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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

TV-Tipps des Tages

03.11.2011 – Integration, Türkei, Kasachstan, Istanbul, Türken, Migranten

TV-Tipps des Tages sind: Ferne Heimat Kasachstan; PHOENIX RUNDE; Istanbul – West-östliche Diva; Reisewege Römerstraßen; Nachbar Türke: „45 Min“ wirft in Hamburg, der Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil in ganz Deutschland, einen Blick hinter die Fronten der Integrationsdebatte

VONÜmit Küçük

DATUM3. November 2011

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Ferne Heimat Kasachstan
Von Deutschland in die Steppe – Jutta Jekel ist Pfarrerin in Wiesbaden-Schelmengraben. In ihrer Gemeinde gibt es 5.000 Russlanddeutsche. Um das Land kennenzulernen, aus dem der Großteil ihrer Gemeinde stammt, ist Jutta Jekel nach Kasachstan gereist.

Seit Anfang der 1990er-Jahre ist ein Großteil der Russlanddeutschen wieder in das Land ihrer Vorfahren zurückgekehrt, weil sie hoffen, hier ein besseres Leben führen zu können. Doch die Integration ist schwierig, denn die meisten leben in getto-ähnlichen Vorstädten wie Wiesbaden-Schelmengraben und werden hierzulande als „Russen“ angesehen.

Jutta Jekel ist Pfarrerin in Wiesbaden-Schelmengraben. In ihrer Gemeinde gibt es fast 5.000 Russlanddeutsche, zumeist aus Kasachstan. Sie hat viel über das Schicksal der deportierten Wolgadeutschen gehört und erfahren, wie viel Leid und Schrecken die deutsche Minderheit in der UdSSR erleiden musste.

Um das Land kennenzulernen, aus dem der Großteil ihrer Gemeinde stammt, ist Jutta Jekel mit dem Fernsehautor Hajo Bergmann nach Kasachstan gereist. Gemeinsam besuchen sie das Straflager Karaganda, alte deutsche Siedlungen, dagebliebene Deutsche, deutsche Rückkehrer und Geschäftsleute – und treffen alte Menschen, die die Schrecken der Stalinära noch erlebt haben. 15:15-16:00 • NDR Mecklenburg-Vorpommern, NDR Mecklenburg-Vorpommern, NDR Niedersachsen, NDR Schleswig-Holstein

PHOENIX RUNDE
Diskussion – Die PHOENIX RUNDE ist ein Forum für die aktuelle politische Debatte. Kompetente Gäste diskutieren Fragen zum politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben in Deutschland. Zudem widmet sich die Sendung aktuellen Ereignissen aus dem Ausland. 15:15-16:00 • PHOENIX

Istanbul – West-östliche Diva
Dokumentation – Ein Film von Peter Kruchten – Einzigartig ist schon die geografische Lage des türkischen Istanbul, dieser Stadt auf zwei Kontinenten. Istanbul ist die Brücke zwischen Europa und Asien in mehr als einem Sinn.

Die kulturelle und weltanschauliche Vielfalt, die reiche Geschichte, das stete Nebeneinander von Tradition und Zukunft, von Märchenland und Moderne – das bietet nur die Metropole am Bosporus.

Der Film verfolgt den Ablauf eines Tags, eines Freitags, der in der muslimischen Welt dem christlichen Sonntag entspricht. In der laizistischen Türkei gehen die gläubigen Muslime zum Freitagsgebet in die Moschee; gleichzeitig nimmt das Leben im Finanz- und Wirtschaftszentrum Istanbul aber seinen gewohnten, geschäftigen Lauf, angefangen beim täglichen Verkehrsinfarkt am frühen Morgen bis zum abendlichen Ausklang im Restaurant am Bosporus.

Byzanz, Konstantinopel, Istanbul: In zweieinhalb Jahrtausenden ist die Stadt nicht so stark gewachsen wie in den vergangenen fünfzig Jahren. Schätzungsweise 15 Millionen Menschen hausen heute in diesem Moloch. Neben dem Verkehr und der wild wuchernden Bebauung ist der Müll ein ernstes Problem, außerdem die Wasserversorgung. An jeder Ecke wird Trinkwasser in Plastikflaschen verkauft, Leitungswasser ist ungenießbar. Wie leben die Menschen mit diesen existenziellen Problemen? Noch immer ist die Altstadt mit ihren Basaren, Bädern und Moscheen, mit ihren überfüllten Gassen und osmanischen Häusern der „malerischste“ Stadtteil. Zwischen dem Fähranleger an der Galata-Brücke und der Süleymaniye Moschee liegt eine ganz eigene, exotische Welt. Viel ruhiger, beinahe dörflich scheint das Leben auf der asiatischen Seite im Stadtteil Beylerbeyi oder auf den Prinzeninseln. Kosmopolitisch dagegen Beyoglu, das Viertel der Juden, Armenier, Engländer und Franzosen. Hier, zwischen Tünel und Taksim, findet man Kaffeehäuser aus dem frühen 20. Jahrhundert, Kneipen, ausländische Buchhandlungen und Botschaftsgebäude. 16:00-16:45 • HR

Reisewege Römerstraßen
3/4, Auf vergessenen Wegen durch den Balkan – Die Via Militaris – Von der Türkei durch Bulgarien.

