Die neuen Erkenntnisse im Fall des Neonazi-Trios Zwickauer Zelle hatten Günther Jauch am Sonntagabend dazu veranlasst, kurzfristig sein Thema zu ändern. Und so ging es nicht um die Betreuung an Demenz erkrankter Menschen, sondern um die Frage: „Haben wir die braune Gefahr unterschätzt?“
Wie konnte es dem Neonazi-Trio Zwickauer Zelle gelingen, 13 Jahre lang unerkannt in Deutschland zu leben? Es richtete acht türkischstämmige Männer und einen Griechen mit Kopfschüssen hin. Ein Rohrbombenanschlag geht auf sein Konto und sehr wahrscheinlich ist das Trio auch für den Mord an einer jungen Polizisten verantwortlich. Die beiden männlichen Täter sind mittlerweile tot, die Täterin stellte sich selbst der Polizei. Offenbar gab es noch weitere Mittäter, zudem gibt es nun eine Bekenner-DVD.
Zu vielen Spuren und alle im Sand verlaufen
Weder der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) noch der Generalstaatsanwalt aus Brandenburg, Erado Rautenberg, konnten plausibel erklären, wie es dem Neonazi-Trio jahrelang gelingen konnte, unentdeckt seinen Machenschaften nachzugehen. Da war die Rede von zu vielen Spuren, die im Sand verlaufen seien, vom untypischen Verhalten der Täter. „Das habe ich auch nicht für möglich gehalten“, gab der Generalstaatsanwalt zu.
Video: Sie haben die Diskussion zum Thema blutiger Terror von Rechts verpasst? Hier gibt es die Sendung zum Nachschauen.
Cem Özdemir (Die Grünen) sieht ein Problem in der Zusammenarbeit mit V-Männern, also Verbindungspersonen zur rechtsextremen-Szene: „Wir wissen ja gar nicht mehr: Wer ist ein echter Nazi und wer gehört zu uns?“ Und warf damit auch dem Verfassungsschutz Verfehlungen in seinem Kampf gegen Rechtsextremismus vor.
Was wäre, wenn es Islamisten gewesen wären
In Deutschland werde mit linksextremen Gewalttaten anders – härter – verfahren als mit rechtsextremen. Özdemir wolle nicht wissen, was in dieser Republik los wäre, wenn die Täter Linksradikale oder Islamisten gewesen wären. Dieser Umstand sei mit Schuld daran, dass rechtsradikaler Terror zu oft als Einzelphänomen abgetan werde – und das, obwohl er längst kein neues Phänomen ist. Rechtsextremismus sei in der deutschen Gesellschaft tief verankert, Neonazis zum Teil anerkannte Mitglieder in Vereinen und Verbänden.
Neonazi-Aussteiger Manuel Bauer bestätigte die Einschätzung Cem Özdemirs, dass Rechtsextreme das Gefühl haben, dass zu tun, was andere denken aber sich nicht trauen. Und dieses Gefühl werde durch Äußerungen von Politikern und – in Anspielung auf Thilo Sarrazin – Publizisten noch verstärkt.
Unterm Strich blieb zum Ende der Jauch’schen Diskussionsrunde die Gewissheit, dass Deutschland im Umgang mit rechtsextremen Gewalttaten grundlegend etwas ändern muss. Nur das Wie ist völlig unklar, wie insbesondere die hilfslosen Erklärungsversuche des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) zeigten. (news.de/mig)

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Ich habe sehr über die Bild-Headline gestern gelacht, wo man sich irgendwie über den Hass der Täter echauffiert hatte… ihr wisst schon, nach jahrelanger Hetze in dieselbe Richtung. Es ist einfach nur traurig.