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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Norbert Röttgen

Integrationspolitik ist nicht die Aufgabe des jeweils anderen

Was sollte man tun, damit Integration gelingt, wo liegen die Hürden, was sollten Migranten nicht tun? Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen erklärt im Gespräch mit dem MiGAZIN, dass Integrationspolitik nicht die Aufgabe des jeweils anderen ist.

VONFatih Köylüoğlu

 Integrationspolitik ist nicht die Aufgabe des jeweils anderen
geb. 1984 in Siegburg, VWL-Student an der Uni-Bonn. Er ist Integrationsbeauftragter der Jungen Union Siegburg, stellv. Vorsitzender der Migranten in der Union (MiU) und stellv. Vorsitzender des Integrationsrats in Siegburg.

DATUM24. August 2011

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RESSORTAktuell, Interview, Politik

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Fatih Köylüoğlu: Warum engagieren Sie sich für die Integration in Deutschland?

Norbert Röttgen: Rund 15 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, haben einen Migrationshintergrund. Ein gedeihliches Zusammenleben setzt einen gelungenen Integrationsprozess voraus. Dass wir dafür gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen, liegt ebenso im Interesse der deutschen Bürgerinnen und Bürger wie der Zuwanderer und ihrer Kinder, deren Zukunftschancen ganz wesentlich davon abhängen.

Köylüoğlu: Was sollen andere (Menschen, Organisationen etc.) tun, damit Integration gelingt?

Röttgen: Offen aufeinander zugehen, miteinander sprechen und dazu beitragen, dass das gegenseitige Verständnis – gerade auch im Hinblick auf kulturell bedingte Unterschiede – gefördert wird.

Köylüoğlu: Haben Sie Beispiele, was man innerhalb der Partei tun könnte, um Integration und politische Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte voranzutreiben?

Röttgen: Es gibt zahlreiche Beispiele für Menschen mit einem Migrationshintergrund, die in unserer Partei mitmachen, Verantwortung übernehmen, für Parteiämter und Mandate kandidieren und auf diese Weise dazu beitragen, dass Zuwanderer sich in der CDU und durch die CDU gut vertreten fühlen. Dies könnten aber noch viel mehr sein. Daran müssen wir arbeiten: Dadurch, dass wir die entsprechenden Themen aufgreifen – und vor allem durch persönliche Ansprache.

Köylüoğlu: Wo liegen Ihrer Meinung nach noch konkret die Hürden?

Röttgen: Möglicherweise fühlt sich der eine oder andere, der nicht christlich glaubt, von dem „C“ in unserem Parteinamen ausgeschlossen. Vielleicht wissen viele Migranten auch nicht, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, in der CDU mitzuarbeiten. Hier sind wir gefordert, Informationsarbeit zu leisten. Die CDU muss der spannendste Ort politischer Diskussion in Deutschland sein – auch für Menschen mit einem Migrationshintergrund.

Köylüoğlu: Welche Aufgaben sollten Europa, Bund, Länder und Kommunen übernehmen?

Röttgen: Alle politischen Ebenen müssen gemeinsam daran arbeiten, die Integration voranzutreiben und über die bestehenden Mitwirkungsmöglichkeiten zu informieren.

Köylüoğlu: Was sollten sie nicht tun?

Röttgen: Integrationspolitik als die Aufgabe des jeweils anderen betrachten.

Köylüoğlu: Können Sie sich vorstellen, wie Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte in 10 Jahren zusammenleben?

Röttgen: Ich hoffe, dass es immer besser gelingen wird, wirklich mit-einander zu leben, und die Gefahr der Bildung von Parallelgesellschaften erfolgreich zu bannen. Dies ist unsere gemeinsame Aufgabe.

Köylüoğlu: Welche Erlebnisse und Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Integration?

Röttgen: Es gibt viele positive Beispiele für wirklich gutes und erfolgreiches Engagement. Dazu gehört auch der Arbeitskreis Migranten in der Union, der im Rhein-Sieg-Kreis unter Leitung von Dr. Andreas Wojcik eine vorbildliche Arbeit leistet.

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3 Kommentare
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  1. Pragmatikerin sagt:

    Ich finde es befremdlich, dass hier unter dem Stichwort „Integ5ration“ ein Posting von mir gelöscht wurde, obwohl es sehr gelungene Integrationen von 10.000 türkischen Gastarbeiterinnen der 1. Generation aufgezeigt hat und den heutigen – meist kopftuchtragenden – Türkinnen einen Spielge vorhalten sollte, wie man es nicht machen sollte, wenn man in eine andere Kultur kommt.

    Die Sendung „Report München“ hat gesterhn, am 18.10.2011 eine Sendung unter dem nachstehenden Link gebracht, wo es um diese mutigen und anpassungswilligen Türkinnen ging. (Mediathek, ab 21.00 Uhr)……….

    DasErste Mediathek [ARD] – report MÜNCHEN – Livestream der ….

    Ich bin der Meinung, dass diese Frauen der ersten Gastarbeitergeneration auch hier im Migazin gewürdigt werden sollten!!!

    Pragmatikerin

  2. Pragmatikerin sagt:

    Nachtrag:

    Dieser Link funktioniert besser; Ich finde, dieser Beitrag über die tausenden von türkischen Gastarbeiterinnen, welche hier gearbeitet und gelebt haben (die meisten sind heute 60, 70 und 80 Jahre alt) überaus sehenswert, denn es widerlegt die Aussage, diese Frauen hätte es als Einwanderinnen nie gegeben!!!

    Pragmatikerin

    ARD Mediathek: report MÜNCHEN – Allein in Deutschland: Das ….

  3. unpragmatisch sagt:

    liebe pragmatikerin,
    mich stört dein satz folgender satz sehr: „heutigen – meist kopftuchtragenden – Türkinnen einen Spielge vorhalten sollte, wie man es nicht machen sollte, wenn man in eine andere Kultur kommt.“

    es sollte in diesem land (und überall) gleichbehandlung und gleichberechtigung gegenüber allen menschen herrschen – von gesellschaft und politik. ich verstehe nicht, wieso man es menschen verbieten möchte, ein kopftuch zu tragen. ich verstehe ebenso nicht, wieso menschen vorgeworfen wird, sich nicht integrieren zu wollen. in deutschland leben viele menschen in ihren eigenen subkulturen, niemandem wird vorgeworfen, sich der „mehrheitskultur“ (die da wäre??) anzupassen. punks mit grünen haaren sind genauso in einer anderen lebensrealität wie millionäre an der hamburger alster, wie hafenarbeiter, wie bauern, studenten, wie friseure oder oder oder oder… niemand wird gezwungen, sich in die lebensmilieus der anderen zu begeben. daher verstehe ich auch nicht, wieso menschen mit migrationshintergrund vorgeworfen wird, dass sie sich angeblich nicht „integrieren“. wieso ist integration denn, wenn man das kopftuch ablegt? oder sich wie menschen benimmt, wie die man sich aber nicht benehmen will. und sonst aber nichts tut, was diesem land oder allen menschen, die hier leben, schadet. die frauen, die das kopftruch tragen, egal aus welchem grund, und egal ob du das persönlich gut oder schlecht findest, haben alles recht, dies zu tun. und ein stück stoff auf ihrem kopf hindert sich keineswegs an integration – höhstens weil menschen wie du sie ablehnen und sie nicht integrieren wollen. denn zu integration gehören auch immer zwei seiten.



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