MiGAZIN

Das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Anzeige

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Bild dir deine Meinung

Ausländer-Hetze mit Halbwahrheiten und hinkenden Vergleichen

Das Boulevardblatt Bild hetzt erneut gegen Ausländer. Sie vergleicht die Hartz-IV-Quoten von Ausländern aus verschiedenen Herkunftsländern. Dass soziale, strukturelle und rechtliche Hürden maßgeblich für diese Quoten sind und nicht die Herkunft, verschweigt das Blatt.

„Alarmierend hohe Hartz-IV-Quoten bei Ausländern“ meldet die Bild-Ausgabe vom 16. Januar 2012 und veröffentlicht dazu eine Tabelle, in der Hartz-IV-Bezieher ohne deutschen Pass nach Quote und Herkunftsland sortiert sind. Das Fazit der Bild-Zeitung: „Ausländische Mitbürger ohne deutschen Pass sind im Schnitt mehr als doppelt so oft von Hartz-IV betroffen wie Deutsche“ (17,6 % zu 6,9).

Keine Erwähnung findet, dass die Hartz-IV-Quote in Ostdeutschland mit 17 Prozent nur unwesentlich unter dem Schnitt der Ausländer liegt. Nicht erwähnenswert findet das Boulevardblatt auch, dass im Flächenland Sachsen-Anhalt – das Land mit dem geringsten Ausländeranteil1 – diese Quote mit 18,4 Prozent sogar über dem der Ausländer liegt2.

In diesem Zusammenhang kritisiert der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Memet Kılıç, die Berichterstattung und warnt davor, soziale Probleme zu ethnisieren. Kılıç weist zudem darauf hin, dass viele Ausländer schon „aufgrund ihres unsicheren Aufenthaltsstatus keine Chance auf dem Arbeitsmarkt“ haben. „Abgesehen vom Aufenthaltsstatus ist sogar der ausländische Name für viele Arbeitgeber entscheidend“, ergänzt der Grünen Politiker.

Eine Studie der Universität Konstanz hatte gezeigt, dass trotz vergleichbarer Qualifikationen, Bewerber mit türkischen Namen insgesamt 14 Prozent weniger positive Antworten erhielten. In kleineren Unternehmen waren es sogar 24 Prozent. (bk)

  1. Quelle: Statistisches Bundesamt  []
  2. Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Bundesagentur für Arbeit und Berechnungen der Paritätischen  []
Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

8 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Bild hetzt und forciert Fremdenfeindlichkeit, MiGAZIN kontert und korrigiert.

    Eine „deutsche“ Zeitung spaltet und stiftet Unruhe. Ein „migrantisches“ Nachrichtenportal erinnert, versöhnt und baut Brücken.

    Das Bild des „deutschen Patrioten“ hat sich im Zuge der Multikulturalisierung der deutschen Gesellschaft offensichtlich nachhaltig verändert.

  2. Shanelle sagt:

    Na, was haben Sie denn gedacht? Das sich Wahrheiten gut verkaufen lassen? Ne, ne, Halbwahrheiten verkaufen sich gut in diesem Staat und Dummheit hat auf dem rechten dumpfen Lager immer schon Hochkonjunktur 🙂

  3. Lutz Bucklitsch sagt:

    Sehr geehrte Redaktion,

    ich finde die Kritik an der Veröffentlichung ungerecht. Belegt die Veröffentlichung doch eines ganz deutlich – Integration ist auf breiter Front gescheitert.

    Obwohl die Bundesrepublik Deutschland bedarf an Fachkräfte hat, haben die meisten ausländischen Mitbürger nicht die Möglichkeit in ihrem Beruf zu arbeiten, eben weil sich der deutsche Gesetzgeber schwer tut, die Bildungsabschlüsse vieler dieser Bürger nicht anzuerkennen.

    Ich selbst bin im Bereich der Flüchtlingshilfe tätig, wie schwer es ist, die Bildungsabschlüssen anzuerkennen lassen, kann ich aus eigener Erfahrung beurteilen. Die Aufstellung ist völlig gerechtfertigt. Zeigt sie ein großes Problem. Und wenn sich Politiker dazu kritisch äußern, sorry, aber es sind doch gerade Politiker die die Möglichkeit haben, dieses zu ändern, egal ob sie der CDU/CSU, FDP, SPD, GRÜNE oder gar der „Linken“ angehören. Sie sitzen in den Parlamenten, haben alle über Jahre in Regierungen gesessen und haben nichts dagegen unternommen, auch die GRÜNEN nicht. Das ist halt die Realität.

