegenden Gummiboot, nahezu überall starten und landen.

Ihre Expedition beginnt auf einer Dhau, dem typischen Segelboot Ostafrikas. Dort trifft Matthias Ziegler die berühmteste Sängerin Sansibars, die hundertjährige Bi Kidude, die ein mysteriöses Liebeslied für ihn singt. Richard Meredith-Hardy kann nicht auf dem Flugplatz der Inselhauptstadt Stone Town landen, weil das Vorderrad seines fliegenden Bootes nicht einrastet. Zur Wasserlandung muss er die vorgelagerte Insel Chumbe ansteuern. Dort trifft er endlich Matthias Ziegler. Beide stolpern gleich über das erste Fotomotiv: einen Schwimmkurs für muslimische Frauen.

Die Motivsuche führt den Fotografen und den Piloten über die Altstadt Stone Towns und Nungwi zur kaum erschlossenen Schwesterinsel Pemba. Sie begegnen Bootsbauern und Sufisängern, entdecken „Fliegende Füchse“, eine endemische Fledermausart, und kosten die besonders wertvollen Nelken des über hundertjährigen Aladi.

Matthias Zieglers Spezialgebiet ist Porträtfotografie. Es ist ihm wichtig, den Stolz der Sansibaris in Bilder einzufangen. Um das Vertrauen der Inselbewohner zu gewinnen, scheut er keine Mühen, und für besondere Motive schwimmt er sogar mit Haien. Pilot Richard Meredith-Hardy versucht derweil alles, um dem Fotografen mit seinem FIB außergewöhnliche Perspektiven aus der Luft zu ermöglichen. Dabei droht er immer wieder zu scheitern – an Gewitterfronten, Wellen, Sturmböen und manchmal auch an der tansanischen Bürokratie. 17:15-18:00 • SWR BW

Sarrazins Deutschland
Wie eine Debatte das Land spaltet – Mit Deutschland schafft sich ab schrieb Thilo Sarrazin das erfolgreichste Sachbuch seit Jahrzehnten. Rund 1,5 Millionen verkaufte Exemplare sorgen dafür, dass über verfehlte Einwanderungspolitik gesprochen und noch häufiger gestritten wird.

Doch hat Thilo Sarrazin die Debatte mit seinen markanten Thesen voran gebracht – oder wurde sie vielmehr durch einen großen Spalter um Jahre zurückgeworfen? Gehört Sarrazin ungewollt zu den „geistigen Brandstiftern“ einer europaweit vernetzten islamkritischen und politisch betont inkorrekten Bewegung, die in Internetblogs wie „PI“ immer mehr Besucher registrieren?

Die Reporter Sascha Adamek, Jo Goll und Norbert Siegmund beobachten die deutschen Zustände im Jahr nach der Buchveröffentlichung und treffen Kritiker und Anhänger. Wo immer Sarrazin sich zeigt, polarisiert er. Wie bei einem von Sicherheitskräften flankierten Auftritt im sächsischen Döbeln, wo fast 800 Menschen hin pilgern – in der Mehrzahl Menschen aus der bürgerlichen Mitte. Sie sagen, endlich äußere einer in aller Klarheit, was sie schon lange denken und sie feiern Sarrazin dafür wie einen Popstar. Auch die NPD in dem Landstrich mit unter einem Prozent Ausländeranteil heißt Sarrazin willkommen.

Thilo Sarrazin legt nach. Er arbeitet an einem neuen Werk und das Erscheinen der Taschenbuchausgabe von „Deutschland schafft sich ab“ Anfang Januar 2012 stattete er mit einem aktuellen Vorwort aus.

Hintergrundinformationen:
Film von Sascha Adamek, Jo Goll, Norbert Siegmund. 18:30-19:15 • EinsExtra

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