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Wahlprüfsteine 7/8

Islam und Islamuterricht – Standpunkte Berliner Parteien vor den Wahlen 2011

Wie sind die Standpunkte der Berliner Parteien zu Ausländerrechtlichen und Integrationsthemen? In einem Achtteiler präsentiert das MiGAZIN die Wahlprüfsteine. Heute: Islam und Islamuterricht.

Forderung: In Berlin ist eine islamische theologische Fakultät an einer Universität einzurichten.

Begründung: In Berlin leben über 270.000 Muslime, die ein Anrecht auf religiöse Unterweisung haben wie die evangelischen und katholischen Kinder. Zur Zeit finden islamischer und alevitischer Religionsunterricht statt. Die Lehrkräfte, die hierfür benötigt werden, sollten in Deutschland ausgebildet werden.

SPD
Die Vielfalt der Religionen in dieser Stadt spiegelt sich auch in dem Bedürfnis nach Religionsunterricht an den Berliner Schulen wider. Die Vermittlung von Kenntnissen über Religionen darf nicht losgelöst von den sich aus dem Grundgesetz ergebenden Werten erfolgen. Daher treten wir für die Schaffung eines Lehrstuhls für islamische Theologie zur Ausbildung muslimischer Religionslehrer ein.

CDU
Die Berliner CDU hat bereits in ihrem Wahlprogramm 2006 und die CDUFraktion im Abgeordnetenhaus in Parlamentsanträgen (15/5032 und 16/0295) gefordert, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass islamische Religionslehrer und Geistliche an Berliner Universitäten ausgebildet werden können. Mittlerweile gibt es dazu den 4. Zwischenbericht des Senats, ohne dass sich auf diesem Gebiet praktisch etwas getan hätte. Diese Situation ist inakzeptabel, denn eigentlich müsste Berlin in dieser Frage eine Vorreiterrolle übernehmen. Die CDU wird weiterhin die akademisch fundierte Fortentwicklung zu einem aufgeklärten, toleranten Islam unterstützen, der die gesellschaftlichen Realitäten in Europa akzeptiert und aufnimmt.

Die Linke
DIE LINKE steht der Einrichtung eines Lehrstuhls für Islamische Theologie grundsätzlich positiv gegenüber. Die Vielfalt der Fächer und Studienbereiche macht einen Reiz des Hochschulstandortes Berlin aus. DIE LINKE wird sich auch weiterhin dafür einsetzten, dass es einen solchen Lehrstuhl geben wird, wie sie sich ebenfalls für den Erhalt und die Stärkung der Islamwissenschaft in Berlin einsetzten wird.

Berlin-Wahlen 2011: Ich wähle ...
    SPD (33%)
    Die Grünen (27%)
    DIE LINKE (19%)
    CDU (16%)
    FDP (5%)
     
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    Die Grüne
    Bündnis 90/Die Grünen setzt sich für die Einrichtung eines Lehrstuhls für islamische Theologie an einer Berliner Hochschule zur Ausbildung von ReligionslehrerInnen für Berliner Schulen ein. Wir brauchen mehr Lehrkräfte für einen aufgeklärten islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache. Die Weiterentwicklung der Curricula für islamischen Religionsunterricht wollen wir mit VertreterInnen der muslimischen Glaubensgemeinschaften in Berlin gemeinsam gestalten. Das eigenständige, religiös und weltanschaulich neutrale Pflichtfach Ethik, in dem sich die SchülerInnen mit Werte und Sinnfragen auseinandersetzen können und ein breites Grundwissen über Religionen und Weltanschauungen vermittelt bekommen, sehen wir aufgrund der zunehmend multikulturellen und multireligiösen Bevölkerung Berlins als einen richtigen Schritt. Islamischen Religionsunterricht soll es gemäß einer Gleichbehandlung solange geben, wie es auch christlichen Religionsunterricht gibt.

