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Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

TV-Tipps des Tages

18.01.2012 – Pakistan, Muslime, Osmanische Reich, Türkei, Neonazi, Migranten

TV-Tipps des Tages sind: Kalash: Im Tal der letzten Ungläubigen von Pakistan; Geheimauftrag Konstantinopel; Türkei – Die Kinder der Sonne; Die Büchse der Pandora; Neonazis in Russland – Angriff der Schlägertrupps; Neonazis in Russland – Angriff der Schlägertrupps

VONÜmit Küçük

DATUM18. Januar 2012

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Kalash
Dokumentation – Im Tal der letzten Ungläubigen von Pakistan – Schweiz 2010 Regie: Gaël Métroz

Das Volk der Kalash lebt in Pakistan, nördlich von Peschawar und den Stammeszonen, die von den Taliban besetzt sind. Ihr Gebiet reichte einst von Afghanistan bis zum Kaschmir.

Umgeben von Muslimen und afghanischen Flüchtlingen, leben die letzten 3.000 Angehörigen des Volkes der Kalash in drei abgeschiedenen Tälern an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan. Wenn die Wintersonnenwende naht, begrüßen sie das Erwachen der Natur mit ihren traditionellen Gebeten, Gesängen und Tänzen.

Wie viele Kalash steht die in der Dokumentation porträtierte junge Frau vor der Wahl, ob sie zum Islam übertritt, um modern zu leben, oder ob sie die Tradition ihres Volkes fortführen will. Von der Entscheidung ihrer Generation hängt das Überleben der jahrtausendealten, von polytheistischen Glaubensvorstellungen geprägten Kultur ab. 08:55-09:50 • arte

Geheimauftrag Konstantinopel
Dokumentation (Kultur – Mittelalter) – 1437 ist Konstantinopel von den osmanischen Truppen eingeschlossen. Sich aus eigener Kraft zu befreien ist unmöglich. Längst sind die Truppen der Stadt auf ein winziges Verteidigungsheer reduziert. Einzig die Stadtmauern halten den Feind auf. Da macht der päpstliche Gesandte Nikolaus von Kues dem Herrscher ein Angebot. „Geheimauftrag Konstantinopel“ dokumentiert einen der spannendsten Momente mittelalterlicher Geschichte. 14:00-14:45 • 3sat

Türkei – Die Kinder der Sonne
Länder-Menschen-Abenteuer – Der Film ist ein Landschaftsporträt der Vielvölker-Region im Südosten der Türkei, stellt kulturelle Traditionen vor und begibt sich auf eine Reise zu großen historischen Schauplätzen im Südosten Anatoliens. 20:15-21:00 • BR-alpha

Die Büchse der Pandora
Spielfilm – Eine Familie muss sich plötzlich einer schwierigen Aufgabe stellen: Die Mutter ist an Alzheimer erkrankt. Unter der Belastung treten die lange unterdrückten Konflikte der Angehörigen zutage und stellen ihre Geduld auf die Probe.

Nusret ist eine alte Bauersfrau, die in einem Haus in einem kleinen Bergdorf am Schwarzen Meer lebt. Eines Morgens verschwindet sie spurlos. Ihre erwachsenen Töchter Nesrin, Güzin und ihr Sohn Mehmet leben in Istanbul und machen sich sofort auf den Weg in ihr Heimatdorf, um ihre Mutter zu suchen. Tochter Nesrin ist Mitte 40, verheiratet und hat einen Sohn, der ihr allerhand Kummer bereitet, weil er von zu Hause weggelaufen ist und auf der Straße lebt. Ihre jüngere Schwester Güzin ist vielbeschäftigte Journalistin und unglücklich verliebt. Ihr Bruder Mehmet ist arbeitslos und das schwarze Schaf der Familie. Alle drei halten wenig vom Lebensstil des jeweils anderen und so kommt es bereits im Auto zum Streit. Die früheren Konflikte über Lebensvorstellungen und den toten Vater sind deutlich zu spüren.

Im Dorf ihrer Mutter suchen sie diese mit Polizei und Dorfbewohnern und finden die alte Frau schließlich lebend, aber ohne Erinnerung an das, was vorgefallen ist. Die Geschwister nehmen ihre Mutter mit nach Istanbul, und Nesrin nimmt sie bei sich auf, obwohl sie selbst unter großem Stress steht. Ihr Sohn Murat ist wohnungslos und für sie unauffindbar. Doch Murat muss schnell feststellen, dass er nicht dafür geschaffen ist, auf der Straße zu leben. Nach einem Überfall ist er ohne Geld und sucht Hilfe bei seinem Onkel Mehmet.

Unterdessen diagnostizieren die Ärzte bei Nusret Alzheimer. Die alte Frau fühlt sich in der neuen Umgebung nicht wohl und kommt in der großen Stadt mit den Hochhäusern und Fahrstühlen nicht zurecht. In dieser Situation kommen bei den Geschwistern die unterdrückten Gefühle und Probleme zum Vorschein und es gelingt ihnen nicht, mit ihrer kranken Mutter umzugehen. Überraschend findet nur der wiedergekehrte Enkel Murat Zugang zu seiner Großmutter und stellt sich der Aufgabe, sich um sie zu kümmern.

Hintergrundinformationen:
Die türkische Regisseurin Yesim Ustaoglu erzählt auf intensive und feinfühlige Weise eine universale Geschichte über Eltern, Kinder und menschliche Konflikte, die in Istanbul und am Schwarzen Meer spielt, aber so ähnlich in jeder modernen Großstadt stattfinden könnte. Herausragend ist die fast 90-jährige französische Schauspielerin Tsilla Chelton als Nusret. Sie bekam beim Festival von San Sebastián verdientermaßen den Preis als beste Darstellerin.
Yesim Ustaoglu wurde 1962 im Osten der Türkei geboren und zog später mit ihrer Familie nach Istanbul. Sie studierte Architektur und fing erst in den 80er Jahren an, Kurzfilme zu drehen. 1999 hatte ihr zweiter Spielfilm „Günese Yolculuk“ (Reise zur Sonne) auf der Berlinale seine vielbeachtete Premiere. Die Geschichte über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Türken und einem Kurden thematisiert offen das Thema Rassismus in der Türkei.

„Kurdistan“ ist dort bis heute ein heikles Thema. So kam es, dass das türkische Militär die Dreharbeiten des Films mehrmals unterbrach und die Produktion deshalb mehrere Jahre dauerte. Trotzdem wurde der Film auch in der Türkei sehr gelobt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Die Regisseurin erhielt für den Film und ihr Engagement sogar den europäischen Friedenspreis.

Yesim Ustaoglu befasste sich auch 2004 in ihrem folgenden Spielfilm mit einem in der Türkei politisch heiklen Thema. „Waiting for the Clouds“, wie „Die Büchse der Pandora“ eine ARTE-Koproduktion, erzählt die Geschichte einer Frau, die viele Jahre geheim hält, dass sie eine türkische Griechin ist und bei der Zwangsumsiedlung von der Türkei nach Griechenland von ihrer Familie getrennt wurde. Auch dieser Film transportiert, wie bereits „Reise zur Sonne“, die Botschaft der Toleranz und Akzeptanz der Völker und der eigenen Geschichte. 22:40-00:30 • arte

Neonazis in Russland – Angriff der Schlägertrupps
23:15-00:10 • N24

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