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Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

TV-Tipps des Tages

04.09.2011 – Religion, Islam, 11 September, Terror, Martin Luther King

TV-Tipps des Tages sind: Gott im Grandhotel; Gesichter des Islam: Männer und Frauen; Cosmo TV Reportage: Hart und herzlich – Eine türkische Lehrerin gibt nicht auf; Die Falle 9/11 – Ein Tag, der die Welt veränderte; Im Fadenkreuz der Attentäter: Martin Luther King

VONÜmit Küçük

DATUM4. September 2011

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Gott im Grandhotel
24 Stunden begleitet der Film den religiösen Alltag im Frankfurter Westin Grand Hotel und nirgendwo, so scheint es, leben die unterschiedlichen Glaubensrichtungen friedlicher unter einem Dach als unter dem eines Luxushotels.

Es herrscht fast das ganze Jahr Hochsaison: Mal strömen die Touristen, mal die Banker und Wirtschaftsbosse in die Mainmetropole Frankfurt. Sind sie betucht, so betten sie ihre Häupter nicht irgendwo, sondern in einem der Luxushotels der Stadt zur Nacht. Und ob sie an Jesus Christus glauben, zu Allah beten oder allein auf sich selbst vertrauen, als Gast im Grandhotel wird ihnen jeder noch so fromme Wunsch von den Augen abgelesen. Gebetsteppiche sind vorrätig wie die Bibel und wünscht der noble Gast ausschließlich „halal“ zu essen, so wird dem ebenso selbstverständlich entsprochen wie einem anderen Gast sein koscheres Mal kredenzt wird. Der Gast ist König im Grandhotel und dessen Religion(en) so heilig wie sein Geld.

Doch woher weiß die Küchenbrigade, was für einen Moslem „haram“ ist, d. h. tabu oder was während des Ramadans gegessen werden darf? Wie erfährt der Page, was er gegenüber einem buddhistischen Gast tunlichst vermeiden sollte?

Die Reportage gewährt einen Blick in den Alltag eines Luxushotels. Sie erzählt davon, wie ein Moslem zum Chefbarkeeper wurde, wie der Geist des Raki den Hindu beflügelt und wie das katholische Zimmermädchen das Herz des muslimischen Pagen erobert, aber auch wie betuchte Gäste edel fasten. 08:00-08:30 • MDR Sachsen, MDR Sachsen-Anhalt, MDR Thüringen

Gesichter des Islam
Die Dokumentation zeigt Musliminnen und Muslime in Marokko, Deutschland und Saudi-Arabien. In der Königsstadt Fes erleben wir eine traditionelle Hochzeit und die Ehe als nach wie vor verpflichtende islamische Lebensweise.

Beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschland diskutieren junge Leute im hessischen Bad Orb Fragen von Beziehung und Religion. In Fes erleben wir die junge Designerin Faouzia Anafi als Chefin von sechs Männern und als gehorsame Tochter, während unweit der 1000 Jahre alten Moschee die HipHopper der Gruppe F’assi – gläubige und in ihre Familien integrierte junge Leute – ihre Beats durch die Gassen schallen lassen.

In einem Haus für ledige Mütter in Casablanca zeigt sich die harte Seite der Lebensrealität muslimischer Frauen. Zerah Yilmaz, Leiterin der Begegnungsstätte der neuen Moschee in Duisburg-Marxloh, verblüfft mit offenen Worten, während junge in Saudi-Arabien mit dem Segen des Königs in einen ersten Dialog treten. 11:30-12:15 • NDR Hamburg, NDR Mecklenburg-Vorpommern, NDR Niedersachsen, NDR Schleswig-Holstein

Cosmo TV Reportage
Dokumentation – Ein Film von Nicole Rosenbach – Für viele ihrer Schülerinnen und Schüler ist sie „eine von uns“, aber für fundamentalistische Familien ist die weltoffene türkische Lehrerin eine Reizfigur: Betül Durmaz (40), geboren in Istanbul, aufgewachsen im Ruhrgebiet, unterrichtet an der Malteser-Förderschule in Gelsenkirchen und kämpft hier täglich den fast aussichtslosen Kampf um Integration und Chancengleichheit. 70 Prozent der Kinder an ihrer Schule haben ausländische Wurzeln. Aber von den 30 Lehrern ihrer Schule ist sie die Einzige, die selbst eine Zuwanderungsgeschichte hat.

Betül Durmaz hat viel Herz für ihre Schützlinge, die aus der Türkei, dem Libanon und dem Kosovo stammen. Sie lernt auf Hausbesuchen die Welt kennen, in der ihre Schüler groß werden. Die Lehrerin mit deutschem Pass und türkischer Herkunft macht die Erfahrung, dass gute schulische Leistungen oft als nicht so wichtig angesehen werden und sich zu viele Familien einfach nicht helfen lassen wollen. Die Verlierer sind dabei immer die Kinder.

