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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

TV-Tipps des Tages

10.01.2012 – Iran, Islam, Migranten, Sarrazin, Nazi, Tunesien, Ausländer

TV-Tipps des Tages sind: Das Feature; Sarrazins Deutschland – Wie eine Debatte das Land spaltet; Krieg im Museum: Das Militärhistorische Museum Dresden; I love Democracy – Tunesien. In Tunesien begann der Arabische Frühling

VONÜmit Küçük

DATUM10. Januar 2012

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Das Feature
Die verborgene Opposition Iranische Studierende und die zweite islamische Kulturrevolution Von Christoph Burgmer DLF/SWR/WDR 2012 Während 2011 in vielen arabischen Ländern meist von der Jugend geführte Oppositionsbewegungen demokratische Umstürze initiierten, herrscht im Iran gespenstische Ruhe. Dabei war es gerade die iranische Studentenbewegung, die 2009 mit Massenprotesten ein Beispiel für die Nutzung neuer Medien im Widerstand gegen autoritäre Regime gab. Aber anders als in Tunesien oder Ägypten wurden die Proteste im Iran niedergeschlagen. Viele Studenten wurden ermordet, landeten im Gefängnis oder flohen ins Ausland. Und viele kehrten zurück an die Universitäten, ohne weitere Hoffnung auf demokratische Veränderungen. Es folgte die bis heute andauernde radikale Islamisierung des Bildungssystems. Schulbücher werden umgeschrieben, Bücher und Filme zensiert und verboten, Zeitungen und Zeitschriften geschlossen, Facebook und Twitter verboten. Nach 30 Jahren eine zweite islamische Kulturrevolution. Wie reagieren die Studierenden auf ihre totale Überwachung? 19:15-20:00 • Deutschlandfunk

Sarrazins Deutschland – Wie eine Debatte das Land spaltet
Hat Thilo Sarrazin mit seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ die Integrationsdebatte vorangebracht – oder sie um Jahre zurückgeworfen? Die Autoren Sascha Adamek, Jo Goll und Norbert Siegmund gingen dieser Frage mehrere Monate lang nach. – Tilo Sarrazin bei einem von Sicherheitskräften flankierten Auftritt im sächsischen Döbeln

Thilo Sarrazin legt nach. Er arbeitet an einem neuen Werk, und zum Erscheinen der Taschenbuchausgabe von „Deutschland schafft sich ab“ Anfang Januar 2012 stattete er sein Buch mit einem aktuellen Vorwort aus.

Mit „Deutschland schafft sich ab“ schrieb Thilo Sarrazin das erfolgreichste deutsche Sachbuch seit Jahrzehnten. Rund 1,5 Millionen verkaufte Exemplare sorgen dafür, dass allerorten über verfehlte Einwanderungspolitik gesprochen und noch häufiger gestritten wird. Doch hat Thilo Sarrazin die Debatte mit seinen markanten Thesen voran gebracht – oder wurde sie vielmehr durch einen großen Spalter um Jahre zurückgeworfen? Gehört Sarrazin, vielleicht ungewollt, zu den „geistigen Brandstiftern“ einer europaweit vernetzten islamkritischen und politisch betont inkorrekten Bewegung, die in Internetblogs wie „PI“ immer mehr Besucher registriert?

Die Reporter Sascha Adamek, Jo Goll und Norbert Siegmund beobachten die deutschen Zustände im Jahr nach der Buchveröffentlichung und treffen Kritiker und Anhänger. Wo immer Sarrazin sich zeigt, polarisiert er. Wie bei einem von Sicherheitskräften flankierten Auftritt im sächsischen Döbeln, wo fast 800 Menschen hin pilgern – in der Mehrzahl Menschen aus der bürgerlichen Mitte. Sie sagen, endlich äußere einer in aller Klarheit, was sie schon lange denken, und sie feiern Sarrazin dafür wie einen Popstar. Auch die NPD in dem Landstrich mit unter einem Prozent Ausländeranteil heißt Sarrazin gern willkommen. 20:15-21:00 • RBB Berlin, RBB Brandenburg

Krieg im Museum
Das Militärhistorische Museum Dresden – Nach einer siebenjährigen Umbauzeit öffnete das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden im Oktober 2011 neu.

Das Museum ist mit über 10.500 in der Dauerausstellung gezeigten Exponaten auf insgesamt 19.000 m² Ausstellungsfläche eines der größten und modernsten militärhistorischen Museen Europas und zugleich ein geschichtsträchtiges Haus. Es entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Waffendepot und beherbergte die Geschütze und Handfeuerwaffen der sächsischen Armee. Später nutzten Reichswehr, Wehrmacht, NVA und Bundeswehr das Arsenal als Museum.

