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Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

TV-Tipps des Tages

05.11.2011 – Deutschland, Stasi, Türkei, Gastarbeiter, Muslime, Russisch, Mongolei

TV-Tipps des Tages sind: 60 x Deutschland; Cosmo TV extra: 50 Jahre Heimat in DeutschTürkland; Russisch, bitte; Die Magie der Mongolei; „Gott will es!“; ZDF-History: Hurra, die Türken kommen!; Kleider und Leute; Tunesien – Scharfe Schoten und märchenhafte Moscheen

60 x Deutschland
1992 – das war das Jahr, in dem zum ersten Mal eine Frau zum lutherischen „Bischof“ gewählt wurde, der ehemalige SED-Chef Honecker vor Gericht stand, Stasi-Unterlagen einsehbar wurden und ausländerfeindliche Übergriffe das Land erschütterten.

Wolfgang Richter erzählt, wie er sich im letzten Moment aus dem brennenden Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen retten konnte. Beate Harembski schildert den Schock, den sie bekam, als sie beim Einsehen ihrer Stasi-Akte erfuhr, wer sie alles bespitzelte. 09:00-09:15 • BR-alpha

Cosmo TV extra
50 Jahre Heimat in DeutschTürkland – Als vor 50 Jahren, am 31. Oktober 1961, das deutsch-türkische Anwerbeabkommen unterzeichnet wurde, ging es erst einmal nur um die Lösung wirtschaftlicher Probleme: Deutschland brauchte Arbeitskräfte. Das traf sich gut, denn die Menschen, die kamen, wollten arbeiten, viel arbeiten. Aber das war nicht alles. Es kamen Menschen, die Hoffnungen und Träume hatten. Inzwischen leben in Deutschland an die drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln. Cosmo TV extra zeigt Geschichten von den Träumen der türkischen Gastarbeiter und ihrer Kinder.

Ein Zuhause für den Glauben
KÖLN. Jahrzehnte haben die eingewanderten Muslime davon geträumt, in einem schönen Gotteshaus zu beten. Viele Jahre war ihr Ort für den Glauben eine karge Hinterhofmoschee. Die Merkez Moschee in Duisburg war für die türkischen Muslime ein Meilenstein, eine erste schöne und repräsentative Moschee. Auch in Köln sollen die türkischen Muslime bald ein eigenes Gotteshaus haben, auf das sie stolz sein können. Doch nun gibt es Ärger um den Bau, und das kurz vor der Fertigstellung. Der Moscheevorstand und der Architekt streiten über Baumängel, Geld und die Farbe der Moschee. Sogar vom Baustopp ist schon die Rede und von einem jahrelangen Rechtsstreit. Und die Gläubigen, die Menschen, die auf ihre Moschee warten, stehen fassungslos da und fürchten, dass ihr Traum von einer baldigen Einweihung ihrer Moschee nun vielleicht in weite Ferne rückt.

Der Diskotänzer
KÖLN. In den siebziger Jahren ist Selcuk Buacan ein junger Mann. Er lebt mit seinen türkischen Eltern in Köln. Der Vater arbeitet bei Ford am Fließband, macht so viele Überschichten wie möglich. Er ist ein richtiger Malocher, will sparen und in der Türkei ein Haus bauen. Selcuk Buacan will etwas ganz anderes. Er will aus dem grauen Alltag ausbrechen, will Spaß haben wie alle Jugendlichen. Er sucht ein Ventil und findet die Discomusik. John Travolta wird sein Idol. Auch später im Leben will er seine Träume leben, will nicht ans Fließband ,sondern Studieren. Das hat er auch geschafft. Für Selcuk Buacan sind Wünsche in Erfüllung gegangen in seiner neuen Heimat Deutschland, und das hat ausgerechnet auch mit der Discomusik und einem Idol aus Amerika zu tun.

Der muslimische Sommelier
Für einen gläubigen Muslim gilt: Das Konsumieren von Alkohol ist ein absolutes Tabu. Was aber, wenn der größte Traum eines jungen Muslims ist, Sommelier zu werden, Weine zu testen? Darf er das dann überhaupt? Ahmet Yildirim hat für sich selbst entschieden, dass er darf. Mit 19 Jahren entdeckte er seine Liebe für den Wein. Sehr zum Ärger seiner Familie, denn Ahmet kommt aus einem streng gläubigen Elternhaus. Der Vater träumte von einer Fußballkarriere für den Sohn. Schließlich aber stimmte Ahmets Erfolg auch den Vater milde. Cosmo TV zeigt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich trotz aller Widerstände dazu entschloss, seinen Weg zu gehen.

