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TV-Tipps des Tages

09.01.2012 – Indien, Nazis, Ausländer, Türken, Migranten, Sarrazin, Ägypten

TV-Tipps des Tages sind: Indiens wilde Schönheit; Das UFO-Projekt der Nazis; „Deukisch“ für Anfänger: 50 Jahre Türken in Berlin; Sarrazins Deutschland – Wie eine Debatte das Land spaltet; Kreuz & Quer: Gebete für die Freiheit; Kreuz & Quer: Die Fremdgängerin; Neonazis in Russland – Angriff der Schlägertrupps; Der Himmel in Aufruhr

VONÜmit Küçük

DATUM9. Januar 2012

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Indiens wilde Schönheit
1/5, Die Wüste Thar – Indien – einzigartig in seiner Vielfalt. Der Subkontinent ist geprägt von landschaftlicher, kultureller und ethnischer Verschiedenartigkeit. Die Reihe „Indiens wilde Schönheit“ führt zu den spektakulärsten und schönsten Regionen Indiens.

Die Wüste Thar ist ein Land der Kontraste. Das Wüstengebiet erstreckt sich über fast 240.000 Quadratkilometer. Sand- und Steinwüste wechseln sich ab mit Dornsavannen und Grasland. Temperaturen von über 50 Grad Celsius und weniger als fünf Zentimeter Regen im Jahr haben der Tharwüste den Beinamen „Land des Todes“ eingebracht. Dennoch ist die Thar eine der am dichtesten besiedelten Wüsten der Welt.

Die farbenprächtigen Städte Jodhpur und Jaipur liegen in ihren Randgebieten. Jaipur, die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan, ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. 1981 lebte hier eine Million Menschen, 2011 sind es schon 3,9 Millionen. Und selbst in den trockensten Wüstenregionen wohnen Menschen: Nomaden, die hier besondere Pferderasse, die Marwari, und die besten Kamele Indiens züchten.

Für Wildtiere bietet die Wüste einen Rückzugsort. So ist es ein besonders beeindruckendes Schauspiel, wenn nahe des kleinen Wüstenortes Khichan tausende Jungfernkraniche ihr Winterlager aufschlagen. Diese kleinste aller Kranicharten trotzt auf ihrer Migrationsroute aus dem Norden Asiens in das warme Indien den widrigsten Bedingungen. Auf ihrem Weg überqueren die Tiere sogar den Himalaya.

Das Zusammenleben von Mensch und Tier wird vielerorts bestimmt durch den hinduistischen Glauben. Zahlreiche Tiere werden als Götter verehrt und stehen unter besonderem Schutz. So steht in der Stadt Deshnoke ein Rattentempel. Die kleinen Nager, die in vielen Regionen der Erde gnadenlos verfolgt werden, bekommen hier Nahrung und werden verehrt. Und die Affen des Hanuman-Tempels in Jaipur sind schon lange dafür bekannt, dass sie sich dem Stadtleben besonders gut angepasst haben.

Hintergrundinformationen:
Indien ist einzigartig in seiner Vielfalt und atemberaubend schön. Von den majestätischen Gipfeln des Himalaya über die Wüstenregionen der Thar zu den Regenwäldern und Deltas der großen Flüsse sind alle Regionen von landschaftlicher, kultureller und ethnischer Vielfalt geprägt. Indien ist nach China das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, was zur Folge hat, dass der Mensch immer weiter in die natürlichen Lebensräume vordringt. Doch es gibt auch Bemühungen, die Wildnis zu bewahren, durch Naturreservate und Schutzzonen.

So bietet Indien noch immer Lebensraum für seltene aber typische Tierarten, wie den Bengaltiger oder den indischen Elefanten. Aber auch viele unbekannte Arten leben hier – wie der Bartaffe, der Kleine Panda oder die Flussdelfine des Ganges. Die Reihe „Indiens wilde Schönheit“ führt zu den spektakulärsten und schönsten Regionen und ihren Bewohnern.

Die HD-Dokumentationsreihe fängt die ganze Schönheit von Indiens außergewöhnlichsten Landschaften und Kulturen und der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt ein. Für die atemberaubenden Wildlife-Bilder ist Richard Kirby verantwortlich. 19:30-20:15 • arte

Das UFO-Projekt der Nazis
20:15-21:15 • N24

„Deukisch“ für Anfänger
50 Jahre Türken in Berlin – Mehr als 100.000 Türken leben in Berlin. Damit gibt es in der Stadt die größte türkische Gemeinde Europas außerhalb der Türkei. Was wäre die Stadt eigentlich ohne ihre Zuwanderer?