Mit der ungewöhnlichen neuen Fassade und der spannenden Verbindung zwischen Alt und Neu geht die Bundeswehr auch inhaltlich neue und ungewöhnliche Wege. So sieht das Konzept eine kritische Darstellung von Militärgeschichte vor und betrachtet das Thema aus vielen Perspektiven. Im Mittelpunkt steht der Mensch und sein Erleben von Gewalt, Leiden und Zerstörung.

Stararchitekt Daniel Libeskind verantwortet den spektakulären Umbau mit einem Glaskeil mitten durch das Gebäude: „Ich wollte einen mutigen Einschnitt und eine grundlegende Störung schaffen, das Arsenal durchdringen. Die Architektur soll die Öffentlichkeit zum Nachdenken anregen, wie organisierte Gewalt, Militärgeschichte und das Schicksal dieser Stadt im Zusammenhang stehen.“

Der Film erzählt vom Bau, dem Umzug von Panzern, Booten und Raketen, aber auch von Menschen, die Krieg hautnah erlebt haben. So kommt Schauspieler Michael Degen zu Wort, der sich als Nichtarier in der Nazizeit verstecken musste und im Museum seine Familiengeschichte ausstellt. Die 90-jährige Eva Westhoff erzählt über das Kriegstagebuch ihres 1942 gefallenen Mannes, und junge Männer sind mit ihren Kriegserlebnissen in Afghanistan Bestandteil der Ausstellung und des Filmes. 20:45-21:15 • MDR Sachsen

I love Democracy – Tunesien
In Tunesien begann der Arabische Frühling, der einen Demokratisierungsprozess in Nordafrika in Gang setzte und Diktatoren und Despoten aus ihren Sesseln fegte. Wird das Land den Weg in eine stabile Demokratie finden?

Die Zukunft des Landes ist noch nicht geklärt. Der Dokumentarfilm schildert die Hoffnungen und Ängste der Tunesier, die Ende Oktober 2011 erstmals an freien Wahlen teilnahmen und thematisiert das Erwachen der Zivilgesellschaft. Und er macht deutlich, dass die Entwicklung in Tunesien in den kommenden Jahren für einen Großteil der arabischen Welt richtungweisend sein wird.

Tunesiens „Jasminrevolution“ gab zum Jahresbeginn 2011 den Startschuss für den Arabischen Frühling. Genau ein Jahr nach dem Sturz von Ben Ali hält der Dokumentarfilm jenen historischen Moment fest, in dem die Kräfteverhältnisse in dem nordafrikanischen Land noch in der Schwebe sind und neben der Begeisterung über die neugewonnene Freiheit auch eine Vorahnung von der Gewalt künftiger Kämpfe mitschwingt. Bis heute verfolgt die internationale Öffentlichkeit den Wandel Tunesiens mit Argusaugen. Welchen Weg wird das Land einschlagen? Was bedeutet der Sieg der moderat islamistischen Ennahda-Partei? Stellen die Islamisten eine Gefahr dar? Kann der langwierige Demokratisierungsprozess ins Stocken geraten?

Der dokumentarische Stimmungsbericht führt von der Wüste über die Bergbauregion Mitteltunesiens, in die legendäre Stadt Sidi Bouzid, die durch die Selbstverbrennung des jungen Mohamed Bouazizi internationales Aufsehen erregte, auf die vor der Hafenstadt Sfax gelegenen Kerkenna-Inseln und über Kairouan in die Hauptstadt Tunis. Strategische Orte der Demokratie, die Universität, der Justizpalast und eine Medienredaktion werden besucht. Und Politiker, Gewerkschafter sowie Vertreter aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft nennen die brandaktuellen Themen, mit denen sich die tunesische Gesellschaft auseinandersetzen muss. Dazu gehören Justiz, Korruption, die radikalislamistische Gefahr und die konterrevolutionäre Bedrohung.

Der Dokumentarfilm zeigt tief bewegte Bauern bei ihrem ersten freien Urnengang, Studenten, die in abgelegenen Dörfern an das staatsbürgerliche Bewusstsein der Bewohner appellieren, Menschenrechtsaktivisten, die von hasserfüllten Salafisten angegriffen werden, aufgeklärte Imame sowie Schülerinnen, deren Leben sich dank der Hinwendung zur Demokratie geändert hat. Sie alle stehen für die großen Umwälzungen in der tunesischen Gesellschaft. 22:15-23:45 • arte

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Ein Kommentar
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  1. Sinan A. sagt:

    Sarrazins Deutschland
    Wie eine Debatte das Land spaltet

    Kurzprotokoll:

    0.00
    Sarrazin im sächsischen Döbeln, bürgerliches Publikum. Thilo referiert über Gene.

    4.30
    Zeitlupenbilder aus Berlin-Neukölln. Buschkowsky, der durch den Film begleiten wird, erscheint als Kronzeuge.

    9.15
    Berlin, Treffen von Rechtspopulisten, Geert Wilders, Oskar Freysinger, Die Freiheit, Rene Stadtkewitz werden vorgestellt.

