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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

TV-Tipps des Tages

20.11.2011 – Integration, Terror, Antisemitismus, NSU, Andalusien, Neo-Nazis

TV-Tipps des Tages sind: Cosmo TV: Ärzte ohne Deutschkenntnisse; Das Reichsorchester: Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus; Zu Tisch in Andalusien; Cosmo TV extra: Der braune Sumpf; Der gefährlichste Mann der Welt; Im Schatten des Gulag: Als Deutsche unter Stalin geboren

VONÜmit Küçük

DATUM20. November 2011

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Cosmo TV
Kindergartenplätze: Rechtsanspruch und nichts dahinter
HERNE. Goldige Zeiten sollten es werden, für Eltern mit kleinen Kindern: Ab 2013 sollte es für alle Eltern, die gern möchten, einen Betreuungsplatz für ihre ganz Kleinen geben, für die Kinder zwischen 1 und 3. Ganz sicher waren sich alle, so sicher, dass es für die Eltern sogar einen gesetzlich und höchstamtlich verbrieften Rechtsanspruch gibt. Besonders für die Kleinen aus Einwandererfamilien sei die frühkindliche Förderung doch so wichtig, damit sie früh die deutsche Sprache lernen. Und jetzt die Katastrophe: Es ist auf dem Tisch, das Ziel wird nicht erreicht. In Deutschland fehlen mindestens 230.000 Plätze. Am schlimmsten von allen Bundesländern sieht es in Nordrhein-Westfalen aus – Schlusslicht in ganz Deutschland. Cosmo TV guckt, wer Schuld hat, und schickt Martina Kast nach Herne: Dort kämpft die Stadt um Betreuungsplätze, die Eltern mit kleinen Kindern brauchen, damit sie ihren Job behalten können.

Personalnot: Ärzte ohne Deutschkenntnisse
In deutschen Krankenhäusern sind Ärzte knapp. Die Torturen der endlosen Dienste sind hier bei den Jungmedizinern nicht beliebt. Und in Osteuropa verdienen Ärzte so wenig, dass sie den langen Krankenhausalltag in Deutschland gern auf sich nehmen. Problem gelöst? Keinesfalls! Denn da sind ja noch die Patienten, die gerne Ärzte hätten, mit denen sie auch reden können. Und die jungen Ärzte aus Osteuropa können ganz wenig Deutsch. Nun sollte man meinen, dass die neuen Ärzte und die Geschäftsführer der Krankenhäuser auch wissen, wie man dieses Problem löst. Ein Sprachkurs für die jungen Leute, das scheint naheliegend. Aber die Ärzte versuchen es oft genug erstmal mit wenig Deutsch und die Geschäftsführer spannen die Jungmediziner aus dem Osten lieber sofort rund um die Uhr in die Klinikabläufe ein, anstatt sie für einen Sprachkurs frei zu stellen. Cosmo TV erzählt die Geschichte des Deutsch-Amerikaners Cary Bachenheimer, der seinen Arzt verklagt hat, weil er ihm wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht helfen konnte.

Bambi: Integrationspreis für Bushido
KÖLN. Die einen finden, Bushido ist cool. Die anderen finden, er ist ein Rüpel. Die Bambi-Verleiher finden, der Rapper ist ein Vorbild für Integration und verleihen ihm in dieser Woche das begehrte Rehkitz. Und warum? Weil der Sohn einer deutschen Mutter und eines tunesischen Vaters gesagt hat: „Ich finde, dass jeder, der die großen Vorzüge des deutschen Sozialstaats genießen will, sich auch hier einfügen und die Sprache perfekt sprechen muss.“ Recht hat er, und die Integrationsanmahner freuen sich, besonders die immerschon-Deutschen. Cosmo TV fragt sich, ob die Preisverleiher eigentlich wissen, was dieser Bushido sonst noch alles sagt oder besser singt? Seine Lieder sind verrufen als gewaltverherrlichend und menschenverachtend. Ob das dem kleinen Bambi gefällt? 07:30-08:00 • SWR BW, SWR RP, SWR SR

Das Reichsorchester
Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus
Zum ersten Mal wird in der Dokumentation von Enrique Sanchez Lansch die Rolle des weltberühmten Orchesters in der Zeit des Nationalsozialismus untersucht.

Wie war es, Mitglied der Berliner Philharmoniker zu sein, als das Orchester umworben war und eingespannt wurde für einen Kulturkampf, der in seinem aggressiven Antisemitismus gegenüber den Musikern und deren Familien nicht Halt machte? Blieb die damalige Philharmonie am Anhalter Bahnhof eine Bastion künstlerischer Selbstbestimmung oder geriet das Orchester unweigerlich in den Griff nationalsozialistischer Propaganda?

