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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Gegenstellungnahme

Kristina Schröder wehrt sich gegen Vorwürfe der Wissenschaftler

Zur Vorstellung der Studie „Zwangsverheiratung in Deutschland“ haben mehrere Wissenschaftler Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in einer Stellungnahme scharf kritisiert. Hierzu nimmt der Pressesprecher des Bundesfamilienministeriums, Christoph Steegmans, in einem Namensbeitrag im MiGAZIN Stellung:

Die Bundesfamilienministerin ist nicht bereit, die Ergebnisse der Studie und die Leidensgeschichten der Opfer von egal welcher Seite verharmlosen, verschleiern oder umdeuten zu lassen.

Die Kritiker behaupten: „Es ist nicht bekannt, ob die Beraterinnen und Berater in der Praxis die Religion der Eltern abgefragt haben, ob sie im Nachhinein versucht haben, sich zu erinnern, oder ob sie bloße Vermutungen äußern. Daher wäre die richtige Formulierung ‚Beraterinnen und Berater gaben an, dass sie davon ausgehen, dass 83,4% der Eltern der Betroffenen vermutlich muslimischer Herkunft sind‘.“

Richtig ist: Die Studie nennt als Quelle der prozentualen Angaben zur Religionszugehörigkeit der Eltern wörtlich „Falldokumentation“. In den Hinweisen zum Ausfüllen der Falldokumentation heißt es ausdrücklich: „Soweit Ihnen Informationen nicht bekannt sind, lassen Sie die Antwort offen!“ Wer den gemachten Angaben die Zuverlässigkeit abspricht und sie als Vermutung abtut, wirft damit praktisch den Beratungsstellen vor, leichtfertig oder vorsätzlich falsche Angaben gemacht zu haben. Gegen diesen Vorwurf nehmen wir die Beratungsstellen ausdrücklich in Schutz.

Wir gehen davon aus, dass die Wissenschaftler alle Daten und Zahlen selbstverständlich wissenschaftlich belastbar erhoben haben. Dass jetzt einige Beteiligte versuchen, bestimmte Forschungsergebnisse mit Hinweis auf Erhebungsmethoden zu relativieren und den Beratungsstellen unsaubere Dokumentationen vorzuwerfen, wird der menschlichen Trägodie, die hinter jedem dieser Fälle steckt, leider nicht gerecht.

Hier lesen Sie die Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats des Familienministeriums zu Kristina Schröders Artikel anlässlich der Studie: „Zwangsverheiratung in Deutschland – Anzahl und Analyse von Beratungsfällen“ im Wortlaut.

Die Kritiker sagen: „Die Studie hat herausgefunden, dass „3.443 Personen im Jahr 2008 in insgesamt 830 Beratungsstellen erfasst“ wurden. Hiervon sind „60% angedrohte und 40% vollzogene Zwangsverheiratungen“ (Kurzfassung Studie S. 7). Wir waren höchst erstaunt zu lesen, dass dies von einer Ministerin wie folgt zusammenfasst wird: „3443 Fälle von Zwangsverheiratungen haben die Beratungsstellen in Deutschland für das Jahr 2008 registriert.“ Hierbei werden angedrohte Straftaten mit tatsächlich stattgefundenen gleichgesetzt.“

Ein Blick ins Strafgesetzbuch zeigt: Schon der Versuch einer Zwangsverheiratung ist strafbar. Deshalb müssen die angedrohten und vollzogenen Zwangsverheiratungen selbstverständlich in einem traurigen Kontext gesehen werden. Die Studie spricht nicht ohne Grund in ausdrücklicher Absprache mit den Wissenschaftlern von einer „Bruttogröße“ und betont, dass Gewalt „nicht erst der Vollzug“, sondern „schon die Androhung von Zwangsverheiratung ist“. Eine Zwangsheirat wird nicht erst durch Vollzug zur Straftat. Deshalb ist es korrekt, von 3.443 Fällen zu sprechen. Eine Aufteilung zwischen Opfern erster und zweiter Klasse wäre extrem zynisch.

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6 Kommentare
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  1. Goethe sagt:

    Beschämende Gegenstellungnahme!!!

