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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen

„Wir sagen Danke. Teşekkür ederiz.“

Mit einem Festakt hat die baden-württembergische Landesregierung den 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens gefeiert. Ministerpräsident Kretschmann würdigte den bedeutenden Anteil der Menschen mit türkischen Wurzeln am Erfolg Baden-Württembergs.

Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Türke ein Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften. Mit einem Festakt hat die baden-württembergische Landesregierung dieses Jubiläum gestern im Neuen Schloss in Stuttgart gefeiert. Sie würdigte damit die Lebens- und Arbeitsleistung der ersten Einwanderer-Generation.

„Das vor 50 Jahren geschlossene, deutsch-türkische Anwerbeabkommen hat unsere Gesellschaft und Kultur jünger und bunter, unsere Wirtschaft und unseren Sport erfolgreicher und unseren interkulturellen und interreligiösen Dialog ernsthafter gemacht“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen), der zusammen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Nils Schmid (SPD) und der Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) die rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Neuen Schloss begrüßte. Für die Republik Türkei sprach Mustafa Türker Arı, türkischer Generalkonsul in Stuttgart.

Beitrag zum Wohlstand des Landes
Ministerpräsident Kretschmann würdigte insbesondere den bedeutenden Anteil der Menschen mit türkischen Wurzeln am Erfolg Baden-Württembergs: „Ich möchte mich hiermit bei den türkischen und deutsch-türkischen Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes ausdrücklich für den Beitrag bedanken, den sie zum Erfolg und Wohlstand unseres Landes geleistet haben. Es gibt kaum eine Statistik, in der Baden-Württemberg nicht mit an der Spitze steht. Dies verdanken wir auch ihrem Fleiß und ihrem Einsatz für unser Land und seine Wirtschaft.“

Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid erinnerte daran, dass die Menschen mit türkischer Herkunft längst nicht mehr aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben in Deutschland wegzudenken seien: „Wir wurden Kollegen und Freunde und haben, wie in meinem Fall, einander sogar geheiratet.“ Schmid weiter: „Als Unternehmer setzen türkische Zuwanderer in Deutschland 25 Milliarden Euro um, in Baden-Württemberg alleine 5 Milliarden Euro. Mit über 40.000 Beschäftigten schlagen sie wichtige Brücken in die Türkei. Dort besteht ein dynamischer Markt mit Wachstumschancen auch für unsere Wirtschaft.“

Baden-Württemberg wurde zur Heimat
Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) betonte: „Die vergangenen fünfzig Jahre sind Jahre großer individueller Leistung der zugewanderten Menschen. Sie haben sich hier eine neue Existenz aufgebaut, haben ihre Kinder großgezogen und Baden-Württemberg zu ihrer Heimat gemacht.“ Der Erfolg des Bundeslandes als eine der stärksten Wirtschaftsregionen in Europa sei untrennbar mit dieser Lebens- und Arbeitsleistung verbunden. „Für ihr Engagement danke ich den Einwanderern der ersten Generation. Sie haben meinen vollen Respekt“, so Öney.

Die grün-rote Landesregierung sei angetreten, den Wohlstand im Land zu sichern und zu mehren. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Technologisierung und Globalisierung sei es selbstverständlich, die Potenziale in der Gesellschaft noch besser einzubinden und zu nutzen. Das sei eine Herausforderung für Politik und Unternehmen gleichermaßen.

Fähigkeiten der Migranten sind unverzichtbar
In einem Bundesland, in dem jeder vierte Einwohner ausländische Wurzeln hat, seien gerade die Fähigkeiten und Fertigkeiten von Migrantinnen und Migranten unverzichtbar. Jedoch ist es auch in Baden-Württemberg so, dass Zuwanderer stärker von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind und Kinder aus Migrantenfamilien größere Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in den Beruf haben. „Die Landesregierung hat sich dem Bildungsaufbruch verschrieben. Bildungsgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit sind zentrale Ziele unserer Politik“, so Öney. Nur wer die Möglichkeit erhalte, sich in die Gesellschaft einzubringen, werde seinen Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen.

Über 430.000 Baden-Württemberger mit türkischen Migrationshintergrund
1961, im Jahr der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens lebten im Südwesten rund 3.000 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit. 50 Jahre später sind es 282.000 türkische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Ihr Anteil an allen Ausländern im Land beträgt 24 Prozent. Sie sind damit die größte ausländische Bevölkerungsgruppe. Einen türkischen Migrationshintergrund haben in Baden-Württemberg rund 430.000 Menschen. (etb)

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