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TV-Tipps des Tages

27.09.2011 – Ausländer, Schule, Integration, Oktoberfest, Migranten, Leitkultur

TV-Tipps des Tages sind: Flirt English – A Day Out; Projekt Rütli: Wege aus der Gewaltfalle. Thema: Eltern und Lehrer: Der Krieg? – Die Dokumentation untersucht anhand der Schulproblematik…; drehscheibe Deutschland: Zwischen Maß und Massen – unterwegs auf dem Oktoberfest – mit Babette Einstmann

Flirt English – A Day Out
Die Folgen ranken sich um die Liebesgeschichte von Can, einem Kölner Deutschtürken, der sich in eine junge Britin, Julie aus London, verliebt. Sie spricht kaum Deutsch. Can muss daher sein spärliches Schulenglisch hervorkramen. Zum Glück hilft ihm sein bester Freund Alex, auch wenn dessen Tipps in Sachen Flirten schon mal nach hinten losgehen. Langsam lernen die Jugendlichen nicht nur sich, sondern auch die jeweilige Sprache und Kultur besser kennen – jede Menge Missverständnisse inklusive. Damit es für das junge Liebespaar ein Happy End gibt, muss sich Julies resolute Freundin Nina einiges einfallen lassen.

Sie plant zum Beispiel eine Bollywood-Party. Die beiden Jungs müssen erleben wie schwierig es ist, in Köln englische Delikatessen einzukaufen. Gesprochen wird sowohl Deutsch als auch Englisch, je nachdem, wer mit wem spricht. So können auch Sprachanfänger der Geschichte gut folgen und ihren Wortschatz und ihr Grammatikwissen mit viel Witz und Romantik erweitern. 08:20-08:30 • WDR

drehscheibe Deutschland
Magazin (Regionalinformation – Landes- und Kommunalpolitik, Regionalthemen)– Zwischen Maß und Massen – unterwegs auf dem Oktoberfest – mit Babette Einstmann

Babette Einstmann nimmt die Zuschauer mit auf das größte Volksfest der Welt. Millionen Besucher aus dem In- und Ausland wollen sich das Massen-Spektakel in München auch in diesem Jahr nicht entgehen lassen. „drehscheibe Deutschland“ macht sich auf zu einer außergewöhnlichen Tour vor und hinter den Kulissen und berichtet über den ganz normalen Wiesn-Wahnsinn. Was steckt hinter dem kollektiven Partyglück in Dirndl und Lederhose, und wo ist die Kehrseite der Riesen-Gaudi? 12:15-13:00 • ZDF

Projekt Rütli: Wege aus der Gewaltfalle
Thema: Eltern und Lehrer: Der Krieg? – Die Dokumentation untersucht anhand der Schulproblematik die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen für seine Integration, dem Prinzip der „Leitkultur“ und der Abgrenzung von privatem und öffentlichem Raum.

Der aufsehenerregende Fall der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln dient dem Film als Ausgangspunkt, um die Frage der Gewalt an Schulen zu untersuchen. Am 28.02.2006 schrieb die kommissarische Leiterin der Schule einen von der Gesamtkonferenz verabschiedeten Brief an die zuständige Schulrätin in Neukölln, in dem sie die Zustände an ihrer Einrichtung unumwunden darlegte: Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft der Schüler gegenüber den Lehrern, Sachbeschädigungen und Integrationsprobleme von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (34,9 Prozent arabisch, 26,1 türkisch, bei einem Gesamtanteil der Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft von 83,2 Prozent), die sich in dieser Hauptschule gesellschaftlich ausgegrenzt fühlen und keine Entwicklungschancen für sich erkennen. Die Eltern nehmen die Termine nicht war, Telefonate von Lehrern mit Eltern scheitern an deren mangelnden Sprachkenntnissen, oder die Eltern werden aggressiv gegen die Lehrer.

Dieser Brandbrief wurde als Signal für die ungelösten Probleme des deutschen Schulsystems wahrgenommen und löste eine breite politische Debatte aus. Darin ging es um die Frage, welche Verantwortung der Einzelne für seine Integration trägt und welche Rolle den Institutionen zukommt. Zum ersten Mal wurde offen vom Scheitern des multikulturellen Ansatzes gesprochen. Wie steht es in der Praxis mit dem Prinzip der „Leitkultur“, sind die strengen Einbürgerungstests sinnvoll, und woher kommt der erschwerte Zugang von Personen mit Migrationshintergrund zu leitenden Positionen in Politik, Wirtschaft und Medien? Dahinter verbirgt sich auch die Frage der Abgrenzung beziehungsweise Durchdringung von privatem und öffentlichem Raum: Bis zu welchem Punkt muss sich die Schule den Eltern anpassen, und in welchem Maße müssen sich Eltern und Schüler an einem Modell ausrichten?

Hintergrundinformationen:
Der Statistik zufolge wurden 2009 in Frankreich 35 Prozent der Aggressionen gegen Lehrer nicht von Schülern begangen, sondern von deren Eltern. Auch prozessieren immer mehr Eltern gegen Lehrkräfte. In Deutschland ist bei dieser Art von Prozessen innerhalb von zehn Jahren ein Anstieg um 300 Prozent zu verzeichnen. Was ist mit den Eltern los? Zu Beginn des neuen Schuljahres untersucht ARTE mit einem Themenabend den wachsenden Vertrauensverlust zwischen Schule und Elternhaus.

Früher war das Verhältnis zwischen Lehrern und Eltern von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt, doch damit scheint es vorbei zu sein. Immer häufiger kommt es zu aggressiven Ausschreitungen oder juristischen Schritten von Eltern gegen Lehrer.

Aufgrund der Wirtschaftskrise und der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt machen sich viele Eltern große Sorgen um die Konkurrenzfähigkeit ihrer Kinder. Oft ist es der einfachste Weg für sie, die Verantwortung für Schwierigkeiten oder Misserfolge des Kindes bei den Lehrern zu suchen und schulische Bewertungssysteme infrage zu stellen. So wird das Kind zum Symptom der elterlichen Ängste.

Andererseits zeichnet sich hinter diesen Konfrontationen ein echter, umfassender Meinungsstreit ab, in dem es um die Frage der Autorität geht. Noch in der vorangegangenen Generation fühlte sich der Lehrer legitimiert, einen Schüler zu bestrafen. Jetzt muss er sich vor den Eltern und/oder seiner Behörde für die kleinste schulische Strafmaßnahme rechtfertigen. Angesichts der krisenhaften Entwicklung des Lehrer-Eltern-Verhältnisses in Deutschland und Frankreich müssen beide Seiten erkennen, dass eine Lösung nur über die Neudefinition ihrer sozialen Rollen zu finden ist. Diese Problematik untersucht der Themenabend zu Beginn des neuen Schuljahres. 21:10-21:35 • arte