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TV-Tipps des Tages

01.03.2012 – Russland, Putin, DDR, Ausländer, Türkei, Stalin, Pakistan

TV-Tipps des Tages sind: Mit offenen Karten: Politikmagazin – Russische Visionen; Being … Putin: Russland hat die Wahl; Gesucht: Die polygame Frau: Obwohl die Polygamie in der Türkei seit über 80 Jahren verboten ist, wird sie noch immer praktiziert – nicht zuletzt, weil der Koran sie unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt; Plötzlich entführt – Die alltägliche Angst in Pakistan

VONÜmit Küçük

DATUM1. März 2012

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Mit offenen Karten
Politikmagazin – Russische Visionen – Trotz seines riesigen, zwei Kontinente umfassenden Territoriums ist Russland eine „eingekesselte“ Macht. Welche Beziehungen pflegt das Land zu seinen Nachbarn und hat es überhaupt Handlungsspielraum? Antworten aus den vier Himmelsrichtungen.

Hintergrundinformationen:
Jede Woche liest Jean-Christophe Victor „die politischen Kräfteverhältnisse in der ganzen Welt“ aus detaillierten geografischen Karten. Sein Credo: „Die Karten zum Sprechen bringen.“ Und das beherrscht er wie kein anderer.

Das Magazin „Mit offenen Karten“ bietet immer dienstags gegen 23.00 Uhr einschlägige Erklärungen und Hintergrundinformationen zur geopolitischen Situation in verschiedenen Ländern dieser Erde. Die Sendung ist ein wahrer Fundus an Informationen und weist auf weiterführende Literatur zum jeweiligen Thema hin. 12:35-12:50 • arte

Being … Putin
Russland hat die Wahl- Kalt, unergründlich, bewusst farblos – Wladimir Putin ist für viele eine Sphinx. Seine fixe Idee ist es, die Kontinuität eines starken Staates zu erzwingen und er träumt vom Wiederaufleben einer großrussischen Hegemonialmacht.

Wladimir Putin wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Leningrad auf. Mit 15 Jahren beschloss er, Geheimagent zu werden und ging als 23-Jähriger zum KGB. KGB-Chef Andropow, der später Breschnew an die Spitze von Partei und Staat folgte, war Putins Vorbild und Gönner. Er vertraute dem jungen Offizier die Leitung der prestigereichen Außenaufklärung an. 1985 kam Putin in die DDR. Ohnmächtig erlebte er dort den Zusammenbruch des Regimes – die Generalprobe für das Schicksal der UdSSR ein Jahr später. Zurück in Leningrad wurde er stellvertretender Leiter der Staatsuniversität.

Um sich eine weiße Weste zu verschaffen, kündigte er offiziell beim KGB und betrat an der Seite des Demokraten Anatoli Sobtschak – Bürgermeister von Leningrad – die politische Bühne als dessen erster Stellvertreter. 1996 holte ihn Anatoli Tschubajs, der die stark bröckelnde Jelzin-Administration leitete, in die Kremlverwaltung. Tatsächlich wirkte der nüchterne ehemalige Geheimdienstler Putin im eher alkoholisierten Umfeld des Kreml wahre Wunder. Insbesondere bewahrte er den neuen Zaren und seinen Hofstaat vor so manchem Skandal. Zum Dank ernannte ihn Jelzin zum Chef der KGB-Nachfolgeorganisation FSB. Im August 1999 wurde Putin unter Jelzin Ministerpräsident und im März 2000 im ersten Wahlgang zum Präsidenten Russlands gewählt. Er nahm sofort sämtliche Hebel der Macht in die Hand. Demokratie gibt es für den Technokraten nur auf dem Papier. Die von Jelzin mit heißer Nadel gestrickten Reformen hatten das Land zutiefst destabilisiert. Korruption war an der Tagesordnung. Aber das Schlimmste für Putin war die Tatsache, dass die Gelder aus der Rohstoffgewinnung, der Haupteinkommensquelle der Föderation, durch dunkle Kanäle flossen, ohne dass der Staat davon profitierte. Putins Garde im Kreml bestand aus ehemaligen KGB- und FSB-Mitgliedern. Ungehindert ließ er die russischen Fernsehsender überwachen. Er brachte die Opposition zum Schweigen und erklärte den zu schnell reich gewordenen Oligarchen den Kampf. Seine patriotische Rhetorik und das radikale Durchgreifen kamen beim Volk gut an.

Auch der Westen reagierte nur schwach – vor allem als sich Putin nach den Terroranschlägen vom 11. September entschieden zur „Achse des Guten“ bekannte. Da die tschetschenischen Unabhängigkeitskämpfer für George W. Bush den bewaffneten Arm von Al Qaida im Osten verkörperten, ließ sich der amerikanische Präsident zu der begeisterten Aussage verleiten, er habe in Wladimir Putins Seele geschaut … was genau er dort gesehen hat, ist jedoch bis heute unklar.

Und was ist seither passiert? Wie steht es mit der Demokratie? Chodorowski, der ehemalige Jukos-Chef, schmachtet in seiner Gefängniszelle, der Unternehmer Beresowski lebt im Exil, die Journalistin Anna Politkowskaja wurde ermordet, die putintreue Naschi-Jugendbewegung stört Demonstrationen des „Anderen Russlands“, und Medwedew spielte bis zur Neuwahl Putins den Strohmann im Amt des Präsidenten. So sieht Putins „gesteuerte Demokratie“ aus, dieses seltsame, euphemistische Konzept, mit dem er seine neue Regierungsführung beschreibt.