Ende Oktober feiert die deutsche Einwanderungsgesellschaft ein Jubiläum: Vor 50 Jahren unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkische Republik ein Abkommen über die Anwerbung von Arbeitskräften. Das Wirtschaftswunder westlich der frisch befestigten innerdeutschen Grenze benötigte fleißige Hände, die kräftig zupacken konnten für möglichst wenig Geld. Die Menschen, die sich – vielfach aus Ostanatolien – auf eine mehr als fünfzigstündige Reise gemacht hatten, nannte man „Gastarbeiter“. Dennoch waren viele gekommen, um zu bleiben.

Sie haben nicht nur Berlin nachhaltig verändert: wirtschaftlich, kulturell, sprachlich. Die Debatte um Integration machte vor einem Jahr durch das Erscheinen des Sarrazin-Bestsellers „Deutschland schafft sich ab“ wieder heftige und provokante Schlagzeilen. Doch der Streit darum, wie Deutsche und Türken zusammenleben wollen, existiert seit dem Beginn der Zuwanderung vor 50 Jahren.

Die Medizinstudentin Aylin Selcuk gründete vor vier Jahren die „Deukische Generation“, eine Interessenvertretung junger Türkinnen und Türken, die das Zusammenwachsen zweier Kulturen symbolisieren soll. Seitdem gehören Begriffe wie Kanak Sprak oder Türkisch Rap zum Repertoire Berlins.

Die Dokumentation von Dennis Wagner reflektiert 50 Jahre „Deukisch“-Berlin und verbindet Geschichte mit Geschichten von Menschen, die vor einem halben Jahrhundert und später in die Stadt kamen. Menschen, die ihre Kultur, ihre Religion und ihren Humor, ihre Vorbehalte und Erwartungen, ihre Musik, ihre Traditionen und ihre Küche mitbrachten. Mit dabei sind neben Aylin Selcuk auch der Comedian Murat Topal, der Schauspieler Akut Kayacik (u. a. „Almanya – Willkommen in Deutschland“), DJane Ipek, die Politiker Rita Süßmuth, Cem Özdemir, Klaus Wowereit, Bilkay Öney, Christian Ströbele, der Buchautor Cem Gülay („TürkenSam“), der Unternehmensgründer Vural Öger und viele andere. 21:00-21:45 • RBB Berlin, RBB Brandenburg

Sarrazins Deutschland – Wie eine Debatte das Land spaltet
Dokumentation – aus der Reihe „die story“. Ein Film von Sascha Adamek, Jo Goll und Norbert Siegmund.

Mit „Deutschland schafft sich ab“ schrieb Thilo Sarrazin das erfolgreichste Sachbuch seit Jahrzehnten. Rund 1,5 Millionen verkaufte Exemplare sorgen dafür, dass allerorten über verfehlte Einwanderungspolitik gesprochen und noch häufiger gestritten wird. Doch hat Thilo Sarrazin die Debatte mit seinen markanten Thesen voran gebracht – oder wurde sie vielmehr durch einen großen Spalter um Jahre zurückgeworfen? Gehört Sarrazin ungewollt zu den „geistigen Brandstiftern“ einer europaweit vernetzten islamkritischen und politisch betont inkorrekten Bewegung, die in Internetblogs wie „PI“ immer mehr Besucher registrieren?

Die Reporter Sascha Adamek, Jo Goll und Norbert Siegmund beobachten die deutschen Zustände im Jahr nach der Buchveröffentlichung und treffen Kriti-ker und Anhänger. Wo immer Sarrazin sich zeigt, polarisiert er. Wie bei einem von Sicherheitskräften flankierten Auftritt im sächsischen Döbeln, wo fast 800 Menschen hinpilgern – in der Mehrzahl Menschen aus der bürgerlichen Mitte. Sie sagen, endlich äußere einer in aller Klarheit, was sie schon lange denken, und sie feiern Sarrazin dafür wie einen Popstar. Auch die NPD in dem Land-strich mit unter einem Prozent Ausländeranteil heißt Sarrazin willkommen.

Thilo Sarrazin legt nach. Er arbeitet an einem neuen Werk und das Erscheinen der Taschenbuchausgabe von „Deutschland schafft sich ab“ Anfang Januar 2012 stattete er mit einem aktuellen Vorwort aus. 22:00-22:45 • WDR

