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Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Zahnräder Netzwerk

Netzwerke für Soziale Nachhaltigkeit

Netzwerke institutionalisieren den Austausch. Sie ermutigen und ermöglichen und können so einen Beitrag zu einer lebenswerten, chancengerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft leisten. Für den Einzelnen ist hierbei wichtig, sich fortwährend zu fragen: Wie kann ich meinem Gegenüber helfen? Und: Wie kann mein Gegenüber meinem Netzwerk helfen?

VONAli Gümüşay

 Netzwerke für Soziale Nachhaltigkeit
Ali Gümüsay, University of Oxford, forscht u.a. zu Wissenstransfer, Innovation und Entrepreneurship. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group. Gümüsay ist Mitglied im think tank 30 des Club of Rome und Vorsitzender des Zahnräder Netzwerks.

DATUM29. August 2011

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RESSORTAktuell, Meinung

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Onkel Doktor
Menschen aus sogenannten bildungsfernen oder sozialschwachen Familien mangelt es häufig am Onkel Doktor. Der „Onkel Doktor“ steht hierbei für eine weise Person, die einem auf dem Lebensweg mit Rat und Tat zur Seite steht. Sei es in Schule, Universität oder Beruf und Karriere. Hier können Netzwerke zum Einsatz kommen: Sie können diesen fehlenden Onkel substituieren und als eine Art Subsidiaritätssystem gegenseitiger Unterstützung fungieren und so soziale Nachhaltigkeit fördern.

Multiplikation statt Addition
Die sozio-ökonomische Herkunft sollte in einer meritokratischen Gesellschaft ebenso wenig eine Rolle spielen wie ein Migrationshinter- oder Migrationsvordergrund. Nur weichen gewünschter Soll- und tatsächlicher Ist-Zustand weit voneinander ab. Noch immer ist Bildungs- und beruflicher Erfolg zu einem hohen Maße vom sozialen Hintergrund abhängig. Diese Diskrepanz ist nicht sozial nachhaltig. Das Drei-Säulen Modell der Nachhaltigkeit umfasst neben ökonomischer und ökologischer die soziale Nachhaltigkeit. Soziale Nachhaltigkeit ist eine gemeinsame gemeinschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung. Sie führt durch ein plurales Mitwirken an der Gestaltung unserer Umwelt hin zu einer lebenswerten, chancengerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft.

Das Bewusstwerden einer Mentalität des Austausches fördert die Kultur des Zusammenwirkens. Durch dieses Verständnis eines bewussten „Miteinander Füreinander“, kann mit gegebenen Mitteln mehr erreicht werden. Drei und drei sind addiert einfach nur sechs. Multipliziert ergeben sie aber neun. Wir sind nicht Summanden sondern Faktoren bzw. Multiplikatoren. Mit diesem Bewusstsein –einem bewussten Sein – lassen sich vorhandene Kräfte besser nutzen.

Einheit in Vielfalt
Netzwerke sind eine strukturierte Interaktionsform. Wichtig ist hierbei, dass die einzelnen Akteure so wie auch die Interaktionsprozesse in sich stimmig und aufeinander abgestimmt sind. Akteure helfen anderen Akteuren, wenn sie eine Kultur des bewussten „Miteinander Füreinander“ entwickeln. Beziehungen sollten diesen bewussten Austausch fordern und fördern. Nur so entsteht eine Symbiose aus dem Einzelnen und dem Ganzen.

Zahnräder Netzwerk
Netzwerke ermutigen und ermöglichen. Das ist auch das Ziel des Zahnräder Netzwerks. Zahnräder ist eine unabhängige Plattform, die engagierte und aktive muslimische Multiplikatoren zusammenbringt und Wissenstransfer ermutigt und ermöglicht. Es ermutigt eine Mentalität des Austausches und bietet gleichzeitig die Möglichkeit dazu. Ein institutionalisiertes Netzwerk ist der dritte Faktor in unserer Gleichung: Drei mal drei mal drei sind 27.

Bewerben: Auf der Zahnräder Website kann man sich noch wenige Tage mit einem Projekt oder Vortrag für die Bundeskonferenz, die vom 7. bis 9. Oktober in Petershagen stattfindet, bewerben.