Die Gastarbeiterinnen
DORTMUND. Gastarbeiter in der ersten Generation – unser Bild sieht oft genug so aus: Der Mann kam und hat Frauen und Kinder nachgeholt. Von den vielen Frauen, die sich selbstständig aus der Türkei auf den Weg gemacht haben, um hier zu arbeiten, ist kaum die Rede. Auch wenn sie geheiratet haben und Kinder kamen, blieben die meisten von ihnen im Job. Die türkischen Gastarbeiterinnen waren moderne berufstätige Frauen in den 60er und 70er Jahren, als sich viele deutsche Frauen noch entschieden, mit der Familiengründung den Beruf aufzugeben. Hava Ceylan ist so eine Gastarbeiterin, die aus der Türkei kam, um hier zu arbeiten, als berufstätige Frau ihre Kinder großzog. Ihr Traum war einfach der von einem guten Leben für ihre Kinder. Als Rentnerin wollte sie immer in die Türkei zurück. Heute ist sie Rentnerin, lebt in Dortmund und da will sie auch bleiben, wegen der Enkel. 09:00-09:30 • WDR

Russisch, bitte!
10/30, Ein Sprachkurs für Anfänger – Russisch lernen vom Fernsehsessel aus! Eine nützliche Einführung beispielsweise für Touristen, die nach Russland reisen wollen. 13:45-14:15 • BR-alpha

Die Magie der Mongolei
Ihr Land, so sagen die Mongolen, liege wie ein rohes Ei eingeschlossen zwischen zwei Steinen: Russland und China. Der zentralasiatische Staat ist mehr als viermal so groß wie Deutschland, ein Land voller Vielfalt.

Im Norden durchziehen große Flüsse das Hochland. Im Süden erstreckt sich ein Meer aus Sand, die Wüste Gobi. Den Osten bestimmt eine endlose Grassteppe. Und im Westen thront das Altaigebirge mit Gipfeln von mehr als 4000 Metern Höhe. Argali-Wildschafe und Steinböcke teilen sich das felsige Revier. Jeden Winter kommen kasachische Adlerjäger in die Berge, um mit Steinadlern Pelztiere zu jagen.

Die Mongolei im Herzen Asiens ist ein Land der Extreme: Im Sommer herrscht glühende Hitze, im Winter klirrende Kälte. Temperaturunterschiede von 80 Grad Celsius im Lauf eines Jahres sind keine Seltenheit. Trotzdem sind die weiten Steppen, die kargen Wüsten und die schroffen Gebirgszüge alles andere als unbelebt.

Nomaden teilen sich das Grasland mit Mongoleigazellen, Wildeseln und seit einiger Zeit auch wieder mit Takhis, den mongolischen Wildpferden. Vor vielen Jahren nahm die zunehmende Vieh- und Weidewirtschaft den Takhis ihren Lebensraum. 1969 waren sie in freier Wildbahn ausgestorben. Dank eines aufwändigen Zuchtprogramms gelang es Zoos auf der ganzen Welt, die Pferde erfolgreich zu züchten und wieder in ihrer alten Heimat auszuwildern. Ein Erfolgsprojekt, das die Mongolen als traditionsreiches Reitervolk ausgiebig feiern. Die Takhis sind ihr ganzer Stolz.

Uhrzeit und Termine zählen in der Mongolei nur wenig. Das Leben der Nomaden ist vom Lauf der Jahreszeiten bestimmt. Vier- bis sechsmal pro Jahr nehmen sie die Filzmatten von ihren Rundzelten, den Jurten, und ziehen mit Sack und Pack, Hausstand und Vieh zu den nächsten Weidegründen. Dabei legen sie lange Strecken zurück, um in den Wüstenoasen der Gobi ihre Tiere zu tränken und Ziegen, Schafe und Kamele zu weiden.

In stimmungsvollen Bildern porträtiert „Die Magie der Mongolei“ ein atemberaubend schönes, aber auch karges Land, in dem die Horizonte endlos scheinen, aber Tiere und Menschen mit den harten Bedingungen erstaunlich gut zurecht kommen. 17:15-18:00 • PHOENIX

„Gott will es!“
Gottfried von Bouillon und der Erste Kreuzzug – Macht- und beutegieriger mittelalterlicher Haudegen oder wackerer Kreuzritter, Verfechter des Christentums und erster König Jerusalems – wer war Gottfried von Bouillon wirklich? Die Filmemacher folgen den Spuren der Kreuzfahrerlegende.

Am 18. Juli 1100 stirbt Gottfried von Bouillon in Jerusalem. Vier Jahre zuvor war der Reichsfürst Niederlothringens dem Aufruf von Papst Urban II. gefolgt und hatte seine Mannen in den Ersten Kreuzzug geführt. Von seinem Herzogtum aus durchquert sein Heer, der Donau folgend, Deutschland. Hier kommt es vermutlich zu einem Pogrom an der jüdischen Bevölkerung von Worms und Regensburg. Über Ungarn und den Balkan zieht der Tross weiter bis zum Bosporus. In Konstantinopel trifft er mit den anderen Kreuzfahrern aus der Provence und der Normandie zusammen. Von dort aus kämpft sich Gottfried nach Palästina durch.

