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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

3. Oktober

Tag der Offenen Moschee – Mut zur Begegnung

Der Tag der Offenen Moschee ist seit 1997 eine gute Gelegenheit für Begegnungen. Muslime wie Nichtmuslime sind aufgefordert, Fragen zu stellen und sich kennenzulernen. Zeyneb Sayılgan erklärt, wieso das so wichtig ist.

VONZeyneb Sayılgan

 Tag der Offenen Moschee – Mut zur Begegnung
Islamwissenschaftlerin, promoviert derzeit im Bereich Christlich und Islamische Theologie an der Georgetown Universitaet in Washington DC. Als Dozentin leitet sie Seminare über Christlich-Islamischen Dialog, religiösen Pluralismus und Islam. Sie lebt und arbeitet als "Chaplain-in-Residence" auf dem Campus. Als waschechtes "Meenzer Mädche" ist sie in der Fassenachthochburg Mainz geboren bevor sie vor fünf Jahren in die USA zog. Nach ihrem Islamwissenschaft Studium in Mainz absolvierte sie einen zweiten Master im Bereich Christlich-Islamische Beziehungen am Hartford Seminary im Bundesstaat Connecticut. Ihre Eltern kamen als kurdische Gastarbeiter 1977 aus Ostanatolien nach Deutschland. Nach der Hauptschule gelang es ihr und ihren fünf Geschwistern, das Abitur zu erlangen und neben ihrem Studium als freie Journalistin bei HIT Radio FFH, SAT.1, und der Mainzer Rhein Zeitung zu arbeiten. Die Autorin ist aktiv im interreligiösen Dialog tätig und referiert an Kirchen, Schulen und anderen Einrichtungen.

DATUM30. September 2011

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RESSORTAktuell, Gesellschaft

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Traurig. 40 Prozent der Westdeutschen und nur 16 Prozent der Ostdeutschen haben lediglich einige Kontakte zu Muslimen. So hieß es zumindest nach einer repräsentativen Umfrage des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster, die in Zusammenarbeit mit dem EMNID-Institut Ende 2010 veröffentlicht wurde. Die Studie kam zum folgenden Schluss: „Die Deutschen sind viel intoleranter gegenüber dem Islam und anderen nicht-christlichen Religionen als ihre westeuropäischen Nachbarn.” Daraufhin startete Welt Online eine Umfrage unter ihren Lesern mit dem Ergebnis, dass unter 8.000 Lesern 54 Prozent (!) gar keinen Kontakt zu Muslimen haben.

Ein Jahr danach drängt sich mir der Verdacht auf, dass sich an diesem Umstand nicht viel geändert haben kann, denn das soziale Klima in Deutschland ist immer noch alles andere als islamfreundlich. Schuld sind natürlich wir alle: Ich, Du, Sie, Er – Alle. Nein! So kann es mit uns in Deutschland auf keinen Fall weitergehen. Solche Statistiken sind Gift für unser aller Zusammenleben, für unsere Nachbarschaft, für unsere Familien, unsere Kinder und für unsere Zukunft. Daher ist der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit eine willkommene Gelegenheit diesem Zustand zumindest teilweise den Garaus zu machen.

Denn der 3. Oktober ist seit 1997 auch ein wichtiger Tag der Begegnung – der Tag der offenen Moschee (TOM). 1997 vom Zentralrat der Muslime erstmals initiiert, wird TOM nun seit 2007 unter dem Schirm des Koordinationsrats der Muslime (KRM) und mit je einem neuen Motto organisiert. Dieser Tag gibt all denjenigen die Gelegenheit, die eine aufrichtige Begegnung mit ihren ca. 4 Millionen muslimischen Nachbarn suchen und Fragen stellen, Gedanken revidieren, korrigieren oder bestätigen zu lassen.

„Mit dem Motto „Muhammad – Prophet der Barmherzigkeit“ soll beim diesjährigen Tag der offenen Moschee der Prophet Muhammad als Vermittler der Botschaft Gottes und Vorbild für die Menschen in den Blickpunkt gerückt werden,“ heißt es auf der offiziellen Homepage, die auch Auskunft über die mehr als tausend teilnehmenden Moscheen in Ihrer Nähe gibt.

Also, für alle die sich schon ewig darüber wunderten, warum Muhammad mehrere Frauen heiratete oder ob er wirklich Interesse daran hatte, mit Schwert und Feuer das Abendland zu bekehren oder für alle, die einfach nur hören möchten weshalb dieser Mensch aus dem Arabien des 7. Jahrhunderts immer noch die Herzen von deutschen Muslimen im 21. Jahrhundert erreicht und inspiriert – denen sei dieser Besuch strengstens empfohlen.