Schon kurz nach der Machtergreifung sichert sich Joseph Goebbels den vollen Einfluss auf die Berliner Philharmoniker und unterstellt sie seinem Ministerium. Eine wirtschaftliche Schieflage des bis dahin unabhängigen Orchesters hatte diesen schnellen Zugriff ermöglicht. Von nun an gab es kein Entrinnen mehr: Die Berliner Philharmoniker bildeten den musikalischen Rahmen der Reichsparteitage in Nürnberg und der Olympischen Spiele 1936; Hitler und Goebbels hielten viele ihrer Reden direkt vom Orchesterpodium aus; regelmäßig gab es Konzerte für das Winterhilfswerk und die KDF-Bewegung. Zahlreiche Auslandsreisen sollten die Verbindung von deutscher Erneuerung und Hochkultur eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Wie es dazu kam und warum trotzdem eine umfassende Nazifizierung des Orchesters ausgeblieben ist, beschreibt Enrique Sanchez Lansch in seiner Dokumentation, die sich ausschließlich auf persönliche Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder und deren Angehöriger stützt. 09:45-11:20 • arte

Cosmo TV extra
Der braune Sumpf – Ein ganzes Land wundert und fragt sich – warum wurde der rechte Terror unterschätzt? Dabei warnen seit Jahren Sozialarbeiter, Opferstelle und engagierte Menschen vor zunehmender rechter Gesinnung und Gewalt – nicht nur in Ost-Deutschland. Auch Cosmo TV berichtet seit Jahren über offene und versteckte Gewalt von rechts.

Jetzt wird bekannt: Zumeist Türken waren über Jahre im Fadenkreuz der Neo-Nazis Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe. Der Staat konnte das nicht verhindern, konnte nicht schützen. Je mehr Details ans Tageslicht kommen, desto deutlicher wird das Versagen der Verfassungsschützer.

Cosmo TV dazu mit folgenden Themen: Die rechte Spur in NRW – Taten die heute der NSU zugeordnet werden; Die verletzte türkische Seele – ein zweites Solingen; Die Angst in Dortmund; Eine Familie wird von Neo-Nazis aus der Stadt gemobbt.

Zu Gast im Studio: Andreas Speit, Autor vieler Artikel und Bücher zum Thema Rechtsextremismus. 16:00-16:30 • WDR

Zu Tisch in …
Andalusien – Über die Straße von Gibraltar kamen im frühen Mittelalter die Mauren nach Spanien. Über dieselbe Meerenge zogen sie sich im 15. Jahrhundert aus ihren letzten Bastionen in Andalusien zurück.

Die Mauren haben die Architektur, aber auch die Küche in Andalusien geprägt.

Millionen knorriger, silbergrauer Olivenbäume stehen an den Hängen der Alpujarras, einer Bergkette der andalusischen Sierra Nevada. Olivenöl und Tafeloliven sind ein bedeutender Wirtschaftszweig in dieser südlichsten Region Spaniens, von der es nicht weit bis zum muslimischen Nordafrika ist. Mit einer orientalisch anmutenden Paste aus Mandeln und Knoblauch wird hier das Fleisch für die Frità gewürzt, die Rosa Mas Cap de Vila und ihr Mann Manuel Valenzuela García nach dem Einlegen der frisch geernteten Oliven zubereiten.

Das Fleisch allerdings ist typisch europäisch: Die heutigen Andalusier essen gerne Schweinefleisch oder Kaninchen – natürlich nur die selbst gezüchteten.

Rosa und Manuel bauen Oliven und Mandeln an. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie im nahe gelegenen Cádiar. In seiner kleinen Bodega abseits vom Hof keltert Manuel auch etwas Wein aus eigenen Trauben.

Hintergrundinformationen:
„Zu Tisch in …“ reist in die Regionen Europas und schaut bei der Zubereitung traditioneller Gerichte zu. Die Küchenkultur europäischer Landschaften offenbart ihren Reichtum und weckt Verständnis für eine vielleicht fremde Lebensart. Rezepte können über Teletext und Internet abgerufen werden. 18:30-19:00 • arte

Im Schatten des Gulag
Als Deutsche unter Stalin geboren – Der Film geht der Frage nach, wie „Kinder des Gulag“ mit einem Verbrechen an ihren Eltern leben können, über das nicht gesprochen wurde und das auch nicht als solches bezeichnet werden durfte.

Jüdische Kommunisten aus Deutschland gehen in den 1930er-Jahren ins sowjetische Exil, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Ihre Kinder gehen mit ihnen oder werden im Exil geboren. Während der stalinistischen Säuberungen werden Mütter oder Väter in Moskau verhaftet, in Gulags verschleppt oder gar erschossen. Einige Kinder kommen in ein Kinderheim, andere werden nach Sibirien oder Kasachstan deportiert. Viele müssen Zwangsarbeit leisten.

