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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

ARD-Döner-TV

Öffentlich-rechtlicher Rassismus zur besten Sendezeit

Donnerstagabend. 20:15 Uhr. ARD. Fastnachtsendung: „Frankfurt: Helau“. Inhalt: Vorurteile und Klischees über Türken – verpackt als Witz und in gebrochenem Deutsch. Landesausländerbeirat fordert Entschuldigung. ARD und der HR nehmen Angebot aus dem Internet.

DATUM10. Februar 2012

KOMMENTARE74

RESSORTAktuell, Feuilleton

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Würden Sie Geld dafür zahlen, um öffentlich lächerlich gemacht zu werden? Millionen Türken und Muslime tun das. Nicht weil sie zu viel Geld oder einen überdurchschnittlichen Sinn für Humor haben, sondern weil sie gezwungen werden, über ihre GEZahlten Rundfunkgebühren Fastnachtsendungen wie „Frankfurt Hellau“ mitzufinanzieren, die am 2. Februar 2012 zur besten Sendezeit (Uhr 20:15) im Abendprogramm im ARD ausgestrahlt wurde.

„Döner TV“ hieß die Büttenrede. Die Moderatorin trug ein Dirndl mit passendem Kopftuch in „Türk“is und machte in bewusst gebrochenem Deutsch plumpe Witze über „Eiche“ und „Achmed“. Die eine arbeitet als „Butzfrau“, der andere in der „geschlossenen Sendeanstalt“ – ausgestattet mit einem 10-jahres-Arbeitsvertrag ohne Bewährung. Der Saal jubelt.

Geschmacklosigkeit
Der Zuschauer vor dem Fernseher aber staunt über die Geschmacklosigkeit. So auch Corrado Di Benedetto, Vorsitzender des Landesausländerbeirats in Hessen (agah): „Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Hier ist uns aber das Lachen im Halse stecken geblieben. Die karnevalistische Freiheit ist ein hohes Gut. Und: Satire darf alles, nur nicht herabsetzend sein. Hier wurden aber alle Regeln des Anstandes verletzt.“

Die Büttenrednerin hat als „Türkin Eiche“ fast alle, gegenüber Türken bestehenden Vorurteile wie z.B. Kriminalität, Gewalt oder Klischees von der Unterdrückung der Frau und schlechter Bildung bedient, beklagt Di Benedetto. Der Beitrag sei eine Aneinanderreihung negativer Assoziationen gegenüber Türken und habe mit forschen Mitteln nichts als Abgrenzung praktiziert. Ein anderer Hintersinn sei bei bestem Wohlwollen nicht erkennbar. Die Büttenrede über Integration habe die Grenze der „Narrenfreiheit“ deutlich überschritten und sei eine öffentlich‐rechtliche Zurschaustellung von rassistischen Vorurteilen und im Ergebnis eine einzige Erniedrigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe.

Angebot gelöscht
Der Hessische Landesausländerbeirat hat beim Hessischen Rundfunk gegen die Ausstrahlung Protest eingelegt und eine Entschuldigung des Senders gefordert.

Dieser Forderung kam man bisher nicht nach. Nüchtern und im Lichte dieser Vorwürfe betrachtet, scheint die Sendung den Verantwortlichen aber doch peinlich geworden zu sein. Sowohl im Mediathek des Onlineangebots der ARD noch auf den Internetseiten des Hessischen Rundfunks findet man mittlerweile Informationen zur Sendung. „Leider konnte die gewünschte Seite nicht gefunden werden“, heißt es jetzt, wenn nach einem Suchlauf auf den entsprechenden Link geklickt wird. (bk)

Uptdate:
Einer Meldung der Frankfurter Rundschau zufolge will der Hessische Rundfunk die umstrittene Büttenrede, rotz des Vorwurfs, die Sendung bediene billige Klischees über Türken und türkisch stämmige Menschen, erneut ausstrahlen. „Das gehört zur sprichwörtlichen Narrenfreiheit“, verteidigt HR-Pressesprecher Tobias Häuser.

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74 Kommentare
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  1. Shinto sagt:

    Ich findes es ziemlich erschreckend was hier von türkischer Seite für Kommentare verfasst werden.
    Das beginnt bei der Unfähigkeit zur Selbstkrtik und dem über sich selbst lachen, geht über das forcieren einer Opferrolle, bis hin zu Beleidigungen und Hass gegenüber Deutschen.
    Deutsche haben also ein „Schweineherz“ und sind ein „Asoziales, unwissendes und moralisch krankes Volk“. Unglaublich!
    Das bestätigt leider einen Großteil der Vorurteile die über Türken bestehen.
    Zum Glück gibt es solche Probleme bei anderen Migrantengruppen in der Form nicht.

  2. Shanelle sagt:

    Shinto Erschreckend ist hier Ihr pauschales Aburteilen!

    Die „Probleme“, wie sie es nennen, haben Türken mit einem weitverbreiteten Rassismus in der deutschen Gesellschaft oder anders formuliert, offenbar hat die deutsche Gesellschaft noch immer ein Problem anzuerkennen, dass sich Türken nicht mehr diskreminieren lassen!

    Was hier, auch auf dieser Plattform, stattfindet, ist ein Emanzipationsprozess. Die Türken wehren sich gegen primitiven und dumpfen Stammtischrassismus und einige Deutschen lernen dazu, sie lernen, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, mir nichts, dir nichts Türkenwitze zu erzählen.

    Die Zeiten haben sich geändert, wo Ali Arbeiter und Hans Chef war. Heute ist Ali Chef und Hans Arbeiter und obwohl Ali ein guter Chef ist, kan Hans es nicht ertragen, dass ein TÜRKE sein Vorgesetzer ist!