Lehrer, die das Thema Weltreligionen auf ihrem Lehrplan haben, sollten solch einen Moscheebesuch unbedingt in ihren Lehrplan einbauen. Die persönliche Erfahrung und das Lernen mit allen sechs Sinnen sind für Schuler immens wichtig und tragen zu einem ganzheitlichen Lernen bei. Wie das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig unter dem Auftrag des deutschen Außenministeriums in jüngst präsentiert hat, tun Schulbücher ihr Übriges, um kulturellen Rassismus zu fördern und pauschal antimuslimische Vorurteile zu bedienen.

Muslimische Bürger sollten ihre Nachbarn auf dieses Moscheeprogramm aufmerksam machen und sie zum gemeinsamen Besuch einladen. Freunde sollten einander motivieren und der Moschee um die Ecke einen Besuch abstatten. Besonders in einer Zeit, in der sich Brandanschläge auf islamische Gebetshäuser anhäufen, erhält solch ein Akt der Bürgerverständigung starken Symbolcharakter. Zuletzt wurde am 22. September die Islamische Kulturgemeinde der Iraner in Berlin-Brandenburg Opfer eines Brandanschlags.

Auch wenn man sich mit seinem muslimischen Gesprächspartner über einige Überzeugungen nicht einig werden sollte, so hat zumindest eine angenehme persönliche Begegnung stattgefunden, die Respekt, Vertrauen und Achtung schaffen kann. Und so sehr die zu Beginn erwähnte Studie der Uni Münster in einem ein wenig Unmut hervorbringt, ist ihr Potenzial Hoffnung zu schaffen, dennoch weitaus größer, denn „die Soziologen fanden heraus, dass persönliche Kontakte zu Muslimen, sofern sie denn zustande kommen, in allen Ländern meist positiv bewertet werden. Etwa drei Viertel der Westdeutschen und zwei Drittel der Ostdeutschen berichten, sie hätten Begegnungen mit Muslimen als angenehm empfunden.“ Jeder ist also gefragt, Begegnungsfelder zu schaffen und diese zu nutzen. Und falls Sie es dieses Jahr am 3. Oktober nicht einrichten können, nicht vergessen: Die Moschee hat Besuchszeiten rund um die Uhr und jeder Gast ist immer herzlich willkommen!

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16 Kommentare
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  1. […] MiGAZIN hat einen schönen Artikel von Zeyneb Sayilgan zum Tag der Offenen Moschee Gefällt mir:LikeSei der […]

  2. Ritter sagt:

    Kein Wort davon, dass der „Tag der Offenen Moschee“ am 3.Oktober nur eine sehr untergeordnete Rolle an diesem historischen jährlichen Nationalfeiertag der Deutschen Nation spielt.

    Zuallererst ist der 3.Oktober der TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT.

    Leider kein Wort davon im Migazin. Seid ihr deutschfeindlich oder warum ist das so?

    Also wie gesagt, erst einmal ist der 3.Oktober der Tag der Deutschen Einheit. Den Tag der Offenen Moschee hätte man auf einen anderen Tag legen sollen, kein Wunder das er untergeht.
    Oder macht es wie die christlichen Kirchen:
    die haben JEDEN Tag „Tag der offenen Kirche“, jedermann kann in christlichen Kirchen ein- und ausgehen wann er will und auch die Pfarrer über alles befragen.

    Und was ist mit den 364 restlichen Tagen des Jahres? Sind das die Tage der geschlossenen Moschee?

  3. ZZieher sagt:

    Darf man als Nichtmoslem überhaupt einfach so in eine Moschee gehen und sich dort einfach so aufhalten?

  4. Europa sagt:

    @Ritter
    Ja!

  5. BiKer sagt:

    @ritter

    was ist das denn bitte fuer ein versuch. selbstverstaendlich haben die moscheen alle tage geoffnet. nur weil es einen tag der offenen tuer gibt, etwas gegenteiliges folgern ist an schwachsinn kaum zu ueberbieten. das besondere an solchen tagen ist doch lediglich, dass man sich auf die kommenden gaeste besonders vorbereitet, fuehrungen veranstaltet etc.

    und erstaunlicherweise ist ihnen der 3. oktober wichtig. umfragen zufolge geht dieser tag den meisten irgendwo vorbei. mal abgesehen davon ist der tag der offenen moschee ja kein feiertag. das wird auch von niemandem behauptet. insofern liegt auch keine konkurrenz vor. ich persoenlich finde den tag der deutschen einheit sogar seh passend fuer einen tag des dialogs.

    wenn sie ein problem damit haben, heulen sie sich doch beim naechsten imam um die ecke aus. da werden sie geholfen. er erwartet sie am 3. oktober.

  6. Anne sagt:

    ZZieher: im Gegensatz zu den meisten Kirchen, die ich kenne und die immer abgeschlossen sind, sind Moscheen grundsätzlich den ganzen Tag geöffnet. In Deutschland werden sie manchmal abgeschlossen, wenn niemand da ist, um Vandalismus vorzubeugen – insbesondere zwischen dem letzten Gebet des einen und dem ersten des nächsten Tages, also nachts.

