MiGAZIN

Das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Ginkgo Biloba

Die Stille

„Das deutsche Volk ist wieder leise“, ist die erste Zeile. Neşe Tüfekçiler schreibt und appelliert auf ihre Art – poetisch und weise.

VONNeşe Tüfekçiler

 Die Stille
Die Autorin (geb. 15.09.1972) ist das zweite Kind türkischer Gastarbeiter und in Bremen groß geworden. Nach ihrer Ausbildung im kaufmännischen Bereich und dem Abitur, studierte Sie Betriebswirtschaften. Sie ist Frauenmentorin und ehrenamtlich im Vorstand der UETD Bremen. Die MiGAZIN Kolumnistin schreibt an einem Deutsch-Türkischen Lyrikband und veröffentlicht ihre Gedichte in der Zeitschrift „Im Labertal“.

DATUM21. November 2011

KOMMENTARE19

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Das deutsche Volk ist wieder leise
auf eine sehr altbekannte Weise
In der Not kennt keiner Zusammenhalt;
ist der Fremde tot – keine Gegengewalt

Stillschweigen heißt immer Akzeptanz
deshalb gibt es hier keine Resonanz!
Nun muss der Hinterbliebene organisieren,
sich dagegen wehren und selbst protestieren

Proteste der Minderheit verlaufen im Sand
Die wenigen Schreie werden nicht anerkannt
Gerechtigkeit für ALLE wird es nur geben,
wenn WIR statt mit Fehlern zu leben
ALLE zusammen die Fehler beheben!

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19 Kommentare
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  1. Couperinist sagt:

    „Stillschweigen heißt immer Akzeptanz“
    Das ist ja hochtinteressant. Gilt das auch in den Fällen von Malatya oder Luigi Padovese ? Oder den U-Bahn-Schlägern, um hierzulande zu bleiben ?

  2. H. Germann sagt:

    Ich möchte zu diesem Beitrag von Frau Tüfekciler, der als Thema wohl die derzeitige Diskussion über die Mordserie , und zugleich das Thema „Integration“berührt, einen ausführlichen Beitrag von Joachim Wagner, dem ehemaligen, stellvertretenden Leiter des ARD Hauptstadtbüros zur
    Diskussion gegenüberstellen, veröffentlich heute im Berliner TAGESSPIEGEL:

    Hier, zur Einführung, nur 1 Zitat:

    Als Antwort auf die terroristische Herausforderung brauchen wir jetzt drei breite Diskussionen über eine sicherheitspolitische und zwei gesellschaftspolitische Fragen. Erstens: Was sind die Ursachen für das krasse Versagen der Sicherheitsbehörden? Zweitens: Haben wir die Gefahr des Rechtsextremismus wirklich unterschätzt? Drittens und am wichtigsten: Wie führen wir einen ehrlichen und tabufreien Dialog über gelungene und misslungene Integration der rund vier Millionen Muslime in Deutschland?

    Zitat Ende

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/gegen-das-braune-in-uns/5866374.html

    Der Artikel umfasst 3 Seiten, und mittlerweile über 150 ! unterschiedliche Kommentare !

    Lesenswert.

  3. Pragmatikerin sagt:

    Schweigen im Rechtsverkehr bedeutet in Deutschland weder „Ja“ noch „Nein“, weder Zustimmung noch Ablehnung zu einem Rechtsgeschäft, sondern gar nichts. Es ist der Gegensatz zu einer Willenserklärung. Das deutsche Recht (BGB, Handelsgesetzbuch und Strafprozessordnung) geht insgesamt vom Grundsatz aus, dass schlichtes Schweigen keinen Erklärungswert besitzt und deshalb ohne rechtliche Bedeutung ist (so genanntes „rechtliches Nullum“). Durch Schweigen wird weder ein Wille artikuliert noch eine Erklärung abgegeben.

    Pragmatikerin

  4. e-xyz sagt:

    @Couperinist
    Wenn die staatlichen Organe nicht eingreifen, ist die Antwort eindeutig: Ja.
    Nun zu Ihren konkreten Fällen:
    Morde in Malatya
    http://www.theoblog.de/staatsanwaltschaft-fordert-im-malatya-mord-prozess-drei-mal-lebenslanglich/7778/
    Luigi Padovese
    http://www.tagesschau.de/ausland/padovese102.html
    Die U-Bahnschläger
    Ich denke Sie meinen den Türken und den Griechen
    Der zur Tatzeit 20-jährige Türke Serkan A. bekam zwölf Jahre Haft, der damals 17-jährige Grieche Spyridon L. wurde zu achteinhalb Jahre Jugendstrafe verurteilt.
    Oder meinen Sie die Deutschen Täter
    http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article13722660/Mutmassliche-U-Bahn-Schlaeger-schweigen-zum-Mordversuch.html

    Also in den von Ihnen genannten Fällen hat der Rechtsstaat funktioniert, es hat keiner geschwiegen weil die Gewalten des Staates eingegriffen haben.
    Im Fall der NSU, hat die ganze Angelegenheit ein gewisses braunes Geschmäckle. Kennen Sie die drei Affen?