    FDP
    Um für mehr Einsicht in die Notwendigkeit eigener Integrationsanstrengungen sowie mehr Akzeptanz für das deutsche Gesellschaftssystem und die deutsche Lebensweise zu sorgen, ist es notwendig, auch die Multiplikatoren in den einzelnen migrantischen Gemeinden Einfluss zu sensibilisieren. Bisher kommen die Imame in den einzelnen islamischen Gemeinden regelmäßig aus der Türkei oder arabischen Ländern mit keinerlei oder geringer Kenntnis bzw. Akzeptanz der hiesigen Rechts und Werteordnung. Folgende Maßnahmen sind daher zu prüfen:

    Forderung: Das Land Berlin bietet einen Islamkunde-Unterricht an.

    Begründung: Neben den bestehenden Angeboten einiger Verbände sehen wir es als sinnvoll, für säkulare Muslime, die ihre Kinder nicht in die bestehenden Angebote schicken, auch ein Angebot anzubieten.

    SPD
    Das Land Berlin kann aus rechtlichen Gründen selbst keinen Islamkunde oder anderen Religionsunterricht anbieten. Zur Stärkung des gemeinsamen Wertefundaments in einer multireligiösen Stadt hat der SPDgeführte Senat 2007 den gemeinsamen Ethikunterricht ab der 7. Klasse verbindlich eingeführt. An der Gestaltung des Unterrichts können sich die Kirchen, Religions und Weltanschauungsgemeinschaften aktiv beteiligen. Aus Sicht der Berliner SPD ist es der richtige Weg, den gemeinsamen Werteunterricht aller Schülerinnen und Schüler durch solche wichtigen Beiträge zu bereichern.

    CDU
    Ein Islamunterricht in der Schule unter staatlicher Aufsicht und in deutscher Sprache hat viele prominente Befürworter in der CDU. So ist die Bundesbildungsministerin der Auffassung, dass es an der Zeit ist, den Modellversuchen nun ein breites Angebot folgen zu lassen. Und der Bundesinnenminister äußerte kürzlich auf einer Konferenz in Nürnberg, dass er die Länder dabei unterstützen wolle. Abgesehen von der positiven Grundhaltung auch der Berliner CDU zu diesem Anliegen (s. Integrationsprogramm) sind noch viele Umsetzungsfragen offen sowie rechtliche, inhaltliche und organisatorische Probleme zu klären.

    Die Linke
    DIE LINKE hat Verständnis für diese Forderung und ihre Begründung, allerdings kann sie sich ihr nicht in dieser Form anschließen. Seit dem Schuljahr 2006/2007 gibt es in Berlin das Unterrichtsfach Ethik. Von der 7. bis zur 10. Klasse verbindlich, bietet der EthikUnterricht Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher nationaler, ethnischer und kultureller Herkunft, verschiedener Glaubensrichtungen und Weltanschauungen Raum, die Lebensweisen und – vorstellungen des jeweils anderen kennen zu lernen und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Der Ethikunterricht sensibilisiert sie für Gemeinsames, aber auch für Unterschiede. Hier lernen sie, das Fremde nachzuvollziehen, sich miteinander zu verständigen und Konflikte friedlich zu lösen. Im EthikUnterricht werden auch die verschiedenen Weltreligionen behandelt. In einer multikulturellen Stadt wie Berlin nimmt gerade auch der Islam eine wichtige Stellung in diesem Unterricht ein. So wird gewährleistet, dass ggf. bestehende Vorurteile abgebaut werden und die Schülerinnen und Schüler sich gemeinsam mit der Lehrkraft über den Islam und seine Parallelen wie auch Unterschiede zu den anderen Weltreligionen austauschen. Insoweit ist die Islamkunde ein Bestandteil des Faches Ethik. Im Zuge der stetigen Evaluation und Qualifizierung des Faches sollte natürlich überprüft werden, ob der islamkundliche Anteil am Ethikunterricht den in das Fach gesetzten Erwartungen entspricht. Gegebenenfalls kann dann nachgesteuert werden. Hier ist die Politik auch auf die Hinweise von Eltern, Lehrern und Schülern angewiesen.

    Die Grüne
    s.o.

    FDP
    Sinnvoll mit staatlich ausgebildeten Religionslehrern, die den islamischen Glauben eingebettet in den Rahmen der westeuropäischen Rechts und Werteordnung vermitteln.

    Lesen Sie morgen die Standpunkte der Parteien zur „Flüchtlingspolitik“.