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Migration und Integration in Deutschland

Nur die wenigsten dieser deutschen Arbeiter werden in dieser Situation mit den Ausländern solidarisch sein. Die meisten werden sich aggressiv von den Ausländern abgrenzen und bei ihnen die Verantwortung für die eigene schlechte Position suchen.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

TV-Tipps des Tages

14.08.2011 – Juden, Israel, Islam, Integration, Religion, Pakistan

TV-Tipps des Tages sind: Hochzeit mit Hindernissen:Jüdischer Sommer im SWR; Üsi Badi – Ein Sommer am See; Gesichter des Islam: Männer und Frauen; Der rote Sufi: Rausch und Ekstase in Pakistan – Dokumentarfilm von Martin Weinhart, Deutschland 2009

VONÜmit Küçük

DATUM14. August 2011

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Hochzeit mit Hindernissen
Gottesstaat Israel? – Jüdischer Sommer im SWR- Avri Gilad ist Medienstar. In Israel kennt ihn jedes Kind. In seinem Nebenberuf ist Avri Gilad in seiner Heimatstadt Tel Aviv aber auch so etwas wie ein inoffizieller Standesbeamter.

Wenn er gerade nicht als Fernsehshowmaster und Radiomoderator sein Geld verdient, leitet er Hochzeiten für nichtreligiöse Paare, die sich partout nicht von einem Rabbiner trauen lassen wollen, wie es in Israel vom Staat vorgeschrieben ist. Dass im Staat der Juden kein Jude ohne einen Rabbiner heiraten kann, hält Gilad für einen Skandal, für Teil einer Strategie, sein Land zum „Gottesstaat Israel“ zu machen. Für ihn als weltlichen Juden droht der jüdische Staat längst zur Beute der Orthodoxen zu werden.

Auf der anderen Seite: David Shapira. Er ist orthodoxer Rabbiner in Jerusalem und leidenschaftlicher Verfechter eines Israels, das streng nach Gesetzen des Judentums funktioniert. Auch für ihn sind die Hochzeiten dabei ein entscheidender Punkt: „In dem Moment, in dem wir, die orthodoxen Rabbiner, das Monopol für Heiratszeremonien aus der Hand geben, öffnen wir die Tür für Mischehen. Damit ebnen wir den Weg für die Zerstörung des jüdischen Volkes, und das ausgerechnet in Israel. Das ist doch absurd: Ein jüdischer Staat kann nie ein Staat wie jeder andere sein.“

Unbeteiligt und doch direkt mitbetroffen: die Muslime und Christen. Für Jafar Farah, einen Aktivisten für arabische Bürgerrechte, ist Rabbi Shapiras Position reiner Rassismus. Farah, der ein Zentrum für die Gleichberechtigung arabischer Israelis leitet, fordert „einen Staat, der ohne Unterschied für alle Bürger da ist.“ In Israel hat sich der Konflikt zwischen den Ultraorthodoxen und den Nichtreligiösen verschärft: ein Kulturkampf zwischen denen, die die Demokratie in Gefahr sehen, und denen, die einen Gottesstaat wollen, in dem Rabbiner das Sagen haben und Minderheiten wie Araber nichts mehr zu suchen haben. Es ist die zentrale Frage der Identität Israels, und die erhitzt die Gemüter auf allen Seiten.

Der selbst in Israel lebende Filmemacher Uri Schneider zeichnet in seiner Dokumentation drei Porträts völlig unterschiedlicher Israelis: eines orthodoxen Rabbiners, eines arabischen Bürgerrechtlers und eines liberalen Medienstars – eine Gesellschaft, die 60 Jahre nach der Staatsgründung Israels immer noch auf der Suche nach sich selbst ist. (10:30-11:00 • SWR BW, SWR RP, SWR SR)

Üsi Badi – Ein Sommer am See (5/7)
Dokumentation (Gesellschaft – Lebensstile/-entwürfe) – Während einiger Wochen leben und arbeiten mehrere Menschen mit geistiger Behinderung in einem idyllischen Strandbad am Bodensee – im Strandbad Bruggerhorn in Sankt Margrethen – zusammen mit dem Team, das dort immer tätig ist. Wie werden sich die neuen Mitarbeiter zurechtfinden, wie werden sie vom Team der Badeanstalt aufgenommen, wie reagieren die Gäste? Wie reibungslos erfolgt die Integration, und wie wird die Stimmung untereinander sein? Die siebenteilige Dokumentationsreihe „Üsi Badi“ begleitet das Projekt. Im fünften Teil kommt das Open-Air-Kino zu Besuch ins Strandbad. Eine neue Herausforderung: Die Mitwirkenden müssen sich mit Lautsprecherboxen, Kabeln und Stativen herumschlagen. Eine Leinwand muss montiert und die Bestuhlung aufgestellt werden – Vielseitigkeit, aber auch Muskelkraft sind gefragt. (15:15-16:00 • 3sat)