    10.50
    Gay und PI:
    „Ich bin gegen die Diskriminierung von Schwulen. Dafür stehe ich ein.“

    12.30
    Die Stimme aus dem Off sieht Wilders „meilenweit entfernt von deutschen Rechtsextremisten“.

    13.30
    Hatice Akyün, „Tochter eines Analphabeten“ (BILD), schildert ihre Sicht der Dinge.

    15.37
    Situation in Döbeln, unter 1% Ausländer, keine erwähnenswerten Vorkommnisse. Dann wieder Sarrazin.

    19.00
    Sarrazin behauptet, ihm könne keiner widersprechen, wissenschaftlich sei alles völlig unbestritten. (Wird nicht weiter kommentiert.)

    19.15
    Hatice Akyün wieder, lacht darüber und lobt ihre deutschen Lehrer. (Sarrazin wird hier menschlich hinterfragt, wissenschaftlich wird ihm recht gegeben.)

    19.55
    Buschkowsky in seinem Büro, redet über sozial schwache Migranten und religiöse Riten.

    20.34
    Stimme aus dem Off: „Machogesellschaften nach eigenen archaischen Gesetzen, Parallelgesellschaften.“ Libanesen Unterwelt. Anschließen kurdisch-libanesische Familienväter. „Familienunion Berlin“

    22.46
    Wieder Buschkowsky, redet mit brüchiger Stimme wirres Zeug.

    23.32
    Stimme aus dem Off: „Auch in Köln gibt es abgeschottete Migrantenmilieus und organisierte Kriminalität.“
    PI-Mann Stefan Herre wird positiv ins Bild gesetzt, Kölner Dom im Hintergrund. Herre befürchtet, der Dom könne zu einer Moschee werden.

    25.44
    Aktion in München vor dem Rathaus mit Michael Stürzenberger. Redestreit mit Migranten, die zufällig vor Ort sind.

    27.00
    Deutscher Passant, der die PI-Aktion nicht hilfreich findet, meint, München zeige, wie gut Integration gelingen kann.

    (Regie blendet dazu zwei schwarz-vollverschleierte Frauen ein. Passant wird damit als unverbesserlicher Gutmensch vorgeführt.)

    27.50
    Prof. Klaus Bade sagt: „Die Diskussion ist seit Sarrazin intensiver, flacher, radikaler und aggressiver geworden.“

    (Stimme aus dem Off korrigiert sofort und behauptet, auch Sarrazin-Gegner erschweren die Diskussion.)

    28.40
    Buschkowsky meint das auch. Er behauptet, Sarrazin wäre heutzutage ein Schimpfwort (???)

    29.34
    Schwenk nach Essen. Thema: Wieder kurdische Libanesen. (Die gibt’s offenbar überall.) Familienunion, Jugendamt, Polizei. Der 20jährige Khalid wird vorgestellt, geduldet und kriminell.

    33.08
    Kommissar spricht über libanesische Banden und seine Polizeiarbeit.

    37.00
    Stimme aus dem Off: „Fruchtbarer Boden für Parallelgesellschaften. Zurück in Neukölln. Kinder aus Parallelwelten zu locken, kostet den Bezirk Mühe und Geld. Das versucht man im Kinderzirkus Mondeo. … Migrantenkinder, die ansonsten meist unter sich bleiben.“

    37.40
    Reporter fragt ein etwa 8-jähriges Mädchen: „Darfst du dich zu Hause auch so austoben?“ (Suggeriert, die Mädchen würden zu Hause unterdrückt.)

    38.52
    Buschkowskys 5. Auftritt im Film
    Fordert die Kindergartenpflicht für alle 3-jährigen. Anschließend Schulbilder aus Berlin-Neukölln. Stimme aus dem Off: „Eine Schule, als sei sie aus Sarrazins Horrorwelt.“

    42.05
    Buschkowskys 6. Auftritt, feiert sich selbst für seine Schulpolitik.

    43.36
    Schlussbild mit Migrantenkindern aus der „Horrorschule“. Musikalisch begleitet von AC/DC „Hells Bells“ – „Höllenglocken“

    (Schlussbild wird dreimal geschnitten, damit möglichst viele Kopftücher zu sehen sind.)



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