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Migration und Integration in Deutschland

Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Hessischer Integrationsminsiter Jörg-Uwe Hahn (FDP), Frankfurter Neue Presse, 7.2.2013

ARD-Döner-TV

Öffentlich-rechtlicher Rassismus zur besten Sendezeit

Donnerstagabend. 20:15 Uhr. ARD. Fastnachtsendung: „Frankfurt: Helau“. Inhalt: Vorurteile und Klischees über Türken – verpackt als Witz und in gebrochenem Deutsch. Landesausländerbeirat fordert Entschuldigung. ARD und der HR nehmen Angebot aus dem Internet.

DATUM10. Februar 2012

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RESSORTAktuell, Feuilleton

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Würden Sie Geld dafür zahlen, um öffentlich lächerlich gemacht zu werden? Millionen Türken und Muslime tun das. Nicht weil sie zu viel Geld oder einen überdurchschnittlichen Sinn für Humor haben, sondern weil sie gezwungen werden, über ihre GEZahlten Rundfunkgebühren Fastnachtsendungen wie „Frankfurt Hellau“ mitzufinanzieren, die am 2. Februar 2012 zur besten Sendezeit (Uhr 20:15) im Abendprogramm im ARD ausgestrahlt wurde.

„Döner TV“ hieß die Büttenrede. Die Moderatorin trug ein Dirndl mit passendem Kopftuch in „Türk“is und machte in bewusst gebrochenem Deutsch plumpe Witze über „Eiche“ und „Achmed“. Die eine arbeitet als „Butzfrau“, der andere in der „geschlossenen Sendeanstalt“ – ausgestattet mit einem 10-jahres-Arbeitsvertrag ohne Bewährung. Der Saal jubelt.

Geschmacklosigkeit
Der Zuschauer vor dem Fernseher aber staunt über die Geschmacklosigkeit. So auch Corrado Di Benedetto, Vorsitzender des Landesausländerbeirats in Hessen (agah): „Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Hier ist uns aber das Lachen im Halse stecken geblieben. Die karnevalistische Freiheit ist ein hohes Gut. Und: Satire darf alles, nur nicht herabsetzend sein. Hier wurden aber alle Regeln des Anstandes verletzt.“

Die Büttenrednerin hat als „Türkin Eiche“ fast alle, gegenüber Türken bestehenden Vorurteile wie z.B. Kriminalität, Gewalt oder Klischees von der Unterdrückung der Frau und schlechter Bildung bedient, beklagt Di Benedetto. Der Beitrag sei eine Aneinanderreihung negativer Assoziationen gegenüber Türken und habe mit forschen Mitteln nichts als Abgrenzung praktiziert. Ein anderer Hintersinn sei bei bestem Wohlwollen nicht erkennbar. Die Büttenrede über Integration habe die Grenze der „Narrenfreiheit“ deutlich überschritten und sei eine öffentlich‐rechtliche Zurschaustellung von rassistischen Vorurteilen und im Ergebnis eine einzige Erniedrigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe.

Angebot gelöscht
Der Hessische Landesausländerbeirat hat beim Hessischen Rundfunk gegen die Ausstrahlung Protest eingelegt und eine Entschuldigung des Senders gefordert.

Dieser Forderung kam man bisher nicht nach. Nüchtern und im Lichte dieser Vorwürfe betrachtet, scheint die Sendung den Verantwortlichen aber doch peinlich geworden zu sein. Sowohl im Mediathek des Onlineangebots der ARD noch auf den Internetseiten des Hessischen Rundfunks findet man mittlerweile Informationen zur Sendung. „Leider konnte die gewünschte Seite nicht gefunden werden“, heißt es jetzt, wenn nach einem Suchlauf auf den entsprechenden Link geklickt wird. (bk)

Uptdate:
Einer Meldung der Frankfurter Rundschau zufolge will der Hessische Rundfunk die umstrittene Büttenrede, rotz des Vorwurfs, die Sendung bediene billige Klischees über Türken und türkisch stämmige Menschen, erneut ausstrahlen. „Das gehört zur sprichwörtlichen Narrenfreiheit“, verteidigt HR-Pressesprecher Tobias Häuser.

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74 Kommentare
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  1. Der Junge sagt:

    Macht euch weiter lustig über uns Türken. Vor Jahrzehnten noch 7 Mio Menschen umgebracht und heute Witze machen…Typisch Germania

  2. Shanelle sagt:

    Es ist auch nicht so,dass die Deutschen für ihren Humor berühmt wären. Vielmehr ist es der beißende Sarkasmus, gemischt mit einem dumpfen Rassismus, der in solchen Stammtischkarnevalien zur Geltung kommt. Da kann man dann, wie Bierdurst, so richtig auf die Kacke hauen und später sagen, „Ey, dat war ja alles nur spass, wa?!“

    Komischer Spass!

