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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Anwerbeabkommen

Angela Merkel würdigt Leistung türkischer Zuwanderer

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigt anlässlich des 50 Jahrestages deutsch-türkischen Anwerbeabkommens die Leistung türkischer Zuwanderer und appelliert an die Integrationsbereitschaft der deutschen Gesellschaft wie auch der Zuwanderer.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Beitrag der türkischen Zuwanderer zum Wohlstand Deutschlands gewürdigt. In ihrem neuen Video-Podcast sagt Merkel, das deutsch-türkische Anwerbeabkommen von 1961 habe Deutschland verändert. Die Migranten aus der Türkei seien „ein Teil unseres Landes geworden“.

Es gebe viele sehr gut integrierte türkischstämmige Menschen, aber durchaus auch noch Probleme, so Merkel. Sie appelliert an die Integrationsbereitschaft der deutschen Gesellschaft wie auch der Zuwanderer. In ihrem Podcast beantwortet Merkel Fragen der 21-jährigen Jurastudentin Semiramis Kilisli, deren Großeltern aufgrund dieses Abkommens nach Deutschland gekommen sind.

Die Bundeskanzlerin betont, jemand sei gut integriert, wenn er die Sprache sehr gut beherrsche und möglichst gut in der Schule gelernt habe. Das seien die Voraussetzungen, um einen Beruf zu erlernen, Karriere zu machen und richtig am Leben teilhaben zu können. Niemand solle seine Herkunft vergessen, aber das „Leben in einer anderen Welt“ dürfe nicht überhand nehmen.

Mehr Kontakte und mehr Offenheit gewünscht
Merkel wünscht sich mehr Kontakte und mehr Offenheit zwischen Deutsch- und Türkischstämmigen. Sie kritisiert das Aussortieren von Bewerbungsschreiben, „wenn der Name vielleicht nach einem Migrationshintergrund aussieht“.

Auf den Hinweis, viele qualifizierte Türken entschlössen sich, Deutschland zu verlassen, antwortet Merkel mit Verständnis. Die Türkei entwickele sich sehr dynamisch. „Wenn man einmal sieht, was in Istanbul für ein Leben ist, wie viel Wachstum und wie viel Veränderung da ist, dann zeigt uns das auch: Wir müssen auch Migranten gute Angebote machen.“

Wie sie das Empfinden vieler junger Menschen mit Migrationshintergrund beurteile, in Deutschland nicht willkommen zu sein, will Kilisli von Merkel wissen. Merkel: „Ich glaube, da muss man aufpassen, dass sich die Migranten da nicht auch ein bisschen was einreden.“ Jeder sei in Deutschland willkommen. Wer die Sprache beherrsche und sich „natürlich auch“ an die Gesetze halte, bekomme hier eine faire Chance. „Heute sieht man, dass sich insbesondere junge Menschen sehr stark einbringen“, sagt Merkel. (bk)

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33 Kommentare
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  1. Non-EU-Alien sagt:

    „Die Bundeskanzlerin betont, jemand sei gut integriert, wenn er die Sprache sehr gut beherrsche und möglichst gut in der Schule gelernt habe.“

    –> Deutsch kann ich ganz gut, in der Schule habe ich gut gelernt (zwei abgeschlossene Studiengänge mit Prädikatsexamen)…

    „Niemand solle seine Herkunft vergessen…“

    –> Das tue ich auch nicht. Leider fordert mich das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz dazu auf, mich von meiner Herkunftsstaatsangehörigkeit loszusagen, wenn ich mich einbürgern lassen will. Das ist nicht weiter schlimm, wenn es für ALLE gelten würde. Da das nicht der Fall ist, ist es sogar sehr schlimm…

  2. Zensus sagt:

    Es ist beschämend, dass sich selbst Angela Merkel vor den Karren der türkorientalischen Geschichtsklitterungspropaganda spannen läßt.
    Immerhin sieht so selbst der Dümmste, aus welcher Richtung der Wind weht.
    Das empfinden allerdings auch die Originalgastarbeiter, wie Italiener und Spanier. Auch diese können die türkische Lobhudelei nicht mehr ertragen, diese peinliche Selbstbeweihräucherung der einzigen Migrantengruppe, die auf ganzer Linie versagt hat.