Kreuz & Quer: Gebete für die Freiheit
Reportage (Gesellschaft – Politik Ausland) – Reportage von Regina Strassegger – Den Freuden der geglückten Revolution am Kairoer Tahrirplatz folgen bis Januar 2012 Enttäuschung und Wut: Die Militärs regieren de facto das Land. Die ersten freien Wahlen – kompliziert organisiert und über Wochen stattfindend – sehen die Partei der Muslimbrüder sowie die der radikalen Salafisten vorn. Das säkulare demokratische Lager ist abgeschlagen, kämpft verzweifelt gegen die militärisch-islamische Achse weiter. Der Preis ist hoch: Seit Wahlbeginn Ende November 2011 haben mehr als 200 Demonstranten ihr Leben verloren. Der Tahrir wird immer mehr zum Platz der verzweifelten Rückblenden. „Sie stehlen uns die Revolution!“, schluchzt ein Mann im Sommer 2011, während im Hintergrund Zehntausende „Allah Akbar“ skandieren. Wochen später zünden radikale Islamisten eine koptische Kirche an. Kurz darauf sind in der ägyptischen Hauptstadt koptische Demonstranten, Provokateure und Sicherheitskräfte in einem tödlichen Clinch. In der Reportage aus der Reihe „Kreuz & Quer“ gehen eine emanzipierte Muslima sowie ein koptischer und ein islamischer Aktivist, moderate Stimmen der Basis, aktuellen Fragen nach Kirche und Staat in der Demokratie, Verteilungsgerechtigkeit, Frauen- und Minderheitenrechten nach. Dabei treffen Dalia El-Fiki, Osama Zaki und Mohamed Famaz auf politische und religiöse Entscheidungsträger sowie auf Radikale. Der Film zeigt auch, wie schwierig es ist, an den Führer der Moslembrüderschaft heranzukommen, und wie die koptische Führung sich allen Aussagen entzieht. Und Osama Zaki und Mohamed Famaz erleben mit dem Fall des ersten ägyptischen Kriegsdienstverweigerers Maikel Nabil, wie rigide der Militärrat gegenwärtig mit Kritikern verfährt. Der 25-Jährige kritisierte via Facebook die Rolle der Militärs während und nach der Revolution. Ein Militärgericht verurteilte Nabil in einem Schnellverfahren zu drei Jahren Einzelhaft. Das Land am Nil befindet sich auf beschwerlichen und gefährlichen Pfaden. Und doch: Im Mikrokosmos tun sich auch Bilder der Hoffnung auf. 22:25-23:10 • 3sat

Kreuz & Quer: Die Fremdgängerin
Dokumentation (Gesellschaft – Lebensstile/-entwürfe) – Film von Katrin Mackowski – Sie ist Künstlerin, überzeugte Feministin – und die zweite Ehefrau eines um 22 Jahre jüngeren jemenitischen Mannes: die Salzburgerin Barbara Wally. Vor zwei Jahren ist die heute 61-jährige langjährige Direktorin der Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg zum Islam übergetreten und lebt heute abwechselnd im Jemen und in Salzburg. Die Dokumentation „Die Fremdgängerin“ aus der Reihe „Kreuz & Quer“ zeigt Barbara Wally als Frau zwischen den Welten, und thematisiert die Herausforderungen, die ein Leben zwischen Orient und Okzident, zwischen streng religiösem und aufgeklärtem Alltag, zwischen feministischem Engagement und jemenitischer Realität mit sich bringt. 23:10-23:55 • 3sat

Neonazis in Russland – Angriff der Schlägertrupps
00:15-01:10 • N24

Der Himmel in Aufruhr
Dokumentarfilm – Der Filmemacher Rachid B. resümiert seine Geschichte folgendermaßen: „Der Film erzählt die Geschichte meines Lebens. Ich habe sie nie mit meinem Vater teilen können. Bis zu seinem letzten Tag blieb der Graben unüberwindbar.“

In einem Krankenhauszimmer sitzt Rachid B. am Bett seines sterbenden Vaters. Bei dieser in Schweigen verbrachten letzten Begegnung lässt Rachid B. sein eigenes Leben Revue passieren. Am Anfang steht ein Kindheitsfoto aus Marokko. Schon dieses einfache Erinnerungsfoto deutet auf eine komplizierte Situation hin.

Rachid B. ist der Sohn europäischer christlicher Siedler, die nach Frankreich fliehen müssen, als Marokko unabhängig wird. Das ist ein erster Bruch, der bei Rachid B. ein Gefühl von endgültigem Verlust hinterlässt. Als Heranwachsender sagt er sich trotz der Angst, sich zu versündigen, von dem ihm eingetrichterten christlichen Glauben los, um ein Begehren zu befriedigen, das alles andere überschattet: das Begehren von Männern.

Die Homosexualität führt ihn von den Pariser Nächten in die von New York, die für ihn gefährlich werden: Dieser zweite Bruch kostet ihn fast das Leben. Die Jahre vergehen, das Gefühl des Verlorenseins bleibt. Doch allmählich zeichnet sich eine Möglichkeit der Erlösung ab, eine Versöhnung mit sich selbst, die eines dritten und letzten Bruches bedarf.

Auf einem schwierigen und einsamen Weg des Glaubens und Zweifelns nähert Rachid B. sich dem Islam. Als er sich zu seiner Homosexualität und seiner Vergangenheit bekennt, lehnen ihn manche Muslime ab, andere nehmen ihn auf und lehren ihn, was es heißt, ein guter Mensch zu sein. Er konvertiert, nimmt die Spur seiner marokkanischen Kindheit wieder auf, gibt seinen christlichen Namen auf und nennt sich fortan Rachid B. 01:00-01:45 • arte

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    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...