  3. Vorname Nachname sagt:

    wie schon der ultrahorst schon erwähnt hat wird sich über jedwede stereotypen lustig gemacht, bänker, sozis, deutsche, türken etc. pp.

    die türken davon auszunehmen und ihnen eine sonderstellung zu zu gestehen wäre rassismus und nicht umgekehrt.

    außerdem wird sich in der rede haupts. über die integrationsdebatte lustig gemacht u nicht über türken.

    da sind, wie ich auch finde bülent ceylan, kayar yanar oder dieser schwarze, der immer den klomann spielt tausendmal rassistischer als das.

    u jez hört auf rumzuheulen, das ist nur noch erbärmlich.

  4. schoppekloppe sagt:

    wie sieht´s den mit büttenreden über ausschwitz aus?
    ob sich die herrschaften dies wohl auch zutrauen würden?
    oder ist die „freie“ gesellschaft doch nicht so frei?
    fragen über fragen!!!!

  5. Bernard sagt:

    Die Eliten in den V-Ämtern, Bundesbanken, Volksparteien schlagen sich die Bäuche zu während sie amüsiert die Menschen aufeinanderhetzen, um dann „Sicherheit“ zu verkaufen. Im Innland wie im Ausland, Innen- und Außenpolitik ist aus einem Guß. Diese Weltanschauung versteht seinen Mitmensch als ihren Feind.

    Diese Weltanschauuung ist ein zivilisatorischer Rückschritt. Das ist meine Heimat, wir werden das ändern, wenn wir das wollen. Ich distanziere mich von der herrschenden Hassideologie auch wenn ich jetzt dafür vom sog. Verfasssungsschutz beobachtet werde oder dieser ausländische Dienste mich beobachten lässt. Soweit sind wir schon.

  6. alles so lustig sagt:

    wie 1934 im Köllner Karneval, wo sich die Juden nicht so haben sollten… http://kruppzeuch.files.wordpress.com/2010/02/image9.png

  7. caterpillar sagt:

    Was haben denn die Dönermorde damit zu tun? BTW: Gibt es etwa keine Deutschen, die von Ausländern umgebracht werden?

    Beim Karneval wird nun mal alles und jeder aufs Korn genommen, das war auch schon so, bevor es in Deutschland Millionen Türken gab. Warum sollte man jetzt damit aufhören? Außerdem sollte man das Kunststück durchaus fertigbringen, auch mal über sich selbst lachen zu können. Ist besser, als wegen jedem Witz beleidigt zu sein.

  8. alles so lustig sagt:

    @caterpillar genau, das war auch schon so, als man sich noch über Juden lustig gemacht hat

  9. robin_hood sagt:

    Warum regt sich kein Migrant in Deutschland auf, wenn in den Medien seines Heimatlandes die Deutschen mit Personen der NS-Zeit gleich gestellt werden, oder pauschale Vorurteile über die Deutschen verbreitet werden?
    Integration bedeutet auch, das Kulturgut des gastgebenden Landes zu achten!
    Nicht immer gleich lamentieren und sich auf dem Schlips getreten fühlen!
    Es gibt dazu auch ein gutes Sprichwort:
    „Bevor wir andere kritisieren, sollten wir erst einmal vor der eigenen Tür kehren!“
    In der Sendung wurde das Thema satierisch gehandhabt, aber in euren Heimatländern wird offen und manchmal leider auch voller Hass über Deutschland und die Deutschen propagiert!

    Da ich mit dieser offensiven Deutschlandfeindlichkeit meine Probleme habe, wohne ich auch nicht in diesen Ländern – sondern hier, in meinem DEUTSCHLAND!

  10. delphin sagt:

    Liebste Schanelle,
    wie wärs wenn Sie ihr Gehirn mal ein wenig anstrengen, und nicht immer nur die Empörte spielen? Büttenreden, meine Liebste, sollen dem Betrachter den Spiegel ins Gesicht halten. Wer hört denn nun diese Büttenreden? Türken sicher nicht. Also sind diese Büttenreden für Deutsche geschrieben. Und jetzt ein bisschen Nachdenken: diese Büttenrede ist meines Erachtens eine Antwort auf den aufkeimenden Rechtspopulismus, auf das, was die Medien den ganzen Tag schreiben, eine humorvolle Aufarbeitung des ganzen Brimboriums von Integrationskursen über rechtspopulistisches Geseier und Pauschalisierungen bis Islamkonferenz. Eigentlich genau das, was SIE den ganzen lieben langen Tag mokieren.

    Eine ähnliche Sendung über Franzosen wäre sang- und klanglos untergegangen. Und dass über KZ-Juden ebensowenig Witze gemacht werden, wie über Opfer des armenischen Genozids oder verhungernde Soldaten in Stalingrad … sollte klar und verständlich sein. Man lacht auch nicht über die Opfer der Roten KHMER oder kleine vergewaltigte Mädchen. Sicher, wer nur seichtes Karagös-Theater kennt, wo keiner dem anderen auf die Zehen steigt… machen sie sich mal locker. Wenn sie nicht erwähnt würden, wäre das Geschrei auch wieder groß.


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