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In anderen EU-Ländern erzielen Türken höhere Schulabschlüsse

Posted By Redaktion On 31. Januar 2012 @ 08:30 In Gesellschaft,Leitartikel | 12 Comments

Die zweite Generation der sogenannten damaligen „Gastarbeiter“ erzielen in anderen europäischen Ländern wesentlich bessere Bildungsabschlüsse als in Deutschland. Hauptursache ist: Deutschland gelang es nicht, den Bildungserfolg vom elterlichen Bildungsniveau und der elterlichen Unterstützung abzukoppeln.

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In Deutschland hatten Befragte aus türkischen Familien mit niedrigem elterlichen Bildungsniveau und wenig Unterstützung praktisch keine Chance, einen Hochschulabschluss zu erreichen, während dies für bis zu 40 Prozent der Befragten in anderen Ländern gilt. Auffällig ist, dass die zweite „jugoslawische“ Generation sich überraschend stark an die „Einheimischen“ annähert, während die befragten Türkeistämmigen wie erwartet deutlich schlechtere Bildungsabschlüsse erreicht haben. Im Vergleich mit den Eltern ist allerdings der Bildungsaufstieg in dieser Gruppe besonders groß.

Download: Die TIES-Studie wurde von der Universität Amsterdam international koordiniert. Das Projekt begann im Jahre 2005. Insgesamt wurden fast 10.000 Teilnehmer in 15 Städten aus acht europäischen Ländern befragt.

Jens Schneider, Wissenschaftler und Mitinitiator der TIES-Studie erklärt hierzu: „Die internationalen Vergleiche zeigen, dass es in einigen Ländern durchaus gelingt, den jungen Erwachsenen der zweiten Migrantengeneration unabhängig von Ausbildung und Herkunftsland der Eltern bessere Bildungsabschlüsse zu ermöglichen – durch Faktoren wie längeres gemeinsames Lernen oder durch eine zweite oder dritte Chance“.

Seine Kollegin Maren Wilmes, Wissenschaftlerin vom IMIS-Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Uni Osnabrück, zieht hierzu das Fazit: „Die Schlüsselfrage ist: Wie kann Benachteiligung in Bildung und Ausbildung abgebaut werden? Denn bei den hier aufgewachsenen Jugendlichen geht es eigentlich gar nicht um Integration, sondern vielmehr um den Abbau von Benachteiligung und die Ermöglichung von fairen Bildungs- und Teilhabe-Chancen.“

Wer ist einheimisch?
Die TIES-Studie provoziert mit der Forschungsfrage: „Wer ist eigentlich einheimisch?“ Die Befragten aus der Nachfolgegeneration der früheren „Gastarbeiter“ fühlen sich beispielsweise zu 70 Prozent mit ihrem Stadtteil verbunden, so die Daten der TIES-Studie für Frankfurt/Main und Berlin. Das Maß an Identifikation mit Deutschland und der jeweiligen Stadt ist ebenfalls überraschend hoch. Offensichtlich besteht für die untersuchte Gruppe der jungen Erwachsenen, deren Eltern aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien stammen, kein Widerspruch zwischen ihrer Identifikation mit dem Herkunftsland ihrer Eltern einerseits und ihrer deutschen oder lokalen Identität andererseits.

Allerdings können Erfahrungen mit Diskriminierung im Alltag zur reaktiven Abkehr vom Geburtsland führen. „Die TIES-Studie zeigt, dass die hier geborenen Jugendlichen aus Zuwandererfamilien sich mit ihrer Stadt identifizieren. Es ist wichtig, dass sie auch von der Gesellschaft akzeptiert werden“, so Claudia Walther, Bertelsmann Stiftung. (hs)


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