Die Mitwirkenden treten hierbei auf den verschiedenen Veranstaltungen wie der Bundeskonferenz oder den lokalen ZahnräderX Events nicht einfach als Konsumenten sondern als Produzenten auf. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer hat Wissen, Expertise und Erfahrung in einem Bereich anzubieten, kann den anderen etwas mitteilen und sie bereichern. Wichtig ist sich fortwährend zu fragen: Wie kann ich meinem Gegenüber helfen? Und: wie kann mein Gegenüber meinem Netzwerk helfen? Erst zuletzt stellt sich (vielleicht) die Frage: Wie kann mir geholfen werden?

Gesellschaft gemeinsam gestalten
Gleiches gilt für die Netzwerke untereinander. Auch zwischen ihnen wird Wissen geteilt. Getreu dem Verständnis: Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen. Strukturierte Netzwerke basierend auf einem bewussten Miteinander und leidenschaftlicher Sehnsucht, an unserer Gesellschaft mitzuwirken und sie mitzugestalten, tragen zu einer lebenswerten, chancengerechten und zukunftsfähigen Gesellschaft bei – hin zu einer Gesellschaft beruhend auf sozialer Nachhaltigkeit. In diesem Prozess hat keiner alleine eine alleinige Antwort, aber jeder hat Verantwortung. Wir alle haben Wissen. Wir alle können teilen. Jeder sollte versuchen, ein wenig Onkel Doktor zu sein.

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2 Kommentare
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  1. Ohjemine sagt:

    So sehr ich dass Projekt auch schatze, so sehr denke ich aber auch dass die junge Generation von Muslimen nun angespornt werden muss mit Menschen zusammenzuarbeiten, die aus einem anderen religiosen Hintergrund stammen. Es ist wieder ein muslimischer Club der mehr isoliert und Distanz schafft anstatt sich mit den jungen Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft an einen Tisch zu setzen und uber Belange zu reden die uns alle angehen. Ja wir als Muslime sind unterreprasentiert und missverstanden, aber gerade deswegen lohnt es sich den Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit Nichtmuslimen zu setzen. denn nur wenn man gemeinsam arbeitet klaren sich Vorurteile auf, lernt man einander kennen und erreicht mitunter was fur die Mehrheitsgesellschaft.

    In den 90ern waren wir die muslimischen Studenten an den hiesigen Unis ganz dreist und eifrig dabei Muslimische Studierendenvereine zu grunden und auch sonst waren wir in den muslimischen Gemeinden aktiv. Das war gut es, es war notig aber nun glaub ich ist diese Phase grosstenteils vorbei. Die Vereine koennen beibehalten werden aber der Schwerpunkt muss ein anderer sein. Wir mussen nun starker signalisieren und gemeinsam mit Nichtmuslimen erkennen wo unsere gemeinsamen Werte liegen (da hat naturlich auch unsere Religion grosses Potenzial) und gemeinsam mit unseren nicht-muslimischen Mitmenschen fur gesellschaftliche und gemeinschaftliche Ziele arbeiten.

    Die Projekte die in diesem Bereich entstehen kann man an den funf Fingern abzahlen.

    Das Zahnrader Netzwerk ist wirklich noch in den Kinderschuhen und so wie ich das bisher verfolgt habe sind es mehr Einzelpersonen und Einzelprojekte (muslime.tv etc) und zielt wieder nur auf eine muslimische Klientel ab, wobei naturlich auch Nichtmuslime aufgeklart werden durch den TV z. Bsp..

    Als Muslime mussen wir endliche begreifen, dass wir kollektive Personlichkeiten bilden mussen, Gemeinschaften in denen Menschen verschiedenen Hintergrunds zusammenkommen und ihre Krafte einbringen. Nur wenn die Allgemeinheit erkennt das Muslime sich fur alle interessieren und alle einbinden nur dann hat man wahrhaftig den islamischen Geist umgesetzt . In welchen unserer Organisationen arbeiten wir denn mit Nichtmuslimen gemeinsam Hand in Hand?

    Ich wunsche mir deshalb dass euer Netzwerk in Zukunft seinen Schwerpunkt verlagert und die Multiplikatoren sucht mit denen man aufgrund gemeinsamert werte aber unterschiedlichen religiosen Hintergrunds zusammen etwas erreichen kann.

    Muslimische Vereine schaffen mehr Isolation und Distanz als ihnen lieb ist aber Vereine in denen Christen und Muslime z.Bsp auf einer breiten Basis zusammenkomme, und die Pluralitat und Buntheit reflektieren, die der Koran selbst hochschatzt, die gibt es kaum.

  2. […] have just published an article on migazin.de about networks and social sustainability. Networks are described as institutionalized platforms […]



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