In „Being … Putin“ kommt natürlich Putin „selbst“ zu Wort, als Meister der unaufrichtigen Selbstrechtfertigung. Wie er sich selbst entlarvt, mag manche zum Schmunzeln bringen, lässt einem jedoch angesichts solcher Dreistigkeit das Blut in den Adern gefrieren.

Hintergrundinformationen:
Am 4. März 2012 wählen Russinnen und Russen ihren Präsidenten. Derzeitige Ministerpräsident Wladimir Putin kandidiert erneut für das Amt, das er bereits für zwei Wahlperioden von 2000 bis 2008 innehatte. Anschließend löste ihn Dmitri Anatoljewitsch Medwedew ab, der nun von Putin das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen soll. Der ARTE-Themenabend porträtiert den „neuen alten“ Präsidentschaftskandidaten Putin und reflektiert die politische Lage des größten Landes der Erde.

Neben „Being … Putin“ von den beiden Franzosen Karl Zero und Michel Royer, die sich inzwischen mit ihren unautorisierten Biografien „Being W“ über George W. Bush und „In der Haut von Jacques Chirac“ über Frankreich hinaus einen Namen gemacht haben, steht „I Love Democracy – Russland“ auf dem Programm. Darin analysieren die Filmemacher Hérade Feist und Mathieu Pansard den Stand der aktuellen Protestbewegung in Russland. Die hat nach den anscheinend manipulierten Parlamentswahlen vom 4. Dezember 2011 rasend schnell an Anhängern gewonnen. 15:10-16:45 • arte

Gesucht: Die polygame Frau
Dokumentation– Obwohl die Polygamie in der Türkei seit über 80 Jahren verboten ist, wird sie noch immer praktiziert – nicht zuletzt, weil der Koran sie unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Mehr als eine Million Menschen leben nach Schätzungen in der Türkei in polygamen Verhältnissen, aber die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher. Hauptsächlich im Osten der Türkei hat die patriarchale Polygamie eine gesellschaftliche Legitimation, die auch in der islamischen Religion begründet ist. Denn der Sure 4, Vers 3 im Koran ist zu entnehmen, dass der Mann bis zu vier Frauen ehelichen darf, solange er glaubt, dass er fähig sei, sie alle „gerecht zu behandeln“.

Der moderne Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk hat 1926 die Scharia durch das Zivilgesetzbuch ersetzt und damit auch die Polygamie in der Türkei verboten. Aber wer hält sich schon an westliche Gesetze? Noch heute wächst und gedeiht die Polygamie in Anatolien.

Die Filmautorin Hatice Ayten, aufgewachsen in Deutschland, mental verwurzelt in der Türkei, begibt sich auf eine abenteuerliche Reise nach Südostanatolien und Istanbul, um zu prüfen, ob die Polygamie als Lebenskonzept vertretbar ist.

Schnell werden aus Stereotypen von Männern und Frauen, aus Klischees und Vorurteilen vermeintliche Tatsachen. Die Idee einer romantischen Ehe – wie man ihr im Westen begegnet – hat in diesem Zusammenhang nicht viel Raum. Der Mann in seiner klassischen Rolle als Versorger und Erzieher, als der „ewige Vater“, muss dafür sorgen, dass seine vielen Frauen und Kinder wirtschaftlich abgesichert sind.

Und was wollen Frauen? Suchen sie den Vater oder den Liebhaber oder beide? Wie wäre es, wenn die gläubige Muslimin, reich und erotisch, das gleiche Recht für sich in Anspruch nähme und vier Männer heirateten? Würde sie gesellschaftlich geächtet werden?

Die Filmemacherin macht sich auf die Suche nach einer polygamen Frau in einem ultrakonservativen Land: eine Herausforderung für Land und Leute, aber auch für die Filmautorin selbst. 23:00-23:55 • arte

Plötzlich entführt – Die alltägliche Angst in Pakistan
Aus der Reihe „WELTWEIT“ – Karim Shah hat den Vermittler Ahmed Chinoy exklusiv bei zwei Entführungsfällen in Karachi begleitet. Wird es ihm und seinem Team vom CPLC gelingen, den Lebensmittelhändler und den Industriellen aus den Händen ihrer Kidnapper zu befreien?

Ahmed Chinoy hat einen gefährlichen Nebenjob – in einer der gefährlichsten Städte der Welt. Er ist Vermittler im florierenden Geschäft mit Entführungen in der pakistanischen Metropole Karachi. In den dunklen Seitenstraßen Karachis sind Entführungen gegen Lösegeld zu einem lukrativen Geschäftszweig geworden. Kriminelle Organisationen arbeiten dabei Hand in Hand mit islamistischen Gruppen. 2010 gab es allein in Karachi 140 bekannte Entführungsfälle. Die Dunkelziffer ist hoch, sie geht vermutlich in die Tausende. Und die lokale Polizei wird von den Angehörigen der Entführungsopfer nicht immer als vertrauenswürdiger Ansprechpartner wahrgenommen.

Sie wenden sich lieber an Ahmed Chinoy. Chinoy ist eine ungewöhnliche Kombination aus Geschäftsmann und ehrenamtlichem Sozialarbeiter. Sein Geld verdient er als Textilhändler an der Börse. Doch die meiste Zeit des Tages engagiert er sich für das CPLC, das Citizien Police Liaison Committee, eine Art Bürgerbüro, das extra für Entführungsfälle gegründet wurde. Der Wunsch nach sicheren Straßen in seiner Heimatstadt bringt Ahmed Chinoy dazu, seine eigene Sicherheit immer wieder aufs Spiel zu setzen.

Hintergrundinformationen:
Film von Karim Shah. 00:30-01:00 • EinsExtra

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