    Und hier liegt das PROBLEM, ein Weltbild bricht zusammen!

  3. gedanke sagt:

    Ich sehe mir solche Büttenreden Oft an,es gibt Witze über alle…nur Witze über Juden und Israel habe ich bisher nicht hören können.
    WARUM GIBT ES EIGENTLICH KEINE JUDENWITZE,es wäre sicherlich etwas zum abheben.Die Gute Laune und den Humor kann den Deutschen keiner nehmen.Es herrscht doch Meinungsfreiheit !

    […] Büttenreden,[…] Karneval anstatt über andere zu lachen,lacht euch selber aus,wenn ihr alles sonst nicht traurig wäre.

  4. robin hood- Retter der […] Deutschen

    Dein Deutschland hat 7 Millionen Menschen umgebracht

  5. Hannelore sagt:

    Ich habe mich gezwungen diese Video auf Youtube bis zum Schluß anzuschauen. Einfach nur peinlich. Dazu muss ich sagen das ich weder was von Karneval noch von Büttenreden halte. Dieser „Humor“ ist mir echt zuwider, ich mag ihn einfach nicht.
    Aber die Aufregung von Türken darüber versteh ich nicht. Der Papst hat sich nie darüber beschwert wenn man sich i“nner Bütt“ über ihn lustig machte.
    @Optimist: Für Deutsche ist das Diplom kein besonderes Ereignis, wird halt nicht großartig gefeiert.
    @Shanelle, wo hier in Deutschland ist denn Ali Chef vom Fritz. Sie träumen, wachen Sie auf. Selbst in der Türkei ist häufigerweise Fritz Chef von Ali. Sie sind ein Realtätsverwigerer, Shanelle.

    Ich finde das Deutsche und Türken sehr gut zueinander passen, haben viele Gemeinsamkeiten, sie müssen nur zusammenfinden. Aber das wird kommen.

  6. Shinto sagt:

    Shannelle, erschreckend ist das Sie nicht nur die von mir aufgezählten „Vorurteile“ bestätigen, sondern sogar noch nachlegen.
    Ihr letzter Kommentar hat schon was von „jetzt übernehmen wir Türken in Deutschland die Macht“.
    Mal abgesehen davon dass das nicht stimmt, wird hier deutlich wie sehr Integration bei Ihnen und denen, die genauso denken, gescheitert ist und wie sehr Sie selbst von Rassismus geprägt sind.
    Es gibt ungefähr so viele Polen, bzw Polnischstämmige in Deutschland, wie es Türken gibt. Man kennt allerdings weder große Polenghettos, noch würde sich ein Polnischstämmiger in einer aggressiven und triumphierenden Weise hinstellen und verkünden, jetzt ist Lukas Kashinsky der Chef.
    Leider begreifen Sie nicht und merken auch nicht das gerade Leute wie SIE das Problem sind.

  7. Nobing sagt:

    soweit käme es noch, das wir uns auch noch vorschreiben lassen über was im Karneval gelästert wird.

  8. Alpay sagt:

    Die Trennung läuft schon lange nicht mehr zwischen Nationalitäten, Ethnien, Religionen, etc. Freunde des gepflegten Umgangs trennen zwischen niveaulos und nachgedacht. Und wenn der Herr Büttenredner es schafft auf dem Rücken „der türkischen Putzfrauen“ Politiker, Unverbesserliche, etc. zu kritisieren darf er das. Wer schon mal als Putze gearbeitet hat, weiß ganz genau von was für einer Art Mensch er spricht. Aus dem Müll kann man viel lesen. Und eines möchte ich noch anfügen: Die Vorurteile die wir äussern, sind Eindrücke dieser Gesellschaft, nur etwas harsch verpackt. Seien wir mal ehrlich, im Moment sprechen doch nicht Integrierte, das Wort haben die nicht-Integrierten auf allen Seiten, und das ist auch gut so. Für jeden, der schon längst in dieser Gesellschaft heimisch ist, sind das lächerliche Aussagen, angefangen bei A. Merkel. @ Shinto: Es liegt an Ihnen diese Meinungen zu bekämpfen, es gibt genug Deutsche die sie bestätigen.

  9. täglich-beleidigt sagt:

    haben die Menschen in diesem Land, die nicht zu Minderheit gehören oder nicht Moslem sind eine Ahnung, wieviele solcher geschlackloser und herabsetzender Artikel systematisch und fast täglich veröffentlicht werden?

    – Döner-Mörde: Tote Döner ist verständlich
    Es ist bisher kein Artikel über die Opferfamilien veröffentlicht worden. Interessiert ja auch niemanden. Die wurden zusätzlich mit der Artikelname „Dönermorde“ öffentlich beleidigt.
    – Der Abschie-Bär: Ist ja lustig der …Bär
    – Diskussionen im Politik über Abschiebungen von ausländern wegen einfachen delikten
    – Ehrenmorde statt familiendrama, …

    Wenn sowas alle paar monate vorkommt kann man vielleicht von Meinungsfreiheit und sonstigem sprechen. In der Systematik und Regelmäßigkeit spricht man hier von öffentlicher Mob.

    Das ist ein Straftat !!!

    Die „Nicht Minderheit“ kann das vielleicht mit Humor nehmen.
    Wir sind nicht mehr in der Lage darüber zu lachen oder dies mit Humor zu nehmen.

    Habbt doch einfach Verständnis mit euren Mitmenschen, statt zu versuchen euch zu rechtfertigen.

  10. Halil sagt:

    Ich glaub bei der nächsten Büttenrede wird mit Eiern oder Tomaten geworfen. Egal wie rum man es wendet, es bleibt geschmacklos.



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