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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

TV-Tipps des Tages

16.11.2011 – Ordensritter, Kreuzzug, Nahen Osten, Syrien, Türkei, Integration

TV-Tipps des Tages sind: Die Deutschen Ordensritter; Gott will es: Gottfried von Bouillon und der Erste Kreuzzug; Syrien – Im Griff des Assad-Clans; Antalya – Türkei; Die innere Sicherheit; Türkei – Die Bosporus-Brücke

Die Deutschen Ordensritter
Dokumentation – Der Deutsche Orden ging aus der geistlichen Ordensgemeinschaft der Deutschritter hervor. Heute widmet er sich ausschließlich karitativen Aufgaben. Doch einige Zeit stand er für die Einheit Deutschlands unter preußischer Herrschaft.

Der Deutsche Orden oder Deutschritterorden wurde 1190 als Hospitalsbruderschaft von deutschen Kaufleuten zur Unterstützung ihrer Glaubensbrüder während des Dritten Kreuzzuges in der israelischen Stadt Akko gegründet. Ziel der Unternehmung, zu der Papst Innozenz III. aufgerufen hatte, war die Rückeroberung Jerusalems, das sich unter muslimischer Herrschaft befand. Durch die Kreuzzüge hatte das deutsche Rittertum neuen Auftrieb bekommen. Die neu gegründeten Ritterorden sahen in ihnen ein Ziel und die Möglichkeit, das Heil zu erlangen. Sie forderten von ihren Mitgliedern, das Mönchsgelübde abzulegen und sich zu einem Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu verpflichten.

Der Deutschritterorden unterschied sich von seinen Vorgängern durch moderne Grundsätze, in denen sich bereits das Ende des Mittelalters ankündigte. Denn hatte es bisher nur Kaiser, Adel und Lehnswesen gegeben, bildeten Kaufleute und Handwerker nun eine neue Gesellschaftsschicht, die sich bald zum Bürgertum formieren sollte. Diese Modernität verdankte der Orden seinem vierten Hochmeister, Hermann von Salza. Mit großem diplomatischem Geschick und dank zahlreicher Verbindungen gewann er Papst und Kaiser für sein Anliegen, dem Deutschen Orden ein Herrschaftsgebiet zu sichern.

Im Zuge dieser Entwicklung verließen die Deutschritter das Heilige Land zu Anfang des 13. Jahrhunderts und zogen zunächst nach Siebenbürgen. Ihren im christlichen Abendland einmaligen Ordensstaat gründeten sie schließlich in einem von heidnischen und christlichen Pruzzen, Polen und Litauern besiedelten Gebiet in Nordpolen.

Den Ordenschroniken folgend, beleuchtet die Dokumentation die wichtigsten Etappen bis hin zur Schlacht bei Tannenberg im Jahr 1410, bei der den Deutschrittern vom gemeinsamen Heer Polens und Litauens eine entscheidende Niederlage beigebracht wurde. Mit dieser Schlacht, die als bedeutendster Feldzug des Mittelalters gilt und auch hinsichtlich Militärtaktik und Truppenbewegungen eine besondere Stellung einnimmt, beginnt der Niedergang der Ordensherrschaft.

Hintergrundinformationen:
Die Nationalsozialisten propagierten den Deutschritterorden als Ideal von Reinheit und Stärke. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, die Besitztümer des Ordens zu konfiszieren. Auf den Spuren der Deutschritter besucht die Dokumentation Festungen und Kirchenburgen, die der Orden von den Hügeln des heutigen Libanon bis zur Ostsee errichtete. 10:10-11:05 • arte

„Gott will es!“
Gottfried von Bouillon und der Erste Kreuzzug – Macht- und beutegieriger mittelalterlicher Haudegen oder wackerer Kreuzritter, Verfechter des Christentums und erster König Jerusalems – wer war Gottfried von Bouillon wirklich? Die Filmemacher folgen den Spuren der Kreuzfahrerlegende.

Am 18. Juli 1100 stirbt Gottfried von Bouillon in Jerusalem. Vier Jahre zuvor war der Reichsfürst Niederlothringens dem Aufruf von Papst Urban II. gefolgt und hatte seine Mannen in den Ersten Kreuzzug geführt. Von seinem Herzogtum aus durchquert sein Heer, der Donau folgend, Deutschland. Hier kommt es vermutlich zu einem Pogrom an der jüdischen Bevölkerung von Worms und Regensburg. Über Ungarn und den Balkan zieht der Tross weiter bis zum Bosporus. In Konstantinopel trifft er mit den anderen Kreuzfahrern aus der Provence und der Normandie zusammen. Von dort aus kämpft sich Gottfried nach Palästina durch.