    Nach dem 11September wurden die Muslime als potenzielle Attentäter alle in eine Schublade gesteckt. Also nach ihrem Argument sind alle Muslime, als Straftäter zu betrachten.

    Ich Urdeutscher mittlerweile geschieden, musste wegen meinen Adligen Wurzeln eine ebonso Adlige heiraten. Zwangsehe.

    Was für mich aber viel schlimmer war, dass jeder in meinem Umkreis meine große Liebe zu einer muslimischen Frau aus Ägypten mit Zwang verhindert hat, uns ausseinander gebracht hat. Sie wurde extremst bedroht, eingeschüchtert, so dass sie nach Canada ausgewandert ist. Leider habe ich all dies Jahre später erfahren. Damals war sie von heute auf morgen verschwunden. Es gab nur einen Abschiedsbrief mit der Bitte sie nicht aufzusuchen.

    Die Schröder sollte mal aufdecken wieviele Liebesbeziehungen Zwangsverhindert, zwangsgetrennt oder zwangsgeschieden werden.
    Goethe

  2. AHA sagt:

    @Goethe

    Das in den Adelsgeschlechtern die arrangierte Ehe schon immer Gang und Gäbe war ist allen bekannt. Das hat aber mit dem Volk nichts zu tun.
    Beschämend finde ich nur das der Adel wohl immer noch nichts dazu gelernt hat. Dieses Verhalten ist wohl ein letzter Trotz bezogen auf den Machtverlust über das Volk um wenigstens so dieses draussen zu halten.
    Und die 83,4 % beziehen sich nicht auf alle Muslime in Deutschland sondern auf die 3443 bekannten Fälle. Was daran also eine Pauschalisierung gegen alle Muslime sein soll verstehe ich nicht.
    Die Studie zeigt halt vor allem auf das die Zwangsheirat ein vornehmlich muslimisches Problem ist. Und diese Feststellung ist nicht diskriminierend.

  3. Konopka sagt:

    >>Die Studie zeigt halt vor allem auf das die Zwangsheirat ein vornehmlich muslimisches Problem ist. Und diese Feststellung ist nicht diskriminierend.

    NEIN, genau das sagt die Studie eben nicht, sagen die Verfasser der Studie! Das sie aber nur das lesen wollen, was Ihnen passt, ist hingegen diskrimierend.

    Lesekompetenz AHA: Sechs – Setzen.

    Und diese Gegenstellungnahme ist wieder typisch: Da versucht das Ministerium, durch Wortverdrehungen Ihre eigene falsche Darlegung der Studie zu rechtfertigen.

    Lesekompetenz Frau Ministerin Schröder: Sechs – Zurücktreten.

  4. SchwarzRotGOLD sagt:

    Es muss mal geprüft werden ob Christina Schröder & Co. gegen die Demokratie kämpfen und zwietracht im Lande sähen.

    Vorallem muss geprüft werden ob Kontakte zur Rechten Gruppe stehen.

    Auch müssen die Schulen überprüft werden ob Lehrer und Direktroren irgendwelchen Kontakt zur Rechten und Rasssistischen Gruppen haben.
    Auch müssen die Schulämter unter der Lupe genommen werden.

    Es kommen immer mehr Rassistische Beschwerden von Eltern über die Schulen und Schulämtern! Vorallem sind die Grundschulen betroffen!

    Viele Schulen drangsalieren Ausländische Kinder und unternehmen nichts wenn dieser Kinder drangsaliert und gemoppt werden.
    Zu guter Letzt versuchen Sie die Schuld an die Ausländischen Kinder zu geben.

    Das ist ein HILFE RUF

    Und zu guter Letzt eine Frage?

    wie kann man so eine Untersuchung im auftrag geben!
    Und wo müsste das geschehen!

  5. SchwarzRotGOLD sagt:

    Er Schlug mich und weinte.
    Er lief mir voraus und beschwerte sich.

    Ein sehr schönes Spricht aus dem Nahen und Fernen Osten
    beschreibt am besten was zur zeit an deutschen Schulen und
    in der gesellschaft passiert

  6. […] schüren sollten. Christoph Steegmans nahm sich auch dieser Beschwerde an und verfasst die folgende Stellungnahme für unsere Familienministerin. Die zuvor von den Wissenschaftlern erhobenen Vorwürfe findet man […]



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