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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

TV-Tipps des Tages

23.01.2012 – Indien, Integration, Moschee, Ausländer, Islam, Pforzheim

TV-Tipps des Tages sind: Indiens wilde Schönheit; Moscheen – Bauen um zu bleiben: Fatih-Moschee in Pforzheim; Wut: Als der Professor und Alt-68er Simon Laub erfährt, dass sein Sohn regelmäßig vom Anführer einer türkischen Straßengang „abgezogen“ wird, versucht er, ihm die Stirn zu bieten

VONÜmit Küçük

DATUM23. Januar 2012

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Indiens wilde Schönheit
1/5, Die Wüste Thar – Indien – einzigartig in seiner Vielfalt. Der Subkontinent ist geprägt von landschaftlicher, kultureller und ethnischer Verschiedenartigkeit. Die Reihe „Indiens wilde Schönheit“ führt zu den spektakulärsten und schönsten Regionen Indiens.

Die Wüste Thar ist ein Land der Kontraste. Das Wüstengebiet erstreckt sich über fast 240.000 Quadratkilometer. Sand- und Steinwüste wechseln sich ab mit Dornsavannen und Grasland. Temperaturen von über 50 Grad Celsius und weniger als fünf Zentimeter Regen im Jahr haben der Tharwüste den Beinamen „Land des Todes“ eingebracht. Dennoch ist die Thar eine der am dichtesten besiedelten Wüsten der Welt.

Die farbenprächtigen Städte Jodhpur und Jaipur liegen in ihren Randgebieten. Jaipur, die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan, ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. 1981 lebte hier eine Million Menschen, 2011 sind es schon 3,9 Millionen. Und selbst in den trockensten Wüstenregionen wohnen Menschen: Nomaden, die hier besondere Pferderasse, die Marwari, und die besten Kamele Indiens züchten.

Für Wildtiere bietet die Wüste einen Rückzugsort. So ist es ein besonders beeindruckendes Schauspiel, wenn nahe des kleinen Wüstenortes Khichan tausende Jungfernkraniche ihr Winterlager aufschlagen. Diese kleinste aller Kranicharten trotzt auf ihrer Migrationsroute aus dem Norden Asiens in das warme Indien den widrigsten Bedingungen. Auf ihrem Weg überqueren die Tiere sogar den Himalaya.

Das Zusammenleben von Mensch und Tier wird vielerorts bestimmt durch den hinduistischen Glauben. Zahlreiche Tiere werden als Götter verehrt und stehen unter besonderem Schutz. So steht in der Stadt Deshnoke ein Rattentempel. Die kleinen Nager, die in vielen Regionen der Erde gnadenlos verfolgt werden, bekommen hier Nahrung und werden verehrt. Und die Affen des Hanuman-Tempels in Jaipur sind schon lange dafür bekannt, dass sie sich dem Stadtleben besonders gut angepasst haben.

Hintergrundinformationen:
Indien ist einzigartig in seiner Vielfalt und atemberaubend schön. Von den majestätischen Gipfeln des Himalaya über die Wüstenregionen der Thar zu den Regenwäldern und Deltas der großen Flüsse sind alle Regionen von landschaftlicher, kultureller und ethnischer Vielfalt geprägt. Indien ist nach China das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, was zur Folge hat, dass der Mensch immer weiter in die natürlichen Lebensräume vordringt. Doch es gibt auch Bemühungen, die Wildnis zu bewahren, durch Naturreservate und Schutzzonen.

So bietet Indien noch immer Lebensraum für seltene aber typische Tierarten, wie den Bengaltiger oder den indischen Elefanten. Aber auch viele unbekannte Arten leben hier – wie der Bartaffe, der Kleine Panda oder die Flussdelfine des Ganges. Die Reihe „Indiens wilde Schönheit“ führt zu den spektakulärsten und schönsten Regionen und ihren Bewohnern.

Die HD-Dokumentationsreihe fängt die ganze Schönheit von Indiens außergewöhnlichsten Landschaften und Kulturen und der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt ein. Für die atemberaubenden Wildlife-Bilder ist Richard Kirby verantwortlich. 13:30-14:15 • arte

Moscheen – Bauen um zu bleiben
Fatih-Moschee in Pforzheim. Sie ist die erste Moschee in Baden-Württemberg.