Der Erste Kreuzzug ist der einzige, der Jerusalem tatsächlich erreicht. Die Eroberung der Heiligen Stadt geht mit einem unvergleichlichen Blutbad einher, das sich über Jahrhunderte in das kollektive Gedächtnis der muslimischen Völker eingräbt. Am Tag nach dem Massaker soll Gottfried zum „König von Jerusalem“ ernannt werden. Er lehnt jedoch ab. Als weltlicher Vertreter der päpstlichen Macht nimmt er den Titel „Beschützer des Heiligen Grabes“ an.

Aber wer war Gottfried von Bouillon wirklich? Die Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Figur wirft unzählige Fragen auf: Warum steht heute noch in den Schulbüchern, dass er der erste König Jerusalems war? Warum wird für ihn ein falscher Geburtsort angegeben? Ist es möglich, dass sich französischsprachige Verfechter eines einheitlichen Belgiens heute noch in aller Legitimität auf den Kreuzfahrer berufen? Welche Rolle spielte dieser „belgische“ Held für die christlich-abendländische Vorstellungswelt vom Mittelalter bis in die Gegenwart? Und wie erscheinen die Kreuzzüge – und die Figur Gottfrieds von Bouillon – im kollektiven Gedächtnis von Türken und Arabern? Die Dokumentation sucht nach Antworten.

Hintergrundinformationen:
Die Filmemacher Nathalie Fritz und Jacques Martin folgen bei ihren Ermittlungen den Spuren der Kreuzfahrerlegende und bedeutenden Figur der christlich-abendländischen Vorstellungswelt in Form eines Roadmovies von Boulogne nach Jerusalem. Sie gehen dem Mythos genauer auf den Grund, fördern wahre Begebenheiten zutage und deuten die Wirkung der Figur Gottfried von Bouillon bis in die heutige Zeit. 11:05-12:00 • arte

Syrien – Im Griff des Assad-Clans
Auch vor Syrien machte der Arabische Frühling nicht halt, doch das Land versinkt in Angst und Schrecken: Hunderte von Toten, Tausende von Inhaftierten und ebenso viele Menschen, die in die Türkei und den Libanon flüchten.

Trotz der brutalen Niederschlagung der Proteste bietet die Opposition dem Regime weiter die Stirn und fordert den Rücktritt des Herrscherclans. Vor dem Hintergrund der andauernden Massaker an syrischen Oppositionellen beleuchtet der Film die Lage in diesem arabischen Land, das der Assad-Dynastie bedingungslos ausgeliefert ist.

Seit den demütigenden Niederlagen gegen Israel 1948 und 1967 sowie dem Verlust der Golanhöhen ist der syrische Staat ein Terrorregime allerschlimmsten Ausmasses. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, sich auf der internationalen Bühne Achtung zu verschaffen. Aber wer ist Baschar al-Assad, dieser Präsident, der nicht davor zurückschreckt, sein Volk niederzumetzeln? Welches Vermächtnis hinterliess ihm sein Vater Hafis al-Assad, dessen Nachfolge er im Jahr 2000 antrat? Und wie gelang es dem Assad-Clan, sich so lange an der Macht zu halten?

Archivaufnahmen, Experten, unmittelbar Beteiligte und Baschar al-Assad selber geben Aufschluss über die jüngere Vergangenheit Syriens. Sie beleuchten dabei geschichtliche Fakten ebenso wie weniger offensichtliche Zusammenhänge, die aus diesem komplizierten Land einen unumgänglichen Player im Nahen Osten machen. 21:00-21:45 • PHOENIX

Antalya
Dokumentation (Gesellschaft – Reisen/Urlaub/Touristik) – Film von Alexander Gross – Nach herben Einbrüchen der Besucherzahlen im Jahr 2000 steht die Türkei bei deutschen Urlaubern wieder hoch im Kurs. So auch Antalya, die Stadt an der türkischen Riviera, und ihre Umgebung. Wer diese Region im Frühjahr besucht, kann morgens Skifahren und mittags im Meer baden. Aber auch abseits der Touristenzentren gibt es viel zu entdecken. Alexander Gross stellt die Urlaubsregion Antalya und ihr Freizeitangebot vor. 21:45-22:00 • 3sat

Die innere Sicherheit
Spielfilm – Seit 15 Jahren leben Clara und Hans im Untergrund. Als Staatsfeinde von der Polizei gejagt, müssen die beiden immer wieder über Nacht den Wohnort wechseln. Mit ihnen auf der Flucht ist ihre 15-jährige Tochter Jeanne. Über all die Jahre war sie stets loyal zu ihren Eltern, führte mit eiserner Disziplin ein Leben in Einsamkeit. Dann aber verliebt sich das pubertierende Mädchen und beginnt, sich nach einer bürgerlichen Normalität zu sehnen. Sie will mit dem Leben ihrer Eltern brechen. Die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle.