Ausgehend von der bedeutendsten West-Ost-Achse Via Egnatia unternahmen die Römer Anfang des 2. Jahrhunderts nach Christus unter Kaiser Trajan Anstrengungen ihr Reich nach Norden hin zu erweitern.

Sie unterzogen das heutige Bulgarien einer sorgfältigen Territorialplanung, betrieben die Revitalisierung bestimmter Ballungszentren, gründeten neue Handelsplätze, vor allem aber schufen sie eine Infrastruktur durch Straßenbau. Unseren Reisewegen folgen der Via Militaris von Edirne über Plodiv und Sofia an die Donau. 19:30-20:15 • BR-alpha

Nachbar Türke
„45 Min“ wirft in Hamburg, der Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil in ganz Deutschland, einen Blick hinter die Fronten der Integrationsdebatte: Was läuft schief, was ist gut, was könnte besser sein – auf beiden Seiten?

Vor 50 Jahren begann offiziell die Zuwanderung türkischer Arbeiter nach Deutschland. Sie kamen zunächst als „Gastarbeiter“, doch viele blieben. Fast drei Millionen Menschen türkischer Herkunft leben heute in Deutschland und haben, da sind sich liberale und konservative Wissenschaftler inzwischen einig, die größten Integrationsschwierigkeiten. Doch was heißt das eigentlich?

Wer sich mehr Integration wünscht, kann nicht nur über Türken reden. „45 Min“ trifft Jugendliche aus dem Problemstadtteil Hamburg-Horn und ehrenamtliche deutsch-türkische „Kiezläufer“, die verhindern wollen, dass ihre Jungs auf die schiefe Bahn geraten. Der Film zeigt außerdem, wie der Alltag in einer Grundschule aussieht, in der Deutsch nur eine von 25 Muttersprachen ist. Ex-Drogendealer, Polizisten und Lehrer beschönigen die Probleme in ihren Vierteln nicht. Aber sie halten sie für lösbar.

„Mehr Jumps, weniger Style“, ruft Tanzlehrer Metin Demirdere dem 15-jährigen Miles zu. Jeden Freitag treffen sich junge Tänzer zwischen elf und 23 Jahren zum Training im evangelischen Jugendzentrum „Schorsch“ in Hamburg-St. Georg. Ihre Eltern kommen aus der Türkei, aus Ghana, Afghanistan, Tunesien, von den Philippinen oder aus Deutschland. „Aber das ist total egal“, sagt Tanzlehrer Metin, „hier geht es vor allem um das, was wir gemeinsam haben, und das ist die Liebe zur Musik und zum Breakdance.“ Einige der Jungs haben erst beim Tanzen entdeckt, was in ihnen steckt, und dass hartes Training und Disziplin ihnen auch in der Schule helfen und Selbstbewusstsein geben. Sie lieben es, ihre Grenzen auszutesten und die anderen in der Gruppe mit neuen, akrobatischen Figuren zu beeindrucken. Auch das kann ein Weg sein, sich Respekt zu verschaffen. Tanzlehrer Metin findet die ganze Integrationsdebatte problematisch, weil dabei immer nur das Trennende betont wird, der so genannte Migrationshintergrund. Was heißt das denn? Er selbst ist in Deutschland geboren, hat türkische Wurzeln, empfand sich immer als „Hamburger Jung“. Und plötzlich hat er sich gefragt: „Bin ich eigentlich integriert?“

Viele junge Migranten, die sich in Deutschland zu Hause fühlen, hat die Debatte um Thilo Sarrazins Buch verunsichert. Sie kämpfen sowieso täglich mit den Vorurteilen der Mehrheitsgesellschaft: in der Schule, bei der Arbeitssuche, auf der Straße. Immer, wenn ein Einzelner mit ausländischen Wurzeln eine Straftat begeht, fällt das auf alle anderen zurück. „Die Leute wechseln die Straße, die setzen sich in der S-Bahn nicht neben uns, weil wir irgendwie gefährlich aussehen“, erzählen Emir und seine Freunde aus Hamburg-Horn. „Weil es Ausländer gibt, die andere abziehen, heißt es sofort, alle Ausländer sind so.“ Emir will unbedingt seinen Realschulabschluss schaffen, aber richtig Hoffnung auf einen guten Job hat er trotzdem nicht. „Wenn sich für dieselbe Stelle ein blonder Deutscher bewirbt, hab ich eh keine Chance, so ist das doch.“ Sein Freund Ozan ist sicher, dass es leichter wäre, wenn sie alle in einem besseren Viertel aufgewachsen wären. Und dann erklärt er, dass es hier ziemlich schwer ist, sich Respekt zu verschaffen, wenn man nicht bereit ist, sich zu prügeln. „Aber das hat nichts mit Ausländern zu tun, die Deutschen, die hier aufwachsen, machen das genauso. Das Viertel und der Freundeskreis machen einfach viel kaputt“, meint Ozan und Ender nickt. Er hatte neulich selbst mit der Polizei zu tun, weil er mit Freunden in eine Schlägerei geraten ist. 20:15-21:00 • EinsExtra

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