Vor 20 Jahren, im Jahr 1992 gab es in Pforzheim die erste Moschee in Baden-Württemberg. Damals war der Widerstand dagegen heftig: vom offenen Protest bis hin zur anonymen Drohungen. In Pforzheim hat sich der Streit längst gelegt.

Heute entstehen überall im Land Moscheen. Ist der Bau einer Moschee schließlich zur Normalität geworden? In Esslingen entsteht gerade ein großer Neubau. Das um einige Zentimeter zu hoch geratene Minarett stand in den Schlagzeilen und musste zurück gebaut werden. Was hat sich im Umgang mit einander verändert? Was macht ein Moschee-Verein eigentlich? Autor Hanspeter Michel hat in Pforzheim und Esslingen nachgefragt. 18:15-18:45 • SWR BW, SWR RP, SWR SR

Wut
Felix Laub (Robert Höller (re) wird vom Anführer (Oktay Özdemir) einer türkischen Gang drangsaliert.

Fernsehfilm – Als der Professor und Alt-68er Simon Laub erfährt, dass sein Sohn regelmäßig vom Anführer einer türkischen Straßengang „abgezogen“ wird, versucht er, ihm die Stirn zu bieten. Es entspinnt sich ein Kreislauf von Demütigung und Gewalt.

Felix Laub ist ein feinsinniger Teenager mit bildungsbürgerlichem Hintergrund. Für den jungen Berliner Türken Can und seine Gang ist er ein willkommenes Opfer. Hilflos und ängstlich erträgt der Schüler und Hobby-Cellist Cans Schikanen, bis sein Vater Simon Laub bemerkt, was Felix durchmacht.

Nagelneue Schuhe hatte Felix an den Anführer der Gang abtreten müssen. Eine solche Frechheit will der angehende Universitätsprofessor Simon nicht so einfach durchgehen lassen. Angetrieben auch durch seine Frau Christa, stellt er sich sofort schützend vor seinen Sohn. Allerdings muss er feststellen, dass die Sache so einfach nicht aus der Welt zu schaffen ist. Im ersten direkten Gespräch mit Can zeigt sich dieser von den klaren Worten des schöngeistigen Akademikers wenig beeindruckt. Simons nachfolgende Unterredung mit Cans strengem, gläubigem Vater bringt allenfalls einen Teilerfolg. Zwar beugt sich Can dem Willen seines Vaters und bringt Simon die Schuhe seines Sohnes wieder zurück, dafür aber wächst jetzt in Can die Wut auf Felix‘ Vater.

Längst schon ist Can für Simon zum angsteinflößenden Eindringling in seine Welt geworden. Jetzt aber trifft Can bei seinem Rachefeldzug Simon an seinen empfindlichsten Stellen. So platzt er zum Beispiel ausgerechnet in Simons Antrittsvorlesung als Germanistikprofessor. Dort sorgt er mit seinem Wissen, dass Simon mit der anwesenden Studentin Dominique eine Affäre hat, für einen Eklat. Can unterminiert jetzt also sogar die berufliche Existenz des Mannes, für den der gewaltbereite Jugendliche längst zum Albtraum seines Lebens geworden ist – und dem in dieser Situation auch in der Familie mehr und mehr der Rückhalt fehlt. Seine offene Beziehung mit der Immobilienmaklerin Christa funktioniert längst nicht mehr. Es sieht alles danach aus, dass ihr gemeinsamer Freund Michael, ein bodenständiger und praktischer Typ, für Christa mehr ist als eine kurze Affäre.

Gleichzeitig gerät Felix verstärkt unter Cans Einfluss, was dessen ohnehin zwiespältiges Verhältnis zum Vater zusätzlich belastet und die Sorge der Eltern um ihren Sohn nicht mindert. In dieser Situation entschließt sich Simon, endlich die Polizei einzuschalten, um Can endgültig außer Gefecht zu setzen. Aber dadurch kann er die Lage nicht entschärfen. Im Gegenteil. Can droht wegen Drogenhandels der Prozess, gleichzeitig wird er von seinem Vater wegen seines unehrenvollen Verhaltens verstoßen. Derart in die Enge getrieben, wird Cans Hass auf Simon und seine saturierte Welt nur noch größer. Aber auch in Simon hat sich im Verlaufe der Entwicklung ein gefährliches Gemisch aus Wut, Demütigung und Ohnmacht angestaut: Jetzt ist er bereit, seine ursprünglichen Prinzipien gänzlich über Bord zu werfen und mit ganz anderen Mitteln gegen Can vorzugehen. Das aber führt nur zu einer weiteren Eskalation – und zu einer verhängnisvollen Katastrophe.