    Der Tag der Offenen Moschee wurde u.a. eingeführt, um Schwellenängste abzubauen und für die, die an der Moschee interessiert sind, auch passende Gesprächspartner zur Verfügung zu stellen. Wenn man an gewöhnlichen Tagen in die Moschee geht, ist oft niemand da, der Fragen ohne weiteres beantworten kann – in der Kirche fragt man ja auch nicht die Oma, die grad eine Kerze ansteckt, nach allem Möglichen.
    Leider wurde das Angebot oft in der Form absichtlich missverstanden, dass NUR an diesem Tag Besuch willkommen sei – sehr schade.
    Ebenso wird am Datum gemäkelt. Das wurde aber, soweit ich mich erinnern kann, aus zwei Gründen ausgewählt: einmal, weil damit demonstriert werden sollte, dass auch die Muslime sich D zugehörig fühlen, also ein Teil der Einheit seien. Dann – welcher andere Feiertag hätte es denn sonst sein sollen? Es gibt außer dem 3.10. und dem 1.5. nur christliche Feiertage – was würde es wohl von den gleichen Leuten, denen der 3.10. nicht passt, für ein Geschrei kommen, wenn man den TOM auf einen christlichen Feiertag oder Sonntag gelegt hätte? Der 1.5. widerum schied wohl aus, weil gerade sehr viele der älteren Muslime auch gewerkschaftlich engagiert sind und das zu sehr kollidiert wäre.

    Den Text sollte ich mir irgendwo abspeichern. Ich scheine ihn jedes Jahr irgendwo zu schreiben^^

  7. König sagt:

    @Ritter

    Holla?? Was ist den mit dir los??? Unser Kindergarten um die Ecke hat auch am 3.Oktober Tag der offenen Tür – ich glaub wenn ich da hingehe und so einen Terz veranstalte wie du hier lachen die mich aus…

    Und eins noch: Jeder kann jederzeit in eine Mosche gehen und sie sich auch jederzeit ansehen – nur wird da nicht immer jemand sein der euch herumführt und euch erklärt was was ist und wofür… dafür gibt es Tage der offenen Tür – Das hier einige nicht wissen das jeder, jederzeit in einer Mosche willkommen ist ob Moslem, Christe, Jude oder sonstwas zeigt doch sehr gut wie wenig wir uns mit den Menschen beschäftigt haben sie unsere Autos bauen an unseren Fließbändern arbeiten und denen wir Tag Täglich in Supermärkten begegnen.

    Offenheit ist etwas schönes und auf Menschen zugehen auch! Ich bin schon vor Jahren auf meine türkischen Nachbarn zugegangen und uns verbindet inzwischen eine wunderbare Freundschaft.

    Denn Tag der offenen Mosche muss ich schon gar nicht mehr nutzen denn ich habe schon vor Jahren einen Privatvorführung bekommen – von einem guten Freund 🙂

  8. Relbrandt sagt:

    @Europa

    Ist das wirklich so? Darf man als Christ eine Moschee nicht so ohne weiteres betreten? Betreibt der Islam also auch hier wieder Separatismus? Eine Kirche hingegen kann jeder betreten, egal welcher Glaube. Ist das nicht eigenartig?

  9. Mathis sagt:

    Dass der Tag der Offenen Moschee ausgerechnet auf den Tag der Deutschen Einheit gelegt wurde, hat möglicherweise damit zu tun, dass die Initiatoren die gesellschaftliche Einheit von Migranten und deutschstämmigen Bürgern noch nicht realisiert sehen und diese mit einem solchen Tag ein wenig voran bringen möchten.Ich bin skeptisch,was die Wirkmächtigkeit solcher Aktionen betrifft.Gräben zwischen den gesellschaftlichen Gruppierungen schließen sich durch das tägliche Miteinander oder gar nicht.

  10. Cenki sagt:

    @Ritter

    Auch Ramazan Ertugrul ist das wichtig: „Wir bekennen uns klar zum Grundgesetz. Viele Menschen haben ein Bild vom Islam, dass durch Schreckensmeldungen in den Medien geprägt wird“, sagt er. „Deshalb ist es für uns sehr wichtig, an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir möchten allen zeigen, dass wir nichts zu verbergen haben und eine offene, freundliche Gemeinde sind, in der für Fundamentalismus und Hass kein Nährboden vorhanden ist.“

    Berührungsängste abbauen, sich bei den Mitmenschen vorstellen und Kontakte knüpfen, das sei es, was sich die Gemeinde von einem „Tag der offenen Moschee“ erhoffe. „Das bedeutet aber nicht, dass wir uns die restlichen 364 Tage im Jahr verstecken. Bei uns ist jeder Interessierte willkommen, egal ob Muslim oder Christ.“

    hier findest du einen Artikel aus einer Mainzer Gemeinde, so viel zum Thema „restliche Tage“.


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