„80 Prozent meines Lehrerseins ist Sozialarbeit“, so Betül Durmaz. Dabei sieht sie sich als Vermittlerin und scheut keine Elterngespräche, wenn es mal wieder darum geht, dass eine Schülerin ständig im Unterricht fehlt oder der Sohn auf dem Schulhof prügelt. Die Lehrerin setzt sich ein, so oft sie kann, motiviert, schlichtet in Auseinandersetzungen zwischen den Schülern. Und erzielt – gemeinsam mit ihren Kollegen – immer wieder kleine Erfolge, die ihr neue Kraft geben.

Weil sie den Spagat zwischen den Kulturen kennt, möchte sie den Schülern mit ihrer eigenen Biografie Mut machen. Deshalb ist sie – vor allem bei den muslimischen Mädchen – sehr beliebt. Sie stärkt das Selbstbewusstsein ihrer Schülerinnen im Sport und in vielen Diskussionen über das Rollenbild in einer von Traditionen geprägten Familie. Und trotzdem muss sie zusehen, wie gute Schülerinnen mit konkreten Berufswünschen direkt nach der Schule innerhalb der Großfamilie heiraten. Eine Ausbildung oder gar eigene Berufstätigkeit stehen dann nicht mehr zur Debatte. Stattdessen bekommen die jungen Frauen früh Kinder und werden abhängig vom Familienclan.

Der Einsatz für eine bessere Integration ihrer Schüler und gegen eine Parallelwelt mit eigenen Gesetzen kann nur von wenigen so direkt und leidenschaftlich geführt werden wie von Betül Durmaz. Selbst wenn ihr Alltag nervenaufreibend ist und ihre Perspektive oft aussichtslos erscheint – die türkische Lehrerin gibt nicht auf. 16:00-16:30 • WDR

Die Falle 9/11 – Ein Tag, der die Welt veränderte
Dokumentation von Stefan Aust und Detlev Konnerth – Am frühen Morgen des 1. Mai 2011 endete in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabat ein amerikanisches Trauma. US-Spezialeinheiten spürten den meistgesuchten Mann der Welt auf und töteten ihn: Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden. Damit endete die zehnjährige Jagd nach jenem Mann, der die größte Militärmacht der Welt herausgefordert hatte. Der Krieg gegen den Terror aber geht auch nach Bin Ladens Tod weiter, in Afghanistan, im Irak und anderswo.

Bin Laden war der Drahtzieher eines Terroranschlags, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte: Im Abstand von 17 Minuten flogen am 11. September 2001 zwei Linienjets erst in den einen, dann in den anderen Turm des World Trade Center in New York. Eine weitere Maschine stürzte in das Pentagon in der Nähe der US-Hauptstadt Washington. Mehr als 3000 Menschen starben.

Zehn Jahre danach untersuchen Stefan Aust und Detlev Konnerth in ihrer Dokumentation „Die Falle 9/11“, was nach dem 11. September 2001 geschah und wie dieser Anschlag die Welt veränderte. Sie sprachen mit den verantwortlichen Politikern und Militärs, darunter mit Altbundeskanzler Gerhard Schröder und dem früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, filmten unter anderem in den USA, in Pakistan und in Afghanistan, wo sie Soldaten der Bundeswehr und der US-Truppen begleiteten. Das Fazit der Autoren: Osama Bin Laden hat die westlichen Demokratien in eine Falle gelockt, in die Afghanistan-Falle. „Al Qaida verfolgt das Ziel, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in blutige Kriege zu verwickeln, um sie dazu zu zwingen, den Nahen Osten und die ganze islamische Welt zu verlassen und damit Platz zu schaffen für den Gottesstaat“, erklärt der Nahost-Experte Bruce Riedel, der den US-Präsidenten Clinton, Bush und Obama als Berater diente, im Interview mit Stefan Aust.

19 zu allem entschlossene Gotteskrieger, bewaffnet lediglich mit vier Teppichmessern, hatten es geschafft, die Weltordnung zu verändern und den ersten Weltkrieg im 21. Jahrhundert auszulösen. Einen Krieg, in den sich die westlichen Nationen in den vergangenen zehn Jahren mehr und mehr verstrickten. Damit war die Strategie der Terroristen aufgegangen. „Freiheit und Menschenrechte sind in Amerika dem Untergang geweiht“, hatte Bin Laden schon im Oktober 2001 erklärt. „Die US-Regierung wird das amerikanische Volk und den Westen in eine unerträgliche Hölle treiben.“ Der frühere Koordinator für Nationale Sicherheit und Anti-Terrorismus-Berater, Richard A. Clarke, gibt im Interview mit Aust detaillierte Einblicke, wie die US-Politik schon früh den irakischen Diktator Saddam Hussein ins Visier nahm. „Bush schaute mir direkt in die Augen, fuchtelte mit seinen Händen herum und rief: ‚Al-Qaida-Irak, Al-Qaida-Irak´“, berichtet Clarke von einem Treffen mit dem US-Präsidenten am Tag nach den Anschlägen. „Es war klar, dass er einen Beweis forderte, dass der Irak mit dem 11. September zu tun hatte. Ich war nicht bereit, ihm diesen zu liefern, denn es gab keinen.“