Der Erste Kreuzzug ist der einzige, der Jerusalem tatsächlich erreicht. Die Eroberung der Heiligen Stadt geht mit einem unvergleichlichen Blutbad einher, das sich über Jahrhunderte in das kollektive Gedächtnis der muslimischen Völker eingräbt. Am Tag nach dem Massaker soll Gottfried zum „König von Jerusalem“ ernannt werden. Er lehnt jedoch ab. Als weltlicher Vertreter der päpstlichen Macht nimmt er den Titel „Beschützer des Heiligen Grabes“ an.

Aber wer war Gottfried von Bouillon wirklich? Die Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Figur wirft unzählige Fragen auf: Warum steht heute noch in den Schulbüchern, dass er der erste König Jerusalems war? Warum wird für ihn ein falscher Geburtsort angegeben? Ist es möglich, dass sich französischsprachige Verfechter eines einheitlichen Belgiens heute noch in aller Legitimität auf den Kreuzfahrer berufen? Welche Rolle spielte dieser „belgische“ Held für die christlich-abendländische Vorstellungswelt vom Mittelalter bis in die Gegenwart? Und wie erscheinen die Kreuzzüge – und die Figur Gottfrieds von Bouillon – im kollektiven Gedächtnis von Türken und Arabern? Die Dokumentation sucht nach Antworten.

Hintergrundinformationen:
Die Filmemacher Nathalie Fritz und Jacques Martin folgen bei ihren Ermittlungen den Spuren der Kreuzfahrerlegende und bedeutenden Figur der christlich-abendländischen Vorstellungswelt in Form eines Roadmovies von Boulogne nach Jerusalem. Sie gehen dem Mythos genauer auf den Grund, fördern wahre Begebenheiten zutage und deuten die Wirkung der Figur Gottfried von Bouillon bis in die heutige Zeit. 21:05-22:00 • arte

ZDF-History: Hurra, die Türken kommen!
Als Gastarbeiter in Deutschland – Moderation: Guido Knopp. 21:45-22:30 • PHOENIX

Kleider und Leute
Israel – ein Land der Gegensätze, auch was Kleidung betrifft. Die Kleidung der orthodoxen Juden, allgegenwärtige kakifarbenen Uniformen der Soldaten und die in bunte Gewänder gekleideten Hippies bestimmen das Bild auf den Strassen der Städte.

Die Kleidung der orthodoxen Juden in Israel ist stark von religiöser Symbolik geprägt. Ihre Träger sind teilweise fanatische Antizionisten und stehen im starken Widerspruch zur israelischen Wirklichkeit. Aus religiös-fundamentalistischen Gründen lehnen sie den zionistischen Staat kategorisch ab, da dieser allein vom Messias am Jüngsten Tag ausgerufen werden darf.

Israelische Soldaten tragen unter den allgegenwärtigen kakifarbenen Uniformen T-Shirts, auf denen steht, dass ihre „Zahal“ genannten Streitkräfte keine Angriffsarmee bildet. Auch die Kibbuzniks, die seit den Pionierzeiten gegenseitige Hilfe und soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben, tragen eine – allerdings eher minimalistisch gestaltete – Uniform.

Überraschenderweise sieht man nirgends so viele in die typischen aus Indien stammenden bunten Gewänder gekleidete Hippies wie auf den Straßen israelischer Städte. Dagegen müssen gläubige Frauen – ob jüdische oder muslimische – bei ihrer Kleidung ständig komplizierten religiösen Vorschriften Rechnung tragen. So sind Hosen für sie häufig tabu, und die Haare müssen verborgen werden, mit Tuch oder Perücke.

Und die Siedler in den besetzten Gebieten mischen in ihrer Kleidung zahlreiche Elemente: die der Militärs, der Gläubigen und der Hippies. 00:05-00:30 • arte

Tunesien – Scharfe Schoten und märchenhafte Moscheen
Sie sind knallrot und feurig scharf. Die tunesischen Chilis gehören zu den schärfsten Schoten der Welt. Mit viel Knoblauch und etwas Öl werden sie zu Harissa verarbeitet, einer roten Paste, und damit wird fast jedes Gericht gewürzt.

Die Filmautorin Annekarin Lammers hat sich in der tunesischen Küstenstadt Nabeul auf die Spur der Chilischote gemacht.

Nabeul ist auch das tunesische Zentrum für Keramik: Überall werden bunt bemalte Schüsseln angeboten, die in kleinen Handwerksbetrieben auf den Töpferscheiben gedreht wurden. In Kairouan steht die älteste Moschee Nordafrikas. Kairouan gilt nach Mekka, Medina und Jerusalem als viertheiligste Stadt des sunnitischen Islam. Hier wird auch gehandelt: mit Teppichen, Leder, Kupfer und Schmuck. Der Film zeigt das quirlige Leben in der am besten erhaltenen Medina Tunesiens. 05:30-06:00 • HR

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