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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Top Ten der Integration

So stellen sich junge Menschen Integrationspolitik vor

Menschenwürdiges Leben für Flüchtlinge, interkulturelle Öffnung des öffentlichen Dienstes, Steuervorteile für Unternehmen mit professionellem Diversity-Management. Das sind die ersten drei Punkte des „Jungen Forums“ für eine bessere Integrationspolitik

125 Teilnehmer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren des „Jungen Forum“ forderten auf einem Kongress in Berlin ein „menschenwürdiges Leben für Flüchtlinge in Deutschland“. Damit positionierten sie das Thema auf dem ersten Platz ihrer Liste „http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Kurzmeldungen/junges_forum_1.pdf?__blob=publicationFile“ target=“_blank“>Top Ten Handlungsempfehlungen für Integration von Morgen„.

Die Plätze zwei, drei und vier der Liste belegten die Forderungen: „Mehr Migranten im öffentlichen Dienst!“, „Steuervorteile für Unternehmen mit professionellem Diversity-Management“ und „Alle Bildungseinrichtungen interkulturell öffnen“.

Überhaupt spielte das Thema Bildung eine große Rolle für eine gelungene Integration. Neben einer bundesweiten Koordinierung von Mentoring-Programmen plädierten die Teilnehmer für eine bessere individuelle Förderung in Kita und Schule als auch für eine Kita-Pflicht.

Religiöse Neutralität des Staates gefordert
Angeregt wurde zudem eine bundesweite Vernetzung von Integrationsinitiativen auf einer Webplattform. Große Themen wie die weltanschauliche und religiöse Neutralität des Staates zu definieren sei, wurden mit einbezogen. Ebenso wie die Medien die Vielfalt im Land widerspiegeln und deshalb junge Journalisten mit Migrationshintergrund stärker zu fördern seien.

„Teilhabe und Bildung sind offenkundig der Schlüssel für die Akzeptanz der Demokratie“, analysiert Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. „Es ist Aufgabe der Politik, allen hier lebenden Menschen gleiche Chancen auf gute Bildung zu bieten und ihnen demokratische Beteiligung zu ermöglichen.“

Mehr Normalität im Umgang miteinander
Der Parlamentarische Staatssekretär Ole Schröder (CDU) nahm die Liste der Integrationsempfehlungen für das Bundesinnenministerium entgegen. Teilweise sah er Anknüpfungspunkte zu laufenden Projekten in Politik und Verwaltung und versprach: „Wir werden prüfen, wie die einzelnen Aspekte noch verbessert werden können“. Gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung war das Bundesministerium Veranstalter des Jungen Forums.

Die „Generation Zukunft“ würde mehr Normalität im Umgang miteinander begrüßen: „Wenn ein Rheinländer in Schwaben lebt, hat auch er einen Migrationshintergrund. Wenn man ihn fragt, woher kommst du eigentlich? ist das völlig normal. Das würde ich mir in der Integrationsdebatte auch wünschen, es wäre für das Wohlbefinden aller ein wichtiger Schritt“, so Nurdan Öz, eine Teilnehmerin aus Stuttgart. (etb)

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8 Kommentare
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  1. Sinan A. sagt:

    Normalität gehört ganz nach oben, zusammen mit guten Rahmenbedinungen für alle. Das sind die wichtigsten Punkte. Förderung ist in der Regel zweifelhaft, besonders wenn sie von Biodeutschen ausgeht. Der weiße Mann ist grundsätzlich wenig glaubwürdig.

    Ich weiß noch als ich unseren Kleinen den ersten Tag in den Kindergarten brachte. Einen gutbürgerlichen, also ein Ort, der eigentlich für ihn nicht vorgesehen ist, ohne speziellen Förderbereich. Wir hatten einen Termin, wir waren pünktlich und sahen auch nicht zum fürchten aus.

    Die Tür ging einen Spalt weit auf und eine Kindergärtnerin schaute heraus. (Typ: Akademikerin, belesen, zugezogen, Mann hat eine gut dotierte Stelle, und sie will nicht alleine zu Hause sitzen.) Ich stellte uns kurz vor und sagte, wir hätten einen Termin verabredet. Die Frau bat uns nicht herein, sondern glotzte uns nur verständnislos an und stellte Frage um Frage, obwohl sie selbstverständlich ahnte, dass wir uns nicht in der Tür geirrt hatten.

    Da kam zum Glück ihre Kollegin, eine Polin. (Typ: Vollprofi, sympathisch, intelligent, offen, Kindergärtnerin aus Berufung, von der Pike auf gelernt.) Sie sagte nur, Guten Morgen, kommen Sie rein. (Mehr interkulturelle Kompetenz braucht es nicht.) Als die Deutsche spürte, dass ihre Kollegin mit uns solidarisch war und nicht mit ihr, drehte sie sich wortlos um und stampfte davon. Damit war der Weg frei. Der Rest ging wie von selbst. Alles war plötzlich ganz einfach.