Der 11. September war der Auftakt für eine globale Welle blutiger Bombenanschläge, der Auslöser für einen Feldzug der USA und ihrer Verbündeten gegen den islamistischen Terror. Mit ihm kamen das Gefangenenlager Guantanamo und der Folterskandal von Abu Ghraib – Symbole für das „hässliche Amerika“ und damit für die Aufgabe der eigenen Werte. Mehr als 7000 Soldaten der Koalition sind bisher in Afghanistan und Irak gefallen, darunter 52 Bundeswehr-Soldaten. Und nicht nur die Angehörigen, sondern auch viele Soldaten fragen sich: Wofür sind sie gestorben?

Die Dokumentation von Stefan Aust und Detlev Konnerth schildert die Ereignisse dieses blutigen Jahrzehnts. Es geht um einen Krieg zwischen ungleichen Gegnern, um die Frage, wie sich westliche Demokratien gegen den Angriff radikaler Gotteskrieger zur Wehr setzen. Es geht um die Frage, ob dieser Krieg mit militärischen und demokratisch legitimierten Mitteln überhaupt zu führen ist – und zu welchem Preis? Nicht zuletzt geht es um die Motivation der Handelnden: Was wollte Osama bin Laden wirklich? Welche Interessen hatten George W. Bush, Donald Rumsfeld und Richard Cheney? Was war die Position der deutschen Politik – und wie hat sie sich im Laufe des letzten Jahrzehnts verändert? 21:55-23:25 • Das Erste (ARD)

Im Fadenkreuz der Attentäter
Am Abend des 4. April 1968 wurde Martin Luther King auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis, Tennessee erschossen. Die genauen Umstände der Tat sind bis heute ungeklärt.

Ob der Meuchelmord an John F. Kennedy oder das Attentat auf Mahatma Gandhi, in dieser Dokumentationsserie erfährt der Zuschauer alles über die Mörder und die Gründe ihrer Tat. Viele Attentate geben bis heute Rätsel auf. Durch den Einsatz einmaligen Bildmaterials und anschaulicher Rekonstruktionen, betrachtet jede Episode ein anderes Attentat und beleuchtet es ganz genau. In dieser Serie werden zum Teil nicht bekannte Umstände aufgedeckt und viele Fälle aus einer neuen Warte betrachtet. Es kommt Licht in so manche dunkle Geschichte.

1968, im Zenit der Kämpfe um die Bürgerrechtsbewegung, kam der Baptistenpastor in die Stadt Memphis im US-Bundestaat Tennessee. King hatte sich in dieser Zeit schon teilweise von den rechtlichen Fragen der Diskriminierung abgewendet und sich mehr den sozialen Problemen und der weitverbreiteten schwarzen Armut angenommen. Am 1. Februar 1968 starben während eines schweren Unwetters zwei schwarze Angestellte der Müllabfuhr, als sich der Pressmechanismus eines Müllwagens von alleine in Gang setzte. Am gleichen Tag wurden wegen des Unwetters 22 schwarze Arbeiter ohne Bezahlung nach Hause geschickt, während ihre weißen Vorgesetzten ebenfalls arbeitsfrei erhielten, allerdings mit Lohnausgleich. Zwei Wochen später begannen 1.100 von insgesamt 1.300 schwarzen Angestellten der öffentlichen Reinigung einen Streik für bessere Arbeitsbedingungen.

Am 18. März, während der Streik immer noch andauerte, kam King in die Stadt und sprach auf mehreren Veranstaltungen. Am 28. März fand eine große Demonstration statt. Diese endete allerdings in Gewalt, als vor allem College-Studenten ihre mitgebrachten Schilder nutzten, um damit die Schaufensterscheiben von Geschäften einzuschlagen. Die Stadt erwirkte ein gerichtliches Verbot für King, Memphis zu betreten.

Die „Southern Christian Leadership Conference“ verhandelte mit den Verantwortlichen, um eine Demonstration am 5. April möglich zu machen. King kehrte in die Stadt zurück. Am 4. April einigten sich die Beteiligten auf einen Protestmarsch am 8. April. Am Abend des 4. April 1968 wurde auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen. 02:50-03:15 • PHOENIX

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