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Wirtschaft

Mehr Existenzgründungen durch Migranten

Immer mehr Migranten gründen in Deutschland ein eigenes Unternehmen. Dabei nehmen Gründungen im Dienstleistungssektor zu, Handel und Gastronomie gehen zurück. Bundeswirtschaftsminister Rösler freut sich: „Das sorgt für neuen Schwung“.

Mittlerweile wird rund jeder dritte neue Gewerbebetrieb von einem Bürger ohne deutsche Staatsbürgerschaft angemeldet. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Initiative „Gründerland Deutschland“ in Auftrag gegebenen Studie „Unternehmensgründungen von Migranten und Migrantinnen“.

Insgesamt gründeten ausländische Bürger im Jahr 2009 rund 130.000 neue Betriebe in Deutschland. Im Jahre 2003 lag diese Zahl noch bei rund 60 000. Und im Vergleich zu 2005 ist das ein Anstieg um ca. 25 Prozent, wohingegen die deutsche um etwa ein Viertel abnimmt (-25,3%). Damit waren im Jahr 2009 Ausländer mehr als dreimal so gründungsfreudig wie Deutsche. Gleichzeitig weisen höhere Schließungsraten unter Migranten aber auch darauf hin, dass ihre Gründungen auch häufiger scheitern.

Gastronomie out, Dienstleistung in
Auffällig ist außerdem die Veränderung des Branchenschwerpunktes: Ausländische Gründungen in Handel und Gastronomie gehen zurück, Gründungen im Dienstleistungssektor nehmen zu.

Die höchsten Zuwächse liegen bei Gründern aus den neuen EU-Staaten. Dabei liegt Polen ganz vorn. Bezogen auf ihren Anteil an allen Erwerbspersonen, versuchten sie sich 15-mal häufiger mit der Selbständigkeit als Deutsche. Allerdings ist der polnischstämmige Selbständigenbestand am stärksten vom Solodasein geprägt (75 Prozent). Deren durchschnittliche Unternehmensgröße beträgt 3,2 Mitarbeiter; russische Selbständige kommen auf 4,2 Mitarbeiter, türkische auf 5,1 und italienische im Durchschnitt auf 5,5 Mitarbeiter. Bei Unternehmern ohne Migrationshintergrund beträgt dieser Wert 6,4.

Download: Die Studie „Unternehmensgründungen von Migranten und Migrantinnen“ kann auf bmwi.de kostenlos heruntegeladen werden.

Neuer Schwung
Absolut betrachtet, gehen von den Neugründungen ca. 30 000 auf das Konto von polnischen Unternehmern, gefolgt von türkischen (rund 18 300) und italienischen (rund 6 100).

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bewertet die Ergebnisse der Studie insgesamt positiv: „Unternehmensgründungen sind ein Lebenselixier für die deutsche Wirtschaft. Es ist ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn mehr Gründer mit ausländischen Wurzeln hierzulande den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Das sorgt für neuen Schwung.“ (etb)