  5. e-xyz sagt:

    @Pragmatikerin
    Schweigen bedeutet Gleichgültigkeit

    „Es ist die harmlos scheinende Gleichgültigkeit, welche den Raum öffnet, in dem sich all die „bösen“ Dinge frei entwickeln können. Im persönlichen Verhalten ist dies die nächte Stufe: „Aktive Gleichgültgkeit“. Das ist das noch nicht als „schlimm“ empfundene, bewußte feige Abwenden von erkennbarem Hilfebedarf. “

    http://www.mercur.org/?p=6577&l=0

  6. Pragmatikerin sagt:

    @ e-xyz

    Es stimmt, das Schweigen aus Gleichgültigkeit ist schwer zu ertragen aber es gibt noch andere Formen des Schweigens, die erträglich und noch unerträglicher sind:

    Schweigen als Aufmerksamkeit
    Schweigen kann angespannte Aufmerksamkeit bedeuten.

    Oft wird Schweigen situationsbedingt gefordert. Zum Beispiel schweigen heute die Mitarbeiter in Büros, um die für das Nachdenken erforderliche Ruhe zu gewährleisten.

    In Theatern und in Kinos schweigen die Zuschauer meist, um sich auf die Handlung zu konzentrieren und die anderen Zuschauer nicht zu stören.

    Schweigen als Aussageverweigerung
    Angeklagte und dessen Angehörige haben vor Gericht ein Zeugnisverweigerungsrecht. Damit soll verhindert werden, dass Angeklagte gegen ihren Willen zu belastenden Aussagen gezwungen werden.

    Angehörige bestimmter Berufsgruppen unterliegen einer Schweigepflicht. Sie dürfen keine Einzelheiten aus ihrer beruflichen Tätigkeit veröffentlichen, die ihnen als Berufsgeheimnis anvertraut wurden. Dazu gehören das Arztgeheimnis, Bankgeheimnis, Beichtgeheimnis, Betriebsgeheimnis usw.

    Schweigen als Dialogverweigerung
    Schweigen kann Verweigerung einer Antwort bedeuten. Man spricht dann in Konfliktsituationen von „eisigem“ Schweigen. Langwieriges Schweigen kann in Ehekonflikten auftreten. Nicht-miteinander-Reden kann lange dauern. Einer muss den ersten Schritt tun. Dieser Schritt ist riskant, denn er kann auch auf Ablehnung stoßen und damit die negativen Emotionen verstärken. Bisweilen wird in diesem Fall Schweigen als Strafe eingesetzt.

    Auch in der Politik spielt Schweigen eine Rolle. So haben nach dem Irakkrieg die Führungskräfte der USA und der Bundesrepublik lange nicht miteinander geredet.

    Schweigen als Konsensbildung
    Schweigen kann situationsabhängig Zustimmung oder Ablehnung einer Frage signalisieren. Wenn bei einer nichtformellen Abstimmung auf die Frage „Hat jemand etwas dagegen?“ niemand antwortet, so wird das als Zustimmung gewertet.
    Dazu das bekannte Zitat von Papst Bonifatius VIII. (um 1235–1303): „Qui tacet, consentire videtur.“ („Wer schweigt, scheint zuzustimmen.“) Er drückte sich vorsichtig aus; denn es könnte ja sein, dass beispielsweise jemand zum Schweigen gezwungen wird.

    Andererseits wird ein Schweigen auf eine Aufforderung zur Zustimmung (etwa „Sind Sie damit einverstanden?“) eher als Ablehnung gewertert. Schweigen auf eine Frage wird also meist gleich oder ähnlich einer ablehnenden Antwort auf die Frage verstanden.

    Schweigen zum Gedenken
    Das bewusste gemeinsame Schweigen zum Gedenken an bestimmte Ereignisse wird als Schweigeminute bezeichnet.

    Schweigen aus Unsicherheit
    Plötzlich auftretendes Schweigen kann eine gespannte Stimmung signalisieren.

    Wenn in einer Gruppe alle schweigen, weil niemand zu reden beginnen möchte, entsteht oft eine peinliche Situation. Diese Situation muss von den Gesprächsteilnehmern gemeistert werden. Das kann zum Beispiel geschehen, indem bereits vorher festgelegt wird, wer gegebenenfalls die ersten Fragen stellt. Oft entsteht Schweigen, wenn gefragt wird: „Hat jemand eine Frage?“ Viele wollen nicht als erste reden, um nicht aufzufallen. Wenn erst einmal eine Diskussion in Gang gekommen ist, entwickelt sie oft eine Eigendynamik.

    Schweigegelübde
    Bekannt sind Schweigegelübde aus religiösen Gründen, die zu bestimmten Tageszeiten oder über längere Zeit gelten.