Leben in Unfreiheit – sei es im Heim, in der Verbannung oder im Lager – wird Normalität. Sie sind Fremde in dem Land, dessen Sprache sie sprechen. Sie sind Deutsche. Und Deutsche haben die Sowjetunion überfallen. Erst in den 1950er-Jahren kommen sie nach Deutschland, sind Fremde in dem Land, das ihre Heimat sein soll. Sie sprechen die Sprache nicht, sind als „Russen“ auch nicht sonderlich beliebt in der Zeit nach dem Krieg. Der Teil Deutschlands, in dem sie nun leben, die DDR, wird regiert von Männern, die auch aus dem sowjetischen Exil zurückkehrten, ohne verfolgt worden zu sein, und die viele, auch sehr persönliche Gründe haben, über die Jahre des stalinistischen Terrors zu schweigen und das Schweigen darüber zu verordnen.

Erst heute sind die „Kinder des Gulag“ bereit zu sprechen. Sie erzählen Geschichten vom Verlassensein, von Gefühlen der Fremdheit und Distanz gegenüber den Eltern oder aber von symbiotischen Beziehungen, durch die sie bis heute die kommunistischen Ideale ihrer Eltern leben. Die meisten unserer InterviewpartnerInnen erzählen das erste Mal über ihre Erinnerungen, sie sprechen von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit, von zahlreichen Brüchen in ihrem Leben, von wechselnden Identitäten und vom verordneten Schweigen. Viele wissen bis heute nicht, was mit ihren Eltern (und mit ihnen) damals wirklich geschah.

Es kommen etwa 20 Frauen und Männer zu Wort, die eines miteinander verbindet: Ihre Eltern waren Opfer der stalinistischen Säuberungen und wurden von ihren eigenen Genossen verfolgt oder ermordet. 00:25-01:55 • MDR Sachsen, MDR Sachsen-Anhalt, MDR Thüringen

Der gefährlichste Mann der Welt
Abdul Qadeer Khan – Der aus Pakistan stammende Ingenieur Abdul Qadeer Khan ist ein brillanter Wissenschaftler, aber auch ein Atomspion. Er verkaufte sein Wissen, wie Atombomben gebaut werden, an Nordkorea, Libyen und den Iran.

Die zwielichtige Karriere des pakistanischen Wissenschaftlers Abdul Qadeer Khan beginnt in den 70er Jahren in den Niederlanden. Er arbeitet bei Europas größter Atomfabrik, der Urenco. Seine Kollegen schätzen den talentierten und sympathischen Mitarbeiter. Doch er stiehlt geheime Unterlagen für den Bau von Pakistans erster Atombombe.

1976 errichtet Kahn im Auftrag seines Heimatlandes eine geheime Atomanlage in Kahuta, unweit der Hauptstadt Islamabad. Ihr Deckname lautet „Projekt 706“. Für die Herstellung atomaren Sprengstoffs braucht Kahn Zentrifugen. Komplizen aus Europa schmuggeln die Einzelteile aus dem Westen ins Land. Die illegalen Lieferungen seiner Geschäftspartner und die Funktion der Anlage verschleiert Kahn. Er behauptet, Kahuta sei eine zivile Kernforschungsanlage. In den 80er Jahren erfährt der amerikanische Geheimdienst von den Machenschaften in Kahuta. Aber Khan ist nicht zu stoppen.

Von Dubai aus bietet seine Tarnfirma islamischen Staaten Know-how für den Bau von Kernwaffen an. Einer der Geschäftspartner ist Libyens Staatschef Ghaddafi, ein erklärter Feind des Westens. Auch mit Nordkorea fädelt Khan ein Geschäft ein, dessen Folgen bis heute nicht absehbar sind. Jahre später entdecken westliche Geheimdienste zufällig, dass Khan sein Wissen auch dem Iran verkaufte. Das Entsetzen ist groß, als 2002 die geheime Urananreicherungsanlage in Natanz enttarnt wird. Westliche Experten glauben, hier würde Uran für Atombomben produziert. Pläne und Teile lieferte Khan. Bis heute ist die Fabrik Auslöser einer permanenten diplomatischen Krise mit dem Westen. Doch Khans gefährlichste Konsequenz seines Wirkens liegt wohl darin, dass er einen weltweiten „Schwarzmarkt“ für Pläne und Material zum Bau von Atombomben geschaffen hat – auch für Terroristen. 03:25-04:10 • NDR Hamburg, NDR Mecklenburg-Vorpommern, NDR Niedersachsen, NDR Schleswig-Holstein

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