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Norbert Röttgen

Integrationspolitik ist nicht die Aufgabe des jeweils anderen

Was sollte man tun, damit Integration gelingt, wo liegen die Hürden, was sollten Migranten nicht tun? Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen erklärt im Gespräch mit dem MiGAZIN, dass Integrationspolitik nicht die Aufgabe des jeweils anderen ist.

Fatih Köylüoğlu: Warum engagieren Sie sich für die Integration in Deutschland?

Norbert Röttgen: Rund 15 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, haben einen Migrationshintergrund. Ein gedeihliches Zusammenleben setzt einen gelungenen Integrationsprozess voraus. Dass wir dafür gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, liegt ebenso im Interesse der deutschen Bürgerinnen und Bürger wie der Zuwanderer und ihrer Kinder, deren Zukunftschancen ganz wesentlich davon abhängen.

Köylüoğlu: Was sollen andere (Menschen, Organisationen etc.) tun, damit Integration gelingt?

Röttgen: Offen aufeinander zugehen, miteinander sprechen und dazu beitragen, dass das gegenseitige Verständnis – gerade auch im Hinblick auf kulturell bedingte Unterschiede – gefördert wird.

Köylüoğlu: Haben Sie Beispiele, was man innerhalb der Partei tun könnte, um Integration und politische Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte voranzutreiben?

Röttgen: Es gibt zahlreiche Beispiele für Menschen mit einem Migrationshintergrund, die in unserer Partei mitmachen, Verantwortung übernehmen, für Parteiämter und Mandate kandidieren und auf diese Weise dazu beitragen, dass Zuwanderer sich in der CDU und durch die CDU gut vertreten fühlen. Dies könnten aber noch viel mehr sein. Daran müssen wir arbeiten: Dadurch, dass wir die entsprechenden Themen aufgreifen – und vor allem durch persönliche Ansprache.

Köylüoğlu: Wo liegen Ihrer Meinung nach noch konkret die Hürden?

Röttgen: Möglicherweise fühlt sich der eine oder andere, der nicht christlich glaubt, von dem „C“ in unserem Parteinamen ausgeschlossen. Vielleicht wissen viele Migranten auch nicht, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, in der CDU mitzuarbeiten. Hier sind wir gefordert, Informationsarbeit zu leisten. Die CDU muss der spannendste Ort politischer Diskussion in Deutschland sein – auch für Menschen mit einem Migrationshintergrund.

Köylüoğlu: Welche Aufgaben sollten Europa, Bund, Länder und Kommunen übernehmen?

Röttgen: Alle politischen Ebenen müssen gemeinsam daran arbeiten, die Integration voranzutreiben und über die bestehenden Mitwirkungsmöglichkeiten zu informieren.

Köylüoğlu: Was sollten sie nicht tun?

Röttgen: Integrationspolitik als die Aufgabe des jeweils anderen betrachten.

Köylüoğlu: Können Sie sich vorstellen, wie Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in 10 Jahren zusammenleben?

Röttgen: Ich hoffe, dass es immer besser gelingen wird, wirklich mit-einander zu leben, und die Gefahr der Bildung von Parallelgesellschaften erfolgreich zu bannen. Dies ist unsere gemeinsame Aufgabe.

Köylüoğlu: Welche Erlebnisse und Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Integration?

Röttgen: Es gibt viele positive Beispiele für wirklich gutes und erfolgreiches Engagement. Dazu gehört auch der Arbeitskreis Migranten in der Union, der im Rhein-Sieg-Kreis unter Leitung von Dr. Andreas Wojcik eine vorbildliche Arbeit leistet.