Hintergrundinformationen:
„Wut“ entwickelt minuziös das gewaltsame Aufeinandertreffen zweier Welten: der des arrivierten Alt-68er-Bildungsbürgertums mit jener der türkischen Migranten. Es ist die Geschichte eines Dialogs, der nicht zustande kommt, weder zwischen noch innerhalb beider Familien. Regisseur Züli Aladag hat mit seinem kühn und packend erzählten Film ein heißes Eisen angefasst. Schon vor seiner Erstausstrahlung im Herbst 2007 hatte der Film eine hitzige Debatte entfacht: Einerseits wurde ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen, denn er zeige den „Fremden als Täter“, zum Teil sogar „voll heimlicher Bewunderung“ für dessen „Kultur der Ehre“, die sich durch „Frauen- und Homosexuellenverachtung“ sowie durch „die Rückkehr des Faustrechts“ charakterisiere (Spiegelonline). Andererseits wurde die in „Wut“ geäußerte Kritik an der „unreflektierten Xenophobie der ach so liberalen Deutschen und ihrer heimlichen Sehnsucht nach der harten Hand“ gelobt (Freitag).

Soviel Mut zur Unangepasstheit zahlte sich bei den deutschen und internationalen Film- und Fernsehfestivals aus: „Wut“ erhielt das Prädikat „besonders wertvoll“ der Filmbewertungsstelle Wiesbaden und wurde mit vier Adolf-Grimme-Preisen bedacht (Züli Aladag (Regie), Max Eipp (Buch), Wolf-Dietrich Brücker (Redaktion), Oktay Özdemir und August Zirner (stellvertretend für das Darstellerteam)).

Der Film erhielt zwei Goldene Kameras als bester Fernsehfilm sowie für Corinna Harfouch als beste deutsche Schauspielerin. Weiterhin wurde „Wut“ mit einem Fipa d’Argent bei den internationalen Fernsehfilmfestspielen in Biarritz, einer besonderen Anerkennung des Fernsehfilmfestivals Baden, der Gold World Medal auf dem New York Festival 2007 sowie dem Golden Gate Award des San Francisco International Film Festivals 2007 ausgezeichnet und war für den 3sat-Zuschauerpreis 2006 nominiert.

Züli Aladag, 1968 im türkischen Van geboren, begann bereits während seines Studiums der Theaterwissenschaft in München und später der Regie an der Kunsthochschule für Medien in Köln Dokumentar- und Kurzfilme sowie Videoclips zu drehen. Der Durchbruch gelang ihm 2002 mit dem Kinofilm „Elefantenherz“, der mit zwei Bayerischen Filmpreisen (Kamera sowie VGF-Preis für Nachwuchsproduzenten) sowie dem Deutschen Filmpreis (für Hauptdarsteller Daniel Brühl) prämiert wurde.

Oktay Özdemir wurde 1986 in Berlin geboren. Als Mitglied des Berliner Jugendzirkus „Cabuwatzi“ wurde er für den Film entdeckt. In Neukölln und Kreuzberg aufgewachsen, kennt er die „Gesetze der Straße“ aus eigener Erfahrung, so dass er meist Kleinkriminelle spielte: so in seinem ersten Film, dem Drama „König der Diebe“ (2003). Für seine Rolle als Anführer einer Jugendgang in Detlev Bucks Kinofilm „Knallhart“ (2005) wurde er mit dem Undine Award als bester jugendlicher Nebendarsteller ausgezeichnet. Für „Wut“ erhielt er zusammen mit August Zirner (stellvertretend für das gesamte Darstellerteam) den Adolf-Grimme-Preis. 23:15-00:45 • NDR Mecklenburg-Vorpommern, NDR Hamburg, NDR Niedersachsen, NDR Schleswig-Holstein

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