  3. Martin Maier sagt:

    Gefiel nicht jedem, die Antwort von Frau Durmus:

    „Auf die Wochenansprache der Bundeskanzlerin werden viele, vor allem die älteren, gewartet haben. Feierliche, anerkennende Worte, am besten eine Ansprache an alle Bürger Deutschlands – ohne einen Unterschied zwischen Deutschen und Türkisch-Stämmigen zu machen. Doch Merkel fiel wieder nichts Besseres ein, als den Integrationsverweigerern ins Gewissen zu reden.

    Deutsch-Kenntnisse und gute schulische Leistungen, das sind die Erwartungen, die die Bundeskanzlerin an die jungen Deutsch-Türken hat. Nur so könnten sie zur Gesellschaft dazu gehören. Es gebe noch viele Probleme in der Integration, sagte Merkel. Spätestens beim fünften Hinweis innerhalb von knapp sechs Minuten fühlen sich auch die, die auch nur im entferntesten einen Migrationshintergrund haben könnten, wie im Büro des Schuldirektors. „Und ich komme immer wieder auf dasselbe Thema zurück, man kann sich ein Land nur erschließen, wenn man auch die Sprache kann“, predigte die Bundeskanzlerin.“

    http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2011/10/236762/

  4. Fikret sagt:

    Die Gastarbeiter haben hart gearbeitet. Der Rest ist bla bla.

  5. Pragmatikerin sagt:

    @Fikret

    „Die Gastarbeiter haben hart gearbeitet“

    …….und haben erstens gutes Geld verdient, soviel jedenfalls, dass die gesamten Angehörigen in der östlichen Türkei leben und meistens auch überleben konnten,

    ……und zweitens die Türkei mit Devisen vor einem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch bewahrt

    …….und drittens unliebsame Bevölkerungsteile „elegant abgeschoben“

    ——und last but not least, einem ausländischen Staat, nämlich der BRD Kosten aufgebürdet., die man schon unverschämt nennen kann

    Pragmatikerin

  6. Sinan A. sagt:

    Ich vermute Madame bezieht sich auf einen Artikel von Kelek in der FAZ. Darin werden genau diese Thesen genannt, die die Pragmatikerin hier auflistet. (Alle Thesen darin sind komplett haltlos.)

    1. ist es völlig weltfremd zu meinen, die Gastarbeiter hätten soviel übrig gehabt, um damit ganze Großfamilien in der Osttürkei am Leben zu erhalten. Rein logistisch schon…

    2. haben die Gastarbeiter damals alles akzeptiert, was ihnen vorgesetzt wurde, bei der Arbeit wie im Privaten. Was das in einer Marktwirtschaft bedeutet, noch dazu, wenn man die Sprache nicht versteht, brauche ich nicht näher zu erläutern.

    3. Richtig ist, dass die Gastarbeiter hier sehr schnell Familien und Existenzen aufgebaut haben und allein schon deshalb das Geld hier gebraucht wurde. Geschenke in die alte Heimat fanden überwiegend in Form von Sachgeschenken statt.

    4. war es mitnichten so, dass das Kroppzeuch nach Deutschland geschafft wurde. Im Gegenteil. Die Gastarbeiter waren wagemutig, hochmotiviert und leistungsbereit, eine Elite.

  7. Pragmatikerin sagt:

    @Sinan A.

    Man merkt, dass Sie die damaligen Verhältnisse, im Gegensatz zu mir, nicht selbst erlebt haben, sondern nur vom „Zeitungslesen“ oder vom Erzählen her kennen.

    1. warum sollte es „völlig weltfremd“ sein, dass die früheren Gastarbeiter soviel übrig hatten…. ? Ganz einfach, die Deutsche Mark war damals einer der stabilsten Währungen (selbst heute wird sie – immer noch – zurückgewünscht. Es war leicht für einen Gastarbeiter, bei einem Einkommen sagen wir mal von DM 1.000,– viel Geld nach „Ostanatolien“ zu schicken (fast freie Wohnung, Heizung, Strom, Gemeinschaftsverpflegung und ab und zu einen „süssen Tee“ in einer „türkischen Bar“ ), da ja fast keine Kosten anfielen.