    Das Schweigen aus Angst vor Isolation finde ich noch viel schlimmer, als das Schweigen aus Gleichgültigkeit:

    Manche Menschen leiden, wenn sie meinen, dass sich andere auf Grund einer Meinungsäußerung von ihnen abkehren. Die Furcht vor Isolation erscheint als die treibende Kraft, die den Prozess der Schweigespirale in Gang setzt. Schweigen ist für Menschen mit schwachem Selbstbewusstsein und geringem Interesse an Politik, d.h. für Mitläufer, eine Möglichkeit, gut gelitten zu bleiben und nicht durch eine Meinungsäußerung isoliert zu werden. Schweigen wirkt für Mitläufer verlockend, weil man es auch als Zustimmung auslegen kann.

    Erzwungenes Schweigen
    Jemanden durch Gerichtsurteile zum Schweigen verurteilen
    Noch heute ist es in der römisch-katholischen Kirche üblich, einen Priester zu einem zeitlich befristeten Bußschweigen zu verurteilen.

    Jemanden durch Machtmissbrauch zum Schweigen bringen

    Die Menschenrechte garantieren u.a. auch die Presse- und Meinungsfreiheit sowie die Freiheit von Kunst, Wissenschaft, Forschung und Lehre, um Zensur zu verhindern. Dennoch werden nicht nur in totalitären Systemen, sondern auch in Demokratien Bürger zum Schweigen gebracht. Ein herausragendes Beispiel ist die Fraktionsdisziplin oder der Fraktionszwang.

    Schweigen in der darstellenden Kunst

    Schweigen ist ein wichtiges Element zweier Kunstformen:

    Bei der Pantomime verzichtet ein Schauspieler bewusst auf die Möglichkeit zu sprechen, und drückt sich lediglich in Gesten und mit Mimik aus.
    Beim Stummfilm konnte aufgrund technischer Beschränkungen kein gesprochenes Wort verwendet werden. Bei den meisten dieser Filme wurden allerdings als gesprochen zu denkende Texte auf Zwischentafeln eingeblendet, so dass es sich nicht um wirkliches Schweigen handelt. Trotzdem ist auch hier zu beobachten, dass im Vergleich zum Tonfilm ein größeres Gewicht auf Gestik und Mimik gelegt wurde.

    Das Wort „Schweigen“ wird oft in übertragenem Sinn gebraucht. „Die Waffen schweigen.“, „Die Götter schweigen.“, „Das Schweigen der Lämmer“.

    Ein bekanntes Zitat aus dem Drama Hamlet von William Shakespeare heißt: Der Rest ist Schweigen

    ………und darum „schweige“ ich jetzt

    Pragmatikerin

  7. Couperinist sagt:

    @e-xyz
    Die Frau hat „Das deutsche Volk ist wieder leise“ geschrieben. Demnach geht es nicht um die staatliche Intervention. Es ist, wie so oft, der Balken, den türkische Migranten nicht im eigenen Auge sehen, sondern immer schön auf die anderen zeigen.

    Selbstreflexion null. Ich habe keinen Beileidsartikel über Padovese und andere gelesen, kein „ich schäme mich dafür“ und so weiter. Null. Ich glaube gar nicht, dass so ein Wort überhaupt mal aus der Richtung kommen KANN. Ok, aber dann ist es auch absolut heuchlerisch und nicht ernst zu nehmen, das ständig von den anderen zu verlangen.

  8. e-xyz sagt:

    @Couperinist
    „Es ist, wie so oft, der Balken, den türkische Migranten nicht im eigenen Auge sehen, sondern immer schön auf die anderen zeigen. “
    Die deutsche Gesellschaft ist ja so berühmt für das „Fremdschämen“.
    Ein Deal:
    Sie schämen sich hier für die Taten der NSU und ich mich für die oben genannten Taten.

  9. Europa sagt:

    @e-xyz
    Würden Menschen wie sie, e-xyz, endlich aufhören jeden andersdenkenden Menschen als Nazi zu beschimpfen, dann wäre es viel einfacher Gut von Böse zu unterscheiden. Menschen wie sie haben den begriff „Nazi“ oder „Rassist“, so inflationär oft benutzt, dass man schon von Verniedlichung des rechtextremismus sprechen kann.

    Es wäre empfehlenswert, dass Menschen wie sie es den Deutschen gleich machen und öfter mal schweigen, vorallem bei Themen wo man absolut keine Ahnung hat!

    Europa

  10. e-xyz sagt:

    @Europa
    Sie wird grossgeschrieben!
    Wenn Unterschiede gemacht werden, weil die Eltern von irgend jemadem aus einem Nicht-EU-Land kommen, ist das Rassismus.

    „Es wäre empfehlenswert, dass Menschen wie sie es den Deutschen gleich machen und öfter mal schweigen,“
    Applaus für Sie!!
    Alle haben geschwiegen als 6 Millionen jüdische Nachbarn verschwunden sind, die haben nicht den Zug ins Disneyland genommen, sondern wurden ins KZ deportiert. Aber keiner hat s mitgekriegt stimmts?
    Richtig ist, Sie haben keine Ahnung, also schweigen Sie und bilden Sie sich.


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