Gesichter des Islam
„Männer und Frauen“ zeigt Musliminnen und Muslime und das Selbstverständnis der Geschlechter in Marokko, Deutschland und Saudi-Arabien. In der Königsstadt Fes erleben wir eine traditionelle Hochzeit und die Ehe als nach wie vor verpflichtende islamische Lebensweise. Beim Jahrestreffen der Muslimischen Jugend Deutschland diskutieren junge Leute im hessischen Bad Orb Fragen von Beziehung und Religion. In Fes erleben wir die junge Designerin Faouzia Anafi als Chefin von sechs Männern und als gehorsame Tochter, während unweit der 1000 Jahre alten Moschee die Hip-Hopper der Gruppe F’assi – gläubige und in ihre Familien integrierte junge Leute – ihre Beats durch die Gassen schallen lassen. In einem Haus für ledige Mütter in Casablanca zeigt sich die harte Seite der Lebensrealität muslimischer Frauen. Zerah Yilmaz, Leiterin der Begegnungsstätte der neuen Moschee in Duisburg-Marxloh, verblüfft mit offenen Worten, während junge Männer und Frauen in Saudi-Arabien mit dem Segen des Königs in einen ersten Dialog treten „Glaube und Kultur“ spürt den religiösen Grundlagen und der Vielfalt der muslimischen Welt nach – von der laizistischen Türkei über das fundamentalistische Saudi-Arabien bis nach Indonesien mit seinem bunten Mix an Religionen. Die „Fünf Säulen des Islams“ haben alle gemeinsam: Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, das Almosengeben und die Pilgerfahrt nach Mekka. Daneben herrscht Vielfalt: In Istanbul beginnt eine junge Familie den Tag mit dem Einkauf des festlichen Prinzengewandes für die Beschneidung des dreijährigen Sohnes Efe. Wir erleben junge Rockmusiker zwischen Glauben und Selbstverwirklichung. In der Wüste Saudi-Arabiens pflegen Beduinen, wie zu Zeiten des Propheten, das einfache Leben der Kamelzüchter. In Mekka umrunden Pilger die Kaaba, den zentralen Ort der Muslime, und in Indonesien führt die Schwester des Sultans von Cirebon durch die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Propheten. In Istanbul leitet die Architektin Nilgün Olgun die Restaurierungsarbeiten in der prächtigen Süleymaniye-Moschee, und in einer religiösen Eliteschule üben sich Halbwüchsige in Anzug und Krawatte in Koranrezitation, büffeln Englisch und pauken moderne Naturwissenschaften. (16:30-17:00 • WDR)

Der rote Sufi
Dokumentarfilm (Gesellschaft – Religion, Kirche) – Dokumentarfilmzeit – Rausch und Ekstase in Pakistan – Dokumentarfilm von Martin Weinhart, Deutschland 2009.

Über eine halbe Million singende und tanzende Pilger verwandeln das Städtchen Sehwan Sharif im Süden Pakistans alljährlich in einen Ort der Ekstase. Hier wird ein rauschhaftes Fest zu Ehren des Sufi-Heiligen Lal Shabaz Qalandar gefeiert. Beim karnevalesken Treiben tummeln sich Derwische und Flagellanten, Wanderprediger und Transvestiten. Der mystische Islam setzt hier den Taliban und der Orthodoxie seine überschäumende Daseinsfreude entgegen. Schiiten und Sunniten, Hindus und Christen, Arrivierte und Außenseiter, Frauen und Hidschras – Vertreter des dritten Geschlechts -, Arme und Reiche vermischen sich an den fünf Tagen der „Mela“ und bringen die ganze Stadt zum Tanzen. Der Ethnologe Jürgen Wasim Frembgen setzt sich seit Jahren intensiv mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Sufismus auseinander und hat diesen „dionysischen Rave“ schon mehrfach als Pilger begleitet. Sein Erfahrungsbericht „Am Schrein des roten Sufi“ wurde von der „Süddeutschen Zeitung“ gefeiert als „das Großartigste, was die deutsche Völkerkunde seit Jahrzehnten hervorgebracht hat“. Der Dokumentarfilmer Martin Weinhart hat ihn auf einer seiner Pilgerreisen begleitet. „Der rote Sufi“ führt in eine Welt sinnlich-religiöser Verzückung und zeigt dabei die unbekannte Seite Pakistans. (21:45-22:45 • 3sat)

Einsame Kinder in Rumänien
In den ländlichen, armen Gegenden Rumäniens herrscht große Arbeitslosigkeit. Viele Frauen gehen ins Ausland, um dort zu arbeiten, und ihre Kinder sind dann monatelang allein.

Die Familien leben vom Nötigsten und manchmal haben sie nicht mal das. Während die Männer in irgendeinem Job versuchen, etwas Geld zu verdienen, bietet sich für die Frauen die Alternative, als Pflege- und Haushaltshilfen ins Ausland zu gehen, nach Italien oder Spanien. Sie leben dann monatelang von der Familie getrennt. Darunter leiden vor allem die Kinder. Ihre Seele ist verletzt, sie wissen mit ihrem Kummer nicht wohin. Gerade Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren begehen in ihrer Not oft Selbstmord.

Der Film spürt sensibel und einfühlsam solchen Familienschicksalen nach. Immer noch fassungslos berichten Väter, Mütter und Großmütter von ihren verloren gegangenen Kindern und benennen die Ursache in der inhumanen Sozialpolitik des Landes. (23:35 • MDR Sachsen, MDR Sachsen-Anhalt, MDR Thüringen)

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