    2. Diese Aussage kann ich bestätigen, was mich selbst immer entsetzt hat. Der Gerechtigkeit halber muss man aber auch sagen, dass viele Firmen – vor allem da wo schwere körperliche Arbeit verlangt wurde – den Gastarbeiter v o r Vertragsunterzeichnung auf die Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht haben. ( Es gab damals auch schon türkische Übersetzer 😉

    3. Da wiederspreche ich Ihnen heftigst. Es bestand – erst einmal – das Rotationssystem. Ein Gastarbeiter hatte die ersten Jahre sicher keine Möglichkeit sich zu verheiraten in Deutschland?! auch im „gelobten Land Deutschland wuchsen die Bräute nicht auf den Bäumen“ woher so schnell nehmen ohne zu stehlen. Erst nachdem Ende der 60iger Jahre das Rotationsprinzip – auf Wunsch der Wirtschaft – aufgegeben wurde und vor allem Anfang der 70iger Jahre der Anwerbestopp in Kraft trat, machten sich die – türkischen – Gastarbeiter daran, sich ihren Lebensmittelpunkt – mit Familie – in Deutschland aufzubauen.

    4. Von „Kroppzeuch“ welches nach Deutschland kam, haben Sie geschrieben, ich habe – wie könnte es anders sein – von Ostanatolen und Kurden geschrieben. Das waren doch damals (und sind es auch heute noch) die Sorgenkinder der Türkei?! Oder wollen Sie mir sagen, es kamen überwiegend Studierte aus der Westtürkei (Istanbul, Ankara)? Ein kleiner Teil war wohl auch dabei, lol.

    Unter Pkt. 1. haben Sie das Gegenargument vergessen, dass die Türkei – auch heute noch – auf die Devisen Ihrer Landsleute angewiesen war/ist, die in Deutschland arbeiten/arbeiteten. Ich wage die Behauptung, dass, wenn die Türkei keine Transferleistungen bekäme (Krankenversicherungen für Türken in der Türkei, Devisen und nicht vergessen, die vielen Deutschen Firmen, die den Betrieb „Türkei“ am Laufen halten), dann sähe es in der Türkei wirtschaftlich noch schlechter aus. Ich bin daher auch dafür, dass alle Türken (keine Deutsch-Türken), auch wenn sie in Deutschland studiert haben oder auch gut ausgebildet sind, wieder in Ihre Heimat zurückkehren sollten. Das demografische Problem sollten sie ganz einfach den Deutschen überlassen, es zu lösen 😉

    Un zum Schluss, ich würde es sehr begrüssen, dass Deutsche Firmen, die ihre ausländischen Gastarbeiter – aus welchen Gründen auch immer – behalten wollen, diesen auch bei Arbeitslosigkeit die entsprechende geldliche Unterstützung (wie z.B. Arbeitslosengeld) zahlen sollten. Was meinen Sie, wie viele Arbeitgeber das machen?

    Pragmatikerin

  8. Mika sagt:

    Ich weiß gar nicht, warum immer wieder eine Necla Kelek zitiert wird. Ihre Thesen wurden doch eindeutig widerlegt. Aber Objektivität ist wohl zuviel verlangt!
    Eine Necla Kelek ist – da zitiere ich einen Werner Felten – eine „Berufstürkin“. Sie verdient ihr Geld damit, einer bestimmten Gruppe von Ursprungsdeutschen um den Mund zu reden bzw. um sie herum zu schawenzeln…da ist es dann auch egal, ob ihre Thesen richtig oder falsch sind!

  9. Sinan A. sagt:

    Liebe Pragmatikerin,
    der Unterschied zwischen mir und Ihnen ist:
    Ich habe das alles selbst erlebt, fast von Anfang an. Nicht nur unsere Geschichte, sonderen auch die vieler Nachbarn und Freunde.

    Und Sie schauen zurück mit dem befremdlichen Blick einer Deutschen, die zwar wenig weiß, aber viel mutmaßt, in Gastarbeitern feindliche Horden sieht, und die jetzt ihren Lebensabend mit – im weitesten Sinne – Islamkritik verbringt.

    Auch wenn der Deutsche seine Lieblingsvokabel „Anatolien“ rauf und runter betet. Das macht es nicht richtiger, höchstens rein geographisch. Richtig ist, die Gastarbeiter kamen von überall, da waren alle Regionen und Ethnien vertreten. Meine Vorfahren gehörten der türkischen Minderheit in Griechenland an. Auch keine Seltenheit.