    So läuft das sehr oft in vielen Bereichen. Das Beispiel ist exemplarisch. Was eigentlich sinnbildlich gemeint ist, hier passierte es tatsächlich:

    Migranten (egal woher!) öffnen Türen,
    Deutsche halten sie fest verschlossen.

  2. Naja sagt:

    Zitat:
    Migranten (egal woher!) öffnen Türen,
    Deutsche halten sie fest verschlossen.

    Genau. Und schon ist natürlich alles gesagt, die Bio-Deutschen mal wieder. Der wenig vertrauenswürde „Weiße Mann“.

  3. Relbrandt sagt:

    Sinan, und daraus schliessen sie was genau? Dass die Polin die bessere Wahl für die Erziehung ihrer Kinder ist? Vielleicht schaut sich die Deutsche die Leute erstmal genauer an, als jeden hereinzubitten? Vielleicht ist die Deutsche am Wohl der Kinder interessiert, die Polin macht nur Dienst nach Vorschrift? Man kann alles so sehen, wie man will. Sie sehen nur: Deutsche schlecht, Ausländer gut.

    Wissen Sie, bei uns hier n Deuschland ist das so: es wird nicht jedem der rote Teppich ausgerollt, bei uns muss man sich erstmal beweisen. Das mag bei Ihnen anders sein. Und das ist das Problem. Wenn man Sie nicht hofiert, schmeichelt, Honig um den Mund schmiert, heisst es gleich: Rassist, Ausländerfeind, Islamhasser.

  4. Relbrandt sagt:

    „Als die Deutsche spürte, dass ihre Kollegin mit uns solidarisch war und nicht mit ihr, drehte sie sich wortlos um und stampfte davon. “

    Übrigens: ein Kindergarten, in dem zwischen den Angestellten Machtkämpfe toben, ist kein guter Kindergarten…

    Im Prinzip ist Ihr Posting Hetze. Es ist Deutschenhetze, und das ist verwerflich. Sie sind schlimmer als Sarrazin mit Aussagen wie:

    Migranten (egal woher!) öffnen Türen,
    Deutsche halten sie fest verschlossen.

  5. Europa sagt:

    @Sinan
    Also meine Erfahrung mit Polen, war eigentlich die, dass die Polen sehr viel hemmungsloser fremdenfeindlich sind. Warum? Weil sie keine Deutschen sind und das Naziargument fehlt.

    Migranten sind nicht automatisch Migrantenfreunde. Ganz im gegenteil: es gibt viele polnische Migranten die Türken auf den Tod nicht ausstehen können und sich auch fragen was die noch hier machen!

    Sie pauschalisieren genau wie Sarrazin! Vllt sind sie der türkische Sarrazin!? Also ein Sürrüzin!

  6. Der Kritiker sagt:

    Polin sind genau so weiß wie die Deutschen, sogar mehr. Es gibt keine schwarzen Türken, also Türken sind auch kaukasisch.

    Warum reden alle von ethnischem Rassismus?

  7. Soli sagt:

    ich denke Sinan hat sich‘ der Weihnachtszeit entsprechend, einfach eine nette kleine Geschichte ausgedacht. Ich würde dem nicht zu viel Beachtung widmen.
    Zum Thema – ich denke Flüchtlinge, womit; ich im übrigen KEINE Wirtschaftsflüchtlinge meine, haben hier ein sehr gutes Auskommen. Was stellen sich die Forenteilnehmer denn darunter sonst vor? Es gibt Unterkunft, medizinische Versorgung, Lebensmittel, Bargeld, Schule für die Kinder…. Was noch? Bitte unterscheiden sie Flüchtlinge und Migranten. Das ist nicht das selbe!
    Zudem finde ich nicht das jemand, nur weil er hier lebt, politisch mitbestimmen sollen dürfte. Das Recht auf Teilhabe sollte erarbeitet, und nicht verschenkt, werden. Jemand der zeigt was ihm an Deutschland liegt, der hier sich und seine Familie zuhause fühlt, ja. Jemand der hier wohnt, evtl. arbeitet, aber im Grunde sagt er wäre lieber in seinem Heimatland – Nein.

  8. Tai Fei sagt:

    Relbrandt sagt:
    13. Oktober 2011 um 11:17
    „Wissen Sie, bei uns hier n Deuschland ist das so: es wird nicht jedem der rote Teppich ausgerollt, bei uns muss man sich erstmal beweisen. “
    Blödsinn Kindergarten und Schulen müssen für eine öffentliche Finanzierungshilfe auch eine entsprechende Auslastungsquote vorweisen. Sofern man mit der KITA Termine vereinbart und dort pünktlich aufkreuzt erwarte ich zwar keinen „roten Teppich“ jedoch eine anständige Behandlung, KITA-Plätze werden heute ja auch nicht mehr verschenkt. Sinans Schlußfolgerungen mögen überzogen sein, solche o.ä. Erfahrungen hat meine Frau aber auch schon gemacht. Das ändert sich meist erst schlagartig, wenn ich mit in der Tür stehe.



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