    Wer jetzt hier aufschreit, der sollte sich einmal an seinen eigenen Taten messen lassen, was tun SIE denn , um diese Situation zu ändern, was tun SIE von der Redaktion eigentlich dagegen nichts (!), scheinbar jedenfalls, sonst würden sie ja hier Lösungen vorbringen und nicht pauschal und einseitig etwas bewerten, was es seit vielen Jahren in den den Statistiken der Bundesagentur gibt. Aber offenbar recherchieren SIE nicht ordentlich genug, sonst hätten sie dieses erwähnt.

    Um meine Kritik an Ihren Artikel aber mit einen Beispiel zur Lösung dieses Problems anzubringen, möchte ich auf folgenden Sachverhalt verweisen, wer einen Bildungsabschluß/Studium etc vorweisen kann, hierüber die Dokumente hat, im Original, der sollte dann bitte bei seinem zuständigen JobCenter vorsprechen – Arbeitsberater – dort werden dann die Kosten der Übersetzung in die deutsche Sprache übernommen. Dann können sie anschließend diesen Abschluß anerkennen lassen und in ihrem Beruf arbeiten. Das sorgt dann auch für bessere Zahlen in der Statistik und führt hoffentlich auch zu einer sachlicheren Diskussion.

  4. AHA sagt:

    Ich finde ebenballs das der Artikel nur einseitig Polemisiert.
    Wer von Ihnen in der Redaktion hat denn mal nachgeforscht was für Leute bezüglich Bildung hinter diesen Statistiken stehen. Und wieviele leben schon über Jahre in Deutschland und wieviele sind neu hinzugekommen. Ich glaube nicht das der Akademikeranteil allzu groß ist.
    Aber interessanterweise scheint das Deutsch gerade noch dazu zu reichen Hartz IV zu beantragen. Dafür ist Deutschland gut genug.
    Wenn all diese Leute und hier meine ich vor allem die. die schon seit Jahren von Stütze leben wirklich Verantwortung übernehmen würden, würden sie es genauso tun wie viele Griechen in der Krise ihres Landes. Sie suchen sich Arbeit und Zukunft im Ausland.

  5. Optimist sagt:

    Hab einen Vorschlag für die BILD. Die sollten in Zukunft nicht mehr den Satz „BILD dir deine Meinung“ sondern eher „Wir bilden dir unsere rassistische Meinung“ benutzen, ist authentischer.

  6. bernard sagt:

    Die herrschende Wirtschaftselite lebt davon, ihre Politik hinter einem Gefühlswirrwarr zu verstecken. Arbeitnehmer wenden sich nicht gegen die das oben, sondern jetzt gegen ihren Nachbarn, gegen die anderen und sie zahlen auch noch gern Steuern für die Einmischung in fremde Staaten im Sinn der Wirtschaftselite, die damit Kriege anzettelt.

    Demokratie heißt, die Herrschaftselite abwählen zu können. Kann man das in Deutschland wirklich? Oh, jetzt kommt der Verfassungschütz 😉

  7. Tilo sagt:

    Wo ist hier Hetze? Ich frage mich, ob der Autor dieses Artikels hier richtig diese Ausage bewertet oder nur subjektiv irgendwas ließt, wo Ausländer erwähnt sind und natürlich, wie könnte es anders sein, gleich wieder mit Ausländerfeindlichkeit argumentiert. Klasse gemacht, Schmierfink!!! Sorry, für den Ausdruck, aber das regt mich wahnsinnig auf.
    Ist doch immer wieder die gleiche Leier und das Gesülze! Genau mit solchen Artikeln wird keine Integration geförtert, sonern nur Uneinigkeit geschürt!!
    Was hier diese Statistik zeigt, ist wie wir von unserer Regierung belogen werden, und zwar, über den tatsächlichen Arbeitslosenstand. Man rühmt sich mit etwas mehr als 2 Mil., ohne Harz IV Empfänger zu erwähnen. Das ist das Erschreckende.
    Der Autor hätte besser getan, die Arbeitsmarktpolitik der Regierung kritisch zu betrachten, als über angebliche Auslänerhetze zu schreiben!!!



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...