    Die Schätzung 1000 DM ist sehr optimistisch. Mein Vater verdiente am Anfang 60 DM in der Woche und bezahlte 75 DM Miete monatlich für das Zimmer im Wohnheim. Als die Löhne besser wurden, hatten die meisten längst Familie und Kinder hier. Der Geldtransfer in die Türkei war nur eine Randnote.

    Genauso läppisch ist der ewige Hinweis auf die „bildungsfernen Schichten“, als sei es ein Wert an sich, in einem Milieu des Feuilletons aufzuwachsen. Richtig ist, die Gastarbeiter waren völlig verschieden, alle Bevölkerungsgruppen waren vertreten. Was sie einte, sie waren beschäftigungslos und hatten den festen Willen, etwas zu erreichen. Sie waren fleissig, anständig und strebsam, also eine Elite.

  10. Pragmatikerin sagt:

    Guten Abend Sinan A.

    Sie schrieben u.a.:
    „……Und Sie schauen zurück mit dem befremdlichen Blick einer Deutschen, die zwar wenig weiß, aber viel mutmaßt, in Gastarbeitern feindliche Horden sieht, und die jetzt ihren Lebensabend mit – im weitesten Sinne – Islamkritik verbringt.“

    Na na na, ganz so weit ist es noch nicht mit meinem „Lebensabend“, ich habe vor, noch einige Zeit auf dieser immer verrückter werdenden Erde zu verbringen 😉 Ausserdem bin ich sicher nicht verbittert, es ärgert mich aber diese Lobhuddelei – hauptsächlich unserer Regierung – wie fleissig und unersetzbar damals die türkischen Gastarbeiter waren und dabei vergessen wird, dass dies die letzte Nation – neben den Spaniern, Griechen und Italienenr – war, die in Deutschland mitgeholfen haben, den Bedarf an Arbeitsmigranten aufzustocken.

    Sie und ich sind also Personen, die diese Zeit – von 1961 bis heute – hautnah erlebt haben, jeder auf seine eigene Weise, sie als Türke?! und ich als Deutsche. Dass es da wohl Unterschiede in der Wahrnehmung gibt, liegt in der Natur der Sache.

    Können wir uns darauf einigen, dass die erste Generation – und damit meine ich alle Gastarbeiter – gut gearbeit hat – und für ihre Arbeit auch gut bezahlt wurde?

    Können wir uns auch darauf einigen, dass die türkischen Gastarbeiter aber immer eine „extra Wurst“ gebraten bekommen wollte und bekam? Ich erinnere mich u.a. nicht, dass – ausser Moscheen – andere Gotteshäuser, egal für welche Religion gebaut wurden? Wichtig ist mir auch, das festgestellt wird, dass die türkischen Gastarbeiter – bis heute – im Gegensatz zu den anderen Nationen – Sonderwünsche haben? Ich meine, ich brauche jetzt alle Punkte nicht mehr durchzugehen, denn sie sind ja zur Genüge bekannt, oder?

    Ein kleiner Seitenhieb sei mir gestattet Herr Sinan A.. So wie viele Türken keine Deutsche Zeitung lesenund Deutsche TV Sendungen anschauen, so lese ich nicht die Hürriet, lol. Mir sind also wenige türkische Personen bekannt, welche sich für oder gegen die türkische Integration wenden. Von einer Frau Necla Kelek oder Ates habe ich zwar schon gehört, mein Wissen ziehe ich aber aus anderen Quellen. Wissen Sie auch warum? Türkische oder türkisch-deutsche Frauen haben sich – mit oder ohne Kopftuch – in manchen Deutschen Sendungen mitgeteilt; was sie sagten, hat meist meine Missbilligung gefunden.

    Ich möchte also abschliessend zu diesem Thema nur noch bemerken, dass die TürkenInnen der 1. Generation, welche ich persönlich kennengelernt habe (es sind einige) von den heutigen Nachkommen in Punkto Sympahtie für mich sehr weit abweichen.

    Sie sind eine – kleine – Ausnahme, denn Sie haben versucht, mein Verständnis auch für die türkischen Gastarbeiter zu wecken, das finde ich gut.

    Pratgmatikerin


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