Christian Petzolds preisgekröntes Drama „Die innere Sicherheit“ zeigt Richy Müller und Barbara Auer als Ex-Terroristen auf der Flucht. In der Rolle der heranwachsenden Tochter gelang Julia Hummer der große Durchbruch.

Auf den ersten Blick wirken sie wie eine ganz gewöhnliche Kleinfamilie: Clara (Barbara Auer), Hans (Richy Müller) und ihre 15-jährige Tochter Jeanne (Julia Hummer). In einem portugiesischen Badeort bewohnen sie ein kleines Apartment nahe dem Meer. Irgendetwas aber scheint mit ihnen nicht zu stimmen. Eltern und Tochter meiden jeden Kontakt zu anderen Menschen. Der Grund: Hans und Clara befinden sich als ehemalige Terroristen auf der Flucht. Seit 15 Jahren leben sie im Untergrund, wechseln ständig die Identität und den Wohnort. Ihr Leben erlaubt es nicht, dass sie Freundschaften schließen, denn die Polizei hat die Fahndung nach ihnen noch nicht aufgegeben – jeder Fremde könnte ein Spitzel sein. Auch Jeanne unterwirft sich mit eiserner Disziplin diesem Leben aus Lügen und Geheimniskrämerei. Während andere Mädchen ihres Alters Partys feiern, Freunde finden oder mit der Clique shoppen gehen, verbringt sie ihre Pubertät in Einsamkeit und sozialer Isolation. Bis sie sich in Portugal in den jungen Surftouristen Heinrich (Bilge Bingül) verliebt, den sie später in Deutschland wieder trifft. Auf einmal spürt sie, wie sehr sie ihre eigenen Bedürfnisse den Zwängen ihrer Eltern unterworfen hat. Sie beginnt, gegen die strikten Regeln aufzubegehren, trifft sich heimlich mit Heinrich, spielt mit dem Gedanken, ihre Eltern zu verlassen. Zugleich gerät das heranwachsende Mädchen dadurch in einen schweren Gewissens- und Loyalitätskonflikt, waren ihre Eltern doch 15 Jahre lang ihre einzigen Bezugspersonen. Für Hans und Clara wird der Boden in Europa derweil immer heißer, die Polizei hat ihre Spur aufgenommen. Fieberhaft bereiten sie ihre Flucht nach Südamerika vor. Ein letzter Banküberfall soll die Reise finanzieren. Doch die Situation gerät außer Kontrolle.

In „Die innere Sicherheit“ verarbeitet Christian Petzold, der inzwischen zu den wichtigsten Regisseuren des deutschen Kinos zählt, ein Stück deutsche Vergangenheit zu einem raffinierten Drama. Richy Müller und Barbara Auer liefern als getriebene Ex-Terroristen vielschichtige und bewegende Darstellerleistungen. Nicht minder beeindruckend ist Julia Hummer („Carlos – Der Schakal“), der in der Rolle der eigenwilligen Jeanne der große Durchbruch gelang. Nach seiner Uraufführung bei den Filmfestspielen von Venedig erntete „Die innere Sicherheit“ begeisterte Kritiken und wurde unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis in Gold, dem Hessischen Filmpreis und dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Das Drehbuch schrieb Petzold gemeinsam mit dem renommierten Filmemacher und Künstler Harun Farocki. 00:20-02:00 • Das Erste (ARD)

Türkei – Die Bosporus-Brücke
Als einzige Brücke der Welt verbindet sie zwei Kontinente: die Bosporus-Brücke in Istanbul. Der uralte Traum von einer festen Verbindung zwischen Asien und Europa wurde 1973 wahr.

1,5 Kilometer ist die sechsspurige Brücke lang, circa 33 Millionen Euro hat sie gekostet. Heute ist die Bosporus-Brücke ein wichtiger Bestandteil des Lebens in Istanbul. Sie hat nicht nur die Zahl der Überfahrten von Asien nach Europa erhöht, sondern auch für einen sozialen und wirtschaftlichen Aufschwung auf beiden Seiten des Bosporus gesorgt. 04:00-04:30 • PHOENIX

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